Archiv für den Monat April 2019

Antifaschistischer Mai 2019 (mit Update)

Heinrich-König-Platz während der Kundgebung des Aktionsbündnisses am 16.09.2019.

Zum fünften Mal feiern die Falken und ihre Kooperationspartner am Mai-Vorabend ihr Musikfestifal „Laut gegen Rechts“ und leiten in diesem Jahr eine ganze Reihe von Veranstaltungen in Gelsenkirchen ein, sodass sich durchaus von einem antifaschistischen Mai sprechen lässt.

Unter dem Motto „Gelsenkirchen bleibt bunt“ sind am 30. April 2019 von 18.00 bis 22.00 Uhr auf dem Neumarkt „Die Deislers“, „Rantanplan“ und „Schnitzel of destiny“ zu sehen und zu hören. Mediale Aufmerksamkeit erhielt in diesem Zusammenhang die faschistische Kleinstpartei „Die Rechte“ wegen einer Droh-E-Mail an den Schirmherren von „Laut gegen Rechts“, unseren Oberbürgermeister Frank Baranowski, der sich davon nicht beirren lässt.

Am 1. Mai findet nicht nur die traditionelle Kundgebung der Gewerkschaften zum Tag der Arbeit statt. Für Duisburg hat die faschistische Kleinstpartei „Die Rechte“ zu einer Demonstration aufgerufen – und aus vielen Städten des Ruhrgebietes werden sie kommen, antifaschistische Gegendemonstrantinnen und Gegendemonstranten und nach Duisburg reisen, um den Neonazis zu zeigen: Wir sind mehr! Verschiedene Bündnisse in Duisburg mobilisieren für verschiedene Aktionen, die von Freundschaftsfesten bis zu Blockaden reichen werden.

Aktionswochen für ein friedliches, demokratisches und weltoffenes Europa

Zwischen dem 8. Mai 2019, dem Jahrestag der Befreiung Europas vom Faschismus, und dem 26. Mai 2019, dem letzten der vier Wahltage zum Europäischen Parlament, finden eine ganze Reihe von Veranstaltungen des Gelsenkirchener Aktionsbündnisses gegen Rassismus und Ausgrenzung statt. Dabei handelt es sich um das Aktionsbündnis 16.09., dass sich erstmals für die Gegendemonstrationen gegen zwei rechte Gruppierungen am 16. September 2018 zusammengefunden hatte und seine Namensfindung nun abgeschlossen hat. Weitere Infos zu den „Aktionswochen für ein friedliches, demokratisches und weltoffenes Europa“ sind auf der Seite der Schalker Fan-Initiative e.V. zu finden. Darunter sind auch zwei Kooperationsveranstaltungen mit der Gelsenkirchener VVN-BdA.

Stolperschwelle für ermordete Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter

Am 23. Mai 2019 verlegt der Kölner Aktionskünstler und Bildhauer Gunter Demnig die erste Stolperschwelle in Gelsenkirchen. Während ein Stolperstein jeweils einem einzelnen Menschen gewidmet ist, gedenkt eine Stolperschwelle Opfergruppen und Unrechtsorten. Die Stolperschwelle wird gegen 16 Uhr vor dem Polizeipräsidium in Gelsenkirchen-Buer, Kurt-Schumacher-Straße, Ecke Hölscherstraße, verlegt und erinnert an die Opfer der Zwangsarbeit. Insbesondere erinnert sie an die Ermordung der namentlich nicht bekannten Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die noch in den Morgenstunden des 28. März 1945 in den Westerholter Wald getrieben und dort ermordet wurden. In den Abendstunden desselben Tages befreite die US-Army Buer-Mitte.

Pulse of Europe

Last but not least findet einen Tag vor der Wahl zum Europäischen Parlament, am Samstag, 25. Mai 2019 von 13 Uhr bis 14.30 Uhr vor dem Musiktheater im Revier eine Kundgebung von „Pulse of Europe“ statt. Unter dem Motto „Wähl Europa!“ und unter anderem mit Beiträgen von Sängerinnen und Sängern des MiR, Manuela Clermont, Val’n’Tin, Julian Rybarski, Norbert Labatzki sowie der Flamenco-Tanzgruppe werben die Veranstalter dafür, proeuropäisch zu wählen. Eine Kritik aus linker Sicht an „Pulse of Europe“ findet sich hier.

Update 11.05.2019

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Ziviler Ungehorsam gegen faschistische Rechtspartei

Unbekannte haben das Plakat der faschistischen Kleinpartei „Die Rechte“ entfernt. Übrig blieb nur die Kommentierung der Die Linke, die nun allerdings nur noch für Eingeweihte verständlich ist.

Bereits bei der letzten Wahl provozierte die faschistische Kleinpartei „Die Rechte“ mit dem Satz „Wir hängen nicht nur Plakate“. Im jetzigen Wahlkampf zum EU-Parlament verkündete ihr aus wenigen Personen bestehende „Kreisverband Gelsenkirchen/Recklinghausen“ auf widerliche Art und Weise „Heute werden sie Hängen in Gelsenkirchen und an der Synagoge… unsere Plakate“. Ein Plakat mit der vorbestraften Holocaust-Leugnerin Haverbeck hängten sie vor der Polizei auf, ein weiteres Plakat vor die Synagoge. Während Die Linke sich rechtskonform verhielt und die Plakate lediglich mit „Aufstehen gegen Rassismus“ kommentierte, gingen unbekannte Bürger weiter und entfernten das Rechte-Plakat vor der Synagoge.

Die Partei „Die Rechte“ ist – wie die NPD – keine verbotene Partei, obwohl sie sich immer wieder deutlich in die Tradition des historischen Faschismus stellt und auch noch stolz darauf ist. Sie wurde 2012 von dem Neo-Nazi Christian Worch gegründet und gilt als besonders radikal und gewaltbereit. In ihrem politischen Programm vertritt die Partei einen völkischen Nationalismus. Aggressive Hetze und Gewalt gegen nichtdeutsche, asylsuchende Menschen und Andersdenkende sind fester Bestandteil ihres politischen Handelns. Ende 2017 hat die Partei „Die Rechte“ einen Kreisverband Gelsenkirchen/Recklinghausen gegründet.

Sie steht im Ruhrgebiet unter anderem in der Tradition der 2012 verbotenen rechtsextremen Kameradschaft „Nationaler Widerstand Dortmund“. Seit dem Verbot arbeiten dieselben Personen als „Die Rechte“ weiter und sind als Rats- bzw. Bezirksvertreter sogar vereinzelt in Stadträte eingezogen und verbreiten dort ihre menschenverachtende Ideologie. Ihre Mitglieder sind für unzählige Angriffe auf Menschen verantwortlich, die nicht in ihr rassistisches und völkisches Weltbild passen. In Dortmund-Dorstfeld konnte die Partei und ihr Umfeld bereits rechte Strukturen festigen. Zugleich nutzen sie das Parteienprivileg gegen ein erneutes Verbot. Bei Demonstrationen treten sie mit den schwarzweißroten Fahnen des Deutschen Kaiserreiches auf, die im Gegensatz zu den – ebenfalls schwarzweißroten – Hakenkreuzfahnen des „Dritten Reichs“ nicht verboten sind.

Ziviler Ungehorsam nimmt in Kauf, bestehendes Recht zu verletzten, hier die Sachbeschädigung gegen Plakate einer nicht verbotenen Partei, um auf den faschistischen Hintergrund dieser Partei hinzuweisen. Denn seit das Bundesverfassungsgericht die NPD wegen ihres „mangelnden Einflusses“ nicht verboten hat, ist den Antifaschistinnen und Antifaschisten in unserem Land klar, dass man sich auf den Rechtsstaat in dieser Frage nicht verlassen kann. Parteien die in der Tradition der NSDAP stehen, einer Partei die für Völkermord und Vernichtungskrieg steht, gehören verboten!

Eindrücke vom Ostermarsch Rhein Ruhr 2019

Der Ostermarsch Rhein Ruhr am Ostermontag auf dem Weg von Dortmund-Dorstfeld in den Dortmunder Norden.

„Abrüsten statt Aufrüsten! Verbot der Atomwaffen! Für ein Europa des Friedens!“ sind kurzgefasst die Forderungen des diesjährigen Ostermarsches. Wie schon in den Jahren zuvor fanden an drei Tagen von Ostersamstag bis Ostermontag Kundgebungen und Demonstrationszüge im Ruhrgebiet und im Rheinland statt. Zum ersten Mal war ich an allen drei Tagen dabei.

Nach dem regnerischen Wetter in den letzten Jahren schien über dem diesjährigen Ostermarsch die Sonne. Die Auftaktveranstaltung am Samstag, 20.04.2019 in Duisburg war mit zwei- bis dreihundert Menschen gut besucht. Beeindruckend fand ich das Allerwelt-Ensemble, ein Chor, der in einer Turnhalle, einer Flüchtlingsunterkunft, gegründet worden war und uns mit wundervoller Musik verwöhnte.

Auftaktveranstaltung am Ostersamstag in Duisburg mit dem Allerwelt-Ensemble.

Von den verschiedenen Rednern ist mir die Aussage eines 27-jährigen Redners im Gedächtnis geblieben, der über die Normalität Europas für die jungen Leute heute berichtete, wie einfach man Grenzen überschreiten kann und das Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges keinen Krieg mehr gesehen habe. In Bezug auf die Europäische Union hat er sicherlich Recht, doch verwechselte er offenbar die Europäische Union mit dem Kontinent Europa und vergaß den völkerrechtswidrigen Angriff der NATO auf Rest-Jugoslawien 1999.

Marco Bülow, aus der SPD ausgetretener Bundestagsabgeordneter, kritisierte sehr deutlich die Rüstungspolitik der „großen“ Koalition, die der Grund für seinen Austritt war. Moderiert wurde die Kundgebung von Shabnam Shariatpanaki.

Eines der vielen Aussagen aus dem Ostermarsch, hier vom ersten Tag in Duisburg (und Düsseldorf).

Der anschließende Demonstrationszug ging über die Friedrich-Wilhelm-Straße zum Duisburger Hauptbahnhof, wo an die Deportationen in der Nazi-Zeit erinnert wurde und, wie schon während der Auftaktveranstaltung, auf die Aktivitäten der verschiedenen Bündnisse hingewiesen wurde, die sich dem Aufmarsch der „Die Rechte“ am 1. Mai in Duisburg entgegenstellen.

Ein weiterer und geradezu klassischer Slogan vom Ostermarsch in Düsseldorf.

Von dort aus ging es mit dem Zug nach Düsseldorf, wo sich neben den Düsseldorfern auch Kundgebungsteilnehmer aus Köln und Duisburg am DGB-Haus versammelten. Der Demonstrationszug mit rund 1000 Friedensdemonstranten führte durch die Düsseldorfer Innenstadt zum Marktplatz. Das schöne Wetter hatte viele Menschen auf die Straßen gelockt, so dass unsere Demonstration eine große Aufmerksamkeit erweckte.

Der Fahrradkorso sammelt sich am Ostersonntag auf dem Willy-Brandt-Platz in Essen.

Am Ostersonntag führte traditionell die Fahrradetappe von Essen über Gelsenkirchen, Wattenscheid und Herne nach Bochum. Auch diese war – sicherlich nicht zuletzt aufgrund des herrlichen Wetters – gut besucht. Nach der Auftaktkundgebung auf dem Willy-Brandt-Platz ging es mit einem beeindruckenden Fahrradkorso erst nach Gelsenkirchen, zur ebenfalls schon traditionellen ersten Zwischenkundgebung im Stadtgarten mit Kaffee und Kuchen und einer Rede von Gottfried Clever vor dem Mahnmal für die Opfer des Faschismus.

Erholung im Grünen beim traditionellen Zwischenhalt im Stadtgarten Gelsenkirchen.

Die Fahrt ging dann weiter nach Bochum-Wattenscheid zur Friedenskirche am August-Bebel-Platz. Das es viel mehr Ostermarschierer als in den letzten Jahren waren, konnte man nicht zuletzt daran merken, dass die Stärkung mit Kartoffelsuppe und Bockwurst nicht für alle reichte.

Zwischenhalt in Bochum-Wattenscheid an der Friedenskirche/August-Bebel-Platz.

Die längste Strecke war nach Herne in das AWO-Familienzentrum zu bewältigen. Den Abschluss fand der Tag schließlich bei ver.di in Bochum mit einer Veranstaltung „Gefährliche Fluchtwege und Migrationsbekämpfung in Westafrika“ mit einem sehr interessanten Referat über die Art der Einflussnahme der Europäischen Union in Afrika zur militärischen Aufrüstung und Migrationsbekämpfung in den Staaten Afrikas. Mohamed Bangoura trug die Sichtweise der einheimischen Bevölkerung bei und berichtete über seine Flucht über Libyen nach Europa.

Blick in den Düsseldorfer Demonstrationszug am Ostersamstag.

Erfreulich war die Begrüßung an den Zwischenhalten mit Verpflegung und wechselndem Kulturprogramm. Auch erinnerte mich die Atmosphäre während des Fahrradkorsos an den Ostermarsch Ruhr in den 1980er Jahren während der Nachrüstungsdebatte. Damals zogen Tausende an drei Tagen von Duisburg nach Dortmund. Den damaligen Rüstungswettlauf zwischen NATO und Warschauer Pakt hatte der INF-Vertrag beendet, ein Vertrag über die Begrenzung strategischer Mittelstreckenraketen. Genau dieser Vertrag wird aktuell durch die USA in Frage gestellt, die Russland vorwerfen, sich nicht mehr an ihn zu halten.

Auf dem Wilhelmplatz in Dortmund-Dorstfeld am Ostermontag.

Am Ostermontag begann der Ostermarsch nicht wie in den Vorjahren in Bochum-Werne, sondern in Dortmund-Dorstfeld. Dorstfeld ist ein Schwerpunkt der rechtsextremen Szene im Ruhrgebiet. Ein paar Rechtsextremisten zeigten sich auf der anderen Straßenseite, doch wir waren erkennbar viel mehr. Nach einem Friedensgottesdienst – fast alle sangen dabei „We shall overcome“ mit, sprach unter anderem Ulrich Schneider, Generalsekretär der FIR, der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer. Er sprach sich insbesondere für eine europäische Vernetzung der Initiativen gegen Rechts aus.

Der Ostermarsch am Ostermontag auf dem Weg in die Dortmunder Innenstadt.

Der Ostermarsch machte an diesem Tag seinem Namen alle Ehre. Zu Fuß ging es durch Dortmund zum Friedensplatz mit einer Zwischenkundgebung und von dort aus weiter in die Duisburger Nordstadt, wo im Wichernhaus das traditionelle Abschluss-Friedensfest stattfand. Dort konnte man sich erneut stärken und Leute wiedertreffen, die man länger nicht gesehen hatte. Letzteres war schon immer ein wichtiger Aspekt des Ostermarsches, der seine Wirkung nicht nur nach außen, sondern auch nach innen entfaltet. Und das in jedem Jahr.

Am Ostersamstag in Duisburg während der Auftaktveranstaltung.

Am Jahrestag der Befreiung in Buchenwald

Gedenkstätte Buchenwald 2019: Blick aus dem ehemaligen Häftlingslager zum Torgebäude.

25 ehemalige Häftlinge des KZ Buchenwald aus 19 Ländern, darunter aus Frankreich, Israel, Polen, der Ukraine und Weißrussland, waren zum 74. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers auf den Ettersberg bei Weimar gekommen. Bei authentischem „Buchenwald-Wetter“, es war nasskalt, Nebel und Schneegriesel herrschte im ehemaligen Lager, erinnerten sie gemeinsam mit Nachkommen und weiteren Antifaschistinnen und Antifaschisten an die Ermordeten und Überlebenden des Nazi-Terrors.

Mit der inzwischen sechsten Gedenkstättenfahrt setzten die DGB-Jugend MEO (Mühlheim Essen Oberhausen) und die VVN-BdA Essen die Tradition der gemeinsamen Fahrten zu Orten des Nazi-Terrors fort. Nach Esterwegen (2014), Buchenwald (2016), Neuengamme (2017), Dachau und Sachsenhausen (2018) ging die Fahrt am 13./14. April 2019 erneut in die Gedenkstätte Buchenwald. Die Fahrt, die für Jugendliche bis 27 Jahre kostenfrei ist, war wie auch bei den zurückliegenden Fahrten gut besucht.

Anlass für die gemeinsame Reise war die Baumpflanzung in Weimar zum Gedenken an 520 jüdische Frauen, die in einem Außenlager des KZ Buchenwald in der Essener Humboldstraße für Krupp Zwangsarbeit leisten mussten. Durch die Gedenkstätte führten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Gerd Hoffmann (den einige schon vom Besuch der Gedenkstätte Sachsenhausen kannten) und Reinhold Loch zwei Mitglieder der VVN-BdA aus Frankfurt/Oder bzw. Essen. Den Abschluss fand das Wochenende mit der Teilnahme an der Befreiungsfeier im 74. Jahr nach der Selbstbefreiung am 11. April 1945.

Wer die Thüringische Stadt Weimar besucht, kommt an Goethe und Schiller nicht vorbei. Goethes Wohnhaus, das Schillerhaus, Straßennamen, Hinweisschilder, Gedenktafeln und das Denkmal auf dem Theaterplatz vor dem Deutschen Nationaltheater erinnern an die Zeit der Weimarer bzw. Deutschen Klassik. Als Leitideen der Weimarer Klassik nennt Meyers Taschenlexikon aus dem Jahre 1985 „Harmonie und Humanität“. Nach dem Tagungsort der Nationalversammlung wurde auch die 1919 gegründete erste deutsche Republik „Weimarer Republik“ benannt. Ganz im Gegensatz zu diesen Traditionen steht die Nazi-Barbarei, die gleichwohl Goethe und Schiller vereinnahmte.

Eines der vielen Ausstellungsstücke in der Dauerausstellung der Gedenkstätte: ein Werbeprospekt für das „Gauforum“.

Spuren aus der Nazi-Zeit findet man auch heute noch in Weimar. So beherrscht den heutigen Weimarplatz das „Gauforum“, ein gigantisches Gebäudeensemble in faschistischer Ästhetik, welches die zentrale Gau-Verwaltung der NSDAP aufnahm. In den bestehenden und denkmalgeschützten Gebäuden ist heute das Thüringer Landesverwaltungsamt untergebracht, in der ehemaligen zum Gebäudeensemble gehörenden „Halle der Volksgemeinschaft“ befindet sich ein Einkaufszentrum.

Auf dem nahen Ettersberg, früher ein Naherholungsgebiet, befinden sich die baulichen Überreste des einstigen Konzentrationslagers Buchenwald. Das zu den größten nationalsozialistischen Konzentrationslagern gehörende KZ bestand von 1937 bis 1945. Weit über 250.000 Häftlinge befanden sich im System dieses Lagers einschließlich seiner Außenlager, zu denen auch Außenlager in Essen, Gelsenkirchen und anderen Ruhrgebietsstädten gehörten. Im Gegensatz zu den Vernichtungsorten im Osten, in denen der industrielle Massenmord stattfand, galt hier das Nazi-Prinzip der „Vernichtung durch Arbeit“. Etwa 56.000 Menschen fanden im KZ Buchenwald und seinen Außenlagern den Tod.

Der Schriftzug „Jedem das Seine“ zeigt den Zynismus der Nazis.

Das berühmte Lagertor mit der Inschrift „Jedem das Seine“ zeigt den Zynismus der Nazis, die einen Satz aus dem alten Rom, der für Gerechtigkeit für Jeden stand, im Sinne ihrer rassistischen und menschenfeindlichen Ideologie umdeuteten. Die Schrift war bei geschlossenem Tor für die Häftlinge zu lesen.

Zugleich ist Buchenwald das einzige Konzentrationslager, das sich selbst befreien konnte. Es war den politischen Häftlingen aus den verschiedenen europäischen Ländern gelungen, eine internationale Widerstandsorganisation zu bilden. In den letzten Apriltagen widersetzten sie sich zunehmend den Anweisungen der SS, organisierten Waffen und planten den Widerstand. Sie wussten, dass die SS sie bei einer sogenannten „Evakuierung“ des Lagers ermorden würde. Angesichts der herannahenden US-Armee gelang ihnen die Übernahme des Lagers und somit die Rettung zahlreicher Leben. Im Lager befanden sich zu diesem Zeitpunkt noch rund 21.000 Häftlinge, darunter 904 Kinder und Jugendliche. Als die US-Army eintraf, fand sie das befreite Lager vor.

Baumpflanzung auf dem Gelände des ehemaligen Gustloff-Werk I in Weimar zum Gedenken an Essener Zwangsarbeiterinnen.

In Weimar wie in Buchenwald waren die Häftlinge in der Rüstungsindustrie eingesetzt worden. In der Nähe des KZs war das Gustloff-Werk II errichtet worden, dass bei einem Luftangriff zerstört wurde. Ebenso erging es dem Gustloff-Werk I in Weimar. Auf dem ehemaligen Werksgelände in Weimar wurden im Rahmen des Projektes „1000 Buchen“ des Lebenshilfewerkes Weimar/Apolda am Samstag, den 13. April 2019 mehrere Bäume zum Gedenken an Opfer der Nazi-Barbarei gepflanzt. Einer von ihnen wurde zum Gedenken an 520 jüdische Frauen, die im Außenlager in der Essener Humboldstraße untergebracht waren und bei Krupp Zwangsarbeit leisten mussten, gepflanzt. Die Patenschaft (d.h. die Finanzierung) übernahm die DGB-Jugend, da sich Krupp trotz verschiedener Anfragen bis zuletzt nicht dazu bereit erklärt hatte.

Denise Bäcker sprach für die DGB-Jugend MEO, erinnerte an die Ausbeutung und Leiden der Häftlingen und sagte unter anderem: „Heute erinnern wir an die 522 weiblichen Häftlinge und pflanzen als DGB-Jugend Region MEO diesen Baum mit der dazugehörigen Gedenktafel. Uns ist es ein großes Anliegen, immer wieder der vielen Opfer der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft zu gedenken und die Erinnerung wach zu halten. Gerade in Zeiten, in denen sich alte und neue Nazis sich wieder verstärkt zu Wort melden, ist es wichtig, das kritische Bewusstsein gegen heutige Alt- und Neunnazis zu Stärken. Nichts ist schlimmer als das Vergessen. Wir wollen immer wieder aufzeigen, dass es nie wieder Faschismus geben darf und es wichtig ist, sich für Frieden, Freiheit und Demokratie einzusetzen.“

 

DGB-Jugend MEO auf der Titelseite der Thüringischen Landeszeitung vom 15.04.2019.

Am darauffolgenden 14. April 2019 besuchten wir den 2016 für Theo Gaudig gepflanzten Baum. Margret Rest von der VVN-BdA Essen erinnerte an seinen Lebensweg, der den 1904 in Essen als Sohn eines Krupp-Arbeiters geborenen über Rumänien in das KZ Buchenwald führte. Nach der Selbstbefreiung des Lagers erfuhr er, dass sein Vater Otto noch am 13. April 1945 in der Wenzelnbergschlucht bei Solingen ermordet worden war. Doch erwartete ihn in Essen auch seine Braut Maria, die 17 Jahre auf ihn gewartet hatte. Theo Gaudig engagierte sich sehr für die Ausstellung „Widerstand und Verfolgung in Essen 1933-1945“ in der 1980 eröffneten Alten Synagoge Essen und war ein unermüdlicher Zeitzeuge und lebensfroher Mensch.

Nach der Selbstbefreiung des 11. April 1945 organisierten die Überlebenden am 19. April 1945, noch tobte der Zweite Weltkrieg in Europa und Asien, eine große Gedenkveranstaltung auf dem Appellplatz des Lagers. Berühmt geworden ist der „Schwur von Buchenwald“, in dem die Überlebenden schworen: „Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht. Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“ Bei der diesjährigen Gedenkfeier zum 74. Jahrestag der Befreiung wurde der „Schwur von Buchenwald“ von fünf ehemaligen Gefangenen in fünf verschiedenen Sprachen vorgetragen.

Gedenkstätte Buchenwald 2019: Gedenkfeier bei authentischem „Buchenwald-Wetter“.

Zuvor sprachen Volkhard Knigge, Direktor der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Alojzy Maciak, Vizepräsident für Polen des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos (IKBD) sowie Dominique Durand, Präsident des IKBD. Den Reden gemeinsam war die Sorge um den zunehmenden Rechtsruck in Europa. Sie riefen die Jugend dazu auf, sich für Demokratie und Menschenrechte einzusetzen.

Neben dem offiziellen Programm gab es die Gelegenheit, die 2016 neu eröffnete Dauerausstellung der Gedenkstätte in der ehemaligen Effektenkammer und die Kunstausstellung in der ehemaligen Desinfektion zu besuchen. Die neue Ausstellung ist nach einer modernen Konzeption gestaltet. Neben erklärenden Texten und Fotos gibt es zahlreiche originale Ausstellungsstücke, Tondokumente und visuelle Darstellungen. In der Kunstausstellung sind Werke von Künstlern, die als Häftlinge im KZ eingesperrt waren, aus der Konzentrationslagerzeit und danach ausgestellt, die mit teilweise sehr einfachen gestalterischen Mitteln das unbeschreibliche Lagerleben zeigen.

Eines der vielen Exponate der Kunstausstellung: Blick vom Kleinen Lager ins große Lager.

Eine weitere gemeinsame Gedenkstättenfahrt von DGB-Jugend MEO und VVN-BdA Essen ist bereits in Planung. Im Oktober wird es für drei Tage nach Amsterdam gehen.

Ergänzte Fassung

Zehn Jahre sind (k)eine lange Zeit oder: Wie schnell die Zeit vergeht

Zehn Jahre sind vergangen, seit im April 2009 mein erster Blog erschien. Er trug den Titel „Der rote Emscherbote“ und nutzte das rot eingefärbte Stadtwappen des zwischen Dezember 1977 und März 1984 erschienenen Emscherbote(n), Stadtzeitung für Gelsenkirchen. War die Seite zunächst als Ersatz für die Homepage der „Die Linke Alternative – Offene Liste Gelsenkirchen“ gedacht, mit der wir 2009 mit vielen engagierten Leuten zur Kommunalwahl in Gelsenkirchen antraten, wurde sie schnell zu meinem persönlichen Blog-Projekt.

Der erste damals veröffentlichte Beitrag thematisierte den „Bauskandal Hans-Sachs-Haus“, an den sich heute wahrscheinlich nicht mehr viele erinnern werden. Mit einem Public-Private-Partnership-Konzept (PPP) sollte das Hans-Sachs-Haus modernisiert werden. Doch wie wir es auch von anderen (Groß)-Projekten kennen, explodierten die Kosten. Schließlich sollte unser Rathaus ganz abgerissen werden. Dagegen gelang mittels eines Bürgerbegehrens die Mobilisierung der Öffentlichkeit. Was die wenigsten heute wahrnehmen: es sind nur noch drei Seiten der Fassade und der Hotelturm des vollständig entkernten Hans-Sachs-Hauses übrig geblieben, die nun ein völlig neu entstandenes Gebäude umhüllen.

Screenshot des neuen Blogs vom 4. Dezember 2013.

Als ich Ende 2013 mit „Antifaschistisches Gelsenkirchen“ diesen (neuen) Blog erstellte, übernahm ich eine Auswahl an thematisch passenden Beiträgen aus dem roten Emscherboten. „Bauskandal Hans-Sachs-Haus“ war damals nicht dabei, weil es nicht zu meinem veränderten Engagement passte. Nun habe ich anlässlich meines zehnjährigen Blogger-Jubiläums auch den ersten veröffentlichten Blog-Beitrag vom April 2009 wieder online zur Verfügung gestellt. Da er nicht von mir stammt, ist er als „Gastbeitrag“ gekennzeichnet.

Irgendwelche Jubiläums-Feierlichkeiten wird es nicht geben, nur weitere Blog-Beiträge sind von mir zu erwarten. Auf die nächsten zehn Jahre!

Ostermarsch – Der Klassiker der Friedensbewegung

Aus dem Archiv der VVN-BdA Gelsenkirchen: Ostermarsch-Aufruf im Wandel der Zeit. Gelsenkirchener Beispiele aus den beiden Hochzeiten der Ostermärsche 1967 und 1983.

Der Ursprung der Ostermarsch-Idee liegt in Großbritannien. Britische Atomwaffengegner organisierten 1958 einen Marsch von London zum britischen Atomforschungszentrum Aldermaston, um gegen die nukleare Aufrüstung zu protestieren. In der alten Bundesrepublik wurde diese Protestform ab 1960 übernommen, zunächst um gegen die atomare Bewaffnung der Bundeswehr durch sogenannte „taktische Atomwaffen“ zu demonstrieren. Waffen, die der damalige christdemokratische Bundeskanzler Adenauer als Fortentwicklung der Artillerie verharmloste. Bis in die Gegenwart haben sich die Ostermärsche als wichtige Protestform der Friedensbewegung erhalten.

Aus der Ostermarschbewegung wurde im Verlauf der 1960er Jahre eine Massenbewegung und als Kampagne für Demokratie und Abrüstung wurde sie ein Teil der Außerparlamentarischen Opposition gegen die Notstandsgesetzgebung der damaligen großen Koalition. Von etwa 1.000 Ostermarschierern 1960 stieg ihre Zahl in der alten Bundesrepublik auf über 300.000 im Jahre 1968. Die Entspannungspolitik in den 1970er Jahren führten zu einem Abflauen des Interesses an den Ostermärschen, die mit nur noch kleinen Teilnehmerzahlen weitergeführt wurden.

Einen neuen Höhepunkt erreichten die Ostermärsche erst wieder mit dem Aufschwung der Friedensbewegung Anfang der 1980er Jahre. Aufgrund des NATO-Doppelbeschlusses, der ab 1984 zu einer tatsächlichen Stationierung neuer Atomraketen führte, fühlten sich mehr Bundesbürger als je zuvor von der atomaren Hochrüstung der beiden damaligen Supermächte USA und UdSSR bedroht und gingen auf die Straße. In der Friedensbewegung wurden vielfältige Aktionsformen entwickelt, zu denen gewaltfreie Sitzblockaden, Menschenketten und Rüstungssteuerverweigerungen zählten.

3 Tage für den Frieden

Der Ostermarsch Ruhr war in den frühen 1980er Jahren eine Demonstration von Tausenden von Teilnehmern, die von Ostersamstag bis Ostermontag von Duisburg nach Dortmund zogen. Groß, mächtig und bunt glich er an einigen Stellen schon fast einem Karnevalsumzug – was die Farbe und Fröhlichkeit der Teilnehmer betraf. In Transparenten, Wagen, Sprechchören und Flugblättern spiegelte er die Vielseitigkeit der damaligen Friedensbewegung wieder. Klassiker in Gelsenkirchen war die Kundgebung auf dem Rotthauser Markt, sowie in (Bochum-) Wattenscheid der Zwischenstopp auf dem Gertrudisplatz, bevor es weiter bis Bochum ging.

Schien mit dem Ende der Blockkonfrontation zwischen der Sowjetunion und den USA zunächst eine friedliche Zukunft möglich geworden, so zeigt die tatsächliche Politik jenseits aller Versprechungen, dass dem nicht so ist. Seit dem Ende der Sowjetunion ist die Welt unsicherer geworden und haben Krieg und Zerstörung weltweit zugenommen. Und 80 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkrieges scheint mit der Infragestellung des 1987 geschlossenen INF-Vertrages zur Rüstungsbegrenzung durch Trumps USA ein großer Krieg in Europa wieder möglich zu werden. Ein erneutes atomares Wettrüsten erhöht die Gefahr einer Eskalation bis hin zum nuklearen Inferno. Auch darum setzt die Friedensbewegung die Ostermärsche im 59. Jahr fort.

Mehr zur Geschichte der Ostermarschbewegung hier.

Infostand zum Ostermarsch 2019

Werbung für den Ostermarsch 2019 neben dem Imfostand.

Auch ein jährlich wiederkehrender Termin kann seine Überraschungen bieten. Seit einigen Jahren führen wir vor dem Ostermarsch Rhein Ruhr einen Infostand in der Gelsenkirchener City durch, so auch in diesem Jahr.

Nachdem wir aufgrund anderer Veranstaltungen, wie in diesem Jahr der Garten- und Blumenmarkt, unseren Infostand nicht mehr auf dem Neumarkt aufbauen konnten, waren wir in den vergangenen Jahren zum Heinrich-König-Platz gewechselt, wo wir uns vor der evangelischen Altstadtkirche präsentierten. In diesem Jahr nutzten wir das Ende der Fußgängerzone in der Hauptstraße, an der Ecke zur Gildenstraße und in Sichtweite zum Margarete-Zingler-Platz, um unsere Informationen über den Ostermarsch Rhein Ruhr 2019 zu verteilen.

Anders als in den letzten Jahren waren zwei der Hauptorganisatoren dieses Mal nicht dabei, doch umso erfreulicher war der Umstand, dass wir mit insgesamt 10 aktiven Leuten nicht nur Informationen über den Ostermarsch verteilen und Gespräche führen konnten, sondern auch noch Unterschriften für die Kampagne „Abrüsten statt Aufrüsten“ sammeln konnten. So viel Solidarität hatten wir nicht erwartet und uns umso mehr darüber gefreut.

Infomaterial zum Ostermarsch 2019 auf unserem Infotisch.

Die Gesprächsatmosphäre war sehr entspannt und es ist immer wieder erstaunlich, welche Bekannten man bei der Gelegenheit wiedertrifft. Bald hatten wir unser Material verteilt und räumten wieder alles zusammen. Im Anschluss besuchten wir noch das Altstadtcafé und unterhielten uns noch lange bei Kaffee und Kuchen über Gott und die Welt. Wie wir feststellten, etwas, das wir viel zu selten unternehmen.