Frauen ermordeter Gelsenkirchener Widerstandskämpfer

Frauen ermordeter Gelsenkirchener Widerstandskämpfer 1948 (v.l.n.r.) Auguste Frost, Anna Bukowski, Emma Rahkob, Änne Littek, Luise Eichenauer

Frauen ermordeter Gelsenkirchener Widerstandskämpfer 1948 (v.l.n.r.) Auguste Frost, Anna Bukowski, Emma Rahkob, Änne Littek, Luise Eichenauer (Foto: Privatbesitz)

In meiner Überblicksdarstellung zur Geschichte der Gelsenkirchener VVN-BdA verwendete ich im ersten Teil ein Foto mit Frauen ermordeter Widerstandskämpfer aus dem Jahr 1948. Aus der Beschriftung meiner Quelle gingen leider nur die Namen von Luise Eichenauer, Änne Littek, Emma Rahkob und Anna Bukowski hervor, der Name der Frau ganz links blieb unbekannt. Doch dank der Möglichkeiten des Internets wurde die Identität der unbekannten Frau geklärt.

Dabei handelt es sich um Auguste Frost, der Ehefrau von Hermann Frost, der als Mitglied der Zielasko-Gruppe vom sogenannten „Volksgerichtshof“ zum Tode verurteilt und am 20.10.1944 im Gefängnis München-Stadelheim mit dem Fallbeil hingerichtet worden ist. Darauf wies mich jetzt ein naher Verwandter mit dem Originalfoto per E-Mail hin. Alle fünf sind Frauen der im Zuge der Zerschlagung der Zielasko-Gruppe 1943 verhafteten Männer.

Zielasko, Bergmann aus Gladbeck, Kämpfer in den Gladbecker Verbänden der „Roten Ruhrarmee“ 1920 gegen Kapp-Putsch und Freikorps, Mitglied erst der USPD (1918), dann der SPD (1922) und schließlich der KPD (1926/27), emigrierte 1932 in die Sowjetunion. Er kämpfte 1937 bis 1939 im Spanischen Bürgerkrieg gegen die Franco-Putschisten, wurde im März 1943 von der Sowjetunion mit dem Fallschirm über Polen abgesetzt und nahm im Ruhrgebiet Kontakt mit Gleichgesinnten auf, die wie er der festen Überzeugung waren, dass man Krieg und Faschismus aktiv bekämpfen muss. Die Widerstandsgruppe, die u.a. in Gladbeck, Oberhausen, Essen und Gelsenkirchen Kontakte knüpfte, wurde verraten. Im August 1943 verhaftete die Gestapo 45 Antifaschisten, darunter auch die Ehemänner der hier abgebildeten Frauen, Hermann Frost, Paul Bukowski, Friedrich Rahkob, Rudolf Littek und Johann Eichenauer.

Franz Zielasko wurde schon bei den Verhören brutal zu Tode gefoltert, viele andere, darunter auch Hermann Frost, Paul Bukowski und Friedrich Rahkob wurden wegen „Vorbereitung zum Hochverrat in Verbindung mit Feindbegünstigung“ vom sog. „Volksgerichtshof“ zum Tode verurteilt und mit dem Fallbeil hingerichtet. Rudolf Littek und Johann Eichenauer wurden zwar freigesprochen, blieben jedoch in Haft und starben 1945 bei einem britischen Fliegerangriff auf die „schwimmenden KZs“ in der Lübecker Bucht. Von Emma Rahkob ist bekannt, dass sie am Tag der Hinrichtung ihres Mannes, dem 24. August 1944, ebenfalls verhaftet wurde, jedoch kurz vor der Deportation in ein Konzentrationslager für Frauen von alliierten Truppen aus dem Münchener Polizeigefängnis befreit worden ist und nach Gelsenkirchen zurückkehren konnte.

An die zur Zielasko-Gruppe gehörenden Karl Schuster, Johann Eichenauer und Andreas Schillack wird auf dem 1947/48 von der VVN errichteten Mahnmal an den antifaschistischen Widerstand auf dem Horster Südfriedhof erinnert, an Fritz Rahkob durch die Benennung des Fritz-Rahkob-Platzes 1987 in der Gelsenkirchener Innenstadt und seit 2011 durch einen Stolperstein vor seinem letzten Wohnort in der Liebfrauenstraße 38 in Gelsenkirchen. Stolpersteine erinnern auch an Andreas Schillack jun. (Essener Straße 71) und Paul Bukowski (Zollvereinstraße 4) sowie in der Redenstraße 34 in Gladbeck an Franz Zielasko. Stolpersteine für Rudolf Littek und Johann Eichenauer sind in Vorbereitung.

Bearbeitete Fassung

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