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Vom Rotthauser Friedhof zum Fritz-Rahkob-Platz

Die geschmückte Gedenktafel am 24. August 2017.

Wie in jedem Jahr seit der Wiedergründung der VVN-BdA in Gelsenkirchen 2006 durch alte und junge Antifaschistinnen und Antifaschisten hatten wir auch am 24. August 2017 zu einer kleinen Gedenkveranstaltung auf dem Fritz-Rahkob-Platz eingeladen. In diesem Jahr jährte sich zum 30. Mal die Benennung des Platzes. Die Erinnerungstafel war am 30. Januar 1987 vom damaligen Oberbürgermeister Werner Kuhlmann (SPD) und dem ehemaligen Widerstandskämpfer Franz Rogowski (VVN) enthüllt worden. Aus diesem Anlass und weil Fritz Rahkob ein kommunistischer Widerstandskämpfer gewesen ist, hatten wir mit Heinz-Peter Thermann einen Vertreter der DKP um einen Redebeitrag gebeten.

Nach einleitenden Worten durch Lothar Wickermann (VVN-BdA) für den Veranstalter widmete sich Heinz-Peter Thermann dem Werdegang Fritz Rahkobs in einer Zeit, die von der Spaltung der einstmals breiten Sozialdemokratie in SPD und KPD bestimmt war. Die Zustimmung der SPD zu den Kriegskrediten 1914 und die Niederschlagung der Novemberevolution markieren die entscheidenden Stationen. Er kritisierte die mangelhafte Vergangenheitsbewältigung nach 1945 und betonte die Kontinutiät des Antikommunismus vor und nach 1945.

Heinz-Peter Thermann während seiner Rede.

In seiner Rede ging er auch auf die Sozialdemokratin Margarethe Zingler, den Priester Heinrich König und den Juden Leopold Neuwald ein, nach denen vor 30 Jahren weitere Plätze in Erinnerung an Widerstand und Verfolgung benannt worden waren. Nicht zuletzt erwähnte er die Initiative, einen fünften Platz in Erinnerung an die verfolgten Sinti und Roma zu benennen.

Ein Dutzend Besucher erinnerten gemeinsam an Emma und Fritz Rahkob.

Wenn wir an Fritz Rahkob erinnern, gedenken wir immer auch seiner Frau Emma Rahkob. Beide sind auf dem Rotthauser Friedhof bestattet, den wir am Tag zuvor besucht hatten. Zum zweiten Mal hatte Klaus Brandt hier zu einer kleinen Gedenkveranstaltung eingeladen. Er erinnert damit an die lange verdrängten Zwangsarbeiter aus der Ukraine und aus Polen, die bei dem Dahlbusch-Unglück 1943 ebenfalls ums Leben gekommen waren. Die Gestaltung der Gedenkstätte hatte sie jahrzehntelang unterschlagen. Seit 2012 hat Klaus Brandt sich mit dem Thema beschäftigt, das ihm auch aus persönlichen Gründen keine Ruhe ließ.

Die Grabplatte für die achtzehn Zwangsarbeiter mit dem – kastrierten – Text.

Seit Ende letzten Jahres ist nun eine in der ursprünglichen Gestaltung leer gebliebene Grabplatte zur Erinnerung an die umgekommenen achtzehn Zwangsarbeiter beschriftet. Allerdings hatte sowohl die Friedhofsverwaltung als auch die Bezirksvertretung Süd den Satz „Zu Nazizeiten zählten sie nicht zu den Kameraden, sie galten als Untermenschen.“ als vermeintlich unsachlich abgelehnt, dieser durfte nicht mit auf die Grabplatte.

Anschließend besuchten wir noch die Grabstätte des Freidenker-Verbandes, die sich nur wenig entfernt ebenfalls auf dem Rotthauser Friedhof befindet. Hier sind auch Emma und Fritz Rahkob bestattet worden. Allerdings reicht die Beschriftung auf dem Grabstein aus Platzgründen nur bis ins Jahr 1962 zurück. Daher findet sich nur noch der Name von Emma Rahkob, die hier 1972 beigesetzt worden ist, aber nicht (mehr?) der von Fritz Rahkob.

Die Grabstätte des Freidenker-Verbands auf dem Rotthauser Friedhof. Hier sind auch Fritz und Emma Rahkob beigesetzt.

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Erinnerung an den antifaschistischen Widerstand

Seit 30 Jahren erinnert die Gedenktafel an den antifaschistischen Widerstandskämpfer Fritz Rahkob (Foto vom 25.08.2008).

Seit 30 Jahren erinnert der Fritz-Rahkob-Platz an den am 24. August 1944 von der „Terrorjustiz des Naziregimes“ hingerichteten Widerstandskämpfer. Die Gedenktafel war am 30. Januar 1987 feierlich vom damaligen Oberbürgermeister Werner Kuhlmann (SPD) und dem ehemaligen Widerstandskämpfer Franz Rogowski (VVN) enthüllt worden.

Wie in jedem Jahr lädt die Gelsenkirchener VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten) zu einer kleinen Gedenkfeier am 24. August 2017 um 18 Uhr auf dem Fritz-Rahkob-Platz ein. An den kommunistischen Widerstandskämpfer wird in diesem Jahr Heinz-Peter Thermann (DKP) erinnern.

Das Auftreten neuer Nazis mit altem Gedankengut – auch in Gelsenkirchen – zeigt, wie notwendig die Erinnerung an die Verbrechen der Vergangenheit ist. Sie hat daher zu Recht einen hohen Stellenwert in unserer Stadt. Aus diesem Grund erinnern seit 30 Jahren vier Plätze in der Innenstadt an Opfer und Gegner des NS-Regimes. Neben dem Fritz-Rahkob-Platz sind dies der Margarethe-Zingler-, Heinrich-König- und Leopold-Neuwald-Platz. Alle vier erinnern stellvertretend an Widerstand und Verfolgung von Sozialdemokraten, Kommunisten, Christen und Juden.

Der damalige Oberbürgermeister Werner Kuhlmann (SPD) und der ehemalige Widerstandskämpfer Franz Rogowski (VVN) enthüllen am 30. Januar 1987 die Tafel (Foto: Manfred Scholz).

Baustellen der Verfolgung und des Widerstandes in Gelsenkirchen (III)

Die inzwischen wieder verschwundene Baustelle Margarethe-Zingler-Platz 2013.

Die inzwischen wieder verschwundene Baustelle Margarethe-Zingler-Platz im Jahre 2013.

Zwischen 1986 und 1988 wurden in Gelsenkirchen insgesamt vier innerstädtische Plätze nach Opfern und Gegnern des NS-Regimes benannt. Margarethe-Zingler-Platz, Fritz-Rahkob-Platz, Heinrich-König-Platz und Leopold-Neuwald-Platz erinnern stellvertretend an Verfolgung und Widerstand von Sozialdemokraten, Kommunisten, Christen und Juden. Zwei der vorhandenen Plätze (Margarethe-Zingler- und Heinrich-König-Platz) waren von Baumaßnahmen betroffen, die anderen zwei Plätze (Fritz-Rahkob- und Leopold-Neuwald-Platz) werden in naher Zukunft umgestaltet werden. Gegen die Art des Umbaus regt sich Protest.

Die VVN-BdA Gelsenkirchen hatte die Umbaupläne 2013 zum Anlass genommen, eine Anregung nach § 24 der nordrhein-westfälischen Gemeindeordnung an den Rat der Stadt Gelsenkirchen einzureichen, damit diese Orte als Plätze der öffentlichen Begegnung und der Erinnerung an Opfer und Gegner des NS-Regimes bewahrt werden. In diesem Zusammenhang regte die VVN-BdA Gelsenkirchen unter anderem auch an, die Plätze so zu gestalten, dass öffentliches Verweilen und Begegnen auf ihnen ermöglicht wird.

Burkhard Wüllscheidt und Mirco Kranefeld markieren 57 Bäume mit jeweils einem Schild in DIN A4-Größe: "Ich soll gefällt werden!" (Foto: Facebook Bündnis 90/Die Grünen Gelsenkirchen).

Burkhard Wüllscheidt und Mirco Kranefeld markieren 57 Bäume mit jeweils einem Schild in DIN A4-Größe: „Ich soll gefällt werden!“ (Foto: Facebook Bündnis 90/Die Grünen Gelsenkirchen).

Die jüngste Planung des im Frühjahr 2017 beginnenden dritten Bauabschnitts Ebertstraße (dies betrifft den Fritz-Rahkob- und den Leopold-Neuwald-Platz) sieht unter anderem die Fällung von 57 Bäumen zwischen Hans-Sachs-Haus und Musiktheater zur Schaffung einer sogenannten „Sichtachse“ vor. Dagegen gibt es Widerstand aus der Partei Bündnis 90/Die Grünen in Gelsenkirchen. Patrick Jedamzik stimmte bereits in der Bezirksvertretung Mitte vergeblich dagegen, am Mittwoch und Donnerstag werden die Pläne noch im Stadtplanungs- und Verkehrsausschuss behandelt. Auch hier sind Gegenstimmen zu erwarten. Um die Öffentlichkeit auf die Pläne aufmerksam zu machen, markierten Burkhard Wüllscheidt und Mirco Kranefeld die 57 Bäume mit jeweils einem Schild in DIN A4-Größe: „Ich soll gefällt werden!“ Mit der Markierung fordern die Grünen dazu auf, die Pläne zu überdenken, die „Sichtachse“ zu verschieben und die Bäume zu erhalten!

Um öffentliches Verweilen und Begegnen auf den Plätzen zu ermöglichen, wie es die VVN-BdA 2013 anregte, ist der Erhalt des vorhandenen Baumbestandes sicherlich die bessere Lösung als die Fällung der Bäume.

Korrigierte Fassung

Erinnerung an Widerstand und Verfolgung in Gelsenkirchen

Fast 30 Jahre alt: Gedenktafel auf dem Fritz-Rahkob-Platz aus dem Jahre 1987 (Foto Juni 2016).

Fast 30 Jahre alt: Gedenktafel auf dem Fritz-Rahkob-Platz aus dem Jahre 1987.

Rede von Knut Maßmann für die VVN-BdA Gelsenkirchen auf dem Fritz-Rahkob-Platz am 24.08.2016

Liebe Anwesende,

insgesamt vier innerstädtische Plätze wurden zwischen 1986 und 1988 nach Opfern und Gegnern des Nazi-Regimes benannt, um dauerhaft an Widerstand und Verfolgung in Gelsenkirchen zu erinnern.

Außer dem Fritz-Rahkob-Platz sind dies noch der Margarethe-Zingler-Platz, der Heinrich-König-Platz und der Leopold-Neuwald-Platz. Diese vier Plätze stehen stellvertretend für den kommunistischen, den sozialdemokratischen und den christlichen Widerstand sowie für die Verfolgung der jüdischen Gelsenkirchener.

Heute stehen wir am 72. Jahrestag seiner Ermordung auf dem Fritz-Rahkob-Platz. Wir wollen an ihn und an seinen Kampf gegen den Faschismus erinnern.

Friederich Rahkob wurde am 25. Juli 1885 in der damals selbständigen Gemeinde Rotthausen geboren. Er erkannte früh, dass in der Industrie des Ruhrgebiets höhere Löhne als in der Landwirtschaft gezahlt wurden. Als Bergmann wurde Fritz Rahkob 1905 in einer Arbeiterbewegung aktiv, die noch nicht in Sozialdemokraten und Kommunisten gespalten war. Nach einer zweijährigen Militärzeit im 1. Weltkrieg, die wegen einer Verwundung 1916 endete, kehrte er in seinen alten Beruf zurück und wurde während der Revolution 1918 Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates in Rotthausen und 1920 Mitglied der KPD, der Kommunistischen Partei Deutschlands.

Seit der Eingemeindung Rotthausens 1924 nahm Fritz Rahkob an den Arbeiterkämpfen in Gelsenkirchen teil, wurde Mitglied im Einheitsverband der Bergarbeiter in der RGO, der KPD-nahen Gewerkschaft. Nach einem schweren Arbeitsunfall musste er die Arbeit im Bergbau aufgeben. Die kommunistische Tageszeitung „Ruhr-Echo“ beschäftigte ihn erst als Kassierer, später im Versand.

Mit Beginn der Machtübernahme der Nazis im Jahre 1933 verbrachte der bekannte Kommunist Fritz Rahkob die Jahre von 1933 bis 1938 wie viele seiner Genossen in sogenannter „Schutzhaft“. Seine Ehefrau Emma Rahkob beteiligte sich während der Haft ihres Mannes aktiv am Widerstand. Dafür wurde sie am 20. November 1934 zu zwei Jahren und sechs Monaten Zuchthaus verurteilt. Nach seiner Entlassung arbeitete Fritz Rahkob auf der Baustelle eines Düsseldorfer Unternehmens und lernte Franz Zielasko kennen.

Franz Zielasko, Bergmann aus Gladbeck, Kämpfer in der „Roten Ruhrarmee“ 1920 gegen Kapp-Putsch und Freikorps, Mitglied erst der USPD (1918) und der SPD (1922) und später der KPD (1926/27), emigrierte 1932 in die Sowjetunion. Er kämpfte 1937 bis 1939 im Spanischen Bürgerkrieg gegen die Franco-Putschisten und wurde im März 1943 von der Sowjetunion mit dem Fallschirm über Polen abgesetzt, um im Ruhrgebiet Kontakt mit Gleichgesinnten aufzunehmen. In der festen Überzeugung, man müsse den Krieg und den Faschismus aktiv bekämpfen, schloss sich Rahkob der Widerstandsgruppe um Franz Zielasko an, der in mehreren Städten Kontakte knüpfte. Die Gruppe wurde verraten, im August 1943 verhaftete die Gestapo 45 Antifaschisten, darunter auch Fritz Rahkob.

Franz Zielasko wurde schon bei den Verhören brutal zu Tode gefoltert. Fritz Rahkob und andere Kameraden wurden wegen „Vorbereitung zum Hochverrat u.a.“ vom sogenannten „Volksgerichtshof“ zum Tode verurteilt. Am 24. August 1944 erfolgte in Stuttgart Rahkobs Hinrichtung durch Enthauptung, mit der zynischen Begründung, die Angeklagten seien es nicht wert, mit einer Kugel erschossen zu werden. Am Tag der Hinrichtung wurde auch seine Frau Emma verhaftet und erfuhr im Gestapo-Gefängnis von der Hinrichtung ihres Mannes. Kurz vor der Deportation in ein Konzentrationslager wurde sie von alliierten Truppen aus dem Münchener Polizeigefängnis befreit.

Rahkobs Kopf bewahrten die Nazis in Spiritus auf. Nach der Einäscherung am 1. Juli 1947 in Reutingen wurde die Urne von alliierte Soldaten nach Gelsenkirchen überführt, wo sie am 14. September 1947 feierlich auf dem Rotthauser Friedhof beigesetzt wurde.

Die Stadt Gelsenkirchen tat sich – wie übrigens die gesamte alte Bundesrepublik Deutschland – lange Zeit äußerst schwer mit der Erinnerung an kommunistische Widerstandskämpfer gegen Nazi-Deutschland. Erst 1987, über 30 Jahre nach dem Ende der Nazi-Herrschaft, und im nächsten Jahr genau 30 Jahre her, benannte der Rat der Stadt Gelsenkirchen diesen Platz nach Fritz Rahkob. Auf der Gedenktafel könnt ihr lesen: „Fritz Rahkob, kommunistischer Widerstandskämpfer, wurde am 24. August 1944 durch die Terrorjustiz des Naziregimes hingerichtet.“

Fritz Rahkob hat die Befreiung vom Faschismus im Jahre 1945 nicht mehr erlebt. Wir können uns heute glücklich schätzen, den Faschismus an der Macht nicht am eigenen Leib erlebt zu haben. Desto wachsamer müssen wir auf das Auftreten alter und neuer Nazis reagieren, in welcher Verkleidung sie auch immer erscheinen.

Lasst mich mit einem Zitat Theodor W. Adornos schließen, der, katholisch getauft, erst von den Nazis mit ihren sogenannten „Rassegesetzen“ zum Halbjuden gemacht wurde: „Ich fürchte mich nicht vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Faschisten, sondern vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Demokraten.“

Vielen Dank!

Gedenken auf dem Fritz-Rahkob-Platz

Fast 30 Jahre alt: Gedenktafel auf dem Fritz-Rahkob-Platz aus dem Jahre 1987 (Foto Juni 2016).

Fast 30 Jahre alt: Gedenktafel auf dem Fritz-Rahkob-Platz aus dem Jahre 1987 (Foto Juni 2016).

Am 24. August 2016 erinnert die VVN-BdA Gelsenkirchen ab 18 Uhr an den mutigen Widerstandskämpfer Fritz Rahkob. Fritz Rahkob wurde am 24. August 1944 durch die Terrorjustiz des Naziregimes hingerichtet. Der Fritz-Rahkob-Platz zwischen Hans-Sachs-Haus und Bildungszentrum erinnert seit 1987 an den kommunistischen Widerstandskämpfer.

Insgesamt vier innerstädtische Plätze wurden zwischen 1986 und 1988 nach Opfern und Gegnern des NS-Regimes benannt, neben dem Fritz-Rahkob-Platz sind dies noch der Margarethe-Zingler-Platz, der Heinrich-König-Platz und der Leopold-Neuwald-Platz. Die vier Plätze stehen stellvertretend für den kommunistischen, den sozialdemokratischen und den christlichen Widerstand sowie für die Verfolgung der jüdischen Gelsenkirchener.

Im Rahmen der Gedenkveranstaltung unterstützt die VVN-BdA auch den von Andreas Jordan gestellten Antrag, einen fünften innerstädtischen Platz nach dem am 13. August 1943 im KZ Auschwitz ermordeten Gelsenkirchener Sintikind Rosa Böhmer, in Erinnerung an die Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma, zu benennen.

Gelsenkirchener Antifaschistinnen und Antifaschisten tagen

VVN-BdA GelsenkirchenAm 21.09.2015 fand turnusmäßig die Jahreshauptversammlung der Gelsenkirchener VVN-BdA, der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, im Alfred-Zingler-Haus statt. Die Formalitäten waren schnell erledigt. Als gleichberechtigte Sprecher wurden Andreas Jordan und Knut Maßmann wiedergewählt.

Als Gast war Jochen Vogler aus dem Vorstand der Landesvereinigung NRW der VVN-BdA anwesend, der über die Vorhaben für das nächste Jahr berichtete. 2016 jährt sich zum 70. Mal die Gründung der Landesvereinigung NRW der VVN 1946. Diesen Geburtstag wird die VVN-BdA im Oktober 2016 in Düsseldorf feiern. Für Mai 2016 ist ferner eine bundesweite Geschichtskonferenz der VVN-BdA in Nordrhein-Westfalen geplant. Zudem findet am 30. Januar 2016 in Solingen die 31. Konferenz der antifaschistischen Initiativen und Gruppen statt.

Des weiteren konkretisierte die Kreisvereinigung Gelsenkirchen ihren Beschluss, die Patenschaft für einen Stolperstein für ein Mitglied der Franz-Zielasko-Gruppe, einer antifaschistischen Widerstandsgruppe im Ruhrgebiet im „Dritten Reich“ zu übernehmen. Sie wird die Patenschaft für den Stolperstein, der Johann Eichenauer gewidmet sein wird, übernehmen. Die Verlegung ist für Oktober 2016 in Horst geplant.

Unter anderem berichtete Andreas Jordan über zwei Bürgeranträge, die der umtriebige Klaus Brandt  gestellt und die am 16.09.2015 in der Sitzung des Kulturausschusses behandelt worden waren. Der Antrag, der eine Erinnerungsortetafel am Volkshaus Rotthausen fordert, die auf dessen Geschichte als SS-Führerschule hinweist, war angenommen worden. Abgelehnt dagegen wurde sein zweiter Antrag, das Nazi-Schwert vom Schalker Verein von der Denkmalliste zu streichen und die 17.000 Euro, die die Verlagerung des Denkmals der Stadt kostet, sinnvoller einzusetzen.

Über den Bürgerantrag, den Andreas Jordan im Namen der VVN-BdA stellte, und der eine Ergänzung des Straßenschildes zum Fritz-Rahkob-Platz analog zu anderen Plätzen anregt, gab es noch nicht einmal eine Eingangsbestätigung.

Gedenkveranstaltung auf dem Fritz-Rahkob-Platz

Gedenkveranstaltung für Fritz Rahkob und seiner Frau Emma am 64. Jahrestag 2008

Gedenkveranstaltung für Fritz Rahkob und seiner Frau Emma am 64. Jahrestag 2008

Am 24. August 2015 wird ab 18 Uhr auf dem Fritz-Rahkob-Platz in Gelsenkirchen im Rahmen einer kleinen Gedenkveranstaltung an den mutigen Kämpfer gegen Krieg und Faschismus erinnert. Veranstalter ist wie in den Jahren zuvor die VVN-BdA Gelsenkirchen.

Friederich Rahkob wurde am 25. Juli 1885 in der damals noch nicht zu Gelsenkirchen gehörenden Gemeinde Rotthausen geboren. „Fritz“, wie er genannt wurde, erkannte früh, dass in der aufstrebenden Montanindustrie des Ruhrgebiets höhere Löhne als in der Landwirtschaft gezahlt wurden. Als Bergmann wurde er 1905 in einer Arbeiterbewegung aktiv, die damals noch nicht in Sozialdemokraten und Kommunisten gespalten war. Nach einer zweijährigen Militärzeit im 1. Weltkrieg, die wegen einer Verwundung 1916 endete, kehrte er in seinen alten Beruf zurück und wurde während der Revolution 1918 Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates in Rotthausen und 1920 Mitglied der KPD, der Kommunistischen Partei Deutschlands.

Seit der Eingemeindung Rotthausens 1924 nahm Fritz Rahkob an den Arbeiterkämpfen in Gelsenkirchen teil, wurde Mitglied im Einheitsverband der Bergarbeiter in der RGO, der KPD-nahen Gewerkschaft. Nach einem schweren Arbeitsunfall musste er die Arbeit im Bergbau aufgeben. Die kommunistische Tageszeitung „Ruhr-Echo“ beschäftigte ihn erst als Kassierer, später im Versand.

Mit Beginn der Machtübernahme der Nazis im Jahre 1933 verbrachte der bekannte Kommunist Fritz Rahkob die Jahre von 1933 bis 1938 in sogenannter „Schutzhaft“. Seine Ehefrau Emma Rahkob beteiligte sich während der Haft ihres Mannes aktiv am Widerstand. Dafür wurde sie am 20. November 1934 zu zwei Jahren und sechs Monaten Zuchthaus verurteilt. Nach seiner Entlassung arbeitete Fritz Rahkob auf der Baustelle eines Düsseldorfer Unternehmens und lernte den Widerstandskämpfer Franz Zielasko kennen.

Zielasko, Bergmann aus Gladbeck, Kämpfer in den Gladbecker Verbänden der „Roten Ruhrarmee“ 1920 gegen Kapp-Putsch und Freikorps, Mitglied erst der USPD (1918), dann der SPD (1922) und schließlich der KPD (1926/27), emigrierte 1932 in die Sowjetunion. Er kämpfte 1937 bis 1939 im Spanischen Bürgerkrieg gegen die Franco-Putschisten, wurde im März 1943 von der Sowjetunion mit dem Fallschirm über Polen abgesetzt und nahm im Ruhrgebiet Kontakt mit Gleichgesinnten auf. In der festen Überzeugung, man müsse den Krieg und den Faschismus aktiv bekämpfen, schloss sich Rahkob der Widerstandsgruppe um Franz Zielasko an, der in Gladbeck, Oberhausen, Essen, Gelsenkirchen und weiteren Städten Kontakte knüpfte. Die Gruppe wurde verraten, im August 1943 verhaftete die Gestapo 45 Antifaschisten, darunter auch Fritz Rahkob.

Zielasko wurde schon bei den Verhören brutal zu Tode gefoltert. Fritz Rahkob und andere Kameraden wurden wegen „Vorbereitung zum Hochverrat u.a.“ vom sogenannten „Volksgerichtshof“ zum Tode verurteilt. Am 24. August 1944 erfolgte Rahkobs Hinrichtung durch Enthauptung mit der zynischen Begründung, die Angeklagten seien es nicht wert, mit einer Kugel erschossen zu werden. Am Tag der Hinrichtung von Fritz Rahkob wurde auch seine Frau Emma verhaftet und erfuhr im Gestapo-Gefängnis von der Hinrichtung ihres Mannes. Kurz vor der Deportation in ein Konzentrationslager wurde sie von alliierten Truppen aus dem Münchener Polizeigefängnis befreit.

Rahkobs Kopf und seinen Leib bewahrten die Nazis in Spiritus auf. Nach der Einäscherung am 1. Juli 1947 in Reutingen wurde die Urne von alliierte Soldaten nach Gelsenkirchen überführt, wo sie am 14. September 1947 feierlich auf dem Rotthauser Friedhof beigesetzt wurde. Das „Westfälische Volks-Echo“ berichtete darüber am 16. September 1947 unter der Überschrift „Fritz Rahkob ruht in Heimaterde.“

Die Stadt Gelsenkirchen tat sich – wie übrigens die gesamte alte Bundesrepublik Deutschland – lange Zeit äußerst schwer mit der Erinnerung an kommunistische Widerstandskämpfer gegen Nazi-Deutschland. Erst 1987, über 30 Jahre nach dem Ende der Nazi-Herrschaft, und jetzt auch schon fast wieder 30 Jahre her, benannte der Rat der Stadt Gelsenkirchen drei Plätze in der Gelsenkirchener Innenstadt nach je einem örtlichen sozialdemokratischen, katholischen und kommunistischen Nazi-Gegner: Margarethe-Zingler-Platz, Heinrich-König-Platz und Fritz-Rahkob-Platz waren das Ergebnis. Eine Gedenktafel wurde auf jedem Platz feierlich enthüllt.

Seit dem 1. August 2011 erinnert ein Stolperstein in der Liebfrauenstraße 38, seinem letzten Wohnort im Stadtteil Schalke, an Fritz Rahkob.

Die Kreisvereinigung Gelsenkirchen der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten erinnert wie schon in den Jahren zuvor an seinem Todestag, dem 24. August, ab 18 Uhr auf dem nach ihm benannten Platz an den mutigen Kämpfer gegen Krieg und Faschismus.

Frauen ermordeter Gelsenkirchener Widerstandskämpfer 1948 (v.l.n.r.) Auguste Frost, Anna Bukowski, Emma Rahkob, Änne Littek, Luise Eichenauer (Foto: Privatbesitz)

Frauen ermordeter Gelsenkirchener Widerstandskämpfer 1948 (v.l.n.r.) Auguste Frost, Anna Bukowski, Emma Rahkob, Änne Littek, Luise Eichenauer (Foto: Privatbesitz)