Archiv für den Monat Januar 2017

Versagt vor der Geschichte – Zum NPD-Verbotsurteil

Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!

Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!

An allen Gedenktagen an die Opfer des NS-Regimes, so sicher auch am bevorstehenden 27. Januar, werden von den politisch Verantwortlichen in Deutschland Reden gehalten in denen man die Verbrechen des deutschen Faschismus benennt und ein „Nie wieder!“ verspricht.

Aber wenn es darauf ankommt, die Konsequenzen aus den Millionen Opfern dieses verbrecherischen Regimes zu ziehen und zwar die allereinfachste und naheliegendste, nämlich dass die dafür verantwortlichen politischen Kräfte nie Gelegenheit erhalten dürfen einen erneuten Anlauf zur Errichtung eines ähnlichen menschenfeindlichen Regimes zu errichten, wird versagt.

Es wird aber nicht einfach aus Unvermögen, sondern, wenn man das Anti-Verbots- Trommelfeuer der letzten Monate in Politik und Medien betrachtet, es wird vorsätzlich versagt.

Eine neo-nationalsozialistische Partei soll es in Deutschland geben dürfen, das ist die Quintessenz all dieser Aktivitäten.

Zu den historischen Verbrechen des deutschen Faschismus gehören auch die knapp 200 Toten seit 1990 und die rassistischen Mobilisierungen der letzten zwei Jahre bei denen die NPD eine wesentliche Rolle gespielt hat. Sie hat Strukturen, Ideologie und hasserfüllte Parolen zur Verfügung gestellt, was sogar noch aus Steuermitteln finanziert wird. Das macht deutlich, dass von der NPD Gefahr ausgeht unabhängig davon, ob sie in Parlamenten sitzt oder nicht.

Außerdem wurde vorsätzlich darauf verzichtet, dem völkischen Nationalismus wie er auch durch die AfD vertreten wird, einen Riegel vorzuschieben.

Dazu sagen wir Nein: Faschismus gehört verboten, weil er keine Meinung ist, sondern ein Verbrechen. Die NPD hat, ebenso wie andere faschistische Gruppierungen keinen Anspruch auf Legalität.

An dieser Lehre der Geschichte halten wir fest.

Cornelia Kerth
Bundesvorsitzende der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten
Karlsruhe, 17.01.17

Quelle: http://vvn-bda.de/versagt-vor-der-geschichte-zum-npd-verbotsurteil/

„Auschwitz als Steinbruch“ als Steinbruch

auschwitz-als-steinbruch-von-thomas-willmsFür jemanden, der sich bislang mehr mit der pädagogischen Arbeit in Gedenkstätten an die Nazi-Verbrechen beschäftigt hat, bringt Thomas Willms in seiner Veröffentlichung „Auschwitz als Steinbruch“ eine interessante Sichtweise ein. In der Einleitung „Geschichtsbilder auf dem Markt“ weist er darauf hin, dass „das Geschichtsbild nicht vom Staat bestimmt, sondern auf dem Markt erhandelt“ wird. Die Waren und Dienstleistungen, die auf diesem „Nazi- und Weltkriegsmarkt“ umgesetzt werden, seien allerdings nicht ideologiefrei, sondern aufgeladen mit Versatzstücken, Anschauungen, Interpretationen und Anspielungen.

Das 135 Seiten starke Bändchen versammelt „ohne Anspruch auf Vollständigkeit“ Texte zu verschiedenen Aspekten einer Entwicklung, in der „nachempfundene, nachgespielte, erfundene, interpretierte und entkontextualisierte Texte, Bücher, Bilder und Filmclips in Konkurrenz zu wissenschaftlichen, pädagogischen und politischen Darstellungen treten.“ Dies tut der Autor, nach einer Überblicksdarstellung zur Erinnerungskultur, mit länderspezifischen Schwerpunkten. Es folgen Kapitel, die ein breites Themenfeld mit vielen interessanten Einzelaspekten aus Italien, Deutschland, Frankreich, Polen, Großbritannien und den USA umfassen. Sie reichen von der Entstehung der faschistischen Bewegung im Ersten Weltkrieg in Italien bis zur US-amerikanischen „Terminator“-Filmreihe.

Doch so lesenswert jeder einzelne der Beiträge (auch unabhängig von den anderen Beiträgen) ist, lässt Thomas Willms den geneigten Leser am Ende ratlos mit einem Steinbruch an Artikeln zurück. Obwohl er einleitend schreibt, dass die Texte des Bandes den Leserinnen und Lesern pessimistisch vorkommen könnten, aber nicht so gemeint seien, bleibt genau dieser Eindruck am Ende übrig. Nachdem ich das Buch von vorne bis hinten gelesen habe, fehlt mir am Ende des Bandes ein Kapitel, das zusammenfasst und ermutigend in die Zukunft weist. Bestimmt lässt sich dieses Manko in einer 2. Auflage mit Beispielen aus kulturellen und medialen Aktivitäten der VVN-BdA beheben.

Willms, Thomas: Auschwitz als Steinbruch. Was von den NS-Verbrechen bleibt, Köln : PapyRossa Verlag 2016 (Neue Kleine Bibliothek 236)