Archiv für den Monat April 2015

Praktische Solidarität mit Heike Jordan

Solidarität mit Heike Jordan 25.04.2015 ANach einem kurzfristigen Aufruf des Bündnisses gegen Krieg und Faschismus von Donnerstag abend trafen sich heute vormittag knapp 20 Antifaschistinnen und Antifaschisten in Gelsenkirchen-Horst vor der Hausnummer 111 in der Devensstraße. Anlass waren der Überfall auf Heike Jordan am Abend des 30. März und die faschistischen Schmierereien auf der Vorderfront des Hauses, der Eingangstür und ihrem Briefkasten in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch dieser Woche.

In einer Pressemitteilung teilte das Bündnis mit: „Heike Jordan wurde vor drei Wochen von einem Neonazi beleidigt und tätlich angegriffen. Am Mittwochmorgen, dem 22. April, wurde ihr Wohnhaus mit Hakenkreuzen beschmiert. Heike Jordan ist als Antifaschistin und Mitinitiatorin der Stolperstein-Verlegungen für Opfer des Faschismus in Gelsenkirchen bekannt. Ihr konsequentes Engagement hat sie offenbar zum Objekt der Aggressionen und des Hasses der Neofaschisten gemacht.
Das Bündnis gegen Faschismus und Krieg Gelsenkirchen erklärt sich solidarisch mit Heike Jordan. Wir fordern alle politisch Verantwortlichen und insbesondere auch die Gelsenkirchener Polizeipräsidentin Heselhaus-Schröer dringend auf sich aktiv dafür einzusetzen, dass sich die gewalttätige Nazi-Szene in GE nicht weiter etabliert. Gelsenkirchen darf kein zweites Dortmund werden, wo es häufig zu tätlichen Übergriffen von Neo-Nazis auf Migranten und Antifaschisten kommt. Der Abgeordnete der Partei ‚Die Rechte‘ im Dortmunder Stadtrat startete sogar schon eine Anfrage nach der Anzahl der Juden in Dortmund.
Mit ihren Angriffen auf Heike Jordan versuchen die Neonazis offensichtlich, im Vorfeld der von der Partei ‚Die Rechte‘ am 1. Mai geplanten Demonstration aktive Antifaschisten einzuschüchtern. Für uns ist dies ein Grund mehr, die Demonstration der Partei ‚Die Rechte‘ in Gelsenkirchen und Essen zu verbieten und, sollte dies nicht geschehen, an den bürgerschaftlichen Protesten gegen den braunen Aufmarsch in Rotthausen teilzunehmen.“

Solidarität mit Heike Jordan 25.04.2015 BUm es nicht bei einer bloßen Solidaritätsbekundung zu belassen, hatte das Bündnis Farbe mitgebracht, um die Schmierereien zu übermalen. Nachdem er zunächst alles ordentlich abgeklebt hatte, machte sich der Fraktionsvorsitzende der Gelsenkirchener Linke daran die Hakenkreuze zu übersprühen während ein weiterer Aktiver den Hauseingang überstrich. An soviel handwerkliche Aktivität mögen sich die Vertreter der bürokratischen Parteien mal ein Beispiel nehmen.

Heike Jordan war selbst nicht anwesend, sie besuchte für ein paar Tage ihre Familie. Sie bedankte sich aber per E-Mail und schrieb u.a.: „.. vielen Dank für eure Solidartät, ich bin bewusst in die Offensive und an die Öffentlichkeit gegangen um zu zeigen das mich diese Faschisten nicht einschüchtern können. Viele Medien haben darüber berichtet und tun es immer noch, je mehr Menschen es erreicht desto besser, ich will damit ein Zeichen setzen, Leute lasst euch nicht einschüchtern von diesem braunen Gesindel, macht weiter so wie ich, denn das ist die Klatsche die diese Faschisten brauchen! Gesicht zeigen und sich nicht verängstigen lassen ist angesagt, sonst erreichen diese neuen Neonazis nämlich ihr Ziel.“ Ein ausführlicher Bericht findet sich unter Netz gegen Nazis.

Stellvertretend für Heike bedankte sich Andreas Jordan für die praktisch gelebte Solidarität.

Das „Bündnis gegen Krieg und Faschismus“, oder auch „Bündnis gegen Faschismus und Krieg“, hat sich als Antwort auf den geplanten Aufmarsch der „Die Rechte“ am 1. Mai von Essen-Steele nach Gelsenkirchen-Rotthausen aus dem Antikriegstagsbündnis gebildet und bereitet eine Kundgebung am Ortseingang von Essen-Kray nach Gelsenkirchen-Rotthausen vor.

24. April 1915 – Beginn des Völkermords an den Armeniern

Das hier ursprünglich verlinkte YouTube-Video wurde aufgrund von Urheberrechtsverletzungen gelöscht. Die 90minütige, 2010 für den NRD produzierte Dokumentation "Aghet" ist seit 2011 auf DVD-Video erhältlich.

Das hier ursprünglich verlinkte YouTube-Video wurde aufgrund von Urheberrechtsverletzungen gelöscht. Die 90minütige, 2010 für den NRD produzierte Dokumentation „Aghet“ ist seit 2011 auf DVD-Video erhältlich.

Im vergangenen Jahr stand die Erinnerung an den Beginn des Ersten Weltkrieges hundert Jahre zuvor im Mittelpunkt der allgemeinen Aufmerksamkeit. „Runde“ Gedenktage bieten die Chance auf erhöhte Aufmerksamkeit der Medien und der Öffentlichkeit, bieten die Möglichkeit, nicht nur an zurückliegende Ereignisse zu erinnern, sondern über ihre Bedeutung und Auswirkung für die Gegenwart nachzudenken.

In diesem Jahr vor hundert Jahren befand sich die Welt noch immer im Ersten Weltkrieg. An die Seite des Deutschen Kaiserreiches und Österreich-Ungarns war bereits seit Ende 1914 das Osmanische Reich in den Weltkrieg eingetreten. Es umfasste zum damaligen Zeitpunkt nach jahrhundertelangem Abstieg ungefähr das Territorium der heutigen Türkei sowie das Syriens, des Iraks, Jordaniens, des Libanons, Israels und Palästinas. Das Osmanische Reich war ein multiethnischer Staat, in dem neben den herrschenden muslimischen Türken seit Jahrhunderten nationale und religiöse Minderheiten lebten, neben muslimischen Türken und Kurden auch christliche Armenier. Christen galten als Bürger zweiter Klasse und mussten beispielsweise höhere Steuern als Muslime zahlen. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts hatte es Pogrome gegen Armenier gegeben.

Am 24. April 1915, heute vor hundert Jahren, begann der Völkermord mit der Verhaftung und Deportation der armenischen Elite aus der Hauptstadt Konstantinopel. Dieser Tag wird in der Republik Armenien, die aus der ehemaligen armenischen Sowjetrepublik gebildet wurde, als Genozid-Gedenktag begangen. Die Armenier selbst bezeichnen den Völkermord als „Aghet“, als Katastrophe. Der Nachfolgestaat des Osmanischen Reichs, die Türkische Republik, bestreitet bis heute dass es sich um einen Völkermord gehandelt habe, obwohl die Massaker und Todesmärsche durch umfangreiches dokumentarisches Material unter anderem auch im Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes belegt sind und weltweit die meisten Historiker den Völkermord als historische Tatsache ansehen.

Zu den Ursachen des Genozids gehörten der sich am Vorbild der europäischen Nationalstaaten orientierende erwachende Nationalismus und soziale Gegensätze zwischen Armeniern, Kurden und Türken. Mit dem Staatsstreich der „Jungtürken“ um Enver Pascha, Talat Pascha und Cemal Pascha 1913 gewannen nationalistische und pantürkische Vorstellungen die Oberhand in der Regierung. Nach dem Kriegseintritt und militärischen Niederlagen gegen die russische Armee im Kaukasus 1914/15 sowie dem Vordringen russischer Truppen auf osmanisches Gebiet machte die türkische Führung „die Armenier“ kollektiv verantwortlich und nahm die Bedrohung durch die russische Armee zum Anlass die armenische Bevölkerung auch aus frontfernen Gebieten zu deportieren. Ein Aufstand der Armenier in der Stadt Van im April 1915 diente dabei als willkommene Rechtfertigung.

Das Muster der Ereignisse erinnert an heute bekannte „ethnische Säuberungen“ bzw. Völkermorde: Die armenische Bevölkerung, falls sie nicht zum Islam übertrat, musste kurzfristig ihre Habe weit unter Wert verkaufen oder ganz zurücklassen und ihren Wohnort zu Fuß oder in Eisenbahnwaggons zusammengedrängt verlassen. Sie wurde zunächst an einigen Orten konzentriert und dann auf wochenlange Todesmärsche in die Wüste geschickt. Männer und Frauen wurden getrennt, Männer – zum Teil bestialisch – ermordet, Mädchen und Frauen ausgeraubt, vergewaltigt, verkauft, ermordet, Kinder entführt und islamisiert. Zurückgelassene Habe der Deportierten wurde von den Nachbarn geplündert oder per Gesetz enteignet. Schulen, Kirchen und Klöster wurden geplündert, zerstört oder in Moscheen umgewandelt; die westarmenische Kultur komplett ausgelöscht.

Das deutsche Kaiserreich, der Verbündete des Osmanischen Reiches im Ersten Weltkrieg, verzichtete auf eine Einflussnahme, um, wie es Reichskanzler von Bethmann-Hollweg ausdrückte, „die Türkei bis zum Ende des Krieges an unserer Seite zu halten, gleichgültig ob darüber die Armenier zu Grunde gehen oder nicht.“ Deutschland machte sich damit mitschuldig am Völkermord.

Wer sich heute mit den Dokumenten der Zeit beschäftigt, wird überrascht sein, wie viele Zeugenberichte vorliegen. Im Dokumentarfilm „Aghet – Ein Völkermord“, den Eric Friedler 2010 für den NDR produzierte, wurde eine kleine Auswahl schriftlicher Berichte von Zeitzeugen durch Schauspieler nachgesprochen. Viele Dokumente befinden sich in Deutschland im Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes. Sie enthalten zahlreiche Berichte von Diplomaten, Militärbeobachtern, Missionaren, medizinischem Personal, Journalisten, Ingenieuren etc., die damals nicht für die Öffentlichkeit, sondern zur Unterrichtung der deutschen Stellen verfasst wurden. Weitere Dokumente lagern u.a. im Österreichischen Staatsarchiv in Wien, im Geheimarchiv des Vatikan und in US-amerikanischen Archiven. Augenzeugenberichte stammen u.a. von Missionaren aus Dänemark, der Schweiz und den Niederlanden sowie von Überlebenden.

Die türkische Regierung leugnet nicht nur den Völkermord, sondern setzt bis in die Gegenwart diplomatische Mittel ein, um eine Anerkennung des Völkermords durch andere Länder zu verhindern. Die Bevölkerung ist da schon weiter. Nach der Ermordung des Journalisten Hrant Dink durch einen 17jährigen, der seine türkische Ehre beleidigt fühlte, demonstrierten 200.000 Türken anlässlich der Beerdigung des Journalisten in Istanbul mit Schildern „Ich bin ein Armenier“. Angesichts dessen ist der jüngste diplomatische Eiertanz der deutschen Bundesregierung einfach nur unsäglich peinlich. Diese stellt sich damit in die Tradition der kaiserlichen Reichsregierung von 1915, die einen wichtigen Verbündeten nicht öffentlich bloßstellen wollte und dafür einen Völkermord in Kauf nahm.

Quellen:
Völkermord an den Armeniern, https://de.wikipedia.org/wiki/Völkermord_an_den_Armeniern
Gust, Wolfgang (Hg.): Der Völkermord an den Armeniern 1915/16. Dokumente aus dem Politischen Archiv des deutschen Auswärtigen Amts, Springe 2005

Rechts-Demonstration am 1. Mai 2015 von Essen nach Gelsenkirchen erzeugt Gegenproteste in beiden Städten (IV)

VVN-BdA Nazi-Aufmärsche blockieren ist unser Recht!Der Protest gegen die geplante Demonstration von Essen-Steele nach Gelsenkirchen-Rotthausen der in Dortmund und Hamm in den Stadträten vertretenen rechtsextremistischen Partei “Die Rechte” wächst weiter. Der Polizeipräsident hat die Rechts-Demo leider nicht verboten.

Wie auch die WAZ berichtete, war der geplante Aufmarsch Thema in der Sitzung der Bezirksvertretung Süd. Mit der zu erwarteten Gegenstimme der Vertreterin der rechtspopulistischen Pro NRW unterstützt die Bezirksvertretung mit großer Mehrheit den Aufruf der „Demokratischen Initiative“ für eine Veranstaltung auf dem neuen Rotthauser Markt, dem „Ernst-Käsemann-Platz“.

Die Planung für ein großes Freundschaftsfest in Gelsenkirchen Rotthausen, auch hier berichtete die WAZ, wird getragen von der Emmaus-Kirchengemeinde, dem interkulturellen Stammtisch und weiteren Gruppen und interessierten Bürgern. Unterdessen bereiten auch die beiden anderen Gelsenkirchener Bündnisse, „G-E-blockt“ und das aus dem Antikriegstagsbündnis hervorgegangene „Bündnis gegen Krieg und Faschismus“, weitere Proteste vor.

„Nackt unter Wölfen“ wiedergesehen

Nackt unter Wölfen 1962Der 11. April, der 70. Jahrestag der (Selbst-)Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald war der Anlass, mir wieder den Film der DEFA aus dem Jahre 1962, „Nackt unter Wölfen“, anzusehen. Der Film entstand in der damaligen DDR nach dem gleichnamigen Roman von Bruno Apitz aus dem Jahre 1958. Bruno Apitz gehörte selbst zu den überlebenden Häftlingen des KZ.

Roman wie Film handeln von der gefahrvollen Rettung eines kleinen Kindes im Konzentrationslager. Bei einem der vielen Transporte aus Auschwitz wird der Dreijährige, der bereits in Auschwitz vor der SS versteckt worden war, in einem Koffer von einem polnischen Häftling mitgebracht. Die Häftlinge sind ganz entzückt von dem kleinen Jungen. Sie wissen, dass die SS ihn totschlagen wird, wenn sie ihn ausliefern. Der kleine Junge wird zuerst in der Effektenkammer, dann in der Seuchenbaracke und schließlich in einem Schweinekoben versteckt. Damit gerät jedoch zugleich die Untergrundorganisation der Häftlinge in Gefahr. Während die US-Army den Rhein überquert und dem Lager immer näher rückt, suchen die SS-Bewacher „den Judenbengel“ und versuchen gleichzeitig die Untergrundorganisation zu zerschlagen.

Als vor Herannahen der US-amerikanischen Armee das Lager „evakuiert“ werden soll, verweigern sich die Häftlinge und bleiben in ihren Baracken. Während sich der Lagerkommandant absetzt und andere SS-Leute in Zivilkleidung fliehen, gelingt es einigen Häftlingen, mit Hilfe von zuvor versteckten Waffen das Lagertor und einen Wachturm zu erobern. Dank der herannahenden US-Army gelingt es ihnen, das Lager zu befreien. Die Filmszene, in der die befreiten Häftlinge aus ihren Baracken herauskommen und auf den Appellplatz strömen ist auch heute noch unglaublich bewegend.

Reclams Filmführer schreibt dazu: „Der Autor Bruno Apitz war selbst acht Jahre im Konzentrationslager Buchenwald. Das war eine Voraussetzung für realistische Wirklichkeitsnähe, die der Film fast durchgehend erreicht. Gelegentlich stört ein gewisses Pathos, das die Guten allzu gut erscheinen läßt. Der Eindruck des Dokumentarischen verstärkt die Mitwirkung von Schauspielern verschiedener Nationalität, die im Film alle ihre Muttersprache sprechen.“ (1985, S. 364)

Die Geschichte beruht auf wahre Begebenheiten. Bei dem geretteten Jungen (dem „Buchenwaldkind“) handelt es sich um Stefan Jerzy Zweig. Auch die im Kalten Krieg oft als „Mythos“ bezeichnete Selbstbefreiung des Lagers hat stattgefunden, wäre allerdings ohne das Herannahen der US-Army nicht erfolgreich gewesen, was im Film deutlich gezeigt wird.

Das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar war eines der größten KZ auf deutschem Boden, es bestand von 1937 bis 1945 und unterhielt ein großes System von Außenlagern, darunter auch Außenlager in Gelsenkirchen (Gelsenberg) und in anderen Ruhrgebietsstädten. Das Lagergelände bei Weimar wurde von der sowjetischen Militäradministration bis 1950 als Speziallager Nr. 2 genutzt. 1958 wurde die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald eröffnet, die nach der Vereinigung beider deutsche Staaten ab 1991 umgestaltet wurde. In der ehemaligen Effektenkammer befindet sich eine Dauerausstellung zur Geschichte des Konzentrationslagers, in einigen der früheren SS-Kasernen bestehen Seminar- und Übernachtungsmöglichkeiten für Jugendgruppen, die sich mit der Geschichte des Lagers beschäftigen wollen.

Der Roman von Bruno Apitz wurde in 30 Sprachen übersetzt und erreichte eine Gesamtauflage von 2 Millionen. Eine erste Verfilmung entstand 1960 für das DDR-Fernsehen, eine Neuverfilmung 2015.

Rechts-Demonstration am 1. Mai 2015 von Essen nach Gelsenkirchen erzeugt Gegenproteste in beiden Städten (III)

VVN-BdA Nazi-Aufmärsche blockieren ist unser Recht!Der Protest gegen die geplante Demonstration von Essen-Steele nach Gelsenkirchen-Rotthausen der in Dortmund und Hamm in den Stadträten vertretenen rechtsextremistischen Partei „Die Rechte“ wächst in beiden Städten.

Neben dem Offenen Brief an die Polizeipräsidenten beider Städte für ein Verbot der Rechts-Demonstration, der immer mehr Unterstützung bei Organisationen und Einzelpersonen findet, gehen in beiden Städten die Planungen zu Gegendemonstrationen weiter. Wie Max Adelmann, Sprecher von „Essen stellt sich quer“ in einem Interview mit Stefan Laurin (Ruhrbarone) berichtet, agiert in Essen neben „Essen stellt sich quer“ auch das Stadtteilbündnis „Kray ist bunt“.
In Gelsenkirchen hat sich wie hier berichtet, das Bündnis „G-E-blockt“ gebildet, das den Aufmarsch der Rechten mit Sitzblockaden behindern will. Außerdem hat sich das Antikriegstagsbündnis, welches in den letzten Jahren jährlich eine Veranstaltung zum Antikriegstag am 1.9 durchgeführt hat, zum „Bündnis gegen Krieg und Faschismus“ erweitert, und plant mit einer Kundgebung die Rechtsextremisten zu „empfangen“. In Gelsenkirchen-Rotthausen planen mehrere Organisationen ein Freundschaftsfest, so dass sich hier schon fast von „Rotthausen stellt sich quer“ sprechen lässt. Welchen Weg die „Demokratische Initiative“ mit dem Oberbürgermeister Frank Baranowski an der Spitze einschlagen wird, ist noch nicht bekannt.

Wie Max Adelmann im Interview richtig erwähnt, ist das politische Spektrum sehr breit, die Meinungen in den beteiligten Bündnissen unterschiedlich. Was alle eint, ist die Gegenerschaft zu den Rechtsextremisten. Und: Schließlich dürfte es reichen, genügend Leute auf die Straße zu bringen, um den Aufmarsch der Rechtsextremisten zu verhindern, falls er nicht schon im Vorfeld verboten wird. Hier ist die breite Zivilgesellschaft gefordert!

Rechts-Demonstration am 1. Mai 2015 von Essen nach Gelsenkirchen erzeugt Gegenproteste in beiden Städten (II)

Essen stellt sich querGegen die für den 1. Mai 2015 angekündigte Demonstration der aus Dortmund bekannten rechtsextremen Partei „Die Rechte“ von Essen-Kray nach Gelsenkirchen-Rotthausen regt sich weitere Gegenwehr in beiden Städten. In Gelsenkirchen befindet sich das Bündnis „G-E-blockt“ in Gründung und in dieser Woche wird sich das Antikriegstagsbündnis, in dem Einzelpersonen aus der Die Linke, der DKP, AUF/MLPD, den Piraten und der VVN-BdA vertreten sind, treffen, um seine Beteiligung an den Aktivitäten gegen die Rechtsextremisten aus Dortmund zu besprechen. In Essen wurde am Ostersamstag ein Offener Brief an die Polizeipräsidenten beider Städte abgeschickt, der zum Verbot der rechten Demonstration auffordert und ermutigt.

Hier im Wortlaut:

Offener Brief

An die Polizeipräsidenten der Städte Gelsenkirchen und Essen, Frau Anne Heselhaus-Schröer und Herrn Frank Richter.

Verbot der Demonstration von der Partei „Die Rechte“ am 1. Mai 2015
um 18 Uhr in Essen-Kray und Gelsenkirchen-Rotthausen.

Sehr geehrte Frau Heselhaus-Schröer, sehr geehrter Herr Richter,

wir, die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner, möchten Sie hiermit zum Verbot der Demonstration der neonazistischen Partei „Die Rechte“ am 1 Mai. 2015 um 18 Uhr auffordern und ermutigen.

Zur Begründung:

„Die Rechte“ verfolgt eine Politik in der Tradition der NS-Ideologie. Das wird unter anderem deutlich durch die Bedrohung von engagierten Dortmunder Antifaschistinnen und Antifaschisten sowie Journalisten, Politikerinnen und Politikern wie es die Nazis vor 1933 taten. Ihr ausländerfeindliches, rassistisches, antisemitisches und grundsätzlich menschenverachtendes Auftreten gipfelte im Dortmunder Stadtrat in dem Antrag auf Zählung der Dortmunder Jüdinnen und Juden. Mit ihrer angekündigten Demonstration auf den Straßen von Essen und Gelsenkirchen am 1. Mai, dem Tag der Arbeit und der internationalen Solidarität, beabsichtigt sie, den sozialen Frieden sowie das friedliche Miteinander der Bürgerinnen und Bürger unserer beiden Städte massiv zu stören.

Wir, die Bürgerinnen und Bürger dieser Städte sehen uns daher gezwungen, in Ruf- und Hörweite dieses massiven Störversuchs faschistischer, antidemokratischer Kräfte, zu einer Vielfalt gewaltfreier Protestformen entlang der Marschroute der Demonstration aufzurufen.
Essen und Gelsenkirchen liegen im Herzen des Ruhrgebiets, einem Ballungsraum, welcher allein schon durch seine jüngere Geschichte für Zuwanderung und ein friedliches Miteinander aller Kulturen und Menschen steht.

Die geplante Marschroute soll bewusst an sensiblen Punkten wie dem „Engel der Kulturen“, zwei Moscheen und anderen Einrichtungen, welche für die Menschen vor Ort wichtige Symbole darstellen, verlaufen. Damit provoziert die Demonstration einen massiven Polizeieinsatz, da davon auszugehen ist, dass an den sensiblen Punkten viele Menschen zum Schutz der Einrichtungen zusammen kommen. Die Bürgerinnen und Bürger werden  klar auf ihrem Recht auf Protest in Ruf- und Hörweite der Demonstration bestehen um ein Vordringen dieser Provokateure zu blockieren.

Ferner setzen Sie mit dem Verbot der Demonstration der Partei „Die Rechte“ ein wichtiges Signal nach außen. Denn rechtsextremes Gedankengut ist in Essen und Gelsenkirchen nicht willkommen und wir wollen alles daran setzen, unseren Frieden und unsere Vielfalt vor dem braunen Pöbel zu schützen!

Mit freundlichen Grüßen

Max Adelmann
im Auftrag der Unterzeichner dieses offenen Briefes,
Sprecher des Bündnisses „Essen stellt sich quer“

Dieser offene Brief wurde am 02. April 2015 beschlossen von:
Essen stellt sich quer – Bündnis gegen Rassismus und Rechtsradikalismus
Kray ist bunt! – Bürgerinitiative für ein vielfältiges, buntes Essen-Kray
Evangelische Emmaus – Kirchengemeinde Gelsenkirchen
Interkultureller Arbeitskreis – Gelsenkirchen
Interkultureller Stammtisch – Gelsenkirchen – Rotthausen
Yeni CQMII Merkez Moschee – Gelsenkirchen – Rotthausen

Begrüßung des Ostermarsches Rhein-Ruhr 2015 in Gelsenkirchen

Schon zur Tradition geworden ist der Empfang des Ostermarsches Rhein-Ruhr am Ostersonntag im Gelsenkirchener Stadtgarten an der Zeppelinallee. Bereits ab 9 Uhr waren die ersten Aktiven am Werk. Bevor der Aufbau der Stände erfolgen konnte, musste zunächst der Platz gefegt werden, dort hatten sich Glasscherben, Zigarettenkippen und sonstiger Müll angesammelt. Nachdem wir 2 blaue Müllsäcke mit allerlei Unrat gefüllt hatten, konnte es endlich losgehen.

Ostermarsch Rhein-Ruhr 2015 im Gelsenkirchener Stadtgarten

Ostermarsch Rhein-Ruhr 2015 im Gelsenkirchener Stadtgarten

Neben dem Stand des Friedensforums, an dem Kaffee und Kuchen und für diejenigen, die etwas herzhaftes wollten, gefüllte Weinblätter verkauft wurden sowie Informationen zum Ostermarsch erhältlich waren, bauten wie auch schon im Vorjahr die Parteien Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen und die MLPD ihre Infostände auf. Die Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken, waren mit keinem Stand mehr vertreten. Auch das sonst am Samstagabend stattfindende O-Ton-Festival „Seid laut gegen Krieg“ gab es in diesem Jahr nicht mehr. Dafür wird allerdings am Maivorabend „Laut gegen Rechts“ stattfinden.

Industrie- und Sozialpfarrer Dieter Heisig spricht am Ostermarsch 2015 im Gelsenkirchener Stadtgarten

Industrie- und Sozialpfarrer Dieter Heisig spricht am Ostermarsch 2015 im Gelsenkirchener Stadtgarten

Mit leichter Verspätung aber zu einer symbolischen Uhrzeit (um viertel vor 12) erschien der Fahrradkorso aus Essen. Nachdem man sich gestärkt und ausgetauscht hatte, ging der Demonstrationszug zum Mahnmal für die Opfer des Faschismus. Für Musik sorgte Peter Sturm, der mit zwei Liedern den Redner, den Industrie- und Sozialpfarrer Dieter Heisig einrahmte. Dieter Heisigs Rede wirkte – nicht unerwartet – ziemlich pastoral und damit für einen Ostersonntag unter freiem Himmel genau richtig. Als sicherlich geübter Redner schlug er den Bogen von seiner eigenen (mangelnden) Beteiligung am Ostermarsch zur Frage nach Sozialer Gerechtigkeit als Grundlage für den Frieden und schloss mit dem ermutigenden Aufruf an uns Ostermarschierer, uns weiter zu engagieren.

Für die Musik beim Ostermarsch 2015 in Gelsenkirchen sorgte Peter Sturm

Für die Musik beim Ostermarsch 2015 in Gelsenkirchen sorgte Peter Sturm

Im Anschluss fuhr der Fahrradkorso los in Richtung Bochum-Wattenscheid, wo um 13 Uhr der mittägliche Stopp „mit beliebter Stärkung durch gehaltvolle Suppe“ auf ihn wartete, während wir uns ans aufräumen und abbauen machten.

Insgesamt ein gelungener Sonntagvormittag, an dem uns auch das Wetter nicht im Stich ließ.

Bearb. Fassung.