Archiv für den Monat August 2014

Zum Gedenken an den antifaschistischen Widerstandskämpfer Fritz Rahkob

Am 24.08.2014 zum 70. Todestag auf dem Fritz-Rahkob-Platz. Foto: Hans-Günter Iwannek

Am 24.08.2014 zum 70. Todestag auf dem Fritz-Rahkob-Platz. Foto: Hans-Günter Iwannek

Rede am 24.08.2014

Liebe Anwesende,

wir haben uns heute am 70. Jahrestag der Ermordung von Fritz Rahkob hier versammelt. Wir wollen beispielhaft an ihn und seinem Kampf gegen den Faschismus erinnern, um einer Wiederholung des faschistischen Terrors entgegen zu wirken.

Friederich Rahkob wurde am 25. Juli 1885 in der damals noch nicht zu Gelsenkirchen gehörenden Gemeinde Rotthausen geboren. „Fritz“, wie er genannt wurde, erkannte schon früh, dass in der aufstrebenden Montanindustrie des Ruhrgebiets höhere Löhne als in der Landwirtschaft gezahlt wurden. Als Bergmann wurde er 1905 in einer Arbeiterbewegung aktiv, die damals noch nicht in Sozialdemokraten und Kommunisten gespalten war. Nach einer zweijährigen Militärzeit im 1. Weltkrieg, die wegen einer Verwundung 1916 endete, kehrte er in seinen alten Beruf zurück und wurde während der Revolution 1918 Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates in Rotthausen und 1920 Mitglied der KPD, der Kommunistischen Partei Deutschlands.

Nach der Eingemeindung von Rotthausen nach Gelsenkirchen 1924 nahm Fritz Rahkob vor allem an den Arbeiterkämpfen in Gelsenkirchen teil, wurde Mitglied im Einheitsverband der Bergarbeiter in der RGO, der KPD-nahen Gewerkschaft. Nach einem schweren Arbeitsunfall musste er die Arbeit im Bergbau aufgeben. Die kommunistische Tageszeitung „Ruhr-Echo“ beschäftigte ihn erst als Kassierer, später dann im Versand.

Nach der Machtübernahme der Nazis im Jahre 1933 verbrachte der bekannte Kommunist Fritz Rahkob die Jahre von 1933 bis 1938 in sogenannter „Schutzhaft“. Seine Ehefrau Emma Rahkob beteiligte sich während der Haft ihres Mannes aktiv am Widerstand. Dafür wurde sie am 20. November 1934 zu zwei Jahren und sechs Monaten Zuchthaus verurteilt. Nach seiner Entlassung arbeitete Fritz Rahkob auf der Baustelle eines Düsseldorfer Unternehmens und lernte den Widerstandskämpfer Franz Zielasko kennen.

Zielasko, Bergmann aus Gladbeck, seit 1919 in der KPD, emigrierte 1932 in die Sowjetunion, kämpfte 1937 bis 1939 im Spanischen Bürgerkrieg gegen das Franco-Regime, wurde im März 1943 von der Sowjetunion mit dem Fallschirm über Polen abgesetzt und nahm im Ruhrgebiet Kontakt mit kommunistischen Gruppen auf.

In der festen Überzeugung, man müsse den Krieg und den Faschismus aktiv bekämpfen, schloss sich Rahkob der Widerstandsgruppe um Franz Zielasko an, die in Gladbeck, Oberhausen, Essen und Gelsenkirchen aktiv war. Die Gruppe um Franz Zielasko wurde verraten, im August 1943 verhaftete die Gestapo 45 Antifaschisten, darunter auch Fritz Rahkob.

Zielasko wurde schon bei den Verhören zu Tode gefoltert. Fritz Rahkob und andere Kameraden wurden wegen „Vorbereitung zum Hochverrat u.a.“ vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Am 24. August 1944 erfolgte Rahkobs Hinrichtung durch Enthauptung mit der zynischen Begründung, die Angeklagten seien es nicht wert, mit einer Kugel erschossen zu werden. Am Tag der Hinrichtung von Fritz Rahkob wurde auch seine Frau Emma verhaftet und erfuhr im Gestapo-Gefängnis von der Hinrichtung ihres Mannes. Kurz vor der Deportation in ein Konzentrationslager für Frauen wurde sie von alliierten Truppen aus dem Münchener Polizeigefängnis befreit.

Rahkobs Kopf und seinen Leib bewahrten die Nazis in Spiritus auf. Nach der Einäscherung am 1. Juli 1947 in Reutingen wurde die Urne von alliierte Soldaten nach Gelsenkirchen überführt, wo sie am 14. September 1947 feierlich auf dem Rotthauser Friedhof beigesetzt wurde. Das „Westfälische Volks-Echo“ berichtete darüber am 16. September 1947 unter der Überschrift „Fritz Rahkob ruht in Heimaterde.“

Westfälische Volks-EchoDie Stadt Gelsenkirchen tat sich – wie übrigens die gesamte alte Bundesrepublik Deutschland – lange Zeit sehr schwer mit der Erinnerung an kommunistische Widerstandskämpfer gegen Nazi-Deutschland.

Erst 1987, über 30 Jahre nach dem Ende der Nazi-Herrschaft, und jetzt auch schon fast wieder 30 Jahre her, benannte der Rat der Stadt Gelsenkirchen drei Plätze in der Gelsenkirchener Innenstadt nach je einem örtlichen sozialdemokratischen, katholischen und kommunistischen Nazi-Gegner: Margarethe-Zingler-Platz, Heinrich-König-Platz und Fritz-Rahkob-Platz waren das Ergebnis.

Seit dem 1. August 2011 erinnert außerdem ein Stolperstein in der Liebfrauenstraße 38, seinem letzten Wohnort, an Fritz Rahkob.

Diesen Vortrag habe ich so ähnlich bereits im Jahre 2011 gehalten. Damals gab es schon eine Fraktion der rechtsextremen „Pro NRW“ im Rat der Stadt Gelsenkirchen. Seit der Kommunalwahl in diesem Jahr gibt es eine weitere rechtsorientierte Ratsfraktion, die sich „Alternative für Deutschland“ nennt und offenbar mit „Pro NRW“ gemeinsam abstimmt.

Liebe Anwesende,

wir gedenken heute dem antifaschistischen Widerstandskämpfer Fritz Rahkob.
Im gleichen Jahr, in dem die hinter mir befindliche Tafel angebracht worden ist, also 1987, veröffentlichten Hartmut Hering und Marlies Mrotzek ein Buch über die damals 40jährige Geschichte der Gelsenkirchener VVN unter dem Titel „Antifaschismus ist mehr als eine Gegenbewegung.“ Am Ende ihrer Darstellung ziehen die beiden Autoren ein Resümee, welches auch heute noch Gültigkeit hat.

Ich zitiere:
„Eine der wichtigsten Aufgaben der VVN ist die Weitergabe der Erkenntnis, dass die Gefahr von Rechts endgültig nur zu beseitigen ist durch gemeinsam zu erkämpfende gesellschaftliche Veränderungen. Die VVN bemüht sich daher mittlerweile nicht nur um starke Bündnisse im Kampf gegen den Neofaschismus. Vielmehr wird jede Bewegung in der VVN einen politischen Partner finden, die sich für die Sicherung des Friedens durch Abrüstung, für den Ausbau der Demokratie und für die Beschleunigung und Festigung des sozialen Fortschritts einsetzt … In diesem Sinne war und ist der Antifaschismus stets mehr als nur eine Gegenbewegung.“

Vielen Dank!

Quellen:
http://www.gelsenkirchener-geschichten.de/viewtopic.php?t=2209
http://www.gelsenzentrum.de/friederich_fritz_rahkob.htm

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Aufruf zum Antikriegstag 2014

Antikriegstag - Nie wieder KriegWIe auch in den Vorjahren ruft das Antikriegstagsbündnis zu einer Veranstaltung am 1. September 2014, dem internationalen Antikriegstag, auf. Einzelpersonen aus linken Parteien in Gelsenkirchen (Die Linke, MLPD/AUF und DKP) sowie der VVN-BdA organisieren die schon Tradition gewordene Kundgebung (in diesem Jahr ab 17.30 Uhr) auf dem Preuteplatz.

Stoppt die Kriegsgefahr in Europa und die Kriege weltweit!

Lieber Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchener,

im Gedenken an den 100. Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkrieges am 1. August 1914 und an den 75. Jahrestag des Überfalls Hitlerdeutschlands auf Polen am 1. September 1939, dem Beginn des Zweiten Weltkrieges, warnt das Gelsenkirchener Antikriegstagsbündnis vor der wachsenden allgemeinen Kriegsgefahr in Europa und weltweit. Wir rufen dazu auf, am Antikriegstag gegen Faschismus und Krieg auf die Straße zu gehen.

Kriege „brechen“ nicht „aus“. Sie werden geführt, weil handfeste Interessen dahinter stecken. Sie werden oft jahrelang vorbereitet und gleichzeitig durch gezielt gestreute Halbwahrheiten und Lügen propagandistisch eingefädelt. Das war 1914 beim Beginn des Ersten Weltkrieges so. Mit der Regierungspropaganda vom „Verteidigungskrieg“ kaschierten deutsches Großkapital, Militär und Monarchie nur ihr Streben nach der Vorherrschaft in Europa. Das war 1939 beim Beginn des Zweiten Weltkrieges so, auf den das faschistische Deutschland seit 1933 systematisch hingearbeitet hatte. Mehr als 7.500 Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchener bezahlten im Ersten und mehr als 20.000 im Zweiten Krieg den deutschen Größenwahn mit ihrem Leben.

Als Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt fühlen wir uns deshalb verpflichtet, aktiv für Frieden und Abrüstung einzutreten. Heute wollen wir insbesondere darauf hinweisen, dass in den letzten Monaten in der Ukraine infolge gezielter Destabilisierung und Desinformation ein gefährlicher Brandherd entstanden ist, der sich schnell zu einem Krieg ausweiten und auf andere Länder übergreifen kann. Damit nehmen die Verantwortlichen bewusst die Gefahr eines heißen Krieges mitten in Europa in Kauf.

Wie konnte es dazu kommen? Um dieses fruchtbare und hochindustrialisierte Land hat sich ein gefährlicher Machtpoker entwickelt, bei dem zurzeit die EU die Nase vorn hat, die ihm ihre neoliberalen Bedingungen aufzwingt. Den berechtigten Protest von Teilen der Bevölkerung dagegen bekämpft die ukrainische Regierung gegenwärtig gewaltsam mit Rückendeckung auch der Bundesregierung. Dabei wird verschwiegen, dass ultrareaktionäre bis faschistische Kräfte Mitglieder der ukrainischen Regierung sind. Russland will sich seinerseits seinen Einfluss sichern.

Wir fordern:

  • Sofortiger Stopp der Kampfhandlungen in der Ukraine und Aufnahme von Friedensverhandlungen!
  • Verbot aller faschistischen Organisationen und ihrer Propaganda!
  • Schutz der ukrainischen Souveränität!

Im Hinblick auf die weiteren weltweiten Krisenherde fordern wir:

  • Sofortige Beendigung der Kriege insbesondere im Nahen Osten und in Afrika: Syrien, Irak, Gaza usw. Wir sind solidarisch mit dem Widerstand der Bevölkerung und den Friedensbewegungen.
  • Sofortiger Stopp deutscher Waffenexporte. Deutsche Waffen morden in aller Welt.
  • Keine Auslandseinsätze der Bundeswehr. Heute beteiligt sich Deutschland wieder weltweit an Kriegen, unterstützt reaktionäre und frauenfeindliche Regimes und macht sich zum Mittäter bei der Unterdrückung der dortigen Bevölkerung. Die deutsche Bevölkerung versucht man mit dem Märchen von der „friedlichen Außenpolitik“ und der angeblichen Sicherung von Arbeitsplätzen durch Rüstung zu beruhigen. Wir fordern ein Ende dieser Politik und der fortschreitenden Umrüstung der Bundeswehr zur Interventionsarmee.

Wir begreifen uns als Teil der weltweiten Friedensbewegung, die eine starke Kraft ist gegen Kriege, äußere Einmischung und für das friedliche Zusammenleben der Völker.

Gedenkkonkurrenz in Gelsenkirchen zum Antikriegstag

VVN-Transparent zum Antikriegstag 2011 auf der Bahnhofstraße

VVN-Transparent zum Antikriegstag 2011 auf der Bahnhofstraße

Nachdem in den letzten Jahren ein Personenbündnis aus Vertretern der linken Parteien (Die Linke, MLPD/AUF und DKP) sowie aus Vertretern der VVN-BdA eine jährliche Veranstaltung zum Antikriegstag etabliert hat, ruft in diesem Jahr auch mal wieder der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zu einer Veranstaltung in Gelsenkirchen auf. Anlass ist offenkundig das runde Jubiläum, welches man sich nicht entgehen lassen will. In diesem Jahr jährt sich zum hundersten Mal der Beginn des Ersten Weltkrieges am 1. August 1914 und zum 75. Mal die Entfesselung des Zweiten Weltkrieges durch Nazi-Deutschland am 1. September 1939.

Unter der Überschrift „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus“ ruft der DGB Gelsenkirchen zu einer Kundgebung am Montag, 1. September 2014 um 18.30 Uhr auf. Der bisher bekannte Aufruf ist sehr allgemein gehalten und will den Millionen Opfern gedenken und „für Frieden, Menschenrechte und Demokratie demonstrieren.“ Dem kann wohl die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung zustimmen. Gleichzeitig will man „ein Zeichen für Toleranz und gegen rechte Gewalt“ setzen und wählt daher auch als Kundgebungsort den Platz der alten Synagoge, Ecke Gilden-/Georgstraße. Einen wesentlich ausführlicheren Aufruf des DGB-Bundesvorstandes findet sich auf der Seite des DGB-Hauses der Jugend hier.

Als Redner sind die üblichen Verdächtigen angekündigt: Josef Hülsdünker (DGB-Vorsitzender in Gelsenkirchen) und Frank Baranowski (Sozialdemokratischer Oberbürgermeister Gelsenkirchens) sowie die mir unbekannte Gloria Tenenbaum von der jüdischen Gemeinde in Gelsenkirchen, Gladbeck und Bottrop. Auf die Idee, mit dem bestehenden Antikriegstagsbündnis Kontakt aufzunehmen, ist man offenbar nicht gekommen.

Wie das Antikriegstagsbündnis reagiert, welches um 17.30 Uhr seinen Veranstaltungsbeginn auf dem Preuteplatz plant, wird sich noch herausstellen. Das Bündnis trifft sich wieder am Dienstag, 26. August 2014 um 18 Uhr im Parteibüro der Gelsenkirchener Linkspartei.

Mathilde – Eine große Liebe

Mathilde - eine große LiebeDer aus dem Jahre 2004 stammende französische Film „Un long dimanche de fiançailles“ erzählt mit großer visueller Kraft und viel Liebe zum Detail die Suche der 20jährigen Mathilde (Audrey Tautou) nach ihrem Verlobten Manech, der aus dem Ersten Weltkrieg nicht wiedergekehrt ist.

Manech gehörte zu fünf Soldaten, die 1917 wegen Selbstverstümmelung zum Tode verurteilt und in das Niemandsland zwischen den französischen und deutschen Schützengräben an der Sommefront gejagt wurden, um dort zu krepieren. Doch Mathilde hält eigensinnig an ihrem Gefühl fest, dass ihre große Liebe noch lebt, selbst als sie an einem Grab mit seinem Namen steht. Ihre Suche erstreckt sich in alle Richtungen und erzeugt zahlreiche kleine Nebenhandlungen, die sich vor und zurück in der Zeit bewegen. Sie folgt weiteren Hinweisen, wie den Stiefeln eines deutschen Soldaten und vertauschten Erkennungsmarken. Der Film zeigt auch den Stellungskrieg an der festgefahrenen Front, zeigt Schlamm, Dreck, Verrohung, Tod und Zerstörung. Dies wäre nicht auszuhalten, wenn sich der Film nicht gleichzeitig durch einen besonderen Humor bei der Darstellung der Charaktere und ihrer Eigenheiten auszeichnen würde.

Regie führte Jean-Pierre Jeunet, die Hauptrolle spielt Audrey Tautou, beide mit „Die fabelhafte Welt der Amelie“ bekannt geworden. Wie auch in anderen Filmen des Regisseurs („Delicatessen“, „Die Stadt der verlorenen Kinder“) werden ungewöhnliche Charaktere und ihre Geschichten zu einer sehr sehenswerten Erzählung zusammengefügt.

Eindrücke von der Ausstellung „1914 – Mitten in Europa“ auf Zollverein in Essen

Dem einen oder anderen dürfte schon das Plakat mit den Gasmasken tragenden Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg aufgefallen sein. Aus Anlass des hundertsten Jahrestages des Kriegsbeginns 1914 zeigen das LVR-Industriemuseum und das Ruhrmuseum in der Mischanlage der Kokerei auf Zollverein in Essen die Ausstellung „1914 – Mitten in Europa“. Trotz des Untertitels „Das Rheinland und der Erste Weltkrieg“ richtet sich die Ausstellung nicht ausschließlich auf die Kriegszeit von 1914 bis 1918, sondern präsentiert die Zeit von etwa 1880 bis 1930.

Kokerei Zollverein, Essen, Ausstellung "1914 - Mitten in Europa"

Kokerei Zollverein, Essen, Ausstellung „1914 – Mitten in Europa“

Auf drei Ebenen werden in dem zur Ausstellungshalle umfunktionierten Industrierelikt die Zeit vor dem Krieg mit ihrem technologischen und industriellen Fortschritt in einer rückständigen Klassengesellschaft, die Kriegszeit mit ihren waffentechnischen Erfindungen, der Kriegspropaganda, dem Hunger und den Kriegsfolgen sowie die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen bezogen auf das Rheinland und das Ruhrgebiet gezeigt. Durch die Ausstellung führte unsere aus Essenern und Gelsenkirchenern bestehende Gruppe der Historiker Markus Renner.

Zunächst ging es mit der Standseilbahn in die Ausstellung. Die oberste Ebene zeigt mit Ausstellungsstücken die Zeit vor dem Krieg und stellt die vor allem industrielle Entwicklung der Rhein-Ruhr-Region dar, weist auf die Ursprünge noch heute vertriebener Produkte wie Persil oder Aspirin hin, zeigt anhand der Mode das Frauen- und Männerbild der Zeit sowie die Art der Erziehung. Zu den Ausstellungsstücken gehört natürlich auch ein damals weitverbreiteter Matrosenanzug für Kinder.

Kokerei Zollverein, Essen, Ausstellung "1914 - Mitten in Europa"

Kokerei Zollverein, Essen, Ausstellung „1914 – Mitten in Europa“

Über eine Wendeltreppe erreichten wir die mittlere Ebene, die in vielen Ausstellungsstücken die Zeit des Ersten Weltkrieges darstellt. Bedrückend waren Darstellungen von Verletzungen, die der moderne, industrielle Krieg produzierte. Moderne Waffen verursachten bis dahin unverstellbare körperliche Verletzungen sowie auch psychische Traumata. Artillerie wurde auf Entfernung eingesetzt, Maschinengewehre „mähten“ angreifende Soldaten nieder, Handgranten wurden immer handlicher. An den Wänden befanden sich Plakate der Kriegspropaganda, die zur Zeichnung von Kriegsanleihen, zur Spende von Kaninchenfellen etc aufriefen. Ein weithin unterschätztes Thema ist der Hunger an der Heimatfront, dem nach aktuellen Schätzungen von Historikern mehr Menschen zum Opfer gefallen sein sollen, als bei Bombardierungen der deutschen Städte im Zweiten Weltkrieg. Zu den Ausstellungsstücken gehörten auch Gedenktafeln aus Essen, die beispielsweise die Gefallenen der Firma Krupp wandgroß auflisteten.

Kokerei Zollverein, Essen, Ausstellung "1914 - Mitten in Europa"

Kokerei Zollverein, Essen, Ausstellung „1914 – Mitten in Europa“

Die untere Ebene stellt über verschiedene Ausstellungsstücke die Zeit nach dem Krieg, Novemberrevolution, Freikorps, Kapp-Putsch und Rote Ruhrarmee sowie die Zeit bis zur Nazi-Diktatur dar. Am Ausgang wiesen letzte Fotos auf die uniforme Volksgemeinschaft der Nazis und ihre Verbrechen hin.

In der Ausstellung werden mehr als 2.500 Exponate aus verschiedenen Sammlungen präsentiert. Der Ausstellungsort, die drei Ebenen des Kohlespeichers, zeigen mit ihren riesigen Hallen, Betonwänden und Metallverstrebungen ein passendes Umfeld für die Darstellung des ersten modernen und industriellen Krieges.

Die Ausstellung ist noch bis zum 26. Oktober 2014 zu besichtigen und sehr sehenswert.

August Bebels Antikriegsvermächtnis auch heute noch aktuell

FriedensbewegungGelsenkirchener Bündnis zum Antikriegstag erinnert an den Beginn des 1. Weltkrieges

In diesen Tagen jährt sich der Beginn des 1. Weltkrieges zum 100. Mal. Aus diesem Anlass fordert das Gelsenkirchener Antikriegstagsbündnis alle Politiker/innen und Bürger/innen auf, sich heute kompromisslos für Frieden und Abrüstung einzusetzen.

Am 4. August 1914 – die deutschen Truppen waren in Belgien einmarschiert – bewilligte der Deutsche Reichstag die von der Regierung geforderten Kriegskredite und machte damit den Weg in die Katastrophe frei. Auch die mehrheitlich vom Krieg berauschte SPD-Fraktion folgte der Regierungspropaganda vom „Verteidigungskrieg“ und bekannte sich zum „Burgfrieden“ mit dem kaiserlichen Regime – „der härtesten Militärdiktatur, die je ein mündiges Volk über sich hat ergehen lassen“ (Rosa Luxemburg).

Auch wenn der 1. Weltkrieg nicht auf Gelsenkirchener Boden ausgefochten wurde, so hat die hiesige Bevölkerung extrem darunter gelitten und verloren Tausende Gelsenkirchener/innen dadurch ihr Leben. Das Gelsenkirchener Bündnis zum Antikriegstag erinnert deshalb an das Vermächtnis des 1913 verstorbenen SPD-Vorsitzenden August Bebel, der schon lange vor dem Weltkrieg gefordert hatte: „Diesem Regime keinen Mann und keinen Groschen“. Als der Reichstag am 2. Dezember 1914 geschlossen für einen Nachtragskredit stimmte, stimmte als einziger Abgeordneter Karl Liebknecht dagegen.

Das Gelsenkirchener Antikriegstagsbündnis fordert alle politisch Verantwortlichen auf, sich heute in die Tradition Bebels und Liebknechts zu stellen und die ungebremsten deutschen Waffenexporte, insbesondere in die Krisenherde dieser Welt, sofort zu stoppen.

Gedenkfeier für den antifaschistischen Widerstandskämpfer Fritz Rahkob

Gedenkveranstaltung zum 64. Jahrestag 2008

Gedenkveranstaltung zum 64. Jahrestag 2008

In diesem Jahr jährt sich nicht nur der Beginn des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren und der Beginn des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren, sondern auch die Ermordung des antifaschistischen Widerstandskämpfers Fritz Rahkob durch die Nazi-Justiz vor 70 Jahren. Und es ist fast 30 Jahre her, dass der Rat der Stadt Gelsenkirchen drei
Plätze in der Gelsenkirchener Innenstadt nach örtlichen WiderstandskämpferInnen gegen den Faschismus benannt hat: den Heinrich-König-Platz, den Margarethe-Zingler-Platz und den Fritz-Rahkob-Platz.

In einer Stadt wie Gelsenkirchen, die stark von Bergbau und Industrie geprägt war, war es nur logisch, dass der Widerstand gegen den Faschismus aus der Arbeiterschaft kam. Und diese Arbeiterschaft war politisch durch Sozialdemokratie, Kommunisten und Katholizismus vertreten. Heinrich König, Margarethe Zingler und Fritz Rahkob repräsentieren die Breite des Widerstands in Gelsenkirchen, der vor allem Arbeiterwiderstand war. Die Erinnerung an diese antifaschistischen Widerstandskämpfer hat in Gelsenkirchen zu Recht einen hohen Stellenwert.

Das Auftreten alter und neuer Nazis in Gelsenkirchen, auch im Rat der Stadt Gelsenkirchen, zeigt die bleibende Notwendigkeit sowohl zur Auseinandersetzung mit aktuellen rechten Positionen, als auch zu Gegenaktivitäten von Antifaschisten. Wir erachten aber auch die Auseinandersetzung mit den historischen Verbrechen des Faschismus für weiterhin notwendig, um einer Wiederholung dessen entgegen zu wirken.

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Gelsenkirchen lädt anlässlich des 70. Jahrestages der Ermordung von Fritz Rahkob am Sonntag, 24. August 2014, 18 Uhr zu einer kleinen Gedenkfeier auf dem Fritz-Rahkob-Platz an der Gedenktafel zwischen Hans-Sachs-Haus und Bildungszentrum ein. Bitte bringt Blumen mit.

Rechtsextremisten und Rechtspopulisten sind von dieser Veranstaltung ausgeschlossen.