Archiv für den Monat März 2013

Ostermarsch 2013 – Gegen Party, Palmen und Panzer

Ostermarsch 2013 06aDie diesjährige Begrüßung des Ostermarsches Rhein-Ruhr im Stadtgarten Gelsenkirchen litt kaum unter dem lang anhaltenden Winter. Während sich morgens ein paar Schneeflocken zeigten, kam am Vormittag sogar die Sonne heraus. Wie gewohnt hatten das Friedensforum, die Falken, die VVN, Die Linke und die MLPD ihre Infostände aufgebaut, nur die Bündnisgrünen glänzten durch Abwesenheit. Beim Friedensforum gab es neben Infos auch Kaffee und Kuchen, während Die Linke an ihrem präsentablen Infostand den Grill angeworfen hatte und Würstchen gegen eine Spende feilbot.

Ostermarsch 2013 05aPünktlich um 11.30 Uhr traf der Fahrradkorso aus Essen ein. Nach der Kranzniederlegung am Mahnmal für die Opfer des Faschismus sprach Katja Erzkamp für die Gelsenkirchener VVN-BdA. Sie kritisierte die jüngsten Werbeaktionen der Bundeswehr, die in „Bravo“ und „Neo“ zielgruppengerecht die Bundeswehr als Abenteuer bzw. als sicheren Arbeitsplatz vermarktet. Offenkundig leidet die Bundeswehr seit der Abschaffung der Wehrpflicht unter einem Nachwuchsmangel und versucht diesen zu beheben, in dem sie sich unter anderem als Teil der Friedensbewegung bezeichnet und den Jugendlichen je nach Altersgruppe Abenteuer oder einen sicheren „Arbeitsplatz“ verspricht, ohne zugleich darüber aufzuklären, was es bedeutet, Soldat zu sein.

Ostermarsch 2013 09aNach einer musikalischen Einlage von Norbert Labatzki und Leo Kowald machte sich der Fahrradkorso weiter auf den Weg nach Bochum-Wattenscheid. Die Beteiligung war etwas dünner als im vergangenen Jahr, was angesichts des Wetters nicht verwundern kann. Nach der Abfahrt des Fahrradkorsos wurde es schlagartig kälter und inzwischen zeigen sich auch wieder Schneeflocken …

Advertisements

O-Ton-Festival und Ostermarsch 2013

O-Ton-Festival 2013 VorderseiteAuch in diesem Jahr gibt es wieder im Doppelpack das O-Ton-Festival am (Oster-)Samstag(-abend) und die Begrüßung des Ostermarsches am Ostersonntag. Anders als in den vergangenen Jahren wird das O-Ton-Festival aber nicht im Stadtgarten stattfinden.

Unter dem bekannten Motto „Laut gegen Krieg und Faschismus“ findet das O-Ton-Festival mit PIET und Unseriös Pompöös sowie weiteren Bands, leckeres, veganes für den Magen und Infos am Samstag, 30. März 2013 von 17 bis 22 Uhr im Paul-Loebe-Haus, Düppelstr. 51 in 45879 Gelsenkirchen statt.

Der aus Essen kommende Ostermarsch-Fahrradkorso wird dagegen wieder wie gewohnt im Stadtgarten am (Oster-)Sonntag, 31. März 2013 gegen 11.00 Uhr mit Kaffee und Kuchen empfangen werden. Als Rednerin wird Katja Erzkamp (SJD Die Falken/ VVN-BdA Gelsenkirchen) am Mahnmal gegen Krieg und Faschismus sprechen, dazu wird Norbert Labatzki einige Klezmer-Weisen spielen, bevor die Ostermarschierer weiter nach Wattenscheid radeln.

Gedenken an Erich Lange

Erich Lange 80 Jahre100 Jahre wäre Erich Lange vor wenigen Tagen, am 16. März geworden – wenn er noch leben würde. Doch die Nazis setzten seinem Leben kurz nach seinem 20. Geburtstag am 22. März 1933 brutal ein Ende. Aus Anlass des 80. Jahrestages seiner Ermordung hatte Gelsenzentrum e.V. zu einer Gedenkveranstaltung eingeladen.

Erich Lange teilt das Schicksal vieler „kleiner Leute“. Er gehört zu den vergessenen Söhnen dieser Stadt. Im Institut für Stadtgeschichte gibt es keine Unterlagen über ihn, lediglich im Bericht seiner Jugendfreundin, der Antifaschistin Rosa Eck, blieb die Erinnerung an ihn erhalten. Zum ersten Mal las ich über Erich Lange in den „Beispielen der Verfolgung und des Widerstandes“ in Gelsenkirchen aus dem Jahre 1982, las ich über seine brutale Ermordung. In der „Gelsenkirchener Allgemeinen Zeitung“ war am 23. März 1933 nur kurz darüber berichtet worden. „Kommunistischer Funktionär erschossen“ hieß es dort in der Überschrift. Im Text erfuhr man, dass der Täter ein SS-Mann gewesen sei, der in Notwehr gehandelt haben soll.

Die Gründe für Erich Langes Ermordung liegen auf der Hand, wenn man weiß, dass dieser bis Sommer 1932 selbst Mitglied der SS gewesen ist. Doch Erich Lange hatte seinen Irrtum bald erkannt und war noch vor der Machtübergabe in die KPD und den „Kampfbund gegen des Faschismus“ eingetreten. Die Nazis, die seinen mutigen Schritt als „Verrat an der nationalen Sache“ auffassten, übten brutale Rache an ihm.

Seine Jugendfreundin, die inzwischen verstorbene Antifaschistin Rosa Eck, berichtete später in ihren Erinnerungen. Freunde, die seine Leiche in der Leichenhalle noch einmal sehen konnten, wären kaum in der Lage gewesen, ihn wieder zu erkennen. Er sei „erschlagen, erschossen und zertreten worden.“ Ein Detail zeigt, dass die Nazis selbst noch auf den Toten herumgetrampelt haben müssen, denn er hatte auf der Wange den Abdruck eines SS-Stiefels.

Erst seit 2011 gibt es an zwei Stellen im Gelsenkirchener Stadtgebiet Erinnerungsorte für Erich Lange. Der Gelsenkirchener Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen hatte die Patenschaft für einen Stolperstein in der Schwanenstraße 6, seinem letzten Wohnort übernommen. Die Gelsenkirchener Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) hatte die Patenschaft für einen Stolperstein am Ort seiner Ermordung, an der Ecke Ebertstraße/Am Rundhöfchen übernommen.

Am Ort seiner Ermordung fand auch die heutige Gedenkveranstaltung statt. Angesichts des ungemütlichen und kalten Wetters hatten sich nur wenige Gäste eingefunden. Andreas Jordan eröffnete die Veranstaltung, in dem er zunächst den schmutzig gewordenen Stolperstein blank polierte. Daran anschließend sprachen Knut Maßmann für die VVN-BdA und Wolfgang Küppers für Bündnis 90/Die Grünen und gedachten an einen Mann, über den wir nicht viel mehr wissen, als dass er von den Nazis ermordet worden ist.

Keine Chance für Pro NRW-Demotouristen

Demo gegen Pro NRWWieder einmal zeigte es sich, dass die rechtspopulistische aus Köln stammende Gruppierung „Pro NRW“ keine Massen, sondern nur großen Widerstand mobilisiert. Und an diesem schneereichen Dienstag war sogar das Wetter gegen sie!

In Duisburg stellten sich laut WAZ-Angaben 300 Demonstranten des „Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage“ im Schneetreiben den 15 Pro-NRWlern entgegen. Die „Pro NRW-Tournee“ demonstriert eigentlich gegen sogenannten „Asylmissbrauch“, doch hier in Duisburg-Bergheim demonstrierten sie vor einem Haus, in dem rumänische und bulgarische EU-Bürger wohnen, keine Asylbewerber. Deutlicher konnten die Rechtspopulisten sich nicht selbst entlarven. Ihr Thema ist nicht „Asylmissbrauch“, sondern Fremdenfeindlichkeit!

In Gelsenkirchen hatte ein „Bündnis gegen Rechts Gelsenkirchen“ zu einer Gegendemonstration auf der Beckeradsdelle aufgerufen, während die Falken parallel dazu auf dem Innenhof der Unterkunft ein Kinder- und Jugendfest veranstalteten. Beide waren auf ihre Weise erfolgreich. Bärbel Beuermann berichtete auf Facebook: „Unsere Demo verlief ruhig und besonnen; mit mehreren Wortbeiträgen wurde auf die Situation der Asylsuchenden eingegangen. Ebenso wurde die Aktion von Pro NRW auf das Schärfste verurteilt. Mehrere Menschen aus dem Asylheim meldeten sich nach einigem Zögern zu Wort und schilderten ihre Erlebnisse.“

Foto: Handy-Schnappschuss von Bärbel Beuermann in Gelsenkirchen

Nein zu Pro NRW

27.03.2010 Schloss HorstDas neue „Bündnis gegen Rechts Gelsenkirchen“ ruft mit folgendem Aufruf zur Kundgebung gegen Pro NRW auf.

Früher: Roma durch Nazis ermordet!

Heute: diskriminiert und in Elend und Armut getrieben!

Kein Platz für Geschichtswiederholung!

Nein zu Pro NRW!

Dienstag 12. März 2013 ab 13.30 Uhr

Gelsenkirchen-Buer,

Horster Straße Ecke Beckeradsdelle

Zur Strategie der fremdenfeindlichen Partei „Pro NRW“ gehört das gezielte Schüren ras­sistischer Ängste. „Pro NRW“ will im März rassistische Aktionen vor Flüchtlingsunterkünften durchführen. Wir setzen dieser Hasskampagne die Forde­rung nach Besonnenheit und Solidarität ent­gegen. Wir wollen eine Gesellschaft, in der jeder frei von Diskriminierungen leben kann und Asylsuchende und Flüchtlinge ein Recht auf Schutz haben.

Was heißt hier „Asylmissbrauch“?

Es ist kein Geheimnis, dass viele Menschen fliehen, weil sie in ihrer Heimat in bitterster Armut leben. Insbesondere Angehörige an­gefeindeter Bevölkerungsgruppen wie Roma und Sinti werden systematisch diskriminiert. Nach EU-Recht ist das eine Form politischer Verfolgung. Deswegen erhalten viele von ih­nen ebenso wie Bürgerkriegsflüchtlinge eine Duldung. Das zeigt, dass sie eben keinen „Asylmissbrauch“ begehen, sondern ernst zu nehmende Fluchtgründe haben.

Biedermänner als geistige Brandstifter

Dass „ProNRW“ ausgerechnet vor Flücht­lingsunterkünften demonstrieren will, zeugt von der Menschenverachtung dieser ras­sistischen Truppe. Sie suchen sich den schwächsten Gegner – Menschen, die aus schierer Not ihr Heimatland verlassen muss­ten und die Sprache jener, die gegen sie het­zen, kaum verstehen. „ProNRW“ weiß genau, dass Provokation keinen einzigen Flucht­grund aus der Welt schafft. Kein Mensch flieht ohne Notwendigkeit, und die Armut in vielen Ländern der Welt ist geradezu die Grundlage für den relativen Reichtum hierzu­lande. Aber das einzige, was „Pro NRW“ will, ist ein rassistisches Feindbild verbreiten.

Zeigen Sie mit uns Flagge:

Gegen Diskriminierung und Rassismus

Für Demokratie und Menschenwürde

Verbot aller faschistischen Organisationen und ihrer Propaganda!

Pro NRW mal nicht im Schloß Horst

27.03.2010 Schloss HorstDie Rechtspopulisten der selbsternannten „Bürgerbewegung“ Pro NRW touren mal wieder durch NRW und versuchen auf ihre ewig gestrigen Positionen aufmerksam zu machen. Dieses Mal nennen sie ihre Rundreise „Volksinitiative gegen Asylmissbrauch“. In Gelsenkirchen versammeln sie sich dieses Mal nicht zu einem „Anti-Minarett-Parteitag“ im Schloss Horst, sondern wollen vor einem Übergangsheim in Buer gegen „Asylmissbrauch“ demonstrieren.

Wie die WAZ beispielhaft berichtet, hat sich in der Nachbarstadt Essen bereits im Vorfeld ein breites Bündnis „Essen stellt sich quer“ gebildet, das zu einer Gegendemonstration am 9. März 2013 ab 13 Uhr in Essen-Haarzopf aufruft.

Am Dienstag, 12. März 2013 wollen die Rechtspopulisten zuerst in Duisburg-Rheinhausen im Ortsteil Bergheim vor dem dortigen „Problemhaus“ In den Peschen 3-5 um 11 Uhr demonstrieren, um anschließend um 14 Uhr an der Beckeradsdelle 9 in Gelsenkirchen-Buer aufzutreten.

SJD – Die Falken haben in Gelsenkirchen schnell reagiert und im Innenhof des Übergangsheims ein Kinderfest geplant. Vertreter von Gelsenzentrum, der Die Linke, der DKP und der MLPD in Gelsenkirchen haben dagegen eine kleine Neuauflage eines „Bündnisses gegen Rechts Gelsenkirchen“ gegründet und rufen zu einer Demonstration auf. Dieses neue, kleine Bündnis ist allerdings nicht zu verwechseln mit dem alten „Bündnis gegen Rechts“, eines Personenbündnisses getragen von Menschen aus den Jusos, der SPD, den Grünen, der Grünen Jugend, der Linken bzw. der Linken Alternative, der DKP, der VVN-BdA, Gelsenzentrum, der Schokofront, der SJD – Die Falken , der Schalker Fan-Ini und der Antifa sowie Gewerkschaftern.

Und: wenn man auf die „Aktionen“ von Pro NRW im Jahre 2010 zurückblickt, lässt sich feststellen, dass die selbsternannte „Bürgerbewegung“ nur wenig Menschen zu ihren Aktionen mobilisieren konnte und die Gegendemonstranten wesentlich zahlreicher waren, als die Ewiggestrigen!