Archiv der Kategorie: Geschichte

Erinnerungsorte auf dem Horster Süd-Friedhof

Am 9. November 2003 übergab der damalige Oberbürgermeister Oliver Wittke (CDU) im Rahmen der jährlichen Gedenkfeier der Demokratischen Initiative (DI) die Informationstafel der Öffentlichkeit, die den anonymen Opfern ihren Namen wiedergibt.

In diesem Jahr jähren sich zum 75. Mal die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz durch die Rote Armee am 27. Januar 1945 und die Befreiung Europas vom Faschismus am 8. Mai 1945 sowie zum 100. Mal der Kapp-Putsch vom 13. März 1920 und die darauffolgende Märzrevolution 1920. Auf dem Friedhof Horst-Süd befinden sich drei Denkmale aus der unmittelbaren Nachkriegszeit, die an die Ereignisse erinnern. Die Fotos entstanden im Rahmen der Antifaschistischen Stadtrundfahrt, die Die Linke am 26. Januar 2020 im Rahmen der Aktionswochen zum Holocaust-Gedenktag des Gelsenkirchener Aktionsbündnisses gegen Rassismus und Ausgrenzung durchführte.

Wie überall in Nazi-Deutschland wurden auch in Gelsenkirchen an vielen Orten sowjetische Kriegsgefangene und andere Sowjetbürgerinnen und -bürger Opfer der faschistischen Ausbeutungs- und Vernichtungspolitik (siehe zum Beispiel hier, hier und hier). Auf dem Gelände des in der Nacht vom 12./13. Juni 1944 stark beschädigten Jüdischen Friedhofs der Horster Juden aus dem Jahre 1920 wurden Massengräber angelegt, in denen Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion beerdigt wurden, die zum Beispiel auf der Zeche Nordstern oder im Hydrierwerk der Gelsenberg Benzin AG Zwangsarbeit leisten mussten. Nach Kriegsende wurden hierhin weitere sowjetische Tote umgebettet. Auf Veranlassung des Alliierten Kontrollrates, der die Regierungsgewalt nach der bedingungslosen Kapitulation Nazi-Deutschlands übernommen hatte, wurde der Gedenkstein aufgestellt, der in kyrillischer Schrift an die 884 sowjetische Bürger erinnert, „die in der faschistischen Gefangenschaft in der Zeit von 1941 bis 1945 umgekommen sind“. Die genaue Zahl war erst 1970 nachgetragen worden.

Grabstätte für sowjetische Zwangsarbeiter aus der unmittelbaren Nachkriegszeit.

Zu den kriegswichtigen Betrieben gehörte die Gelsenberg Benzin AG (heute BP). 1936 als Tochtergesellschaft der Gelsenkirchener Bergwerks-AG gegründet, lieferte es ab Sommer 1939 Benzin mit Kohle aus der Schachtanlage Nordstern 3/4. Während des alliierten Luftangriffs vom 13. Juni 1944 wurde das Hydrierwerk so schwer getroffen, dass die Produktion gestoppt wurde. Für die Beseitigung der Schäden wurde eines der vielen Außenlager des KZ Buchenwald eingerichtet. Mit etwa 2000 ungarische Jüdinnen, die nach der deutschen Besetzung Ungarns im März 1944 zuerst ghettoisiert und nach Auschwitz deportiert worden waren, wurde das KZ-Außenlager am 4. Juli 1944 errichtet. Untergebracht waren sie nördlich des Linnenbrinksweg auf dem Betriebsgelände des Werkes in Zelten in einem mit Stacheldraht umzäunten und von Wachtürmen umgebenen Lager. Die Mädchen und Frauen mussten bei karger Ernährung 12 Stunden täglich harte körperliche Zwangsarbeit verrichten.

Grab und Mahnmal KZ Buchenwald Außenlager Gelsenberg (1948).

Bereits im August wurden 520 Frauen in ein weiteres Buchenwalder KZ-Außenlager in der Essener Humboldtstraße für die Zwangsarbeit in den Krupp-Walzwerken selektiert. Am 11. September 1944 wurden die hier verbliebenen Frauen Opfer eines weiteren Luftangriffs auf das Hydrierwerk, dabei kamen etwa 150 ums Leben und etwa 100 weitere von ihnen wurden verletzt. Dies lag nicht zuletzt daran, dass den jüdischen Frauen der Zutritt zu den Schutzbunkern verboten war und sie dem Bombenhagel schutzlos ausgeliefert waren. Das Lager wurde schließlich am 14./15. September 1944 aufgelöst und die Frauen für die Firma Rheinmetall Borsig AG nach Sömmerda in Thüringen deportiert. Im Marien-Hospital in Gelsenkirchen-Rotthausen konnten dank des Einsatzes des Chefarztes Dr. Rudolf Bertram und mit Hilfe von Krankenschwestern und Unterstützern 17 schwerverletzte Frauen vor der Gestapo versteckt werden und erlebten so die Befreiung vom Faschismus.

Am 16. September 2018 wurde das Mahnmal mit einer Skulptur ergänzt, die von angehenden Steinmetzen des Hans-Schwier-Berufskollegs Gelsenkirchen erarbeitet und gefertigt worden war.

Die sterblichen Überreste der ums Leben gekommenen Frauen wurden zunächst auf dem Lagergelände verscharrt, am 14. Juli 1948 wurde hier durch das jüdische Hilfskomitee der Gedenkstein aufgestellt. In den 1950er Jahren wurde das Mahnmal auf den Horster Süd-Friedhof verlagert und die sterblichen Überreste der Frauen umgebettet. Am 9. November 2003 übergab der damalige Oberbürgermeister Oliver Wittke (CDU) im Rahmen der jährlichen Gedenkfeier der Demokratischen Initiative (DI) die Informationstafel der Öffentlichkeit, die den anonymen Opfern ihre Namen wiedergibt. Am 16. September 2018 wurde das Mahnmal mit einer Skulptur ergänzt, die von angehenden Steinmetzen des Hans-Schwier-Berufskollegs Gelsenkirchen erarbeitet und gefertigt worden war. Aus Anlass des 75. Jahrestages der Selbstbefreiung des KZ Buchenwalds wird die VVN-BdA NRW gemeinsam mit ihren Kreisvereinigungen am 18./19. April 2020 Veranstaltungen an mehreren Außenlagern des KZ Buchenwalds an Rhein und Ruhr durchführen.

Das sogenannte „Kapp-Putsch-Mahnmal“, 1947/48 von der VVN errichtet, hier in sehr schlechtem Zustand.

An den Arbeiterwiderstand gegen den Faschismus des Jahres 1920 und der Jahre 1933 bis 1945 erinnert schließlich das 1947/48 von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) errichtete Denkmal. Es wird vom Institut für Stadtgeschichte (ISG) – nicht überraschend – als „Kapp-Putsch-Mahnmal“ bezeichnet. Tatsächlich erinnert es erneut an die 1920 im Anschluss an den Kapp-Putsch von rechtsradikalen Freikorps ermordeten Mitglieder der „Roten Ruhrarmee“ (das ursprüngliche Denkmal war von den Nazis zerstört worden) und an Horster Widerstandskämpfer 1933-1945, insbesondere der Franz-Zielasko-Gruppe. Eine jährliche Gedenkveranstaltung an die Märzrevolution 1920 führen hier seit Jahren MLPD & Freunde durch, in diesem Jahr ist anlässlich der 100. Jahrestages eine gemeinsame Veranstaltung von DKP, Die Linke und MLPD geplant. Details liegen noch nicht vor.

Quellen und weiterführende Informationen
https://www.gelsenkirchener-geschichten.de/wiki/Friedhof_Horst-Süd
http://www.gelsenzentrum.de/gelsenberg_lager.htm
https://www.lokalkompass.de/gelsenkirchen/c-kultur/das-kz-aussenlager-buchenwald-in-gelsenkirchen-horst_a88752

Was für eine „Märzrevolution 1920“?

Lucas, Erhard: Märzrevolution 1920, Berlin 2019, 2 Bände

Anlässlich des 100. Jahrestages der Märzrevolution 1920 im Ruhrgebiet hat sich der Verlag „Die Buchmacherei“ der Mamut-Aufgabe gestellt, das vergriffene Standardwerk von Erhard Lucas zu den gerne verdrängten und vergessenen Ereignissen wieder aufzulegen. Der Historiker Erhard Lucas hat sich aus einem linken Erkenntnisinteresse heraus insbesondere mit der Geschichte der Arbeiterbewegung zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Zeit des Faschismus beschäftigt. „Märzrevolution 1920“ kann als sein Hauptwerk betrachtet werden.

In der Einleitung beschreiben die Herausgeber ihr Interesse an der Neuherausgabe: „Gegen eine demokratisch gewählte Regierung putscht ein Teil der Armee, und der andere Teil verweigert der Regierung die Unterstützung. Diese flieht. In vielen Landesteilen wird der Generalstreik ausgerufen. Im Industriezentrum des Landes werden die Betriebe besetzt, und mehrer Tausend Arbeiter bewaffnen sich, greifen die Putschisten an und besiegen reguläre Truppen im offenen Kampf. Neugebildete Vollzugsräte übernehmen die öffentliche Gewalt und es bildet sich eine ‚Rote Armee‘ mit – nach unterschiedlichen Quellen – 50.000 bis 100.000 Kämpfern, bestehend aus Sozialdemokraten, Unabhängigen, Kommunisten und Syndikalisten. Die Rede ist nicht von Spanien 1936, sondern vom Ruhrgebiet im März 1920.

Nach der Niederschlagung des Rechts-Putsches ging die Reichsregierung zusammen mit den Einheiten, die sie im Stich gelassen hatten, gegen ihre Retter vor. Die Reaktion nahm blutige Rache. Wie ist es zu diesem Aufstand gekommen und was waren die Gründe seines Scheiterns? Wieso war 1920 möglich, was 1933 gegen die Nazis nicht gelang? Erhard Lucas (1937-1993) hat dazu in 3 Bänden ‚Märzrevolution 1920‘ eine Geschichte der Ereignisse vorgelegt.“

Aus den ursprünglich drei in den 1970er Jahren veröffentlichten Bänden machte die Berliner Buchmacherei zwei dicke Bände mit zusammen über 1.200 Seiten. Sie sind mit der ISBN 978-3-9820783-2-8 zum Preis von 40 Euro im örtlichen Buchhandel erhältlich. Man kann natürlich auch eine linke Buchhandlung unterstützen, und die Bände dort bestellen (z.B. hier), falls sie nicht ohnehin vorrätig sind. Gefördert wurde die Veröffentlichung durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung.

1947/48 auf dem Friedhof Horst-Süd von der VVN errichtetes Denkmal für den antifaschistischen Widerstand, zur Erinnerung an die 1920 im Anschluss an den Kapp-Putsch von rechtsradikalen Freikorps ermordeten Mitglieder der „Roten Ruhrarmee“ und ergänzt um Horster Widerstandskämpfer 1933-1945, insbesondere der Franz-Zielasko-Gruppe.

In Gelsenkirchen erinnert ein antifaschistisches Denkmal auf dem Horster Südfriedhof an die historischen Ereignisse und wird vom Institut für Stadtgeschichte (ISG) – nicht überraschend – als „Kapp-Putsch-Mahnmal“ bezeichnet. Eine jährliche Gedenkveranstaltung an die Märzrevolution führen dort seit Jahren MLPD & Freunde durch. Zum einhundertjährigen Jubiläum ist aus ihren Reihen sicherlich eine besondere Veranstaltung zu erwarten.

„Brennende Ruhr“

Veröffentlichung des RuhrEcho-Verlags, Bochum 2010.

Im nächsten Jahr jähren sich zum hundertsten Mal der Kapp-Putsch gegen die demokratisch gewählte Reichsregierung, der sich anschließende Generalstreik, der die Putschisten zum Aufgeben zwang, die Bewaffnung der Arbeiter im Ruhrgebiet zur „Roten Ruhrarmee“ und die Niederschlagung der „Märzrevolution“ durch Reichswehr und rechtsradikale Freikorps im Auftrag der SPD-geführten Reichsregierung. Der 1927 von Karl Grünberg verfasste „Roman aus der Zeit des Kapp-Putsches“ schildert vor diesem Hintergrund die Erlebnisse und Erfahrungen des sozialdemokratischen Werkstudenten Ernst Sukrow. Die politische Absicht des Romans ist es, zu zeigen, dass die Spaltung der Arbeiterbewegung zu ihrer Niederlage führte. Grünberg schildert die damalige Zeit plastisch und eindrucksvoll und macht so ein Stück Geschichte des Ruhrgebietes lebendig. Der Roman ist zugleich Zeitdokument und literarisches Werk.

Der Autor des Romans, Karl Grünberg, hat die Spaltung der Arbeiterbewegung selbst erlebt. 1891 in Berlin geboren, trat er 1911 der SPD bei, die sich während des Ersten Weltkrieges an der Zustimmung zu den Kriegskrediten entzweite, wechselte 1919 zur USPD und 1920 zur KPD. Er war 1928 Mitbegründer des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller und gehörte zu den Autoren, deren Bücher die Nazis am 10. Mai 1933 verbrannten. Zeitweise im KZ Sonnenburg inhaftiert, war er von 1943 bis 1945 als Feuerwehrmann in Essen und Berlin dienstverpflichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte und arbeitete er als Journalist und Schriftsteller in der DDR, wo er 1972 starb.

Der Protagonist, Ernst Sukrow, ist ein mittelloser ehemaliger Student der Chemie, der sich nach den Wirren am Ende des ersten Weltkrieges durchschlägt. Im Zug nach Duisburg, wo er im Kohlenbergbau des Ruhrgebietes Arbeit zu finden hofft, begegnet er dem Betriebsrat der Zeche Hasdrubal I, Peter Ruckers, sowie der Fabrikantentochter Gisela Zenk. Die Diskussion während eines Zugstillstandes zeigt zugleich einen ersten Aufriss der tagesaktuellen Probleme, unter anderem Kohlenmangel und geforderte Überstundenschichten der Bergleute, und den dahinterstehenden Interessensgegensatz zwischen Kapital und Arbeit. Ruckers nimmt sich des jungen Studenten an, steigt mit ihm in Oberhausen aus, um mit der Straßenbahn weiter in das fiktive Swertrup zu fahren. Sukrow kommt zunächst bei der Familie Ruckers unter, neben dem Ehepaar Ruckers gehören noch der Sohn Hannes, die Tochter Mâry und der Kriegsversehrte Ludwig zur Familie. Zwei weitere Kinder sind bereits als Kleinkinder gestorben. Da trotz geforderter Überstundenschichten keine Bergleute eingestellt werden, nimmt Sukrow im Stahlwerk Flaschner eine Arbeit an, lädt dort Schrott ab und siedelt bald in das Junggesellenheim des Stahlwerks über. Hier lernt Sukrow, der mit der SPD sympathisiert und bald auch dort Mitglied wird, den Kommunisten Max Grothe kennen. Später begegnet er noch dem Gewerkschaftssekretär des Bergarbeiterverbandes, Reese, und dem örtliche SPD-Vorsitzenden, Stadtverordneten und Eisenbahnbetriebsrat Oversath. Mit dem „Unabhängigen“ Ruckers (USPD) ist damit die örtliche Arbeiterbewegung aus Gewerkschaften, SPD, USPD und KPD personalisiert.

Die deutschnationale Seite wird durch den technischen Leiter der Gießerei, Dr. Grell, und das bald wieder auftauchende Fräulein Gisela Zenk repräsentiert. Zenk ist Ehrenmeisterin im „Rugard“, einem fiktiven, deutschnationalen Kampfbund. Zunächst hat Sukrow das Glück, von Dr. Grell als Laborant im Stahlwerkslaboratorium eingestellt und damit der unerträglichen Arbeit des Schrottabladens zu entkommen. Hier trifft er unter anderem auf den national gesinnten Laboranten Walter Peikchen, der ebenfalls Mitglied des Rugard-Bundes ist. Unterdessen erlebt Sukrow die brutale Gewalt der berittenen Polizei gegen unbewaffnete, streikende Arbeiter, trifft Mâry Ruckers wieder und zieht in die Pension des Ehepaares Schapulla. Auf einem geselligen Abend der Einwohnerwehr von Herrn Schapulla mitgenommen, lernt er nicht nur die Töchter von Reese und Oversath kennen, sondern auch den Bergassessor Kuhlenkamp, der, wie sich später herausstellte, ebenfalls für den Rugard arbeitet.

Als Sukrow seine erste Mitgliederversammlung der SPD besucht, erfährt er dort, dass in Berlin der Generallandschaftsdirektor Kapp, General Lüttwitz und Hauptmann Papst gegen die Reichsregierung putschen. Doch die Diskussion dort enttäuscht ihn schwer. Am nächsten Tag erfährt er, dass die Reichswehr sich nicht für die bestehende Regierung einsetzt und die Regierung zum Generalstreik aufruft. Die Vertreter der verschiedenen Parteien und Gewerkschaften der Arbeiterbewegung bilden einen Aktionsausschuss und organisieren den Generalstreik in Swertrup. Interessanterweise wurde zeitgleich die bürgerliche Einwohnerwehr alarmiert – jedoch ohne die sozialdemokratischen Mitglieder zu informieren. Doch es gelingt im weiteren Verlauf den Arbeitern den ängstlichen Mitgliedern der Einwohnerwehr, die strategisch wichtige Positionen in der Stadt besetzt halten, die Waffen abzunehmen und sich selbst zu bewaffnen.

Brennende Ruhr, zweite Auflage 1947, DVD 2011, Raubdruck aus den 1970er Jahren.

Die Ereignisse im Roman nehmen ihren geschichtlichen Verlauf mit der Auseinandersetzung zwischen den bewaffneten Arbeiterwehren, die eine „Rote Ruhrarmee“ bilden sowie der Reichswehr, die zwar die Republik nicht gegen die rechten Putschisten schützt, wohl aber gegen bewaffnete Arbeiter vorgeht, und den rechtsradikalen Freikorps. Ernst Sukrow schließt sich den Arbeitern an und erlebt die Kämpfe und die Niederlage mit. Die einrückenden Truppen machen kurzen Prozess, richten Standgerichte ein und nehmen Erschießungen vor, unter den Erschossenen sind auch Oversath und Ruckers.

Der Roman schließt mit einer Wiederbegegnung zwischen Ernst Sukrow und dem tot geglaubte Kommunisten Max Grothe in der alten Rheinstadt Köln. Neben der politischen Einordnung der Ereignisse, die für den enttäuschten Sukrow natürlich anders ausfallen muss, als für den überzeugten Kommunisten Grothe, erfährt Sukrow auch vom Tod Mâry Ruckers.

„Brennende Ruhr“ erschien zuerst 1927 in verschiedenen Zeitungen in Fortsetzung und 1929 als Roman im Greifenverlag, Rudolstadt. Von den Nazis verbrannt folgte die zweite Auflage des Romans erst zwanzig Jahre später in der früheren DDR. In seinem Vorwort beschrieb Grünberg 1947 seine Motivation, statt eines abstrakt-politischen Buches eine fesselnde Erzählung zu schreiben, um so eine größere Breitenwirkung in der Darstellung politischer Probleme zu erreichen.

Der Roman wurde 1967 als aufwendiger Zweiteiler von der DEFA mit den Mitteln des Kinofilms für das DDR-Fernsehen anlässlich des 50. Jahrestages der russischen Oktoberrevolution verfilmt. Die inzwischen verfügbare DVD-Veröffentlichung aus dem Jahre 2011 enthält neben einem Portrait des Schriftstellers Karl Grünberg auch einen 40minütigen Beitrag mit Lieder und Geschichten der Brecht-Interpretin Vera Oelschlegel, die im Film die Rolle der Gisela Zenk spielt.

Ein weiteres mir vorliegendes Exemplar des Romans stammt aus dem Jahr 1971. Dabei handelt es sich um einen Raubdruck, herausgegeben vom KAB(ML), einer linken Splittergruppe der alten Bundesrepublik der 1970er Jahre. In dem damals hinzugefügten, schreibmaschinengeschriebenen Vorwort wird auf die Streiks der Stahlarbeiter 1969 hingewiesen und der Roman in Beziehung zu den damals tagesaktuellen Ereignissen gesetzt.

Die jüngste Ausgabe erschien 2010 im RuhrEcho Verlag in unserer Nachbarstadt Bochum mit einem Geleitwort von Hella Schermer-Grünberg, der Tochter von Karl Grünberg, einer aktualisierten Zeitleiste sowie einem umfangreichen überarbeiteten Glossar. Der komplette Roman ist auch gewissermaßen sozialisiert im Internet bei „Nemesis – Sozialistisches Archiv für Belletristik“ kostenfrei zu lesen.

In Gelsenkirchen erinnert ein Denkmal auf dem Horster Südfriedhof an die historischen Ereignisse und wird vom Institut für Stadtgeschichte (ISG) als „Kapp-Putsch-Mahnmal“ bezeichnet. Eine jährliche Gedenkveranstaltung an die Märzrevolution führen dort seit Jahren MLPD & Freunde durch. In diesem Jahr findet die Gedenkfeier am Samstag, 30. März 2019 von 13.30 bis 14.30 Uhr statt. Treffpunkt ist der Eingang zum Friedhof, Am Schleusengraben 11 um 13.15 Uhr.

1947/48 auf dem Friedhof Horst-Süd von der VVN errichtetes Denkmal für den antifaschistischen Widerstand, zur Erinnerung an die 1920 im Anschluss an den Kapp-Putsch von rechtsradikalen Freikorps ermordeten Mitglieder der „Roten Ruhrarmee“ und ergänzt um Horster Widerstandskämpfer 1933-1945, insbesondere der Franz-Zielasko-Gruppe.

Besuch des niederländischen Befreiungsmuseums Groesbeek

„Nationaal Bevrijdingsmuseum 1944-1945“ Groesbeek. Blick in die Ausstellung.

Aus niederländischer Sicht thematisiert das „Nationaal Bevrijdingsmuseum 1944-1945“ im nahe der deutschen Grenze gelegenen Groesbeek die Zeit der Besetzung durch Nazi-Deutschland und die Befreiung in den Jahren 1944/45 durch alliierte Truppen. Neben der Dauerausstellung beherbergt das Museum derzeit eine Sonderausstellung zum kommunistischen Widerstand. Organisiert von der VVN-BdA Düsseldorf besuchten wir mit etwas über 20 Personen am Sonntag, 7. Oktober 2018 das Museum. Es wird in hohem Maße durch ehrenamtliche Helfer betreut. Zwei von ihnen führten uns durch die Ausstellung und teilten dabei auch sehr persönliche Ansichten mit.

Das Museum zeigt in vielfältigen Ausstellungsstücken und medialen Darstellungen anschaulich die Geschichte der Vorkriegszeit mit der niederländischen Sicht auf Nazi-Deutschland, die Zeit der Besetzung der Niederlande und schließlich der Befreiung in den Jahren 1944/45 mit ihren Auswirkungen auf die Bevölkerung. Die Ausstellung ist um hohe Anschaulichkeit bemüht und will durch die Beschäftigung mit der Geschichte die aktuelle Bedeutung von Demokratie, Freiheit und Menschenrechten zeigen. Die Beschriftung ist dreisprachig, niederländisch, englisch und deutsch. Die Farbe rot kennzeichnet den Ausstellungsteil zur Besatzungszeit, die Farbe blau den Teil der Ausstellung, der die Zeit der Befreiung in den Jahren 1944/45 zeigt.

„Nationaal Bevrijdingsmuseum 1944-1945“ Groesbeek. Anschauliche Darstellung des Kriegsverlaufs.

Erstmalig erfuhr ich hier von der militärischen Operation „Market Garden“. Mittels einer groß angelegten Luftlandeoperation kombiniert mit einem Vorrücken der Landstreitkräfte versuchten die westlichen Allierten, die nach der Landung in der Normandie im Juni 1944 bereits weit nach Westen vorgedrungen waren, ab dem 17. September 1944 die Brücken über die Wasserstraßen im Südosten der Niederlande einzunehmen. Rund um Groesbeek und Nimwegen landeten dabei etwa 8.000 amerikanische Fallschirmjäger. Doch war die Aktion nur teilweise erfolgreich, erst mit der großen Rheinlandoffensive im Februar 1945 gelang im weiteren Verlauf des Krieges die Befreiung der Niederlande.

„Nationaal Bevrijdingsmuseum 1944-1945“ Groesbeek. Sonderausstellung zum kommunistischen Widerstand.

Neben der Dauerausstellung besuchten wir auch die aktuelle Sonderausstellung, die sich mit dem kommunistischen Widerstand gegen die deutsche Besetzung beschäftigte. Die Kommunistische Partei der Niederlande (CPN), die heute im politischen Leben unseres Nachbarlandes keine Rolle mehr spielt, unterstützte bereits in den 1930er Jahren den Widerstand in Deutschland und wandelte sich mit der Besetzung durch Nazi-Deutschland in eine Widerstandsorganisaion. Die Ausstellung stellt anschaulich die Geschichte des Widerstands und der Zeit nach 1945 dar. Nach einem kurzen Aufschwung verlor die CPN angesichts des Antikommunismus im Kalten Krieg und durch die Parteinahme für die Unabhängigkeit der Kolonie Niederländisch-Indien an Bedeutung.

„Nationaal Bevrijdingsmuseum 1944-1945“ Groesbeek. Sonderausstellung zum kommunistischen Widerstand mit dem Beispiel der Hannie Schaft.

Die Sonderausstellung ist noch bis zum 28. Oktober 2018 zu sehen.

„Verbrechen der Wirtschaft“ im „Roten Freitag“

Buchveröffentlichung des RuhrEcho-Verlags, Bochum.

Kenntnisreich und anschaulich stellte Günter Gleising (VVN-BdA Bochum) heute im „Roten Freitag“ der Gelsenkirchener Linkspartei seine Buchveröffentlichung vor. Buch und Vortrag zeigen die Interessen der Schwerindustriellen und Ruhrbarone an der Errichtung der Nazi-Diktatur, der Ausschaltung der Demokratie und der Rüstungspolitik. Im Anschluss führten die Besucher noch eine lebhafte Diskussion über die Inhalte des Vortrags und ihre Übertragbarkeit auf die Gegenwart.

Ausgehend von der Fragestellung, wie es der NSDAP gelingen konnte, innerhalb weniger Jahre von einer Splittergruppe zur einflussreichsten Kraft Deutschlands zu werden, zeigte Günter Gleising die Unterstützung, die Hitler und seine Partei durch führende Industrielle genoss. Begünstigt wurde die Machtstellung der Wirtschaft durch eine beispiellose Konzentration der Schwerindustrie im Ruhrgebiet, die Krupp, Thyssen, Flick und anderen einen außerordentlichen Einfluss gab. Günter Gleising berichtete, dass er seit über 20 Jahre an diesem Thema arbeitet und unter anderem auf Quellen zurückgreift, die kurz nach 1945 von den Alliierten zusammengestellt wurden. Beispiele aus Gelsenkirchen rundeten den Vortrag ab.

In der sich an den Vortrag anschließenden Diskussion ging es um viele Einzelfragen, aber auch um die Bedeutung für die Gegenwart verbunden mit der Frage nach Unterschieden und Gemeinsamkeiten zwischen der Entwicklung der NSDAP und der Entwicklung der AfD. Natürlich war die Zeit wie immer zu knapp für eine ausführliche Diskussion, eine Fortsetzung würde sich sicher lohnen.

Der „Rote Freitag“ ist eine Veranstaltungsreihe im Werner-Goldschmidt-Salon, dem nach dem Gelsenkirchener Antifaschisten benannte Veranstaltungsort der Die Linke. „Verbrechen der Wirtschaft“ war eine Kooperationsveranstaltung der Die Linke mit der Gelsenkirchener VVN-BdA.

Werner-Goldschmidt-Salon – Parteibüro von Die Linke und Veranstaltungsort, benannt nach dem Gelsenkirchener und jüdischen Widerstandskämpfer Werner Goldschmidt.

„Engel der Kulturen“ oder Nazi-Schwert Numero 2?

Denkmal für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen der Wiehagenschule.

Wieder einmal steht die Stadt Gelsenkirchen vor der denk(mal)würdigen Frage, wie sie mit einem aus der NS-Zeit stammenden Schwert-Denkmal umgehen will. Es handelt sich dieses Mal um ein 1938 an der Fassade der Wiehagenschule in der Neustadt angebrachtes Schwert-Symbol und darunter angebrachten Tafeln mit Namen von 40 im Ersten Weltkrieg gefallenen Schülern. Das Schulgebäude selbst war bereits 1900/1908 errichtet worden. – Dieses Mal gibt es allerdings einen künstlerischen Gegenentwurf zum Nazi-Schwert!

Ganz modern gibt sich die Wiehagenschule, eine städtische Gemeinschaftsgrundschule in der Josefstraße 28 in Gelsenkirchen-Neustadt. Sie ist die erste Schule in Gelsenkirchen, die komplett digital ausgestattet ist. Es gibt ein flächendeckendes WLAN, interaktive Tafeln in den Klassenzimmern und Computerarbeitsplätze für die Lehrer. Doch während in der Medienöffentlichkeit stolz das „Ende der Kreidezeit“ im Klassenraum gefeiert wurde, dürfen sich die sechs- bis neunjährigen Schülerinnen und Schüler in den Pausen ein am Gebäude angebrachtes lorbeerumkränztes Schwert ansehen, das an gefallene Soldaten aus einem mehr als hundert Jahre zurückliegenden imperialistischen Krieg erinnert.

Immerhin unterscheidet es sich von anderen Nazi-Denkmalen in unserer Stadt, denn es fehlt zumindest der Satz „Sie starben für Deutschland“. Erfreulicherweise fehlen auch Bruchstellen, die anzeigen, das hier 1945 ein Hakenkreuz entfernt worden ist. Dennoch gehört es zu jenen Denkmalen, die ab 1933 in Nazi-Deutschland errichtet worden sind, um die Toten des Ersten in den Dienst der Kriegsvorbereitung für den Zweiten Weltkrieg zu stellen. Das Schulgebäude ist in die Denkmalliste der Stadt eingetragen, ob der Denkmalschutz zwischen einem 1900/1908 errichten Gebäude und einem 1938 angebrachten Schwert-Symbol unterscheiden kann, lässt sich sicherlich feststellen.

Die Wiehagenschule, eine städtische Gemeinschaftsgrundschule in der Josefstraße 28 in Gelsenkirchen-Neustadt.

Wie die WAZ am 06.02.2018 berichtete, wurde das Denkmal von Franz Marten entworfen und von einem Nazi-Regierungsrat aus Münster eingeweiht. Anlass des Zeitungsartikels war die Behandlung des Denkmals im Bildungsausschuss am 01.02.2018 auf Antrag von Bündnis 90/Die Grünen. Am Beispiel des Künstlers Franz Marten lassen sich auch die üblichen personellen Kontinuitäten zwischen der NS-Diktatur und der frühen Bundesrepublik aufzeigen. Franz Marten ist zugleich auch der Schöpfer der „Fünf Säulen der Wirtschaft“ von 1949, der bunten Glasfenster im ehemaligen Gelsenkirchener Bahnhofsgebäude, die jetzt im ehemaligen Böker-Haus zu Beginn der Bahnhofstraße zu bewundern sind.

Anlass der Debatte im Bildungsausschuss war das Interesse der Schule, das Projekt „Engel der Kulturen“ im Rahmen einer Umgestaltung des Schulhofes umzusetzen. Bei „Engel der Kulturen“ handelt es sich um eine Kunstaktion, welches die Gemeinsamkeiten der drei abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam künstlerisch ausdrückt, und die seit zehn Jahren im In- und Ausland durchgeführt wird. An einer Schule mit einem hohen Migrantenanteil ist das sicherlich ein sinnvolles Projekt, um Gemeinsamkeiten statt Unterschiede zu betonen.

Für die beiden Künstler, Gregor Merten und Carmen Dietrich, ist es jedoch vollkommen unverständlich, dass „offensichtlich unreflektiert Hunderte Kinder täglich mit dieser überdimensionalen, heroisierenden Darstellung einer barbarischen Waffe konfrontiert werden, die über ihren Köpfen schwebt.“ Gerade weil ihnen als bildende Künstler die Wirkung von Symbolen sehr deutlich ist, fordern sie, dass das Schwert entfernt wird. Sie stellen den Zusammenhang zu den bestialischen Morden des „Islamischen Staats“ her und betonen, dass sie „die Wirkung eines über den Köpfen von Kindern mit überwiegend muslimischem Hintergrund und deren Angehörigen schwebenden Schwertes als absolut problematisch“ ansehen.

Gedenktafel an der Wiehagenschule in Gelsenkirchen-Neustadt.

Ihr Vorschlag lautet, das Schwert zu entfernen und mit einem Teil des Zementputzes „den Engel der Kulturen als Bodenintarsie entstehen zu lassen“. Dieses wäre „ein Zeichen für ein friedliches Zusammenleben aller Kulturen in der Stadt Gelsenkirchen“. An die Toten könne „mit einer Tafel und entsprechendem Text“ weiter gedacht werden. Die Politik scheint jedoch noch nicht soweit zu sein. Wie die WAZ in der gleichen Ausgabe berichtet, sieht Barbara Filthaus (SPD) keinen Handlungsbedarf, da die Schüler das Schwert gar nicht wahrnehmen würden. Der Bündnisgrüne Burkhard Wüllscheidt möchte jedoch am Thema dran bleiben. Das Ratsinformationssystem ist natürlich noch nicht so weit, mehr Informationen als die WAZ zu liefern.

Zurückliegender und inzwischen korrigierter Blogbeitrag.

Wirtschaftsführer und Kriegsgewinnler

Buchveröffentlichung des RuhrEcho-Verlags, Bochum.

„Verbrechen der Wirtschaft“ von Günter Gleising zeigt Anteil und Interesse der Ruhrbarone und von führenden Industriellen Deutschlands an der Errichtung der Nazi-Herrschaft, an der Aufrüstungs- und Kriegspolitik und der Ausplünderung der eroberten Gebiete. Das Kriegsende 1945 bedeutete für ihre Geschäfte nur eine kurze Unterbrechung, die bald wieder florierten.

Günter Gleising, Mitglied der VVN-BdA Bochum, stellt deutlich die Interessen der wirtschaftlichen Elite der Weimarer Republik dar, die gegen Republik, Betriebsräte und Gewerkschaften und für die Wiederaufrüstung nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg standen. Ausgehend von der Fragestellung, wie es der NSDAP gelingen konnte, innerhalb weniger Jahre von einer Splittergruppe zur einflussreichsten Kraft Deutschlands zu werden und wie es Nazi-Deutschland innerhalb von sechs Jahren gelingen konnte, halb Europa mit Krieg zu überziehen, zeigt er die Unterstützung, die Hitler und seine Partei durch führende Industrielle genoss.

Begünstigt wurde die Machtstellung der Wirtschaft durch eine beispiellose Konzentration der Schwerindustrie im Ruhrgebiet, die Krupp, Thyssen, Flick und anderen einen außerordentlichen Einfluss gab, während gleichzeitig die katastrophalen Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auf die kleinen Leute abgewälzt wurde. Das Interesse der Wirtschaftsführer an der Beseitigung aller demokratischen und humanistischen Hemmnisse, die ihrem Gewinnstreben entgegenstanden, traf sich mit Hitlers politischem Programm und Politik.

Gleising belegt anhand zahlreicher Dokumente, wie Hitler und die NSDAP ab 1925 ihre Macht ausbauen und dabei durch führende Industrielle unterstützt wurden, bis ihm am 30. Januar 1933 vom Reichspräsidenten Hindenburg die Kanzlerschaft angetragen wurde. Mit der Machtübertragung an die Nazis begann für die Konzerne wieder das große Geschäft: Rüstungsaufträge, Arisierungen, Ausplünderung eroberter Gebiete und Sklavenarbeit bildeten das Geschäftsmodell, dass Gleising anhand zahlreicher Beispiele aus Bochum und den Nachbarstädten zeigt.

Bei allem Lob für die Veröffentlichung darf eine Kritik an der faktenreichen Darstellung nicht fehlen: gelegentlich hat man als geneigter Leser den Eindruck, von der Vielzahl der Fakten schier erschlagen zu werden ohne die Gelegenheit zu bekommen, beim Lesen innezuhalten. Trotzdem gibt es eine klare Empfehlung für dieses Buch, das sich nahtlos in die Spurensuche und Kennzeichnung der Tatorte der „Verbrechen der Wirtschaft an Rhein und Ruhr 1933-1945“ der VVN-BdA NRW einfügt und weit darüber hinausweist.

Lesenswert ist „Verbrechen der Wirtschaft“ auch nicht nur als historische Darstellung. In seinem Vorwort erinnert Ulrich Sander, Bundessprecher der VVN-BdA daran, dass die Ministerin Andrea Nahles 2016 aus dem Armutsbericht der Bundesregierung einen Satz streichen ließ, der den Einfluss der Reichen auf die Politik zeigt. Trotzdem – eine Binsenweisheit – besteht dieser Einfluss 1933 wie heute. Günter Gleisings „Verbrechen der Wirtschaft“ zeigt am historischen Beispiel, was zuviel Macht auf der Kapitalseite anrichtet. So ist aus dieser Geschichte zu lernen, dass und warum sie sich nicht wiederholen darf.

Gleising, Günter: Verbrechen der Wirtschaft. Der Anteil der Wirtschaft an der Errichtung der Nazidiktatur, der Aufrüstungs- und Kriegspolitik im Ruhrgebiet 1925-1945, RuhrEcho Verlag, Bochum, 2017, 267 Seiten, 18 Euro