Archiv der Kategorie: Friedensbewegung

Vom Umgang mit Nazi-Kunst – Beispiel Kalkar

Kreativer Umgang mit einem Nazi-Denkmal in Kalkar (Foto: Wilfried Porwol, Kleve).

Nicht nur in Gelsenkirchen, sondern überall in Deutschland findet man Nazi-Denkmäler, die Krieg und Faschismus verherrlichen. Und nicht nur in Gelsenkirchen überwiegen Unvermögen und Unbeweglichkeit im offiziellen Umgang mit diesen steinernen Zeugen der Vergangenheit – die Gründe hierfür mögen unterschiedlich sein. Am diesjährigen Tag der Deutschen Einheit, am 3. Oktober 2019, stellte der Klever Künstler Wilfried Porwol auf der Friedensdemonstration in Kalkar in seiner Rede einen sehr kreativen Umgang mit einem „Kriegerdenkmal“ aus dem Jahre 1936 vor und stellt diesen in den Zusammenhang des Ortes Kalkar, der das das „Zentrum Luftoperationen“ der NATO beherbergt, wo durch Klassenführungen, Praktikumsplätze für 15jährige Schülerinnen und Schüler sowie Projektwochen der Städtischen Realschule junge Menschen „für einen Beruf geködert werden, der das Töten anderer Menschen beinhaltet“ und wo auf dem mittelalterlichen Marktplatz mit einem großen Zapfenstreich ein Drei-Sterne-General verabschiedet wurde, der nun für die AfD in Hannover als Oberbürgermeister kandidiert.

Das Nazi-Denkmal Kalkar, das „Kriegerdenkmal“, ist vom zentralen Kreisverkehr in Kalkar deutlich sichtbar und steht in einer öffentlichen Parkanlagen. In der Nazi-Zeit im Jahre 1936 errichtet erinnert es mit der Aufschrift „Unsere Helden 1914-1918“ an die Toten des Ersten Weltkriegs, erst Anfang der 1980er Jahre wurden die Jahreszahlen des Zweiten Weltkriegs, 1939-1945, ergänzt. Über dem 4 Meter langen und 1,25 Meter hohen Quader „hockt ein martialischer deutscher Adler auf einem Schwert.“ Auf der Rückseite befindet sich folgender Text: „Mögen Jahrtausende vergehen, man wird nie von Heldentum reden können ohne des deutschen Soldaten im Weltkrieg zu gedenken“. Es handelt sich um ein Zitat aus Adolf Hitlers „Mein Kampf“, was bei der Errichtung des Denkmals sicherlich beabsichtigt war und spätestens seit 2014 (wieder) bekannt ist.

Wir können davon ausgehen, dass die Errichtung des Denkmals an die Toten des Ersten Weltkriegs während der Nazi-Zeit mit seiner Verherrlichung soldatischen Heldentums wie in Gelsenkirchen und anderen Städten auch zur ideologischen Kriegsvorbereitung auf den Zweiten Weltkrieg diente. Krieg und Faschismus sind in diesen Denkmälern eins. Porwol führt weiter aus, dass die Ehrung der gefallenen Soldaten beider Weltkriege als „Helden“ nicht nur eine Verhöhnung der Opfer, sondern „auch eine Glorifizierung des verbrecherischen Vernichtungskrieges der deutschen Wehrmacht“ bedeute. Nachdem trotz Beschäftigung durch den Kalkarer Stadtrat in den Jahren 2015 und 2016 nichts passierte, schritt er selbst zur Tat.

Kreativer Umgang mit einem Nazi-Denkmal in Kalkar (Foto: Wilfried Porwol, Kleve).

In seiner Rede berichtet er wie folgt:
„Das Ding stand weiterhin da als Monument des Militarismus. Eine nicht weiter hinzunehmende und meines Erachtens strafbare Duldung nationalsozialistischer Kriegsverherrlichung durch die Stadt Kalkar und für mich als Pazifist und Künstler eine Herausforderung an meine Kreativität.

In den Morgenstunden des 27. Juli, einem Samstag, war es dann soweit. Mit mehreren Farbspraydosen bewaffnet begann ich das Nazi-Monument zu einem Friedensmahnmal umzugestalten. So prangte jetzt vorne auf dem Quader zentral über dem reliefartigen Schriftzug ‚Unseren Helden‘ das Peace-Zeichen und rechts und links davon der zeitlose Slogan der Antikriegsbewegung ‚MAKE LOVE – NOT WAR‘. Auf das Schwert sprayte ich die naheliegende biblische Forderung: ‚Schwerter zu Pflugscharen‘ und darunter die aktuelle Forderung: ‚Abrüsten statt Aufrüsten‘. Über der Rückseite prangte nun in ganzer Breite: ‚NIE WIEDER FASCHISMUS – NIE WIEDER KRIEG‘. Den Adler begann ich farblich in den Regenbogenfarben umzugestalten.

Doch nach eineinhalb Stunden war erst mal Schluss. Die Polizei kam und machte, was sie wohl für ihre Pflicht hielt: sie beschlagnahmte meine Ausrüstung und stellte Anzeige wegen des Verdachtes auf Sachbeschädigung. Für mich ein ein kalkuliertes Risiko, keineswegs abschreckend. Doch die farbliche Verfremdung des Adlers blieb unvollständig. Von den sieben Regenbogenfarben fehlten noch drei.

Kreativer Umgang mit einem Nazi-Denkmal in Kalkar (Foto: Wilfried Porwol, Kleve).

Mit ein paar neuen Spraydosen wollte ich dann meine Arbeit an der Farbgestaltung des Adlers im Morgengrauen des nächsten Tages zu Ende führen. Ich traute meinen Augen kaum. Das Nazi-Denkmal war noch am Samstag ‚gereinigt‘ worden. Auf Anweisung der Bürgermeisterin wurden weder Kosten noch Mühen gespart, um noch am gleichen Tag – trotz Wochenende – das unsägliche Monstrum wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen. Diese erneuerte Glorifizierung soldatischen Heldentums war allerdings nur von kurzer Dauer. Unbekannte Menschen hatten erfreulicherweise meine Gestaltungsanregungen aufgenommen und spontan noch am Sonntag Vormittag das Nazi-Kriegerdenkmal wieder mit Friedensbotschaften versehen.

Das Presseecho war groß und überwiegend positiv, der WDR berichtete in der Aktuellen Stunde darüber. Die Stadt Kalkar kam in Erklärungsnot, weswegen sie das Nazi-Monument ohne sichtbare Distanzierung unverändert Jahre lang stehen ließ. Erst vor 4 Wochen wurde das Ding wieder gereinigt, doch am 26. September wurde das kriegsverherrlichende Monstrum nach Jahren wieder zum Thema in der Stadtratssitzung in Kalkar. Es sollen – so der Beschluss – möglichst bald erklärende Tafeln angebracht werden. Wir werden sehen, und falls notwendig gibt es sicherlich kreative Menschen …“

Quelle

Antikriegstag in Stukenbrock 2019

Mahn- und Gedenkveranstaltung zum Antikriegstag in Stukenbrock 2019.

Seit 1967 wird in Stukenbrock auf dem Sowjetischen Soldatenfriedhof durch den Arbeitskreis „Blumen für Stukenbrock“ den hier bestatteten sowjetischen Kriegsgefangenen gedacht. Die Überlebenden, die nicht von den Nazis durch Hunger und Arbeit ermordet worden waren, hatten unmittelbar nach der Befreiung einen Obelisken errichtet, der in kastrierter Form noch heute steht. Hier fand am 7. September 2019 die jährliche Mahn- und Gedenkveranstaltung zum Antikriegstag statt.

Mit einer kleinen Gruppe Gelsenkirchener VVN-BdA-Mitgliedern fuhren wir an diesem Sonnabend nach Schloß Holte-Stukenbrock. Ein betagtes Gründungsmitglied des Arbeitskreises „Blumen für Stukenbrock“, das seit 1967 dabei ist, führte uns über den Friedhof und berichtete von der Situation der Gefangenen im Lager, von der Gestaltung des Friedhofgeländes und deren Umgestaltung im Laufe der Zeit sowie vom unwürdigen Umgang mit der Erinnerung.

Gut besuchte Mahn- und Gedenkveranstaltung zum Antikriegstag in Stukenbrock 2019.

Mit etwa 400-500 Besuchern war die Gedenkveranstaltung gut besucht. Eine persönlich gehaltene Ansprache hielt der Schauspieler Rolf Becker, mir besonders in Erinnerung geblieben ist der Chor des Antifa-Workcamps, der eine bemerkenswerte Performance von Wolfgang Borcherts „Sag Nein“ vorlegte und zum Schluss mit uns gemeinsam das italienische Partisanenlied „Bella Ciao“ sang. Sehr kämpferisch war auch der Redebeitrag aus dem Workcamp. Die Mahn- und Gedenkveranstaltung erinnerte nicht nur an die Geschichte, sondern warnte vor ihrem Hintergrund vor den aktuellen Entwicklungen in der Gegenwart.

Antifa-Jugendcamp singt auf der Mahn- und Gedenkveranstaltung zum Antikriegstag 2019 in Stukenbrock.

80 Jahre ist es her, seit Nazi-Deutschland am 1. September 1939 mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg entfesselte. Es folgte am 22. Juni 1941 mit dem Überfall auf die Sowjetunion ein beispielloser Vernichtungskrieg gegen die Bevölkerung. 27 Millionen Menschen der Sowjetunion verloren dabei ihr Leben, darunter 14 Millionen Zivilisten. Von den 5,7 Millionen Soldaten der Sowjetunion starben in deutscher Kriegsgefangenschaft 3,3 Millionen, nach den ermordeten Juden die zweitgrößte Gruppe. Ihr Tod war geplant und wurde durch Hunger, Vernichtung durch Arbeit und Terror systematisch organisiert. Zu ihnen gehören auch die 65.000 ermordeten sowjetischen Kriegsgefangenen in Stukenbrock.

Das Gefangenenlager der Wehrmacht mit der Bezeichnung STALAG 326 VI/K wurde bereits unmittelbar nach dem Überfall auf die Sowjetunion 1941 mit Kriegsgefangenen belegt. Die Genfer Konvention über die Behandlung von Kriegsgefangenen fand nach dem Willen der Nazis keine Anwendung. Die ersten 7.000 mussten auf einem eingezäunten Gelände in selbsterrichteten Erdhöhlen unter freiem Himmel hausen. Erschöpfung und Unterernährung führten dazu, dass Tausende bereits in den ersten Wochen starben. Die Lebenden wurden zu Zwangsarbeit in der Umgebung und der Industrie des Ruhrgebietes gepresst. Zwischen 1941 und 1945 gingen etwa 300.000 sowjetische Kriegsgefangene durch das Lager. Zum Zeitpunkt der Befreiung befanden sich etwa 10.000 Gefangene im Lager, darunter 1.400 Schwerkranke.

Einer der erhaltenen Gedenksteine auf dem Sowjetischen Soldatenfriedhof Stukenbrock.

Bereits kurz nach ihrer Befreiung am 2. April 1945 durch die US-Army gestalteten die Überlebenden den Friedhof mit Gedenksteinen für die 36 Massengräber und errichteten einen 10 Meter hohen Obelisken. Doch schon in den 1950er und 1960er Jahren – Kalter Krieg und Antikommunismus herrschten – wurde der Obelisk kastriert und der Friedhof zu einer Parklandschaft umgestaltet. Die überlebenden sowjetischen Kriegsgefangenen hatten eine Glasplastik in Form einer roten Fahne mit Hammer und Sichel, der Fahne der Sowjetunion, an seiner Spitze angebracht. Diese wurde durch ein orthodoxes Kreuz ersetzt. 2004 schien es, als könnte die ursprüngliche Gestaltung wiederhergestellt werden, doch einen Regierungswechsel später kippte die neue Landesregierung den Beschluss wieder. Die rote Fahne als Symbol für die hier ermordeten Soldaten der Sowjetunion bleibt weiterhin ein Tabu.

Gedenkveranstaltung am 2. Mai 1945 anlässlich der Fertigstellung des Denkmals.

Mit Informationen des Arbeitskreises Blumen für Stukenbrock e.V.

Literaturhinweis
Seichter, Carsten: Nach der Befreiung. Die Nachkriegs- und Rezeptionsgeschichte des Kriegsgefangenenlagers Stukenbrock. Köln 2006 = Hochschulschriften 66.
Die Magisterarbeit untersucht den Umgang mit der Geschichte des Lagers seit 1945.

Antikriegstag in Gelsenkirchen 2019 – 80 Jahre nach Entfesselung des Zweiten Weltkrieges (mit Update)

Aus Anlass des Antikriegstages ruft der Deutsche Gewerkschaftsbund dazu auf, sich für Frieden und Abrüstung einzusetzen und die Friedensinitiative „Abrüsten statt Aufrüsten“ zu unterstützen. In Gelsenkirchen lädt die DGB-Jugend Emscher-Lippe zur Kundgebung auf dem Platz der Alten Synagoge ein. Zwei weitere Veranstaltungen finden am 1. September auf dem Westfriedhof und am 2. September auf dem Neumarkt statt. Der Antikriegstag erinnert in jedem Jahr an die Entfesselung des Zweiten Weltkrieges durch Nazi-Deutschland am 1. September 1939 und ruft dazu auf, sich auch in der Gegenwart für den Frieden einzusetzen.

In seiner Erklärung ruft der Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes nicht nur dazu auf, sich für Frieden und Abrüstung einzusetzen, sondern spannt einen weiten Bogen zum Einsatz für soziale Sicherheit und gegen Rechtsextremismus. Die Bundesregierung wird konkret aufgefordert, statt „mit Unsummen das Wettrüsten anzuheizen, (…) die dafür vorgesehenen Mittel in ein sozial gerechtes Deutschland und Europa mit nachhaltigen Zukunftsperspektiven zu investieren. Soziale Gerechtigkeit und sichere Zukunftsperspektiven für alle – das ist zugleich die wirksamste Antwort auf die Spaltungs- und Ausgrenzungsparolen von Rechtsextremisten und Rechtspopulisten.“ Der DGB weist darauf hin, dass weltweit die Feinde der Demokratie auf dem Vormarsch sind. „Sie instrumentalisieren die tiefe Verunsicherung, die das Gefühl bei vielen Menschen auslöst, in einer Welt zu leben, die völlig aus den Fugen geraten ist.“ Diese Probleme, so der DGB weiter, lassen sich „nur mit weniger statt mit mehr Waffen lösen.“ Der DGB ruft dazu auf, den Aufruf der Friedensinitiative „Abrüsten statt Aufrüsten“, der sich gegen das Zwei-Prozent-Ziel der NATO wendet und bereits von mehr als 150.000 Menschen unterschrieben, zu unterzeichnen und sich an den Friedensaktivitäten zu beteiligen. (Die vollständige, lesenswerte Erklärung ist hier nachzulesen.)

In Gelsenkirchen lädt die DGB-Jugend Emscher-Lippe am Freitag, dem 30. August 2019 von 16.00 bis 17.30 Uhr zu einer Kundgebung auf dem Platz der Alten Synagoge, Georgstraße 2 in 45879 Gelsenkirchen ein.

Auf Facebook ruft die DGB-Jugend mit folgender Erklärung auf: „Demokratie, Frieden und Freiheit sind nicht selbstverständlich, sondern müssen entschlossen verteidigt werden – gerade jetzt. Denn während die Atommächte ihre Nuklearwaffen modernisieren, steigen die USA aus wichtigen friedenssichernden Verträgen mit Iran und Russland aus. Darum ist unser gewerkschaftlicher Einsatz für eine starke Friedensbewegung aktuell besonders gefordert.
Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus! Das sind seit 1957 die Antworten der Gewerkschaften auf das menschliche Leid, das Nazi-Deutschland über die Welt gebracht hat. Am 1. September 2019 jähren sich der Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen und damit der Beginn des Zweiten Weltkriegs zum achtzigsten Mal. Daran erinnert der DGB anlässlich des Antikriegstages und setzt ein Zeichen für Frieden und Abrüstung.

Setz auch Du ein Zeichen.
Komm zum Antikriegstag!“

Grabstätten für Gefallene des Ersten Weltkriegs auf dem Westfriedhof in Gelsenkirchen-Heßler. Die Kreuze im Hintergrund erinnern an die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges. (Foto aus 2016)

Dreimal Antikriegstag in Gelsenkirchen

In diesem Jahr finden drei Veranstaltungen zum Antikriegstag statt. Neben der oben genannten der DGB-Jugend kündigten WAZ und Stadtspiegel für den 1. September ab 14 Uhr eine Gedenkstunde des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge auf dem Westfriedhof in Gelsenkirchen-Heßler in Kooperation mit der Gesamtschule Berger Feld und dem Institut für Stadtgeschichte an. Dort ruhen insgesamt 1143 Tote aus beiden Weltkriegen. darunter, wie die WAZ schreibt auch „zivile Bombenopfer, ausländische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, deutsche Soldaten und ausländische Kriegsgefangene, Opfer der ‚Euthanasie‘ und der Konzentrationslager sowie Opfer des Widerstandes.“ Im Rahmen der Gedenkstunde präsentiert der Volksbund eine Informationstafel für die fünf Kriegsgräberstätten. Schülerinnen und Schüler führen die Gäste zu den Kriegstoten und erläutern historische Hintergründe.

„Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker!“

Die dritte Veranstaltung aus diesem Anlass findet am Montag, dem 2. September ab 17.15 Uhr auf dem Neumarkt statt. Veranstalter ist das Gelsenkirchener Bündnis gegen Krieg und Faschismus, das seit 2011 Kundgebungen zum Antikriegstag durchführt. In einem bemerkenswert kurzen und prägnanten Aufruf warnt das Bündnis angesichts aktueller Kriegsvorbereitungen auch der Bundeswehr vor der Gefahr eines 3. Weltkrieges und sieht die USA als Hauptkriegstreiberin. Die Forderungen wenden sich gegen Massenvernichtungswaffen, Auslandseinsätze der Bundeswehr und Rüstungsexporte, gefordert wird eine Umwidmung der Rüstungs-Milliarden für soziale Aufgaben, Klima- und Umweltschutz sowie ein Verbot aller faschistischer Organisationen und ihrer Propaganda. Konkret stellt sich das Bündnis gegen den drohenden Angriff des NATO-Partners Türkei in Nordsyrien und ruft mit einem Zitat Che Guevaras „Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker“ zu Frieden, Völkerfreundschaft und internationale Solidarität auf. Die Unterstützerinnen und Unterstützer finden sich aus den Reihen der drei linken Parteien in Gelsenkirchen und ihnen nahestehenden Organisationen.

Mit Ergänzungen vom 31.08.2019. In der ursprünglichen Fassung des Artikels wurde nur auf die Kundgebung der DGB-Jugend hingewiesen.

Eindrücke vom Ostermarsch Rhein Ruhr 2019

Der Ostermarsch Rhein Ruhr am Ostermontag auf dem Weg von Dortmund-Dorstfeld in den Dortmunder Norden.

„Abrüsten statt Aufrüsten! Verbot der Atomwaffen! Für ein Europa des Friedens!“ sind kurzgefasst die Forderungen des diesjährigen Ostermarsches. Wie schon in den Jahren zuvor fanden an drei Tagen von Ostersamstag bis Ostermontag Kundgebungen und Demonstrationszüge im Ruhrgebiet und im Rheinland statt. Zum ersten Mal war ich an allen drei Tagen dabei.

Nach dem regnerischen Wetter in den letzten Jahren schien über dem diesjährigen Ostermarsch die Sonne. Die Auftaktveranstaltung am Samstag, 20.04.2019 in Duisburg war mit zwei- bis dreihundert Menschen gut besucht. Beeindruckend fand ich das Allerwelt-Ensemble, ein Chor, der in einer Turnhalle, einer Flüchtlingsunterkunft, gegründet worden war und uns mit wundervoller Musik verwöhnte.

Auftaktveranstaltung am Ostersamstag in Duisburg mit dem Allerwelt-Ensemble.

Von den verschiedenen Rednern ist mir die Aussage eines 27-jährigen Redners im Gedächtnis geblieben, der über die Normalität Europas für die jungen Leute heute berichtete, wie einfach man Grenzen überschreiten kann und das Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges keinen Krieg mehr gesehen habe. In Bezug auf die Europäische Union hat er sicherlich Recht, doch verwechselte er offenbar die Europäische Union mit dem Kontinent Europa und vergaß den völkerrechtswidrigen Angriff der NATO auf Rest-Jugoslawien 1999.

Marco Bülow, aus der SPD ausgetretener Bundestagsabgeordneter, kritisierte sehr deutlich die Rüstungspolitik der „großen“ Koalition, die der Grund für seinen Austritt war. Moderiert wurde die Kundgebung von Shabnam Shariatpanaki.

Eines der vielen Aussagen aus dem Ostermarsch, hier vom ersten Tag in Duisburg (und Düsseldorf).

Der anschließende Demonstrationszug ging über die Friedrich-Wilhelm-Straße zum Duisburger Hauptbahnhof, wo an die Deportationen in der Nazi-Zeit erinnert wurde und, wie schon während der Auftaktveranstaltung, auf die Aktivitäten der verschiedenen Bündnisse hingewiesen wurde, die sich dem Aufmarsch der „Die Rechte“ am 1. Mai in Duisburg entgegenstellen.

Ein weiterer und geradezu klassischer Slogan vom Ostermarsch in Düsseldorf.

Von dort aus ging es mit dem Zug nach Düsseldorf, wo sich neben den Düsseldorfern auch Kundgebungsteilnehmer aus Köln und Duisburg am DGB-Haus versammelten. Der Demonstrationszug mit rund 1000 Friedensdemonstranten führte durch die Düsseldorfer Innenstadt zum Marktplatz. Das schöne Wetter hatte viele Menschen auf die Straßen gelockt, so dass unsere Demonstration eine große Aufmerksamkeit erweckte.

Der Fahrradkorso sammelt sich am Ostersonntag auf dem Willy-Brandt-Platz in Essen.

Am Ostersonntag führte traditionell die Fahrradetappe von Essen über Gelsenkirchen, Wattenscheid und Herne nach Bochum. Auch diese war – sicherlich nicht zuletzt aufgrund des herrlichen Wetters – gut besucht. Nach der Auftaktkundgebung auf dem Willy-Brandt-Platz ging es mit einem beeindruckenden Fahrradkorso erst nach Gelsenkirchen, zur ebenfalls schon traditionellen ersten Zwischenkundgebung im Stadtgarten mit Kaffee und Kuchen und einer Rede von Gottfried Clever vor dem Mahnmal für die Opfer des Faschismus.

Erholung im Grünen beim traditionellen Zwischenhalt im Stadtgarten Gelsenkirchen.

Die Fahrt ging dann weiter nach Bochum-Wattenscheid zur Friedenskirche am August-Bebel-Platz. Das es viel mehr Ostermarschierer als in den letzten Jahren waren, konnte man nicht zuletzt daran merken, dass die Stärkung mit Kartoffelsuppe und Bockwurst nicht für alle reichte.

Zwischenhalt in Bochum-Wattenscheid an der Friedenskirche/August-Bebel-Platz.

Die längste Strecke war nach Herne in das AWO-Familienzentrum zu bewältigen. Den Abschluss fand der Tag schließlich bei ver.di in Bochum mit einer Veranstaltung „Gefährliche Fluchtwege und Migrationsbekämpfung in Westafrika“ mit einem sehr interessanten Referat über die Art der Einflussnahme der Europäischen Union in Afrika zur militärischen Aufrüstung und Migrationsbekämpfung in den Staaten Afrikas. Mohamed Bangoura trug die Sichtweise der einheimischen Bevölkerung bei und berichtete über seine Flucht über Libyen nach Europa.

Blick in den Düsseldorfer Demonstrationszug am Ostersamstag.

Erfreulich war die Begrüßung an den Zwischenhalten mit Verpflegung und wechselndem Kulturprogramm. Auch erinnerte mich die Atmosphäre während des Fahrradkorsos an den Ostermarsch Ruhr in den 1980er Jahren während der Nachrüstungsdebatte. Damals zogen Tausende an drei Tagen von Duisburg nach Dortmund. Den damaligen Rüstungswettlauf zwischen NATO und Warschauer Pakt hatte der INF-Vertrag beendet, ein Vertrag über die Begrenzung strategischer Mittelstreckenraketen. Genau dieser Vertrag wird aktuell durch die USA in Frage gestellt, die Russland vorwerfen, sich nicht mehr an ihn zu halten.

Auf dem Wilhelmplatz in Dortmund-Dorstfeld am Ostermontag.

Am Ostermontag begann der Ostermarsch nicht wie in den Vorjahren in Bochum-Werne, sondern in Dortmund-Dorstfeld. Dorstfeld ist ein Schwerpunkt der rechtsextremen Szene im Ruhrgebiet. Ein paar Rechtsextremisten zeigten sich auf der anderen Straßenseite, doch wir waren erkennbar viel mehr. Nach einem Friedensgottesdienst – fast alle sangen dabei „We shall overcome“ mit, sprach unter anderem Ulrich Schneider, Generalsekretär der FIR, der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer. Er sprach sich insbesondere für eine europäische Vernetzung der Initiativen gegen Rechts aus.

Der Ostermarsch am Ostermontag auf dem Weg in die Dortmunder Innenstadt.

Der Ostermarsch machte an diesem Tag seinem Namen alle Ehre. Zu Fuß ging es durch Dortmund zum Friedensplatz mit einer Zwischenkundgebung und von dort aus weiter in die Duisburger Nordstadt, wo im Wichernhaus das traditionelle Abschluss-Friedensfest stattfand. Dort konnte man sich erneut stärken und Leute wiedertreffen, die man länger nicht gesehen hatte. Letzteres war schon immer ein wichtiger Aspekt des Ostermarsches, der seine Wirkung nicht nur nach außen, sondern auch nach innen entfaltet. Und das in jedem Jahr.

Am Ostersamstag in Duisburg während der Auftaktveranstaltung.

Ostermarsch – Der Klassiker der Friedensbewegung

Aus dem Archiv der VVN-BdA Gelsenkirchen: Ostermarsch-Aufruf im Wandel der Zeit. Gelsenkirchener Beispiele aus den beiden Hochzeiten der Ostermärsche 1967 und 1983.

Der Ursprung der Ostermarsch-Idee liegt in Großbritannien. Britische Atomwaffengegner organisierten 1958 einen Marsch von London zum britischen Atomforschungszentrum Aldermaston, um gegen die nukleare Aufrüstung zu protestieren. In der alten Bundesrepublik wurde diese Protestform ab 1960 übernommen, zunächst um gegen die atomare Bewaffnung der Bundeswehr durch sogenannte „taktische Atomwaffen“ zu demonstrieren. Waffen, die der damalige christdemokratische Bundeskanzler Adenauer als Fortentwicklung der Artillerie verharmloste. Bis in die Gegenwart haben sich die Ostermärsche als wichtige Protestform der Friedensbewegung erhalten.

Aus der Ostermarschbewegung wurde im Verlauf der 1960er Jahre eine Massenbewegung und als Kampagne für Demokratie und Abrüstung wurde sie ein Teil der Außerparlamentarischen Opposition gegen die Notstandsgesetzgebung der damaligen großen Koalition. Von etwa 1.000 Ostermarschierern 1960 stieg ihre Zahl in der alten Bundesrepublik auf über 300.000 im Jahre 1968. Die Entspannungspolitik in den 1970er Jahren führten zu einem Abflauen des Interesses an den Ostermärschen, die mit nur noch kleinen Teilnehmerzahlen weitergeführt wurden.

Einen neuen Höhepunkt erreichten die Ostermärsche erst wieder mit dem Aufschwung der Friedensbewegung Anfang der 1980er Jahre. Aufgrund des NATO-Doppelbeschlusses, der ab 1984 zu einer tatsächlichen Stationierung neuer Atomraketen führte, fühlten sich mehr Bundesbürger als je zuvor von der atomaren Hochrüstung der beiden damaligen Supermächte USA und UdSSR bedroht und gingen auf die Straße. In der Friedensbewegung wurden vielfältige Aktionsformen entwickelt, zu denen gewaltfreie Sitzblockaden, Menschenketten und Rüstungssteuerverweigerungen zählten.

3 Tage für den Frieden

Der Ostermarsch Ruhr war in den frühen 1980er Jahren eine Demonstration von Tausenden von Teilnehmern, die von Ostersamstag bis Ostermontag von Duisburg nach Dortmund zogen. Groß, mächtig und bunt glich er an einigen Stellen schon fast einem Karnevalsumzug – was die Farbe und Fröhlichkeit der Teilnehmer betraf. In Transparenten, Wagen, Sprechchören und Flugblättern spiegelte er die Vielseitigkeit der damaligen Friedensbewegung wieder. Klassiker in Gelsenkirchen war die Kundgebung auf dem Rotthauser Markt, sowie in (Bochum-) Wattenscheid der Zwischenstopp auf dem Gertrudisplatz, bevor es weiter bis Bochum ging.

Schien mit dem Ende der Blockkonfrontation zwischen der Sowjetunion und den USA zunächst eine friedliche Zukunft möglich geworden, so zeigt die tatsächliche Politik jenseits aller Versprechungen, dass dem nicht so ist. Seit dem Ende der Sowjetunion ist die Welt unsicherer geworden und haben Krieg und Zerstörung weltweit zugenommen. Und 80 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkrieges scheint mit der Infragestellung des 1987 geschlossenen INF-Vertrages zur Rüstungsbegrenzung durch Trumps USA ein großer Krieg in Europa wieder möglich zu werden. Ein erneutes atomares Wettrüsten erhöht die Gefahr einer Eskalation bis hin zum nuklearen Inferno. Auch darum setzt die Friedensbewegung die Ostermärsche im 59. Jahr fort.

Mehr zur Geschichte der Ostermarschbewegung hier.

Infostand zum Ostermarsch 2019

Werbung für den Ostermarsch 2019 neben dem Imfostand.

Auch ein jährlich wiederkehrender Termin kann seine Überraschungen bieten. Seit einigen Jahren führen wir vor dem Ostermarsch Rhein Ruhr einen Infostand in der Gelsenkirchener City durch, so auch in diesem Jahr.

Nachdem wir aufgrund anderer Veranstaltungen, wie in diesem Jahr der Garten- und Blumenmarkt, unseren Infostand nicht mehr auf dem Neumarkt aufbauen konnten, waren wir in den vergangenen Jahren zum Heinrich-König-Platz gewechselt, wo wir uns vor der evangelischen Altstadtkirche präsentierten. In diesem Jahr nutzten wir das Ende der Fußgängerzone in der Hauptstraße, an der Ecke zur Gildenstraße und in Sichtweite zum Margarete-Zingler-Platz, um unsere Informationen über den Ostermarsch Rhein Ruhr 2019 zu verteilen.

Anders als in den letzten Jahren waren zwei der Hauptorganisatoren dieses Mal nicht dabei, doch umso erfreulicher war der Umstand, dass wir mit insgesamt 10 aktiven Leuten nicht nur Informationen über den Ostermarsch verteilen und Gespräche führen konnten, sondern auch noch Unterschriften für die Kampagne „Abrüsten statt Aufrüsten“ sammeln konnten. So viel Solidarität hatten wir nicht erwartet und uns umso mehr darüber gefreut.

Infomaterial zum Ostermarsch 2019 auf unserem Infotisch.

Die Gesprächsatmosphäre war sehr entspannt und es ist immer wieder erstaunlich, welche Bekannten man bei der Gelegenheit wiedertrifft. Bald hatten wir unser Material verteilt und räumten wieder alles zusammen. Im Anschluss besuchten wir noch das Altstadtcafé und unterhielten uns noch lange bei Kaffee und Kuchen über Gott und die Welt. Wie wir feststellten, etwas, das wir viel zu selten unternehmen.

Ostermarsch in Gelsenkirchen – bei jedem Wetter

Der Ostermarsch kommt bei jedem Wetter: hier 2018 bei Regen …

Kurz vor den Europawahlen setzt die Friedensbewegung Akzente für Frieden und Abrüstung. Der Ostermarsch lädt alle Menschen an Rhein und Ruhr ein, vom 20. bis 22. April 2019 für den Frieden zu demonstrieren. Wir wollen Abrüstung statt Aufrüstung, das Verbot der Atomwaffen und ein Europa des Friedens! In Gelsenkirchen kommt der Ostermarsch am Ostersonntag an – wie in jedem Jahr bei jedem Wetter!

Wie in jedem Jahr empfängt das Friedensforum Gelsenkirchen auch an diesem Ostersonntag, dem 21. April 2019, den Ostermarsch Rhein Ruhr. Im Stadtgarten Gelsenkirchen wird der aus Essen kommende Ostermarsch-Fahrradkorso ab 11 Uhr am Musikpavillon mit Infos, Kaffee und Kuchen begrüßt. Um 11.40 Uhr spricht am geschmückten antifaschistischen Mahnmal der Bergmann und Theologe Gottfried Clever vom Friedensforum Gelsenkirchen zum Thema „Frieden durch massive Aufrüstung?“ Dazu spielt der Gelsenkirchener Musiker Norbert Labatzki.

Wir sind überzeugt: Militär löst keine Probleme, eine andere Politik muss her. Darum rufen wir wie in jedem Jahr dazu auf, über Ostern gemeinsam gegen Aufrüstung und Kriegspolitik, für Abrüstung, Entspannung, eine europäische Friedensordnung und zivile Konfliktlösungen zu demonstrieren! Seid dabei!

… und hier der Fahrradkorso 2014 bei Sonnenschein.

Bereits an diesem Samstag, dem 6. April 2019, wird das Friedensforum Gelsenkirchen mit einem Infostand auf der Hauptstraße, Nähe Margarete-Zingler-Platz, über den Ostermarsch informieren – auch wie in jedem Jahr :-).