Zur Erinnerung an Theo Gaudig (1904-2003)

Selbstportrait Theo Gaudigs an der Drehbank, Januar 1928 als Titelbild der "Arbeiter Illustrierten Zeitung" (AIZ), hier für die Buchveröffentlichung 1997 wiederverwendet.

Selbstportrait Theo Gaudigs an der Drehbank, Januar 1928 als Titelbild der „Arbeiter Illustrierte Zeitung“ (AIZ), hier für die Buchveröffentlichung 1997 wiederverwendet.

Aus Anlass des 71. Jahrestages der Selbstbefreiung des Konzentrationslagers Buchenwald in Thüringen organisieren die DGB-Jugend Mülheim-Essen-Oberhausen und die VVN-BdA Essen am 16./17. April eine Fahrt nach Buchenwald und Weimar. Im Rahmen des Besuchsprogramms wird zum Gedenken an den antifaschistischen Widerstandskämpfer, KZ-Häftling und tausenden Essenern als Zeitzeuge bekannten Theo Gaudig in der Nähe der Gedenkstätte Buchenwald ein Baum gepflanzt.

Theo Gaudig, am 20. Mai 1904 in eine Essener Arbeiterfamilie hinein geboren, lernte nach einer Lehre als Dreher die Unsicherheiten eines Arbeiters in den 1920er Jahren am eigenen Leib kennen. Er erlebte Zeiten von Beschäftigung und Arbeitslosigkeit, engagierte sich gegen die französische Ruhrbesetzung, im Jugendverband der KPD sowie als Arbeiterfotograf. Mit einem Selbstportrait an der Drehbank schaffte er es auf die Titelseite der „Arbeiter Illustrierte Zeitung“ (AIZ).

1928 ging er nach Rumänien, um die dort verbotenen Kommunisten zu unterstützen und wurde zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Er überlebte ein Erdbeben, welches das rumänische Gefängnis zerstörte und wurde 1942 nach der Verbüßung der Strafe von den Nazis in das KZ Buchenwald gebracht. Nach der Befreiung des Lagers nach Essen zurückgekehrt, erfährt er, dass die Nazis seinen Vater Otto Gaudig noch am 13. April 1945 in der Wenzelnberg-Schlucht ermordet hatten. Endlich kann er – mit 15jähriger Verspätung – seine langjährige Freundin Maria Burger heiraten.

Anfang der 1970er Jahre lernt der Essener Historiker Ernst Schmidt („Lichter in der Finsternis“) Theo Gaudig kennen. Gaudig engagiert sich beim Aufbau eines Archivs der Essener Arbeiterbewegung und der Ausstellung „Widerstand und Verfolgung in Essen 1933-1945“ in der Alten Synagoge Essen sowie als Zeitzeuge, der Schülerinnen und Schüler seine erlebte Geschichte nahebringt und Tausende durch die Ausstellung führt. Noch 1998 erlebte ich ihn als hochbetagten Zeitzeuge in einem Seminar der Universität-Gesamthochschule Essen. Theo Gaudig starb nach einem langen Leben im Jahre 2003.

Foto aus der Ausstellung "Widerstand und Verfolgung in Essen 1933-1945" der 1980er Jahre in der Alten Synagoge Essen

Foto aus der inzwischen verschwundenen Ausstellung „Widerstand und Verfolgung in Essen 1933-1945“ der 1980er Jahre in der Alten Synagoge Essen (Quelle: Stadtbildstelle)

Zur Vorbereitung der Fahrt laden die DGB-Jugend und die VVN-BdA alle Interessierten zu einer gemeinsamen Informationsveranstaltung am 15. März 2016 um 17 Uhr in das Essener Gewerkschaftshaus in der Teichstr. 4 in 45127 Essen ein. Ein Film und eine Lesung vermitteln ein Bild Theo Gaudigs. Die DGB-Jugend legt großen Wert darauf, dass viele Jüngere an der Veranstaltung und der Fahrt teilnehmen. Jan Mrosek, DGB-Jugendbildungsreferent dazu: „Gerade in der heutigen Zeit, wo Fremdenfeindlichkeit und Rassismus wieder stärker werden, ist es umso wichtiger die Geschichte von früher zu erzählen und für junge Menschen greifbar zu machen. Wir müssen als Jugend sprachfähig sein, um heute gegen Hass und Ausgrenzung anzukämpfen.“ Wer Interesse hat mitzufahren, meldet sich bei der DGB-Jugend Essen unter der Telefonnummer 0201-632470.

Quelle der biografischen Angaben zu Theo Gaudig: Das 20. Jahrhundert der Gaudigs. Chronik einer Arbeiterfamilie im Ruhrgebiet. Nach Erzählungen von Theo Gaudig, Heinz Lippe, Irene Schischke und Ernst Schmidt zusammengestellt von Ludger Fittkau, Essen 1997.

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