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„Pro Deutschland“ contra „Pro NRW“?

Demonstration gegen ProNRW am 10. Mai 2014 (Foto: Piratenpartei Gelsenkirchen)

Demonstration gegen ProNRW am 10. Mai 2014 (Foto: Piratenpartei Gelsenkirchen)

Für Außenstehende eher belustigend wirkt die aktuelle Umorientierung im Lager der selbsternannten „Bürgerbewegung“. Bei „Pro NRW“, hervorgegangen aus „Pro Köln“, zeigen sich Absetzbewegungen in Richtung „pro Deutschland“. Auch bei „Pro Gelsenkirchen“.

So berichtet die WAZ Gelsenkirchen in ihrer Ausgabe vom 14.08.2015 über eine beantragte Umbenennung der Pro-NRW-Ratsfraktion in Pro-Deutschland-Ratsfraktion. Sieht man im Internet auf der Homepage – sie werden es wohl „Heimatseite“ nennen – von Pro Deutschland nach, so freut man sich dort über die Austritte aus der „Regionalpartei“ und die damit verbundenen Übertritte zur „Bürgerbewegung pro Deutschland“. Aufgezählt werden Übertritte aus zahlreichen Städten und Kreisen, darunter auch aus Gelsenkirchen. Wie weiter zu lesen ist, plant „pro Deutschland“ die Gründung eines Landesverbandes NRW und die Gewinnung weiterer Patrioten. Worin der inhaltliche Unterschied zwischen „Pro NRW“ und einem Landesverband NRW von „pro Deutschland“ besteht, erschließt sich wohl nur eingeweihten – Patrioten.

Für den Kreis- und Ratsfraktionsvorsitzenden Kevin Hauer dürfte der fliegende Wechsel mithin kein Problem darstellen. Hat er doch 2007 die „Die Republikaner“ unter Mitnahme seines Rats-Mandates verlassen und den Gelsenkirchener Pro-NRW-Ableger gegründet. Bei den Wählerstimmen hat sich dadurch nicht viel verändert. Erzielten „Die Republikaner“ 2004 4,0 % der Stimmen, so kam der Pro-Ableger 2009 auf 4,3 % und 2014 wieder auf 4,0 % der Stimmen, was in allen Fällen 3 Sitze im Rat der Stadt ergab. Seine Erfahrungen stellt Hauer sicherlich auch weiteren Interessenten zur Verfügung. So hat – wir nennen es jetzt einfach mal temporär „Pro Gelsenkirchen“ – gleich die verbliebenen Ratsmitglieder der AfD eingeladen, „Teil einer starken patriotischen Opposition zu werden“. Vielleicht macht man ja ein gemeinsames Gruppenfoto mit Hauer und einem gerahmten Hitlerbild in der Mitte oder so?

Für Demonstranten gegen rechte Politik dürfte sich dagegen nichts ändern, egal mit welchem Parteinamen rechte Politiker daher kommen.

Demonstration gegen ProNRW am 10. Mai 2014 (Foto: Piratenpartei Gelsenkirchen)

Demonstration gegen ProNRW am 10. Mai 2014 (Foto: Piratenpartei Gelsenkirchen)

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Ihr habt den Krieg verlor’n …

No NazisDer wiederholte Versuch der Rechtsextremisten aus der „Pro Köln Bürgerbewegung“, am 9. Mai 2009 einen sog. „Antiislamisierungkongress“ zu veranstalten, hat wieder einmal deutlich gezeigt, dass sie eine kleine Minderheit sind.

Etwa 150 Besucher der rechten Veranstaltung, die sich auf einem drögen Schotterplatz im Kölner Stadtteil Deutz reichlich verloren vorkommen mussten, standen 4000 bis 5000 Gegendemonstranten aus Gewerkschaften, Jugendverbänden, Kirchen und politischen Parteien – auch aus Gelsenkirchen – gegenüber, die friedlich und bunt ihren Protest ausdrückten.

Die Polizei riegelte die Demonstranten allerdings so gut voneinander ab, dass es fast keine Begegnungen zwischen den Rechten und den  Gegendemonstranten gab. Aus dem Erfolg der Demonstranten im September letzten Jahres, als die Veranstaltung der Pro-Köln-Leute von der Polizei beendet wurde, hatte die Polizei offenbar gut gelernt. Die Stadt war mit 5600 Beamten aus dem ganzen Bundesgebiet hermetisch abgeriegelt.

Ich war zusammen mit einer Gruppe Jugendlicher in Köln, die trotz der beeindruckenden Polizeipräsenz erstaunlich friedlich und auch besonnen demonstrierte. Das ging sogar soweit, dass – wie mir berichtet wurde – in einem Fall die Sitzblockade einer Straßenbahn erstaunlich schnell, nämlich noch vor dem ersten Aufruf der Polizei, wieder aufgehoben wurde. Für gewöhnlich warten Demonstranten drei Aufrufe der Polizei ab, bevor sie freiwillig das Feld räumen. – Ein schöner Beitrag  findet sich hier.

Auf dem Rückweg begegneten wir in der Deutschen Reichsbahn – pardon – in einem Zug der Deutschen Bahn einer anderen Jugendgruppe, die mit dem Schlachtruf „Gleiches Recht für alle!“ auf die Klassengesellschaft der Bahn hinwies – und die 1. Klasse besetzte. Es besteht also noch Hoffnung … 😉

„Ihr habt den Krieg verlor’n …“ gehört übrigens zu den ironischen Slogans, die auf Demonstrationen gegen Nazis zu hören sind. Die Geschichte hat das Urteil über die Nazis längst gesprochen, sie sind von gestern!