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„Wer nicht feiert, hat verloren!“ – Aktionswoche 8. Mai ging an diesem Wochenende weiter

Antifaschistischer Stadtrundgang in Gelsenkirchen, im Bild Hartmut Hering auf dem Rosa-Böhmer-Platz.

Mit zwei Online-Podiumsdiskussionen und zwei Antifaschistischen Stadtrundgängen führte das Gelsenkirchener Aktionsbündnis gegen Rassismus und Ausgrenzung insgesamt vier Veranstaltungen an diesem Wochenende durch. Ziel war weiterhin die Unterstützung der Kampagne der Auschwitz-Überlebenden und der VVN-BdA, den 8. Mai zum bundesweiten Feiertag zu erheben und beispielhaft aufzuzeigen, wie der Tag als Bildungstag genutzt werden kann.

Alle vier Veranstaltungen waren unterschiedlich gut besucht, die beiden Online-Podiumsdiskussionen litten m.E. darunter, dass sie ursprünglich im Anschluss an Filmvorführungen gedacht waren, die aus Gründen der Kontaktbeschränkungen wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden konnten.

Das geringste Interesse fand leider die Veranstaltung am Freitag, 7. Mai 2021 zum Thema „Historische Verantwortung“, größer war das Interesse am Samstag, 8. Mai 2021 zu „Aktueller faschistischer Terror – Von NSU, Tag X und Waffenfunden“. Vielleicht lag es am Termin, vielleicht ist aber die Bereitschaft größer, sich mit den gegenwärtigen Ereignissen zu beschäftigen als mit der Vergangenheit. Gleichwohl waren beide Veranstaltungen wichtig und inhaltlich wertvoll.

Antifaschistischer Stadtrundgang in Buer, hier am historischen Eingang des Buerschen Rathauses.

Unterschiedlich war auch das Interesse bei den beiden Antifaschistischen Stadtrundgängen am 9. Mai 2021. Beide folgten den jeweils örtlichen Spuren der NS-Zeit und veranschaulichten an historischen Schauplätzen die lokale Geschichte von Verfolgung und Widerstand, von Rassenwahn und Kriegsalltag. Der Rundgang durch Alt-Gelsenkirchen ab 11 Uhr war weniger gut besucht als der durch Buer-Mitte ab 15 Uhr. Hier scheint, diesen Rückschluss lassen Gespräche zu, die Uhrzeit eine große Rolle gespielt zu haben.

Damit ist die Aktionswoche 8. Mai beinahe zu Ende, es folgt noch am Donnerstag, 13. Mai 2021 ab 15 Uhr ein Rundgang in Gelsenkirchen-Horst mit dem Schwerpunkt Zwangsarbeit. Treffpunkt ist Ecke Brinkstraße/An der Rennbahn zwischen Kanal und Emscher.

Der Stadtrundgang in Buer endete auf dem Friedhof Mühlenstraße, am Gedenkort für die ermordeten Jüdinnen und Juden der Stadt.

„Wer nicht feiert, hat verloren!“ – Online-Podiumsdebatte zur historischen Verantwortung

Gruppenbild vom Abschluss der Antifaschistischen Fahrrad-Demo am 2. Mai 2021 vor dem Werner-Goldschmdt-Salon.

Während sich die einen noch von den Strapazen der Antifaschistischen Fahrraddemo erholen, bereiten andere bereits die nächsten Veranstaltungen vor, die von Freitag bis Sonntag folgen werden. Zuerst folgen zwei Online-Podiumsdebatten am 7. Mai zur Historischen Verantwortung und am 8. Mai zum aktuellen faschistischen Terror. Am 9. Mai folgen zwei Antifaschistische Stadtrundgänge, vormittags in (Alt-)Gelsenkirchen und nachmittags in Buer. Schließlich folgt noch am 13. Mai der Antifaschistische Stadtrundgang im Stadtteil Horst.

Am Freitag, 7. Mai 2021 steht von 18.00 bis 20.00 Uhr der Umgang von Staat und Gesellschaft mit der NS-Zeit im Mittelpunkt. In der Ankündigung heißt es dazu: „Der Umgang der bundesrepublikanischen Gesellschaft mit dem Nazifaschismus und seinen Folgen war jahrzehntelang von Verdrängung geprägt. Und trotz vieler Fortschritte müssen auch heute noch beträchtliche Teile der Bevölkerung und der politisch Verantwortlichen ‚zum Jagen getragen‘ werden, wenn es um die Lehren von 1945 geht. Doch kann man einen Schlussstrich ziehen, wenn Rassismus und rechtsradikale Gruppierungen fröhliche Urständ feiern? Zeugt es von Lernen aus der Vergangenheit, wenn Russland als das Land, das am meisten unter dem Faschismus gelitten hat, immer noch als Feindbild herhalten muss und deutsche Soldaten wieder Manöver an seinen Grenzen abhalten? Wie sieht es generell mit der Wiedergutmachung der enormen Schäden aus, die Deutschland den überfallenen Ländern zugefügt hat? Und wird hierzulande und auch in Gelsenkirchen genug getan zum Andenken an die Opfer, zur Erinnerung an die Täter und zur Aufklärung der jüngeren Generationen über die Ursachen des Faschismus? Könnte eine Erhebung des 8. Mai zum bundesdeutschen Feiertag dabei helfen ‚Nichts und niemanden zu vergessen‘?“

Es diskutieren Dr. Ulrich Schneider, Historiker, Bundessprecher der VVN-BdA und Generalsekretär der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR), Florian Beer, Pädagogischer Mitarbeiter von SABRA NRW und Mitglied der GEW NRW sowie Hartmut Hering, Sozialwissenschaftler, befasst sich seit vielen Jahren mit der Gelsenkirchener Lokalgeschichte und vertritt an diesem Abend auch den Veranstalter, das Gelsenkirchener Aktionsbündnis gegen Rassismus und Ausgrenzung.
Die Moderation übernimmt die Historikerin Sabine Kittel vom Institut für Stadtgeschichte Gelsenkirchen.

Um Anmeldung unter der E-Mail-Adresse ab-ge@mailbox.org wird gebeten, der Link zur Videokonferenz wird dann rechtzeitig zugemailt. Hier noch eine Übersicht über alle Veranstaltungen. Die genannte E-Mail-Adresse gilt auch für alle weiteren Anmeldungen. Die vollständige Programmübersicht (Flyer) kann von der Seite der VVN-BdA Gelsenkirchen heruntergeladen werden.

„Wer nicht feiert, hat verloren!“ – Aktionswoche 8. Mai erfolgreich gestartet!

Fahrräder und Abstand – auch hier beim Zwischenstopp auf dem Heinrich-König-Platz, wo es um Widerstand aus den Reihen der katholischen und evangelischen Kirche ging.

Als Erfolg kann das Gelsenkirchener Aktionsbündnis gegen Rassismus und Ausgrenzung den Start der Aktionswoche am heutigen 2. Mai verbuchen. Etwa 20 radfahrende Teilnehmende begleiteten den Referenten auf der Tour quer durch die Stadt Gelsenkirchen. Auch das Wetter hielt was der Wetterbericht versprochen hatte. Lediglich am Startpunkt gab es ein oder zwei Minuten Regen sowie zwischendurch einmal ein paar Regentropfen.

Begleitet wurde die Fahrrad-Demo, die an verschiedenen Orten an den Widerstand von Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchener erinnerte, von sechs radfahrenden Polizeibeamtinnen und -beamten, die dafür sorgten, dass der Autoverkehr dem Fahrrad-Korso nicht zu nahe kam. Bedanken möchten wir uns an dieser Stelle ganz herzlich für den freundlichen Einsatz der Polizei.

Startpunkt war die Goldbergstraße 84 in Buer vor dem Haus der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, wo zugleich an die Zerschlagung der freien Gewerkschaften am 2. Mai 1933 durch die Nazis erinnert wurde. Von dort aus ging es zu insgesamt neun Orten, die an den Widerstand in Gelsenkirchen erinnern. Zunächst in Buer zur Schlenkhoffstraße, die an den Widerstand vor 1933 und aus der SPD erinnert, und dann in einer längeren Fahrt nach Horst zum Rudolf-Bertram-Platz vor dem St.-Josef-Hospital, der an den Retter von 17 jüdischen Zwangsarbeiterinnen erinnert. In Horst wurden noch Stolpersteine für den kommunistischen Widerstandskämpfer Johann Eichenauer in der Schlangenwallstraße und für den belgischen Zwangsarbeiter Charles Ganty Am Bugapark aufgesucht.

Auch in der Schlenkhoffstraße hieß es Abstand halten, während der Referent über den Widerstand vor 1933 und der SPD berichtete.

Von dort ging es wieder mit einer längeren Strecke in den Stadtteil Schalke, hier erinnern zwei Stolpersteine in der Liebfrauenstraße an die beiden kommunistischen Widerstandskämpfer Rudolf Littek und Fritz Rahkob, wobei auch die Ehefrau Emma Rahkob nicht vergessen wurde. Über das Alfred-Zingler-Haus im Stadtteil Bulmke, wo eine Erinnerungsortetafel an das sozialdemokratische Ehepaar Margarethe und Alfred Zingler erinnert, ging es in die Innenstadt, vorbei am Margarethe-Zingler- und Fritz-Rahkob- auf den Heinrich-König-Platz. Hier wurde an den Widerstand aus der katholischen wie der evangelischen Kirche erinnert und an den Ernst-Käsemann-Platz im Stadtteil Rotthausen hingewiesen, der zu weit außerhalb lag und daher nicht in die Tour aufgenommen wurde. Nach dem Stolperstein für Erich Lange, einem jungen Mann der bereits im Sommer 1932 von der SS zum kommunistischen Kampfbund gegen den Faschismus übergetreten war, ging es zum letzten Halt am Werner-Goldschmidt-Salon, der an den jüdischen Widerstandskämpfer Werner Goldschmidt erinnert.

In der Liebfrauenstraße in Schalke standen zwei kommunistische Widerstandskämpfer für die hier Stolpersteine verlegt sind im Mittelpunkt.

Als weitere Aktivitäten sind zwei Online-Podiumsdebatten zur Historischen Verantwortung am 7. Mai sowie zum aktuellen faschistischen Terror am 8. Mai vorgesehen, sowie drei Stadtrundgänge in Gelsenkirchen, Buer und Horst am 9. bzw. 13. Mai. Zwei geplante Filmvorführungen, die vor den Podiumsdiskussionen geplant waren, musste das Bündnis leider auf einen späteren Termin verschieben, da sie unter den derzeitigen Einschränkungen nicht durchgeführt werden können. Eine Programmübersicht (Flyer) kann von der Seite der VVN-BdA Gelsenkirchen heruntergeladen werden.

Fotos Marco Langfeldt

„Wer nicht feiert, hat verloren!“ – Aktionswoche 8. Mai beginnt am 2. Mai mit einer Fahrrad-Demo zum Widerstand in Gelsenkirchen

Mit einer Fahrrad-Demo von Gelsenkirchen-Buer über Horst, Schalke und Bulmke in die Innenstadt von Alt-Gelsenkirchen beginnt am morgigen 2. Mai das Gelsenkirchener Aktionsbündnis gegen Rassismus und Ausgrenzung seine Aktionswoche um den 8. Mai. Wie schon im letzten Jahr unterstützt das Bündnis die Forderung von Esther Bejarano, Überlebende des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz, des Konzentrationslagers Ravensbrück und eines Todesmarsches, den 8. Mai als Tag der Befreiung vom Faschismus zum bundesweiten Feiertag zu erheben. Nach der kontaktlosen Menschenkette im vergangenen Jahr will das Bündnis in diesem Jahr mit einer Reihe von Aktionen zeigen, wie ein solcher Feiertag als Bildungstag genutzt werden kann. Die Fahrrad-Demo „Widerstand in Gelsenkirchen gegen den Faschismus“ ist ein Teil davon.

Startpunkt ist die Goldbergstraße 84 vor dem Haus der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, wo zugleich an die Zerschlagung der freien Gewerkschaften am 2. Mai 1933 durch die Nazis erinnert werden wird. Danach geht es zu insgesamt neun Orten, die an den unterschiedlichen Widerstand in Gelsenkirchen erinnern. Zunächst in Buer zur Schlenkhoffstraße, die an den Widerstand vor 1933 und aus der SPD erinnert, und dann in einer längeren Fahrt nach Horst zum Rudolf-Bertram-Platz vor dem St.-Josef-Hospital, der an den Retter von 17 jüdischen Zwangsarbeiterinnen erinnert. In Horst werden noch Stolpersteine für den kommunistischen Widerstandskämpfer Johann Eichenauer und für den belgischen Zwangsarbeiter Charles Ganty aufgesucht.

Einer der Zwischenhalte ist die Schlenkhoffstraße in Gelsenkirchen-Buer.

Von Horst geht es weiter in den Stadtteil Schalke, hier erinnern zwei Stolpersteine in der Liebfrauenstraße an die beiden kommunistischen Widerstandskämpfer Rudolf Littek und Fritz Rahkob, wobei auch die Ehefrau Emma Rahkob nicht vergessen werden wird. Über das Alfred-Zingler-Haus, wo eine Erinnerungsortetafel an das sozialdemokratische Ehepaar Margarethe und Alfred Zingler erinnert, geht es in die Innenstadt zum Heinrich-König-Platz. Hier wird an den Widerstand aus der katholischen wie der evangelischen Kirche erinnert und an den Ernst-Käsemann-Platz im Stadtteil Rotthausen hingewiesen, der leider nicht in die Tour aufgenommen werden konnte. Nach dem Besuch des Stolpersteins für Erich Lange, einem jungen Mann der vor der Machtübertragung an die Nazis 1933 von der SS zum Kampfbund gegen den Faschismus übergetreten war, geht es zum letzten Halt vor dem Werner-Goldschmidt-Salon, der an einen jüdischen Widerstandskämpfer erinnert.

Die Strecke ist sehr anspruchsvoll, sie umfasst etwa 20 Kilometer und schon die reine Fahrtzeit ohne Zwischenhalte würde schon bei einer gemächlichen Fahrt rund 90 Minuten dauern. Beginn der Fahrrad-Demo ist 10.30 Uhr in Buer, die Abfahrt ist für 11.00 Uhr geplant. Voraussichtliche Ankunft in Gelsenkirchen ist für etwa 14 Uhr geplant, im Werner-Goldschmidt-Salon wird es die Möglichkeit geben, die Toilette zu benutzen.

Die Demonstration ist von der Polizei genehmigt und wird mit den üblichen Hygienemaßnahmen (Abstand halten, Mundschutz während der Zwischenhalte) durchgeführt. Kurze Ansprachen während der Zwischenhalte werden über ein Megafon erfolgen, damit die Abstände auch eingehalten werden können. Ferner ist geplant, diese Tour später auch als individuelle Tour im Internet anzubieten.

Als weitere Aktivitäten sind zwei Online-Podiumsdebatten zur Historischen Verantwortung am 7. Mai sowie zum aktuellen faschistischen Terror am 8. Mai vorgesehen, sowie drei Stadtrundgänge in Gelsenkirchen, Buer und Horst am 9. bzw. 13. Mai. Zwei geplante Filmvorführungen, die vor den Podiumsdiskussionen geplant waren, musste das Bündnis leider auf einen späteren Termin verschieben, da sie unter den derzeitigen Einschränkungen nicht durchgeführt werden können. Eine Programmübersicht (Flyer) kann von der Seite der VVN-BdA Gelsenkirchen heruntergeladen werden, weitere Informationen und eine Übersicht sind hier zu finden.

Vom Ostermarsch bis zum 8. Mai

Hildegard vom Friedensforum Gelsenkirchen am antifaschistischen Mahnmal mit Blumen und Friedenstaube.

Wie schon im vergangenen Jahr kümmert sich das Friedensforum Gelsenkirchen um den Blumenschmuck am antifaschistischen Mahnmal zwischen dem Ostermarsch und dem 8. Mai.

Die Verbindung der beiden Termine, der Ostermarsch für Frieden und Abrüstung und der 8. Mai, der Tag der Befreiung Europas vom Faschismus, illustriert die antifaschistische Losung „Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!“

Zugleich weist diese Aktion darauf hin, dass auch in diesem Jahr um den 8. Mai Veranstaltungen des Gelsenkirchener Aktionsbündnis gegen Rassismus und Ausgrenzung in Vorbereitung sind, die die Forderung, den 8. Mai als Tag der Befreiung zum Feiertag zu machen, unterstützen.

„8. Mai zum Feiertag machen“ Thema im Rat der Stadt Gelsenkirchen

Pressetermin des Gelsenkirchener Aktionsbündnis gegen Rassismus und Ausgrenzung am 03.06.2020 am VVN-Mahnmal im Stadtgarten (Foto Jonas Selter).

In Unterstützung der Kampagne des Gelsenkirchener Aktionsbündnisses gegen Rassismus und Ausgrenzung, die Forderung der Auschwitz-Überlebenden Esther Bejarano und der VVN-BdA, den 8. Mai zum Feiertag zu machen, hat die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen stellvertretend für das Aktionsbündnis einen Antrag an den Rat der Stadt eingebracht, um das Thema in der Ratssitzung am 25. Juni 2020 zu diskutieren und zu beschließen. Hier der Antrag und die ausführliche und lesenswerte Begründung im Wortlaut. Die Links stammen natürlich nicht aus dem Ratsinformationssystem.

Zur Sitzung des Rates der Stadt Gelsenkirchen am 25. Juni 2020 beantragt die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN folgenden Tagesordnungspunkt:

8. Mai zum bundesweiten Feiertag erheben

Der Rat der Stadt Gelsenkirchen beschließt:
Die Stadt Gelsenkirchen unterstützt die Forderung der Holocaust-Überlebenden und Vorsitzenden des Auschwitz-Komitees in der Bundesrepublik Deutschland e. V, Esther Bejarano, den 8. Mai zum bundesweiten Feiertag zu erheben. Die Gelsenkirchener Stadtverwaltung setzt sich mit allen der Kommune zur Verfügung stehenden Mitteln öffentlich, auf Verbandsebene sowie insbesondere beim Land NRW und auf Bundesebene für die Erreichung dieses Zieles ein.

Des Weiteren beantragt die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Rahmen des Tagesordnungspunktes, den Vertreter*innen des „Gelsenkirchener Aktionsbündnisses gegen Rassismus und Ausgrenzung“ Rederecht einzuräumen.

Begründung:

Das „Gelsenkirchener Aktionsbündnis gegen Rassismus und Ausgrenzung“ hat mit einem offenen Brief an den Oberbürgermeister der Stadt Gelsenkirchen sowie an die demokratischen Fraktionen im Rat der Stadt dazu aufgerufen, die Initiative von Esther Bejarano zu unterstützen, den 8. Mai zum bundesweiten Feiertag zu erheben. Unter dem Motto #GEfeiert8Mai hat das Bündnis zudem eine Kampagne gestartet, über die die Stadtgesellschaft über die Initiative informiert wird und die eigene Unterstützung bekundet werden kann.
Die GRÜNE Ratsfraktion möchte mit diesem Antrag dazu beitragen, dass das Anliegen des Bündnisses auf kommunalpolitischer Ebene zur Befassung kommt und bringt stellvertretend für das Bündnis die entsprechende Forderung ein.

Im offenen Brief heißt es nämlich: „Natürlich wissen auch wir, dass die Stadt Gelsenkirchen formal nicht für die Bestimmung bundesweiter Feiertage zuständig ist. Ein entsprechendes Votum wäre dennoch, in Verbindung mit vergleichbaren Initiativen anderer Kommunen und Organisationen, ein wichtiges Signal sowohl an die lokale Einwohnerschaft wie an die politisch Verantwortlichen in Land und Bund, sich in diesem Sinne zu engagieren. Aus diesem Grund fordern wir Sie und den Rat der Stadt Gelsenkirchen dazu auf, sich mit allen Ihnen zur Verfügung stehenden politischen und administrativen Mitteln dafür einzusetzen, dass der 8. Mai zum bundesweiten gesetzlichen Feiertag erklärt wird.“
In der von Esther Bejarano Anfang 2020 gestarteten Petition heißt es unter anderem: „Ich überlebte als Mitglied des „Mädchenorchesters“ das deutsche Vernichtungslager Auschwitz und konnte vor 75 Jahren auf dem Todesmarsch der Häftlinge des KZ-Ravensbrück der SS entkommen. Ich bin Vorsitzende des Auschwitz-Komitees in der BRD e.V und Ehrenpräsidentin der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten.
Ich fordere: Der 8. Mai muss ein Feiertag werden! Ein Tag, an dem die Befreiung der Menschheit vom NS-Regime gefeiert werden kann. Das ist überfällig seit sieben Jahrzehnten. Und hilft vielleicht, endlich zu begreifen, dass der 8. Mai 1945 der Tag der Befreiung war, der Niederschlagung des NS-Regimes.“
Diese Petition haben bislang mehr als 100.000 Bundesbürger*innen unterzeichnet. Sie bekräftigen damit die Forderung, dem 8. Mai endlich auch in Deutschland jene Bedeutung beizumessen, die er in vielen europäischen Ländern seit jeher als Tag der Befreiung von der NS-Herrschaft besitzt.

Für die Stadt Gelsenkirchen gibt es insbesondere drei Gründe, diese Initiative ebenfalls zu unterstützen.
Der 8. Mai 1945, der sich 2020 zum 75. Mal jährt, ist die Geburtsstunde der heutigen demokratischen kommunalen Selbstverwaltung.
Der 8. Mai war nicht nur das Ende des vom NS-Faschismus ausgegangenen Zweiten Weltkrieges, eines aggressiven Eroberungs- und Vernichtungskrieges, in dessen Schatten auch der Holocaust stattgefunden hatte. Er markiert zugleich die Befreiung von der NS-Diktatur, die bereits 1933 als eine ihrer ersten Maßnahmen die kommunale Selbstverwaltung der Weimarer Republik zerstört und durch das Führerprinzip ersetzt hatte. Erst der 8. Mai 1945 schuf die Voraussetzungen für den demokratischen Wiederaufbau der Kommunen.
Diese Tatsache wird auf kommunaler Ebene bislang viel zu wenig gewürdigt. Der 8. Mai wäre das geeignete Datum, die Bedeutung dieser historischen Errungenschaft für die hiesige Bevölkerung dauerhaft bewusst zu halten und konkreter erlebbar zu machen.
Die Stadt Gelsenkirchen und ihre Bevölkerung waren vom Terror der NS-Diktatur, den Auswirkungen des Holocaust wie auch vom Krieg massiv betroffen. Die menschlichen und strukturellen Folgen sind bis heute wahrnehmbar:
Insgesamt verloren zwischen 1939 und 1945 rund 20.000 Gelsenkirchener Bürger*innen durch die Politik des NS-Regimes ihr Leben, darunter ca. 500 rassisch oder politisch Verfolgte, 7.000 Vermisste, 3.500 Zwangsarbeiter, 3.000 Bombenopfer und 10.340 tote Gelsenkirchener Soldaten.
Die massiven Luftangriffe der letzten Kriegsjahre legten nicht nur große Teile der kriegswichtigen Industrieanlagen, sondern auch der Wohnstadtteile in Schutt und Asche und zerstörten damit auf Jahre hinaus die Lebensgrundlage von Hunderttausenden.

Das Aufrüstungsdiktat vor dem Krieg und die durch die Kriegszerstörungen verursachte Notwendigkeit zur Kohle- und Stahlproduktion für den Wiederaufbau nach dem Krieg verurteilten die Stadt Gelsenkirchen zur Aufrechterhaltung ihrer schwerindustriellen Monostruktur und verhinderten frühzeitig mögliche andere Entwicklungswege. Diese einseitige wirtschaftliche Orientierung erwies sich spätestens in der Kohle- und Stahlkrise als wirtschaftspolitische Sackgasse und wirkt sich bis heute als nachhaltige Langzeitfolge negativ auf die lokale Wirtschaftsstruktur, den Arbeitsmarkt und damit auf die Lebensqualität eines beträchtlichen Teils der Gelsenkirchener*innen aus.
Der 8. Mai als Feiertag wäre das geeignete Datum, diese historischen Zusammenhänge und die damit verbundene Verantwortung für den Frieden gerade in einer Stadt wie Gelsenkirchen insbesondere in der jüngeren Generation stärker als bisher bewusst zu machen und mit Leben zu füllen.
Das aktive Gedenken an den 8. Mai ist ein klares Zeichen gegen Rechts. Inzwischen leben nur noch wenige Menschen, die eigene Erinnerungen an die NSZeit und den 2. Weltkrieg haben. Stattdessen erleben wir seit den 1990er Jahren einen verstärkten Aufschwung rechter und rechtsextremer Parteien in unserer Stadt, angefangen von den Republikanern, über Pro NRW bis hin zur AfD, die alle in den Rat der Stadt eingezogen sind. Nach Hakenkreuzschmierereien und Morddrohungen gegenüber Politiker*innen erleben wir gerade in jüngster Zeit, wie sich rechte Strukturen auch in unserer Stadt herausbilden, wachsen und aktuelle Unsicherheiten für ihre Ziele auszunutzen versuchen.
Oberbürgermeister Frank Baranowski hat in seiner Rede am 9. November 2019 während der Gedenkveranstaltung der Demokratischen Initiative anlässlich der Reichspogromnacht angemerkt: „Wir stellen fest, dass auch in Deutschland antisemitische Einstellungen nicht verschwunden sind. (…) Zugleich müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass Rechtsextremismus kein Phänomen von Randgruppen ist.“ Dies dürften die Gelsenkirchener Demokraten nicht akzeptieren: „Und für Nazis gibt es eben keine Toleranz! Das darf nirgendwo in Deutschland der Fall sein, und schon gar nicht in unserer Stadt, Gelsenkirchen!“
Gegenüber der erstarkenden Rechten, die sich „das Land und die Geschichte“ zurückholen will und dabei gezielt die schwierige soziale Lage der Stadt sowie die daraus bei vielen Menschen hervorgerufene persönliche Unsicherheit ausnutzen, wäre es ein starkes demokratisches und antifaschistisches Signal, den 8. Mai bundesweit zum Feiertag zu erklären. Eine solche Aufwertung dieses Tages kann dazu beitragen, die Bedeutung der Befreiung 1945 für unsere heutige demokratische Verfassung stärker bewusst zu machen und ein konsequenteres politisches Handeln gegen rechts gerade auch vor Ort durchzusetzen. Der Tag könnte zudem gezielt für Bildungs- und Aufklärungsarbeit genutzt werden, an der sich im besten Fall zahlreiche Akteur*innen mit verschiedensten Angeboten im gesamten Stadtgebiet beteiligen.
Nicht zuletzt, diese eindeutige Zielsetzung bewegte den Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Reiner Hoffmann, den Vorschlag ebenfalls zu unterstützen: „Der 8. Mai sollte gesetzlicher Feiertag werden – als ein Tag gegen Rassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung jeglicher Form.“
Aus den genannten Gründen liegt es im Interesse der Stadt Gelsenkirchen und aller ihrer Bürger*innen, sich mit allen zur Verfügung stehenden politischen und administrativen Mitteln dafür einzusetzen, dass der 8. Mai zum bundesweiten gesetzlichen Feiertag erklärt wird.

Kampagne #GEfeiert8Mai des Aktionsbündnisses!

Der Hashtag der Kampagne des Aktionsbündnisses: Hochhalten und mitmachen!

Gerade erst begonnen hat die Kampagne des Gelsenkirchener Aktionsbündnisses gegen Rassismus und Ausgrenzung, mit der das Bündnis ein deutliches Signal auch aus Gelsenkirchen fordert, den 8. Mai zum Feiertag zu machen. Nach der kontaktlosen Menschenkette am 8. Mai im Stadtgarten hat das Bündnis einen Offenen Brief an den Oberbürgermeister der Stadt Gelsenkirchen und die demokratischen Parteien im Rat der Stadt mit dieser Forderung geschickt.

Im Facebook-Eintrag des Bündnisses heißt es: „Denn gerade in der aktuellen Situation ist es wichtig ein klares Zeichen für Demokratie und Solidarität auszusenden. Gemeinsam mit der Stadtgesellschaft wollen wir bekräftigen, dass wir auch und immer noch 75 Jahre nach Kriegsende weltweit gegen Rassismus, Nationalismus und Antisemitismus eintreten und kämpfen. Dazu fordern wir einen freien Tag, an dem Aufklärungs- und Bildungsarbeit zu aktuellen antifaschistischen Themen geleistet, auf den historischen Faschismus zurückgeblickt, an seine Opfer gedacht werden und die Befreiung von Nazi-Deutschland gefeiert werden kann!“

Diese Kampagne kann jede Gelsenkirchenerin und jeder Gelsenkirchener mit Bildern oder kurzen Videos unterstützen, auf denen sie oder er den Hashtag #GEfeiert8Mai hochhält und dabei erklärt, warum der 8. Mai ein Feiertag werden soll. Die Fotos oder Videos können per Facebook oder an die E-Mail-Adresse des Bündnisses AB-GE@mailbox.org geschickt werden. Die gesammelten Statements sollen noch vor der nächsten Sitzung des Rates der Stadt Gelsenkirchen am 25. Juni in einer gemeinsamen starken Botschaft veröffentlicht werden.

8. Mai arbeitsfrei! Zeit für Antifaschismus!

Eines der vielen selbstgemachten Plakate und ein Blick auf einen Teil der Menschenkette.

Den Kontaktbeschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie zum Trotz fanden sich am heutigen 8. Mai 2020 über 50 Demonstranten ein, um bei schönstem Wetter im Stadtgarten dafür zu demonstrieren, den 8. Mai als Tag der Befreiung vom Faschismus zum Feiertag zu machen. Das Gelsenkirchener Aktionsbündnis gegen Rassismus und Ausgrenzung hatte angesichts der 75. Wiederkehr des 8. Mai 1945 zu einer kontaktlosen Menschenkette aufgerufen, die vom Mahnmal für die Opfer des Faschismus in Richtung eines kleinen Gedenkortes ging, an dem in den letzten Kriegstagen 1945 noch sowjetische Zwangsarbeiter ermordet worden waren. Insgesamt sechs Rednerinnen und Redner, deren Reden zudem direkt ins Internet gestreamt wurden, machten anhand historischer und aktueller Entwicklungen die Notwendigkeit dieses Tages als Feiertag deutlich.

Die Reden wurden vor dem Hintergrund des Mahnmals für die Opfer des Faschismus in Gelsenkirchen gehalten, welches auf Initiative der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) und mit Unterstützung der Stadt Gelsenkirchen errichtet und am 10. September 1950 feierlich der Öffentlichkeit übergeben worden war. Die heutige VVN-BdA hat an diesem Tag das Mahnmal mit einem Transparent ergänzt, das auf die vielen ehemaligen Außenlager des KZ Buchenwald an Rhein und Ruhr hinweist.

Das Transparent der VVN-BdA NRW wurde dank tatkräftiger Hilfe für die Dauer der Veranstaltung am Mahnmal angebracht.

Die Redner*innen Hartmut, Ada, Gregor, Klaus, Peter und Knut thematisierten in unterschiedlicher Weise den 8. Mai. So konnte Hartmut aus eigener Anschauung berichten, wie in Gelsenkirchen in den 1980er Jahren die Beschäftigung mit der Nazi-Vergangenheit in Gelsenkirchen begonnen hatte. Beeindruckend fand ich die Rede von Ada, die nicht nur auf die ganz konkreten Gefahren hinwies, die von den aktuellen Entwicklungen angesichts der Bedeutungszunahme rechtsextremer Ideologie und Gewalttaten und rechtspopulistischer bis faschistischer Parteien und Organisationen ausgeht, sondern zugleich um ein Zeichen gegen rechts zu setzen zu einer Gegendemonstration an diesem Sonntag aufrief. In den Reden von Hartmut, Gregor und Knut wurde auch Alexander Gaulands jüngste Äußerungen angesprochen, der den 8. Mai für nicht würdig hält, und nur deutlich macht, wie sehr er und die AfD für ein Deutschland bis 1945 steht.

Die Forderung aus der kontaktlosen Menschenkette im Stadtgarten.

Anlass für die Kundgebung war nicht zuletzt die bundesweite Kampagne der Auschwitz-Überlebenden Esther Bejarano und der VVN-BdA, die fordern, den 8. Mai als Tag der Befreiung vom Faschismus zum Feiertag zu erklären. Über 100.000 Unterstützerinnen und Unterstützer hat die Petition bereits gefunden, deren 100.000 Unterschriften am gestrigen 7. Mai in Berlin Vertretern von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke übergeben worden sind. Gewerkschafter und Politiker aus demokratischen Parteien unterstützen die Forderung ebenfalls.

Im Laufe der Kundgebung wurde die kontaktlose Menschenkette immer länger.

Peter Gingold, deutsch-jüdischer Widerstandskämpfer in der französischen Resistance, sprach vom 8. Mai als dem „Morgenrot der Menschheit“!. Darum lasst uns in jedem Jahr an jedem 8. Mai gemeinsam das Morgenrot der Menschheit feiern, denn wir wissen: Wer nicht feiert, hat (den Krieg) verloren!

Im Bild Klaus Brandt, der ewig unbequeme Sozialdemokrat in Gelsenkirchen.

Ergänzte Fassung.

8. Mai zum Feiertag machen!

Auschwitz-Überlebende fordert den 8. Mai zum Feiertag zu machen!

Das Mahnmal für die Opfer des Faschismus in Gelsenkirchen, auf Initiative der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) mit Unterstützung der Stadt im Stadtgarten errichtet und am 10. September 1950 feierlich der Öffentlichkeit übergeben, wird am 8. Mai 2020 Ausgangspunkt einer kontaktlosen Menschenkette sein, die bis zu dem Ort reicht, an dem noch kurz vor Kriegsende sowjetische Zwangsarbeiter – vermutlich von einer Volkssturmeinheit – ermordet und in einem Bombentrichter verscharrt worden sind.

Veranstalter ist das Gelsenkirchener Aktionsbündnis gegen Rassismus und Ausgrenzung, Anlass ist die 75. Wiederkehr des Jahrestages der Befreiung Europas vom Faschismus am 8. Mai 1945. Eine aufgrund der Kontaktbeschränkungen wegen der Corona-Pandemie kontaktlose Menschenkette soll diese beiden Orte ab 17 Uhr miteinander verbinden. Ziel des Bündnisses ist es, nicht nur an die Geschichte des Faschismus zu erinnern, sondern zugleich auch den Blick für die Gegenwart zu schärfen, angesichts der Zunahme rechtsextremer Gewalttaten und rechtspopulistischer bis faschistischer Parteien, Organisationen und Aktivitäten.

Zugleich wirbt das Aktionsbündnis für die Kampagne der Auschwitz-Überlebenden und Ehrenvorsitzenden der VVN-BdA, Esther Bejarano, den 8. Mai zum Feiertag zu erklären. Zur Online-Petition, die bereits mehr als 80.000 Unterstützer gefunden hat, geht es hier. Bitte unterschreibt weiterhin zahlreich. Wer nicht feiert, hat verloren!

„Ein jüdischer Antifaschist in den Reihen der Résistance“

Alice und Juri am 17.05.2019 im Subversiv Gelsenkirchen.

Rund 3000 Deutsche kämpften in der französischen Résistance, eine Tatsache, die in Deutschland und selbst in Frankreich bis heute weitgehend unbekannt ist. Im Subversiv im Gelsenkirchener Stadtsüden waren gestern die Tochter und der Enkel von Peter Gingold zu Gast und berichteten aus dem bewegten Leben ihrer Familie. Vor einem bunt gemischten Publikum, die das Subversiv teilweise zum ersten Mal kennen lernte, ließen Alice und Juri die Vergangenheit lebendig werden.

Kein Ton war aus dem Publikum zu vernehmen, während Alice aus ihrer Familiengeschichte erzählte. Ergänzt wurden ihre Erzählungen mit Passagen aus der Autobiografie Peter Gingolds, die Alice Sohn Juri vorlas. Zudem wurden kleine Filmszenen eingespielt, in denen unter anderem auch Peter selbst zu Wort kam. In Deutschland aufgewachsen, floh die Familie 1933 vor den Nazis nach Frankreich. In Paris engagierte sich Peter wie zuvor in Deutschland in einer Gruppe junger deutscher Antifaschistinnen und Antifaschisten. Hier lernte er seine spätere Frau Etti Stein-Haller kennen. Alice wurde Anfang Juni 1940 geboren, als die Deutsche Wehrmacht bereits kurz vor der französischen Hauptstadt stand. Nach der Besetzung Frankreichs durch Nazi-Deutschland schloß sich Peter der Résistance an und lebte im Untergrund. Als 1942 die Deportationen jüdischer Menschen begannen, brachten Etti und ihre Familie Alice und andere Kinder unter falschen Namen bei einer Bauersfamilie unter. Ende 1942 wurde Peter von der Gestapo verhaftet, doch gelang ihm die Flucht. Der Titel seiner Autobiografie „Paris – Boulevard St. Martin No. 11“ nennt die Adresse, bei der ihm die unglaubliche Flucht aus den Fängen der Gestapo gelang.

Nach 1945 kehrte das Ehepaar in das zerstörte Frankfurt am Main zurück. Peter engagierte sich in der KPD, die 1956 verboten wurde. Ebenfalls 1956 entdeckte ein Beamter, dass sie nach ihrer Rückkehr aus der Emigration zu Unrecht deutsche Pässe erhalten hatten, die Eltern waren polnische Juden gewesen. So wurde die Familie staatenlos. Erst nach vielen Protesten erhielten sie die deutsche Staatsbürgerschaft zurück. Nicht zuletzt aufgrund dieser Erfahrung engagierte sich Peter als Zeitzeuge. Auch Alice Schwester Silvia musste erfahren, dass ein politisches Engagement im demokratischen Staat nicht unbedingt zum Vorteil gereicht, sie erhielt Berufsverbot und durfte erst später als Lehrerin nur im Angestelltenverhältnis arbeiten. Bis heute wird sie vom Verfassungsschutz beobachtet, weil sie auf Veranstaltungen beispielsweise der VVN-BdA aus der Autobiografie ihres Vaters liest.

Welche Bedeutung Geschichte für die Gegenwart hat, machten Alice und Juri deutlich, als es um die Erfahrungen als Flüchtling in Frankreich ging, um die Situation der Flüchtlinge in der Gegenwart zu verstehen. So hat sich ihr Vater gegen die weitgehende Abschaffung des Asylrechts im Grundgesetz eingesetzt. Den Abschluss bildete ein Ausschnitt einer Rede von Peter in der Gesamtschule Ingelheim, in der er die Schüler aufforderte, sich heute zu engagieren, und nicht zu warten, bis es so schwer geworden ist wie zu seiner Zeit. Ein besseres Schlusswort konnte es nicht geben.

Bei der Veranstaltung handelte es sich um eine Kooperation der Schalker Faninitiative e.V., des Freiraumprojektes Subversiv und der Gelsenkirchener VVN-BdA im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Aktionswochen für ein friedliches, demokratisches und weltoffenes Europa“ des Gelsenkirchener Aktionsbündnisses gegen Rassismus und Ausgrenzung. Unter dem Namen „Kinder des Widerstandes“ haben sich Kinder und Enkel von Verfolgten des Naziregimes zusammengefunden und führen die Arbeit ihrer Eltern oder Großeltern in einer besonderen Art der Zeitzeugenarbeit fort.