Archiv für den Monat Dezember 2013

Mit Stolpersteinen im Gedenken vereint

Stolperstein am letzten Wohnort von Erich LangeZu den 78 bisher in Gelsenkirchen verlegten Stolpersteinen wird der Kölner Bildhauer Gunter Demnig am 17. Dezember 2013 neun weitere verlegen. Zum inzwischen 6. Mal kommt der Aktionskünstler seit 2009 nach Gelsenkirchen. Seine Stolpersteine erinnern symbolisch am letzten frei gewählten Wohnort an Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen von den Nazis verfolgt, entrechtet, gedemütigt, vertrieben und deportiert worden sind, die ermordet wurden oder überlebt haben. Das größte und dezentrale Denkmal in Europa erinnert an Juden, politisch Verfolgte, Homosexuelle, Zeugen Jehovas, Sinti und Roma, Behinderte. Man stolpert nicht wirklich über die in das Straßenpflaster eingelassenen Gedenksteine. Wer auf sie beim Gehen aufmerksam wird, muss anhalten und sich vor dem Stein verbeugen, um Namen, Lebensdaten und Verfolgungsgrund zu lesen.

Lieselotte Elikan und Werner de Vries wurden am 27. Januar 1942 mit dem ersten Deportationstransport aus Gelsenkirchen in das Ghetto Riga Riga deportiert. Im Oktober 1944 wurde das KZ Kaiserwald, wo sie sich inzwischen befanden, vor der herannahenden Front geräumt. Lieselotte starb im Dezember 1944 im Konzentrationslager Stutthof, Werner wurde im März 1945 in Pommern von der Roten Armee befreit und kehrte zunächst nach Gelsenkirchen zurück, vor er vergeblich auf Lilos Rückkehr wartete.
Die Stolpersteine für das Liebespaar Lieselotte Elikan und Werner de Vries werden um ca. 14.30 Uhr auf der Arminstraße, Höhe Kurt-Neuwald-Platz verlegt.

Das Ehepaar Adolf und Johanna Hirsch wurde am 31. Juli 1942 zunächst in das „Altersghetto“ Theresienstadt deportiert, von dort wurden die alten Leute weiter nach Treblinka gebracht und am Tag ihrer Ankunft dort, dem 23.09.1942, in der Gaskammer ermordet.
Die Stolpersteine für das Ehepaar Hirsch werden um ca. 15 Uhr auf der Von-der-Recke-Str. 9 verlegt.

Die Kinder Hilde, Ernst und Klaus Back überlebten dank der „Kindertransporte“ in Schweden, ihre Mutter Paula Back, 1942 zunächst nach Theresienstadt deportiert, wurde am 29.01.1943 in Auschwitz ermordet. Der Vater, Moritz Back, üerlebte bereits das KZ Theresienstadt nicht und „verstarb“ dort am 20.12.1942.
Die Stolpersteine für die Familie Back werden um ca. 15.30 Uhr auf der Ebertstr. 1 an der Ecke Robert-Koch-Straße verlegt.

Die Verlegung der Stolpersteine in Gelsenkirchen ist ein Ergebnis bürgerschaftlichen Engagements von Heike und Andreas Jordan (Gelsenzentrum) für die keine städtischen oder staatlichen Mittel aufgewendet werden. Aktuelle Informationen zum Projekt Stolpersteine gibt es hier und eine Übersicht über alle in Gelsenkirchen verlegten Stolpersteine mit weiteren Informationen zu den Verfolgten ist hier zu finden.

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