Archiv der Kategorie: Bochum

Eindrücke vom Ostermarsch Rhein Ruhr 2019

Der Ostermarsch Rhein Ruhr am Ostermontag auf dem Weg von Dortmund-Dorstfeld in den Dortmunder Norden.

„Abrüsten statt Aufrüsten! Verbot der Atomwaffen! Für ein Europa des Friedens!“ sind kurzgefasst die Forderungen des diesjährigen Ostermarsches. Wie schon in den Jahren zuvor fanden an drei Tagen von Ostersamstag bis Ostermontag Kundgebungen und Demonstrationszüge im Ruhrgebiet und im Rheinland statt. Zum ersten Mal war ich an allen drei Tagen dabei.

Nach dem regnerischen Wetter in den letzten Jahren schien über dem diesjährigen Ostermarsch die Sonne. Die Auftaktveranstaltung am Samstag, 20.04.2019 in Duisburg war mit zwei- bis dreihundert Menschen gut besucht. Beeindruckend fand ich das Allerwelt-Ensemble, ein Chor, der in einer Turnhalle, einer Flüchtlingsunterkunft, gegründet worden war und uns mit wundervoller Musik verwöhnte.

Auftaktveranstaltung am Ostersamstag in Duisburg mit dem Allerwelt-Ensemble.

Von den verschiedenen Rednern ist mir die Aussage eines 27-jährigen Redners im Gedächtnis geblieben, der über die Normalität Europas für die jungen Leute heute berichtete, wie einfach man Grenzen überschreiten kann und das Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges keinen Krieg mehr gesehen habe. In Bezug auf die Europäische Union hat er sicherlich Recht, doch verwechselte er offenbar die Europäische Union mit dem Kontinent Europa und vergaß den völkerrechtswidrigen Angriff der NATO auf Rest-Jugoslawien 1999.

Marco Bülow, aus der SPD ausgetretener Bundestagsabgeordneter, kritisierte sehr deutlich die Rüstungspolitik der „großen“ Koalition, die der Grund für seinen Austritt war. Moderiert wurde die Kundgebung von Shabnam Shariatpanaki.

Eines der vielen Aussagen aus dem Ostermarsch, hier vom ersten Tag in Duisburg (und Düsseldorf).

Der anschließende Demonstrationszug ging über die Friedrich-Wilhelm-Straße zum Duisburger Hauptbahnhof, wo an die Deportationen in der Nazi-Zeit erinnert wurde und, wie schon während der Auftaktveranstaltung, auf die Aktivitäten der verschiedenen Bündnisse hingewiesen wurde, die sich dem Aufmarsch der „Die Rechte“ am 1. Mai in Duisburg entgegenstellen.

Ein weiterer und geradezu klassischer Slogan vom Ostermarsch in Düsseldorf.

Von dort aus ging es mit dem Zug nach Düsseldorf, wo sich neben den Düsseldorfern auch Kundgebungsteilnehmer aus Köln und Duisburg am DGB-Haus versammelten. Der Demonstrationszug mit rund 1000 Friedensdemonstranten führte durch die Düsseldorfer Innenstadt zum Marktplatz. Das schöne Wetter hatte viele Menschen auf die Straßen gelockt, so dass unsere Demonstration eine große Aufmerksamkeit erweckte.

Der Fahrradkorso sammelt sich am Ostersonntag auf dem Willy-Brandt-Platz in Essen.

Am Ostersonntag führte traditionell die Fahrradetappe von Essen über Gelsenkirchen, Wattenscheid und Herne nach Bochum. Auch diese war – sicherlich nicht zuletzt aufgrund des herrlichen Wetters – gut besucht. Nach der Auftaktkundgebung auf dem Willy-Brandt-Platz ging es mit einem beeindruckenden Fahrradkorso erst nach Gelsenkirchen, zur ebenfalls schon traditionellen ersten Zwischenkundgebung im Stadtgarten mit Kaffee und Kuchen und einer Rede von Gottfried Clever vor dem Mahnmal für die Opfer des Faschismus.

Erholung im Grünen beim traditionellen Zwischenhalt im Stadtgarten Gelsenkirchen.

Die Fahrt ging dann weiter nach Bochum-Wattenscheid zur Friedenskirche am August-Bebel-Platz. Das es viel mehr Ostermarschierer als in den letzten Jahren waren, konnte man nicht zuletzt daran merken, dass die Stärkung mit Kartoffelsuppe und Bockwurst nicht für alle reichte.

Zwischenhalt in Bochum-Wattenscheid an der Friedenskirche/August-Bebel-Platz.

Die längste Strecke war nach Herne in das AWO-Familienzentrum zu bewältigen. Den Abschluss fand der Tag schließlich bei ver.di in Bochum mit einer Veranstaltung „Gefährliche Fluchtwege und Migrationsbekämpfung in Westafrika“ mit einem sehr interessanten Referat über die Art der Einflussnahme der Europäischen Union in Afrika zur militärischen Aufrüstung und Migrationsbekämpfung in den Staaten Afrikas. Mohamed Bangoura trug die Sichtweise der einheimischen Bevölkerung bei und berichtete über seine Flucht über Libyen nach Europa.

Blick in den Düsseldorfer Demonstrationszug am Ostersamstag.

Erfreulich war die Begrüßung an den Zwischenhalten mit Verpflegung und wechselndem Kulturprogramm. Auch erinnerte mich die Atmosphäre während des Fahrradkorsos an den Ostermarsch Ruhr in den 1980er Jahren während der Nachrüstungsdebatte. Damals zogen Tausende an drei Tagen von Duisburg nach Dortmund. Den damaligen Rüstungswettlauf zwischen NATO und Warschauer Pakt hatte der INF-Vertrag beendet, ein Vertrag über die Begrenzung strategischer Mittelstreckenraketen. Genau dieser Vertrag wird aktuell durch die USA in Frage gestellt, die Russland vorwerfen, sich nicht mehr an ihn zu halten.

Auf dem Wilhelmplatz in Dortmund-Dorstfeld am Ostermontag.

Am Ostermontag begann der Ostermarsch nicht wie in den Vorjahren in Bochum-Werne, sondern in Dortmund-Dorstfeld. Dorstfeld ist ein Schwerpunkt der rechtsextremen Szene im Ruhrgebiet. Ein paar Rechtsextremisten zeigten sich auf der anderen Straßenseite, doch wir waren erkennbar viel mehr. Nach einem Friedensgottesdienst – fast alle sangen dabei „We shall overcome“ mit, sprach unter anderem Ulrich Schneider, Generalsekretär der FIR, der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer. Er sprach sich insbesondere für eine europäische Vernetzung der Initiativen gegen Rechts aus.

Der Ostermarsch am Ostermontag auf dem Weg in die Dortmunder Innenstadt.

Der Ostermarsch machte an diesem Tag seinem Namen alle Ehre. Zu Fuß ging es durch Dortmund zum Friedensplatz mit einer Zwischenkundgebung und von dort aus weiter in die Duisburger Nordstadt, wo im Wichernhaus das traditionelle Abschluss-Friedensfest stattfand. Dort konnte man sich erneut stärken und Leute wiedertreffen, die man länger nicht gesehen hatte. Letzteres war schon immer ein wichtiger Aspekt des Ostermarsches, der seine Wirkung nicht nur nach außen, sondern auch nach innen entfaltet. Und das in jedem Jahr.

Am Ostersamstag in Duisburg während der Auftaktveranstaltung.

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Wirtschaftsführer und Kriegsgewinnler

Buchveröffentlichung des RuhrEcho-Verlags, Bochum.

„Verbrechen der Wirtschaft“ von Günter Gleising zeigt Anteil und Interesse der Ruhrbarone und von führenden Industriellen Deutschlands an der Errichtung der Nazi-Herrschaft, an der Aufrüstungs- und Kriegspolitik und der Ausplünderung der eroberten Gebiete. Das Kriegsende 1945 bedeutete für ihre Geschäfte nur eine kurze Unterbrechung, die bald wieder florierten.

Günter Gleising, Mitglied der VVN-BdA Bochum, stellt deutlich die Interessen der wirtschaftlichen Elite der Weimarer Republik dar, die gegen Republik, Betriebsräte und Gewerkschaften und für die Wiederaufrüstung nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg standen. Ausgehend von der Fragestellung, wie es der NSDAP gelingen konnte, innerhalb weniger Jahre von einer Splittergruppe zur einflussreichsten Kraft Deutschlands zu werden und wie es Nazi-Deutschland innerhalb von sechs Jahren gelingen konnte, halb Europa mit Krieg zu überziehen, zeigt er die Unterstützung, die Hitler und seine Partei durch führende Industrielle genoss.

Begünstigt wurde die Machtstellung der Wirtschaft durch eine beispiellose Konzentration der Schwerindustrie im Ruhrgebiet, die Krupp, Thyssen, Flick und anderen einen außerordentlichen Einfluss gab, während gleichzeitig die katastrophalen Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auf die kleinen Leute abgewälzt wurde. Das Interesse der Wirtschaftsführer an der Beseitigung aller demokratischen und humanistischen Hemmnisse, die ihrem Gewinnstreben entgegenstanden, traf sich mit Hitlers politischem Programm und Politik.

Gleising belegt anhand zahlreicher Dokumente, wie Hitler und die NSDAP ab 1925 ihre Macht ausbauen und dabei durch führende Industrielle unterstützt wurden, bis ihm am 30. Januar 1933 vom Reichspräsidenten Hindenburg die Kanzlerschaft angetragen wurde. Mit der Machtübertragung an die Nazis begann für die Konzerne wieder das große Geschäft: Rüstungsaufträge, Arisierungen, Ausplünderung eroberter Gebiete und Sklavenarbeit bildeten das Geschäftsmodell, dass Gleising anhand zahlreicher Beispiele aus Bochum und den Nachbarstädten zeigt.

Bei allem Lob für die Veröffentlichung darf eine Kritik an der faktenreichen Darstellung nicht fehlen: gelegentlich hat man als geneigter Leser den Eindruck, von der Vielzahl der Fakten schier erschlagen zu werden ohne die Gelegenheit zu bekommen, beim Lesen innezuhalten. Trotzdem gibt es eine klare Empfehlung für dieses Buch, das sich nahtlos in die Spurensuche und Kennzeichnung der Tatorte der „Verbrechen der Wirtschaft an Rhein und Ruhr 1933-1945“ der VVN-BdA NRW einfügt und weit darüber hinausweist.

Lesenswert ist „Verbrechen der Wirtschaft“ auch nicht nur als historische Darstellung. In seinem Vorwort erinnert Ulrich Sander, Bundessprecher der VVN-BdA daran, dass die Ministerin Andrea Nahles 2016 aus dem Armutsbericht der Bundesregierung einen Satz streichen ließ, der den Einfluss der Reichen auf die Politik zeigt. Trotzdem – eine Binsenweisheit – besteht dieser Einfluss 1933 wie heute. Günter Gleisings „Verbrechen der Wirtschaft“ zeigt am historischen Beispiel, was zuviel Macht auf der Kapitalseite anrichtet. So ist aus dieser Geschichte zu lernen, dass und warum sie sich nicht wiederholen darf.

Gleising, Günter: Verbrechen der Wirtschaft. Der Anteil der Wirtschaft an der Errichtung der Nazidiktatur, der Aufrüstungs- und Kriegspolitik im Ruhrgebiet 1925-1945, RuhrEcho Verlag, Bochum, 2017, 267 Seiten, 18 Euro

Menschenkette gegen Rassismus in Bochum

Menschenkette in Bochum am 18. Juni 2016.

Menschenkette in Bochum am 18. Juni 2016.

Nach Angaben des WDR haben heute Mittag rund 8500* Menschen unter dem Motto „Hand in Hand gegen Rassismus – für Menschenrechte und Vielfalt!“ in Bochum demonstriert. Vom Rathaus über den Hauptbahnhof und zum Kirmesplatz zog sich die Menschenkette durch die Bochumer Innenstadt.

An einigen Stellen, wie zum Beispiel vor dem Hauptbahnhof, standen die Menschen in mehreren Reihen hintereinander. Auch das Wetter war auf der Seite der Antirassisten: Nach dem regnerischen Vormittag kam mittags die Sonne heraus. Vor allem letzteres freute uns Demonstranten.

Innensicht der Menschenkette vor dem Bochumer Hauptbahnhof.

Innensicht der Menschenkette vor dem Bochumer Hauptbahnhof.

Aufgerufen hatte das Bochumer Bündnis für Arbeit und soziale Gerechtigkeit mit einer Vielzahl von Unterstützern, von Amnesty International über Gewerkschaften, Sozialverbände und Parteien bis zum Schauspielhaus Bochum und dem Oberbürgermeister der Stadt Bochum Thomas Eiskirch.

Direkt nach der Sambagruppe folgten Mitglieder der VVN-BdA aus Bochum, Essen und Gelsenkirchen mit dem Transparent aus Essen.

Direkt nach der Sambagruppe folgten Mitglieder der VVN-BdA aus Bochum, Essen und Gelsenkirchen mit dem Transparent aus Essen.

Angeführt von einer bunten Samba-Gruppe, die mit ihren Trommeln einen wundervollen Rythmus erzeugten, wurde die Menschenkette vor dem Hauptbahnhof zu einem Demonstrationszug zum Dr.-Ruer-Platz, wo der Kundgebung ein umfangreiches Kulturprogramm folgte.

Kundgebung und Kulturprogramm auf dem Dr.-Ruer-Platz.

Kundgebung und Kulturprogramm auf dem Dr.-Ruer-Platz.

Die Bochumer Menschenkette ist die Auftaktveranstaltung dieses Wochenendes. Am Sonntag folgen weitere Menschenketten in Hamburg, Berlin, Leipzig und München. Neben diesen großen Städten haben sich weitere Menschenketten in kleineren Städten gebildet. Sie alle wollen anlässlich des Weltflüchtlingstages am 20. Juni ein Zeichen setzen: Gegen Fremdenhass und für Menschlichkeit, Vielfalt und Weltoffenheit.

Menschenkette* Ursprünglich hatte der WDR mehr als 4000 Menschen gemeldet.

Eindrücke vom außerordentlichen Bundeskongress der VVN-BdA

Tagungsort im "Jahrhunderthaus" in Bochum - hier ein Foto von einem Bild im Tagungsraum.

Tagungsort im „Jahrhunderthaus“ in Bochum – hier ein Foto von einem Bild im Tagungsraum.

„Erinnerungsarbeit und Geschichtspolitik“ waren das Thema des außerordentlichen Bundeskongresses der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten in der Nachbarstadt Bochum. Vom 27. bis 29. Mai 2016 tagten rund 120 Delegierten aus der Bundesrepublik im Jahrhunderthaus. Dies war kein Kongress in dem es darum ging, Beschlüsse zu fassen, sondern Diskussion und Erfahrungsaustausch standen im Vordergrund.

Für die Helfer begann der erste Kongresstag bereits gegen Mittag. Foyer und Tagungsraum wollten vorbereitet werden, außerdem galt es, eine Palette Pappkartons in Würfel zu falten. Dank zahlreicher Helfer gelang das alles relativ schnell. Im Foyer und im Tagungsraum wurden verschiedene Infostände aufgebaut, vom Bochumer Ruhrecho-Verlag, über die Kinder des Widerstands und r-mediabase bis zu den Spanienkämpfern. Weitere Infostände folgten im Laufe des Tages.

Blick ins Foyer während des Aufbaus der Infostände.

Blick ins Foyer während des Aufbaus der Infostände.

Die offizielle Anmeldung begann ab 17.30 Uhr, Beginn des Kongresses war 19 Uhr. Nach kurzen Begrüßungsreden und einer inhaltlichen Einleitung durch Ulrich Schneider war das zentrale Thema dieses ersten Abends die Darstellung der Nazi-Vergangenheit im Internet. Am Beispiel des Suchbegriffs „Waffen SS“ zeigten Thomas Willms und Liza Mikosch die Suchergebnisse bei google, insbesondere die Ergebnisse der Bilder- und Videosuche. Eine Schocktherapie.

Der zweite Kongresstag stand im Zeichen der Diskussion und des Austausches. Fünf zentrale Themen wurden im Rahmen des „World-Cafés“ bearbeitet. Dabei handelt es sich um eine Moderations-Methode für Großgruppen, die alle Delegierten dazu animierte, in wechselnden Kleingruppen miteinander zu reden. Die Gruppen wechselten nach jeweils 30 Minuten, ein „Gastgeber“ verblieb jeweils am Gruppentisch um der neuen Gruppe die Ergebnisse zu präsentieren. Eine Gruppe benötigte mehr Zeit für die Diskussion und blieb daher 60 Minuten zusammen.

Blick in den Tagungsraum während des "World-Cafés".

Blick in den Tagungsraum während des „World-Cafés“.

Die Ergebnisse wurden auf Karten und Pinnwände festgehalten und nach dem dritten Durchgang zur Präsentation vorbereitet. So entstanden jeweils umfangreiche Präsentationen zu den folgenden Themen:
* Jugendgerechte Formen der Erinnerungsarbeit
* Gedenkarbeit in der Migrationsgesellschaft
* Eigene Bildungsarbeit
* „offizielle“ versus „alternative“ Geschichtspolitik
* Zeugen der Zeugen

Ergebnispräsentationen zum Thema "offizielle" versus "alternative" Geschichtspolitik.

Ergebnispräsentationen zum Thema „offizielle“ versus „alternative“ Geschichtspolitik.

Am Nachmittag wurden im Rahmen des „Marktes der Möglichkeiten“ verschiedene bereits existierende Projekte im Plenum präsentiert. Sie reichten von Internetpräsentationen über Filmprojekte, Audiorundgänge mittels Smartphone-App und Geocaching bis zu regelmäßigen Sendungen im Lokalradio. Zur Vertiefung wurden die meisten Projekte zusätzlich an Infoständen dargestellt.

Comic als jugendgerechte Vermittlungsform - ein Beispiel im "Markt der Möglichkeiten"

Comic als jugendgerechte Vermittlungsform – ein Beispiel im „Markt der Möglichkeiten“

Der dritte Kongresstag bot den Delegierten die Gelegenheit, sich in regionalen Arbeitsgruppen zusammenzusetzen und Verabredungen zur Weiterarbeit zu treffen. Dies geschah mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Nach kurzen Berichten aus den Arbeitsgruppen folgte die Präsentation des Filmclips zu 70 Jahre VVN-BdA und einer Verabschiedung durch Cornelia Kerth, die sich bei allen Beteiligten bedankte. Der außerordentliche Bundeskongress endete gegen Mittag mit dem Absingen des Moorsoldatenlieds.

Dank zahlreicher Helfer waren auch innerhalb kürzester Zeit alle Infostände wieder abgebaut und die Kartonwürfel wieder auseinander gefaltet.

Supplement
Mehr Fotos gibt es bei r-mediabase zu sehen.

Eindrücke vom (fast) nazifreien Bochum am 1. Mai 2016

Plakat des Bochumer "Bündnis gegen Rechts" gegen den Aufmarsch der NPD am 1. Mai 2016

Plakat des Bochumer „Bündnis gegen Rechts“ gegen den Aufmarsch der NPD am 1. Mai 2016

Unter dem Motto „Zeit für mehr Solidarität“ standen die Kundgebungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) an diesem 1. Mai 2016 in ganz Deutschland. Als Gegenentwurf rief die rechtsextreme NPD zu einer Kundgebung gegen angeblichen „Asylmissbrauch“ in Bochum auf. Geschätzt 120 bis180 Nazis folgten diesem Aufruf – doch mehr als 2.400 Gegendemonstranten folgten dem Aufruf des Bochumer „Bündnis gegen Rechts“, das mit Unterstützung von über 50 Organisationen zu einer Gegendemonstration aufgerufen hatte.

Bereits als ich im Bochumer Hauptbahnhof eintraf, konnte ich „1. Mai – nazifrei“ und „Antifaschista“-Rufe ebenfalls angereister Gegendemonstranten hören. Der Platz vor dem Hauptbahnhof war von der Polizei mit Absperrgittern und Mannschaftswagen abgesperrt. Durch die Unterführung gelangte ich in die Innenstadt, wo ich das 628. Maiabendfest entdeckte, das in Bochum traditionell gefeiert wird. Mittendurch verlief der Demonstrationszug des Bochumer Bündnis gegen Rechts, mit dem ich wieder zum Hauptbahnhof gelangte – vor die Absperrgitter der Polizei. Die Gegendemonstranten stammten aus allen Altersgruppen, auch wenn die Jugend mit einem Jugendblock und in den Sprechchören dominierte. Auffällig waren auch unerwartet viele Fahnen von Bündnis 90/Die Grünen.

Die Demonstration gegen die Nazis, die vor lauter Mannschaftswagen so gut wie nicht zu sehen waren, war friedlich, lautstark, bunt und gut gelaunt. Nach der offiziellen Beendigung der Kundgebung zogen die meisten Gegendemonstranten auf verschiedenen Wegen in Richtung Husemannplatz, wo die Nazis eine weitere Kundgebung angemeldet hatte. Auch hier wurde lautstark gegen die NPD-Kundgebung demonstriert. Hinter Mannschaftswagen und einem Polizeikordon versteckt, konnte man sie gelegentlich eine NPD-Fahne schwenken sehen, zu hören war ‪von ihnen nichts. Sprechchöre mit „Nazis raus, raus, raus“, „Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda“ und „Nationalismus raus aus den Köpfen“ übertönte einfach alles.

Blick in die Gegendemonstration vor dem Bochumer Hauptbahnhof am 1. Mai 2016

Blick in die friedliche Gegendemonstration vor dem Bochumer Hauptbahnhof am 1. Mai 2016

Von mir nicht bemerkt hat es nach Presseberichten Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Gegendemonstranten gegeben. So habe es Versuche von Gegendemonstranten gegeben, den Bahnhof zu blockieren und Polizeisperren zu durchbrechen. Drei Polizisten seien dabei verletzt worden. Hier muss die Polizei, die die Versammlungsfreiheit der NPD schützt, Versäumnisse der Politik ausbaden. Die NPD gehört endlich verboten.

Supplement
Aus den zuerst drei wurden im Laufe der Berichterstattung vier verletzte Polizisten, ohne dass genau bekannt geworden wäre, welcher Art und wie schwerwiegend die Verletzungen waren. Der Begriff „schwerste Ausschreitungen“ in der WAZ ist für mich als Teilnehmer einer friedlichen, lautstarken, bunten und gut gelaunten Demonstration nicht nachvollziehbar. Journalisten in den Ruhrbaronen schrieben auch eher von einzelnen „Scharmützeln“. Dort heißt es: „Die schweren Ausschreitungen, von denen die Polizei in ihrer Pressemitteilung schrieb, waren nach bundesweiten Maßstäben überschaubar. Die martialische Beschreibung der Geschehnisse ist eher ein Zeichen der Unerfahrenheit bei der Einschätzung von unübersichtlichen  Demonstrationslagen durch die Bochumer Polizei.“

Vom umFAIRteilen zum FAIRgesellschaften

Groß, bunt und laut war sie, die Kundgebung und Demonstration in Bochum zum bundesweiten Aktionstag der von Sozialverbänden und Gewerkschaften initiierten Kampagne “umFAIRteilen – Reichtum besteuern”. Nach Veranstalterangaben demonstrierten 6.000 Menschen in Bochum und 40.000 Menschen bundesweit. Damit wird das Thema “Vermögenssteuer/Vermögensabgabe” auf die Agenda für den nächsten Bundestagswahlkampf gesetzt.

20Bereits die Auftaktkundgebung ab 12 Uhr am Hauptbahnhof/ Massenbergstraße zeigte ein unglaubliches Fahnenmeer. In großer Zahl waren Fahnen und Transparente von ver.di, DIDF und Die Linke zu sehen. Selbst aus Herford und Minden waren zahlreiche Verdianer gekommen. Eine große grüne Insel um den Stand von Bündnis 90/Die Grünen, außerdem Falken, DKP- und SDAJ-Fahnen in reicher Zahl, durchmischt mit attac-, GEW-, IG Metall- und IG BAU-Fahnen. (Für alle vergessenen Fahnen bitte ich schon jetzt um Entschuldigung, es waren einfach so viele!)

26Unterhalten wurden wir durch ein Kulturprogramm mit Schwarz/rot Atemgold09 und Chupa Cabras, die für heiße Rhythmen sorgten. Die Reden (u.a. Ulrich Schneider vom Paritätischen Wohlfahrtsverband) wurden auf einer großen Videoleinwand bemerkenswerterweise in Gebärdensprache gedolmetscht.

32Die Demonstration führte durch die Bochumer Innenstadt, vorbei am Rathaus, an der Deutschen Bank und am Bermudadreieck zum Schauspielhaus Bochum. Dabei fiel mir auch das eine oder andere SPD-Fähnchen unter den vielen ver.di-Fahnen auf. Kreativ waren auch einige Demonstranten gewesen. So forderten Plakate der Falken zum “FAIRgesellschaften” auf.

33Auf der Abschlusskundgebung sprach unter anderem Mag Wompel vom Labournet Germany und sagte: “Wir müssen die ganze Bäckerei fordern, wenn wir ein Stück von der Torte wollen!” Dem ist nichts hinzuzufügen.

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