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Gedenken an Zwangsarbeiter auf dem Rotthauser Friedhof

Klaus Brandt erinnert auf dem Rotthauser Friedhof an 18 Zwangsarbeiter

Klaus Brandt erinnert auf dem Rotthauser Friedhof an 18 Zwangsarbeiter.

Ein Blumengebinde für die 17 ukrainischen und einen Kranz für den polnischen Zwangsarbeiter legte Klaus Brandt heute auf der Grabstelle mit der unbeschriftet gebliebenen Grabplatte nieder.

Während am Denkmal für das Grubenunglück vom 23. August 1943 der offizielle Kranz der Dahlbusch-Nachfolgegesellschaft lag, erinnerten Klaus Brandt und sieben weitere Besucher, darunter auch zwei Nachkommen der 34 insgesamt verunglückten Bergleute, am Jahrestag des Grubenunglücks namentlich an die bei dem Unglück umgekommenen 18 Zwangsarbeiter.

Klaus Brandt erneuert damit seine Kritik, dass die Gestaltung des Denkmals die Zwangsarbeiter unterschlägt. Symbolisch wurden sie heute dem Vergessen entrissen.

Namentliches Gedenken an die unterschlagenen Zwangsarbeiter auf dem Rotthauser Friedhof.

Namentliches Gedenken an die unterschlagenen Zwangsarbeiter auf dem Rotthauser Friedhof.

„Den Nazis waren sie Untermenschen“

Was wäre Gelsenkirchen ohne seine unermüdlichen Einzelkämpfer? Der Gelsenkirchener Sozialdemokrat Klaus Brandt lädt für Dienstag, dem 23. August 2016 um 18 Uhr auf den Rotthauser Friedhof ein. Am Jahrestag des Grubenunglücks von 1943 auf der Zeche Dahlbusch wird er an der Grabstätte ein Blumengebinde niederlegen, welches auch namentlich an die achtzehn Zwangsarbeiter erinnert, die nicht an dieser Stelle beerdigt wurden.

Denkmal zur Erinnerung an die toten Bergleute des Grubenunglücks vom 23. August 1943 auf dem Friedhof Rotthausen

Denkmal zur Erinnerung an die toten Bergleute des Grubenunglücks vom 23. August 1943 auf dem Friedhof Rotthausen.

Seit 2012 beschäftigt sich der Gelsenkirchener mit der Grabgestaltung und dem Denkmal für die Opfer des 1943er Grubenunglücks. Er kritisiert, dass die Grabgestaltung die damaligen Zwangsarbeiter unterschlägt.

Die Fakten: Am 23. August 1943 verloren durch eine Schlagwetter- und Kohlenstaubexplosion 34 Bergleute ihr Leben. Die deutschen Toten und ein italienischer Toter wurden in Einzelgräbern auf dem Rotthauser Friedhof bestattet, die 17 sowjetischen und ein polnischer Zwangsarbeiter kamen in ein Sammelgrab. 1947 wurden die toten Zwangsarbeiter auf den Ostfriedhof umgebettet. 1949 wurde das Denkmal an den Grabstellen für die deutschen Bergleute und dem italienischen Bergmann auf dem Rotthauser Friedhof errichtet.

2015 schlug Klaus Brandt vor, eine unbeschriftet gebliebene Grabplatte der Erinnerung an die achtzehn Zwangsarbeiter zu widmen, stieß aber mit seinem Formulierungsvorschlag bei Gelsendienste auf Granit. Auch die Bezirksvertretung Süd, an die er sich um Unterstützung wandte, wies sein Anliegen zurück. In der Begründung hieß es u.a.: „Die Würde des Friedhofs und seine Zweckbestimmung als Ort der Trauer und des Gedenken erfordern Sensibilität und politische Neutralität.“ Klaus Brandt ist nach wie vor anderer Ansicht und wird dies am Jahrestag kundtun.

Klaus Brandt (links im Bild) mit August Bebel und Andreas Jordan während der Antikriegstagsveranstaltung 2014

Klaus Brandt (links im Bild) mit August Bebel und Andreas Jordan während der Antikriegstagsveranstaltung 2014.

Eindrücke aus Warschau und Treblinka

Nachdem ich im vergangenen Jahr mit dem DGB-Bildungswerk NRW e.V. Erinnerungsorte des Ersten Weltkrieges in Belgien und Nordfrankreich besucht hatte, fuhr ich in diesem Jahr – erneut mit dem gewerkschaftlichen Bildungswerk – in die entgegengesetzte Himmelsrichtung, verbunden mit einem anderen, ungleich schwierigeren Zeitabschnitt unserer Geschichte. Das Studienseminar führte uns vom 23. bis 28.08.2015 nach Polen zu „Stätten des Naziterrors in Warschau“ und in Treblinka, die Themen waren „Verfolgung, Widerstand, Neubeginn“ und reichten bis in die Gegenwart. Für mich war es zugleich auch der erste Besuch in unserem östlichen Nachbarland.

Blick von der Aussichtsplattform des Kulurpalastes im 30. Stockwerk auf Warschau

Blick auf Warschau von der Aussichtsplattform im 30. Stockwerk des Kulturpalastes

Warschau im Jahre 2015 ist die boomende Hauptstadt Polens mit den üblichen großstädtischen Glaspalästen im Zentrum. Meine Eindrücke waren wie erwartet sehr kontrastreich und – natürlich – durch eigenes Vorwissen aus Büchern und Filmen geprägt. In Warschau erinnert auf den ersten Blick wenig an die Geschichte des Zweiten Weltkrieges. Die Innenstadt wurde nach den beiden Aufständen, dem Aufstand im jüdischen Ghetto 1943 und dem nationalpolnischen Warschauer Aufstand 1944, von den Nazis weitgehend dem Erdboden gleichgemacht. Im heutigen Stadtbild gibt es wenige Überreste, allerdings rekonstruierte historische Gebäude in der Altstadt, Museen, Denkmäler und Gedenksteine.

Symbolischer Friedhof in der Gedenkstätte Treblinka

Symbolischer Friedhof in der Gedenkstätte Treblinka

Zum Programm gehörte auch eine Fahrt in das ehemalige Vernichtungslager Treblinka, welches von den Nazis, nachdem es seine Aufgabe erfüllt hatte, komplett zerstört wurde. Übrig blieben die Massengräber der weit über 800 000 ermordeten Juden. Seit 1963 erinnert hier eine Gedenkstätte an die Ereignisse, seit 2010 besteht ein Museum mit einer Ausstellung, die den historischen Ort erklärt.

Kooperationspartner des Bildungswerks war Hartmut Ziesing, der nach langjährigen Erfahrungen in der Gedenkstättenarbeit in Polen und Deutschland Studienreisen organisiert. Auch seine polnischen Sprachkenntnisse waren uns während der Führung durch den Leiter der Gedenkstätte in Treblinka und in Gesprächen mit einer Zeitzeugin sehr hilfreich. Er wies uns zu Beginn des Seminars auch auf die Bedeutung des 23. August hin, an dem in Polen an den 1939 geschlossenen Molotow-Ribbentrop-Pakt erinnert wird. Dieser in Deutschland sachlich als deutsch-sowjetischer Nichtangriffspakt oder auch politisch konnotiert als Hitler-Stalin-Pakt bezeichnete Vertrag kennzeichnete in seinem geheimen Zusatzprotokoll die Interessensphären beider Länder in Osteuropa und teilte – auch Polen – unter beiden Mächten auf.

Darstellung im Museum des Warschauer Aufstandes, das die Aufteilung Vorkriegspolens durch Nazi-Deutschland und die Sowjetunion im Jahre 1939 zeigt

Darstellung im Museum des Warschauer Aufstandes, das die Aufteilung Vorkriegspolens durch Nazi-Deutschland und die Sowjetunion im Jahre 1939 zeigt

Diese Teilung Polens während des zweiten Weltkrieges durch Nazi-Deutschland und die Sowjetunion begegnete uns in den besuchten Museen immer wieder. Sie besitzt für die polnische Geschichtsdarstellung der Zeit erkennbar einen hohen Stellenwert und bietet Anschlussfähigkeit zu nationalkonservativen und antikommunistischen Sichtweisen. Letztere begegnete uns auch immer wieder indem die Zeit zwischen 1945 und 1989 mit „im Kommunismus“ bezeichnet wurde.

Auch ein Relikt aus der Zeit des "Kommunismus" in Polen: Der Kulturpalast

Auch ein Relikt aus der Zeit des „Kommunismus“ in Polen: Der Kulturpalast im Zentrum Warschaus im Zuckerbäckerstil

Das jüdische Warschau und der Ghettoaufstand

Soweit ich mich erinnern kann hatte ich zum ersten Mal 1981 im Alter von 16 Jahren durch die Fernsehserie „Ein Stück Himmel“ nach den Erinnerungen von Janina David vom Warschauer Ghetto während der Besetzung Polens durch Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg erfahren. Heute handelt es sich bei dem Gebiet des ehemaligen Ghettos um eine normale Wohngegend, die sich nicht groß von Wohngegenden in anderen ehemals sozialistischen Staaten unterscheidet.

Markierung des ehemaligen Verlaufs der Ghetto-Mauer im Straßenpflaster

Markierung des ehemaligen Verlaufs der Ghetto-Mauer im Straßenpflaster

Das Ghetto, zuerst als „Sperrbezirk“ bezeichnet, umfasste das frühere jüdische Warschau. Es wurde durch eine Mauer umschlossen, Juden aus anderen Orten wurden hierhin deportiert und auf engstem Raum zusammengepfercht. Das Warschauer Ghetto wurde im Laufe der Zeit verkleinert und geteilt. Eine Holzbrücke verband den größeren nördlichen und den kleineren südlichen Teil. Heute gibt es einige wenige erhaltene bauliche Reste sowie gestaltete Erinnerungsorte. Zu ihnen gehören zum Beispiel die Markierung des Standortes der Ghetto-Mauer im Pflaster einiger Straßen sowie eine Erläuterung am ehemaligen Standort der Holzbrücke.

Ehemaliger Standort der Holzbrücke, die die beiden Teile des Warschauer Ghettos miteinander verband

Ehemaliger Standort der Holzbrücke, die die beiden Teile des Warschauer Ghettos miteinander verband

Wer nicht schon im Ghetto dem Hunger oder der Epidemien zum Opfer fiel, wurde in den Gaskammern des Vernichtungslagers Treblinka ermordet oder starb beim Ghetto-Aufstand 1943. An ihn erinnert ein großes Denkmal der Helden des Ghettos gegenüber des im Oktober 2014 neu eröffneten Museum der Geschichte der polnischen Juden. Das Denkmal für die Ghetto-Helden wurde unmittelbar nach dem Krieg inmitten des Ruinenfeldes errichtet. Es zeigt auf der Vorderseite die Ghetto-Kämpfer und auf der Rückseite das Leid und Elend im Ghetto. Dies ist auch der berühmte Ort des Kniefalls von Willy Brandt, der in einem eigenen, kleinen Denkmal festgehalten wird.

Denkmal des Aufstands im Warschauer Ghetto

Denkmal des Aufstands im Warschauer Ghetto

Weiter nördlich befindet sich ein Grabstein für die Ghetto-Kämpfer sowie ein Denkmal am ehemaligen „Umschlagplatz“. Schon die Bezeichnung des Platzes weist auf die Unmenschlichkeit der Nazis hin, die von hier aus Menschen in die Vernichtungslager deportierten.

Multimediale Darstellung im Museum der Geschichte der polnischen Juden

Multimediale Darstellung im Museum der Geschichte der polnischen Juden

Das „Polin“, das Museum der Geschichte der polnischen Juden (Polin – Muzeum Historii Zydow Polskich) zeigt in modernster multimedialer Darstellung die tausendjährige Geschichte der polnischen Juden. Ähnlich wie das Jüdische Museum in Berlin konzentriert es sich nicht allein auf die Vernichtung durch die Nazis, sondern zeigt die ganze Breite der tausendjährigen jüdischen Geschichte in Polen. Wer will, kann auch einen ironischen Bezug zum sogenannten „tausendjährigen Reich“ der Nazis herstellen, welches zum Glück nur 12 Jahre andauerte.
Die Geschichte der Juden in Polen wird dabei immer auch im Zusammenhang mit der übrigen polnischen Geschichte dargestellt, die über die Zeit der polnisch-litauischen Union, den drei polnischen Teilungen durch Preußen, Österreich und Russland und dem Wiedererstehen eines polnischen Staates nach dem Ersten Weltkrieg bis in die Gegenwart reicht.

Treblinka

Auch mit Treblinka verbinde ich eine mediale Erinnerung, dieses Mal aus dem Jahre 1985. Der Film „Sie sind frei, Doktor Korczak“, eine israelisch-deutsche Produktion aus dem Jahre 1974 mit Leo Genn in der Hauptrolle, beginnt mit der Suche durch eines der überlebenden Waisenkinder. Nach einer Wanderung entlang eines Schienenstranges erreicht er ein leeres Feld und fragt einen Bauer nach dem „deutschen Konzentrationslager Treblinka“. Der Bauer zeigt ins Gelände, und antwortet, dass es hier gewesen sei. Auch auf die Frage, wo all die Menschen hin sind, zeigt der Bauer wieder ins Gelände.

Erläuterungstafel der Gedenkstätte Treblinka

Erläuterungstafel der Gedenkstätte Treblinka

Die Fahrt nach Treblinka führte uns weit aus Warschau hinaus in eine sehr ländliche Gegend Polens. Unsere Besuchergruppe gehört zu den wenigen deutschen Besuchern dieses Ortes, der stark von israelischen bzw. jüdische Gruppen aus aller Welt besucht wird. Wir kamen in den Genuss einer persönlichen Führung durch den Leiter der Gedenkstätte, Herrn Edwart Kopowka, der uns den Ort zunächst anhand des Lagermodells im Museum und anschließend die Gedenkstätte selbst kenntnisreich und ausführlich erläuterte.

Seit 2010 besteht „Das Museum für Kampf und Märtyrertum in Treblinka“ (Muzeum Walki i Meczenstwa w Treblince) als Filiale des Regionalmuseums in Siedlce und erklärt in einer Ausstellung den Ort. In vier Teilen zeigt die Ausstellung den Kriegsbeginn 1939, die deutsche Besatzung und das Zwangsarbeitslager (Treblinka I), eine Ausstellung jüdischer Grabsteine, die von einem nahegelegenen Friedhof geholt als Straßenuntergrund verwendet worden waren sowie das Vernichtungslager (Treblinka II). Die in der Ausstellung gezeigten Fotos sind die einzigen, die von dem Vernichtungslager existieren.

Lagermodell im Museum der Gedenkstätte Treblinka

Lagermodell im Museum der Gedenkstätte Treblinka

Das Vernichtungslager Treblinka wurde in der Nähe eines gleichnamigen Zwangsarbeitslagers errichtet. Anders als andere Konzentrationslager diente es ausschließlich der Vernichtung. Alle deportierten Juden wurden innerhalb weniger Stunden in den Gaskammern ermordet und anschließend in Massengräbern verscharrt. Das Lager wurde im Frühling 1942 im Rahmen der „Aktion Reinhardt“ errichtet und mit einer kleinen Lagermannschaft aus Deutschen, Österreichern und Ukrainern bemannt. Bis November 1943 wurden hier mehr als 800 000 Menschen aus Polen, Österreich, Belgien, Bulgarien, der Tschechoslowakei, Frankreich, Griechenland, Jugoslawien, Deutschland und der Sowjetunion ermordet. Vor der Auflösung des Lagers wurden die Leichen der Ermordeten wieder ausgegraben und verbrannt. Das Lager wurde komplett zerstört und zur Tarnung ein Bauernhof errichtet.

Gedenkstätte Treblinka mit der symbolischen Eisenbahnrampe

Gedenkstätte Treblinka mit der symbolischen Eisenbahnrampe

Auf dem Gebiet des ehemaligen Lagers wurde 1959 bis 1963 eine Gedenkstätte nach den Entwürfen der drei Kunstprofessoren Adam Haupt, Franciszek Duszenko und Franciszek Strynkiewicz errichtet, die das Lager symbolisieren. Zur Gedenkstätte gehören unter anderem ein symbolisches Lagertor, eine symbolische Eisenbahnrampe und ein symbolischer Ort der Leichenverbrennung. Gedenksteine erinnern an die (teilweise ehemaligen) Länder, aus denen die Ermordeten stammten. Mit „Mazedonien“ ist nach dem Zerfall Jugoslawiens ein weiterer Stein neu hinzugekommen.

17 000 Grabsteine über den Massengräbern symbolisieren die Anzahl der Menschen, die an einem Tag ermordet wurden

17 000 Grabsteine über den Massengräbern symbolisieren die Anzahl der Menschen, die an einem Tag ermordet wurden

Über den damals bekannten Massengräbern wurde ein Denkmal mit 17 000 unterschiedlich großen Grabsteinen geschaffen. Die Zahl erinnert an die Zahl der pro Tag ermordeten. Einige Grabsteine sind beschriftet und erinnern an jüdische Ghettos. Das von den Nazis zur Tarnung errichtet Bauernhaus ist im Wald vorhanden, durch die Gedenkstätte aber nicht erschlossen.

Der einzige personenbezogene Grabstein auf dem Gebiet des symbolischen Friedhofs in Treblinka für Janusz Korczak (Henryk Goldszmit) und die Kinder

Der einzige personenbezogene Grabstein auf dem Gebiet des symbolischen Friedhofs in Treblinka für Janusz Korczak (Henryk Goldszmit) und die Kinder

Sehr berührt hat mich der einzige personenbezogene Grabstein für Janusz Korczak und die Kinder. Der Arzt, Pädagoge und Schriftsteller Janusz Korczak wurde zusammen mit seinen Waisenkindern aus dem Warschauer Ghetto nach Treblinka deportiert und hier Anfang August 1942 ermordet.

Symbolischer Ort der Leichenverbrennung

Symbolischer Ort der Leichenverbrennung

Auf mich wirkte der Ort ruhig und still, mit dem Wissen um seine Geschichte totenstill und unheimlich.

Warschauer Aufstand

Zeigt das „Polin“, das Museum der Geschichte der polnischen Juden die tausendjährige Geschichte der polnischen Juden, so konzentriert sich das Museum des Warschauer Aufstands (Muzeum Powstania Warszawskiego) auf die 63 Tage des Warschauer Aufstands 1944 sowie der Vor- und Nachgeschichte des Ereignisses. Eine Karte (weiter oben im Beitrag abgebildet) weist wieder auf die für Polen so bedeutsame Aufteilung durch Nazi-Deutschland und die Sowjetunion hin. Die Karte zeigt das Polen in den Grenzen von 1939 dreigeteilt: in das von Nazi-Deutschland annektierte Gebiet im Westen, das deutsch beherrschte „Generalgouvernement“ und das von der Sowjetunion annektierte Gebiet im Osten. Auch diese Museumsausstellung ist multimedial gestaltet. Eine große Attraktion ist ein Nachbau einer B-24J neben zahlreichen Fotos, Filmen, Uniformen und anderen Ausstellungsstücken.

Ausstellung der Uniformen im Museum des Warschauer Aufstandes

Ausstellung der Uniformen im Museum des Warschauer Aufstandes

An der Führung durch die Ausstellung in englischer Sprache schloss sich ein Gespräch mit einer Zeitzeugin an. Frau Hana Stadnik, 1929 als Hana Sikorska geboren und mit 15 Jahren als Sanitäterin am Warschauer Aufstand beteiligt, erzählte von ihren Erlebnissen und beantwortete zahlreiche unserer Fragen. So entstand ein Bild der Zeit, dass mit dem Kriegsbeginn 1939 und dem Bombardement Warschaus durch die deutsche Luftwaffe begann. Sie erzählte vom Untergrundstaat, dem illegal organisierten Schulbesuch und der Ausbildung zur Sanitäterin, bis hin zur Niederlegung der Waffen am Ende des aussichtslosen Aufstandes 1944. Nach dem Krieg wurden die am Aufstand Beteiligten diskriminiert, Frau Stadnik musste ihr begonnenes Studium aufgeben, weil sie am Warschauer Aufstand beteiligt gewesen ist. Sie klang dennoch nicht verbittert, sondern berichtete, wie viele Kinder, und Enkel- und Urenkelkinder sie habe, einige leben in Schweden und in den USA. Für die Teilnahme am Aufstand und den Folgen ist sie übrigens nie entschädigt worden.

Denkmal an den Warschauer Aufstand 1944

Denkmal an den Warschauer Aufstand 1944

Der Warschauer Aufstand und die von einigen Teilnehmern als einseitig national-konservativ kritisierte Darstellung im Museum wurde bis in die Abschlussrunde hinein kontrovers diskutiert. An dieser Stelle möchte ich beispielhaft auf die „Gedenkstätte Deutscher Widerstand“ in Berlin hinweisen, die inzwischen die Breite des deutschen Widerstandes gegen die Nazis darstellt, nachdem sie sich jahrzehntelang ausschließlich auf den national-konservativen Widerstand des 20. Juli konzentriert hatte. Lassen wir der polnischen Zivilgesellschaft doch die Zeit, eine ausgewogene Position zu finden.

Das Erbe der Geschichte

In der im Gebäude des Finanzministeriums beheimateten Stiftung für deutsch-polnische Aussöhnung (Fundacja Polsko-Niemieckie Pojednanie) informierte uns der Leiter der Bildungsabteilung, Herr Deka, über die Entstehung der Stiftung in den 1990er Jahren im Rahmen der Entschädigung der Zwangsarbeiter durch deutsche Firmen, die sich vor Sammelklagen Überlebender in den USA und ihren Investitionen dort fürchteten. Zu den vorrangigen Aufgaben der Stiftung gehörte damals die Ermittlung der Daten Betroffener solange sie noch lebten. Er erläuterte den – wie ich finde – interessanten Unterschied zwischen Entschädigung und Leistung und den mit der Annahme der „Leistung“ verbundenen Verzicht auf weitere Forderungen. Man kann daraus zu Recht schließen, dass es den deutschen Firmen mehr um die eigene Rechtssicherheit als um eine Verpflichtung aus der Vergangenheit ging. Aus dem damals ermittelten Datenbestand der ehemaligen Zwangsarbeiter ist heute die über das Internet zugänglichen Datenbank entstanden.

Nach dem Zeitzeugengespräch signierte Ariel Yahalomi noch Exemplare seiner Erinnerungen, die er unter dem Titel "Ich habe überlebt" in polnisch und englisch veröffentlicht hat

Nach dem Zeitzeugengespräch signierte Ariel Yahalomi noch Exemplare seiner Erinnerungen, die er unter dem Titel „Ich habe überlebt“ in polnisch und englisch veröffentlicht hat

Anschließend fand im gleichen Gebäude ein Gespräch mit Herrn Ariel Yahalomi statt, der im polnischen Teil Oberschlesiens unter dem Namen Artur Dimant geboren wurde und zahlreiche Lager der Nazis überlebte. Er wanderte nach dem Krieg nach Israel aus, änderte seinen Namen und führte ein ganz neues Leben, bis ihn die Geschichte wieder einholte. Heute lebt er aus gesundheitlichen Gründen, aber auch weil er als Zeitzeuge gebraucht wird und sich gebraucht fühlt, in den Sommermonaten in Polen und in den Wintermonaten in Israel. Mit seiner Frau Krystyna Keren verbindet ihn die Geschichte, sie wurde im Warschauer Ghetto geboren und überlebte in einer polnischen Familie.

Gedanken zum Schluß

Wer heute als Deutscher nach Polen fährt, muss sich selbstverständlich keine persönliche oder kollektive Schuld anrechnen lassen. Selbst die Denkmäler und Zeitzeugen zeigen sich oft sehr rücksichtsvoll mit unserer Vergangenheit und schreiben oder sprechen von Nazis oder Besatzern und nur sehr selten von Deutschen. Diese Vergangenheit liegt inzwischen mehr als 70 Jahre zurück und wird in Polen erkennbar von der Zeit danach, die man dort „den Kommunismus“ nennt, überlagert. Für mich war es der erste Besuch in Polen und ich hatte im Umfeld des Seminars viele Gelegenheiten, Polen und Warschau heute kennen zu lernen. Ich schließe mit einem Fundstück, den ein unbekannter Besucher auf der Aussichtsetage des Kulturpalastes, auch einem Erbe der „Kommunisten“, hinterlassen hat. Dieser Kulturpalast feiert in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag und trägt eigentlich den Namen Kultur- und Wissenschaftspalast (Palac Kultury i Nauki). Das „Geschenk Stalins an Polen“ ist auch heute noch ein Wahrzeichen der Stadt.

Fundstück in der Aussichtsetage im 30. Stockwerk des Kulturpalastes

Fundstück in der Aussichtsetage im 30. Stockwerk des Kulturpalastes

Der Stein des Anstoßes

Wer in Gelsenkirchen-Rotthausen aufgewachsen ist, für den ist Dahlbusch ein Begriff, obwohl die Zeche Dahlbusch bereits seit 1966 ihre Tore geschlossen hat. Zur Geschichte der Zeche gehören auch die verschiedenen Grubenunglücke. Vor 60 Jahren, im Mai 1955, wurde hier die berühmte „Dahlbuschbombe“ entwickelt, um verschüttete Bergleute zu retten. Zuvor gab es weitere große Grubenunglücke, eines 1950, und eines während des Zweiten Weltkrieges am 23. August 1943. Damals verloren durch eine Schlagwetter- und Kohlenstaubexplosion 34 Bergleute ihr Leben. Die deutschen Toten und ein italienischer Toter wurden in Einzelgräbern am heutigen Denkmal für das 1943er Grubenunglück auf dem Rotthauser Friedhof bestattet, die 17 sowjetischen und ein polnischer Zwangsarbeiter kamen in ein Sammelgrab. 1947 wurden die toten Zwangsarbeiter an den Ostfriedhof umgebettet.

Denkmal zur Erinnerung an die toten Bergleute des Grubenunglücks vom 23. August 1943 auf dem Friedhof Rotthausen

Denkmal zur Erinnerung an die toten Bergleute des Grubenunglücks vom 23. August 1943 auf dem Friedhof Rotthausen

Das noch heute bestehende Denkmal an das 1943er Grubenunglück wurde im November 1949 errichtet. Beiderseits des Weges der auf das Denkmal zuläuft, liegen die Grabstellen für die deutschen Bergleute und den italienischen Bergmann. Einer der Grabkissensteinen (40 x 60 cm) ist unbeschriftet geblieben, da die Witwe ihren Mann auf dem Ückendorfer Friedhof beerdigen ließ.

Der Gelsenkirchener Klaus Brandt beschäftigt sich seit 2012 mit diesem Denkmal. Er kritisiert, dass die Grabgestaltung die damaligen „Ostarbeiter“ unterschlägt und schlägt vor, auf dem unbeschriftet gebliebenen Grabkissenstein an die Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion und Polen zu erinnern.

Grabstellen der toten Bergleute des Grubenunglücks vom 23. August 1943 auf dem Friedhof Rotthausen

Grabstellen der toten Bergleute des Grubenunglücks vom 23. August 1943 auf dem Friedhof Rotthausen

Nachdem er sich mit dem Eigentümer des Denkmals verständigt und einen Kostenvoranschlag von einem Steinmetz eingeholt hat, wandte er sich an Gelsendienste mit seinem Antrag. Er schlug folgenden Text vor: „AUCH ACHTZEHN ZWANGSARBEITER AUS OSTEUROPA WURDEN OPFER DES UNGLÜCKS. ZU NAZIZEITEN ZÄHLTEN SIE NICHT ZU DEN KAMERADEN. SIE GALTEN ALS UNTERMENSCHEN. GELSENKIRCHENER BÜRGER WIDMEN IHNEN DIESEN STEIN ALS ZEICHEN DES GEDENKENS UND DER MITVERANTORTUNG.“

Der unbeschriftet gebliebene Grabkissenstein

Der unbeschriftet gebliebene Grabkissenstein

Mit Datum vom 23. März 2015 erhielt er u.a. zur Antwort: „Wegen der Größe der Grabplatte und der von der Stadt Gelsenkirchen gepflegten Erinnerungskultur, die auf eine sachliche Aufklärung zum Thema Nationalsozialismus setzt, halte ich folgenden Text für angemessen: ‚Auch achtzehn Zwangsarbeiter aus Osteuropa wurden Opfer des Unglücks. Gelsenkirchener Bürger widmen ihnen diesen Stein als Zeichen des Gedenkens und der Mitverantwortung'“.

Klaus Brandt (links im Bild) mit August Bebel und Andreas Jordan während der Antikriegstagsveranstaltung 2014

Klaus Brandt (links im Bild) mit August Bebel und Andreas Jordan während der Antikriegstagsveranstaltung 2014

Damit ist Klaus Brandt allerdings nicht einverstanden und wandte sich zuerst an die Gelsenkirchener VVN-BdA, die seinen Textvorschlag inhaltlich unterstützt, und jetzt mit einem Bürgerantrag nach § 24 der Gemeindeordnung an die Bezirksvertretung Süd, um doch noch den von ihm gewünschten Text auf dem leeren Grabkissenstein zu sehen. Unter anderem argumentiert er, dass eine sachliche Aufklärung nicht zugleich auch einen Mangel an Affekt bedeuten müsse und fragt: „Ist es unsachlich, Nazis Nazis zu nennen? Ist es unwürdig, an dem Ort der die Opfer mit dem P und dem OST aus den ‚von uns gegangenen Kameraden‘ aussondert, an diese Aussonderung mit klaren Worten zu erinnern?“

Supplement

Der Antrag wurde in der Bezirksvertretung Süd abgelehnt.

Zwangsarbeiter-Gräber auf dem Ostfriedhof in Hüllen werden gepflegt

Sehr schnell reagierte die Stadt Gelsenkirchen auf eine Anfrage der VVN Gelsenkirchen zum Gräberfeld für ausländische Zwangsarbeiter auf dem Ostfriedhof. 55 sowjetische Kriegsgefangene, 265 sowjetische Zwangsarbeiter, 39 polnische Zwangsarbeiter und 20 Zwangsarbeiter aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden sind dort bestattet. Inzwischen wurde das Gräberfeld wieder würdig hergerichtet.

Nach einem Ortstermin am 9. August 2011 hatte die VVN in einem Brief auf den schlechten Erhaltungs- und Pflegezustand des Gräberfeldes hingewiesen. Die Grabkissensteine befanden sich auf einer großen Rasenfläche, die einen wenig gepflegten Eindruck machte. Viele Grabsteine waren mit Moos überwachsen, so dass die Namen und Daten kaum noch lesbar waren. Ein großer Unterschied war im Vergleich zum angrenzenden Gräberfeld für Bombenopfer festzustellen. Diese Gräber waren mit einer Reihe Steinkreuze versehen, mit Efeu bepflanzt und mit Steinplatten eingefasst und machten einen gepflegten Eindruck. Ein kurzer Bericht erschien ebenfalls auf der Homepage der VVN Gelsenkirchen unter der Überschrift „Erinnerung braucht Pflege – Ortstermin auf dem Ostfriedhof in Hüllen“.

Auf ihr Schreiben vom 1. September 2011 erhielt die VVN am 20. September 2011 eine Antwort. Dort heißt es, dass alle „Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“ die gleiche Wertschätzung erführen, unabhängig von der Nationalität der Bestatteten. Zuletzt seien die Gräber der Zwangsarbeiter mit Efeustreifen gestaltet gewesen, die man wegen eines Pilzbefalls entfernt habe. Die zunächst angestellte Überlegung, die vorhandenen Grabkissensteine in der Rasenfläche zu belassen, wurde wieder verworfen, nachdem Maulwürfe und Kaninchen die Rasenfläche zerstört habe. Eine Gestaltung mit kleineren Staudenpflanzen sei vorgesehen, man bitte aber um Verständnis, dass die Neugestaltung einige Zeit in Anspruch nehmen werde.

Diese Neugestaltung begann jedoch weitaus schneller als erwartet. Wie man bei einem Besuch auf dem Hüller Ostfriedhof in dieser Woche feststellen konnte, waren die Grabkissensteine bereits von Moos und Schmutz gereinigt, mit Steinen eingefasst und bepflanzt worden. Es ist sehr erfreulich, dass die Stadt Gelsenkirchen und Gelsendienste so schnell reagiert haben.

Auf den Fotos lässt sich der Zustand vom 09.09.2011 mit dem vom 29.10.2011 vergleichen.

Zum Gedenken an die Opfer der Nazi-Barbarei

Aus Anlass des 70. Jahrestages des Überfalls Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion veranstaltete Gelsenzentrum heute ab 18 Uhr eine Gedenkveranstaltung. Sie fand nach einem regnerischen Tag bei freundlichem Sonnenschein auf dem Horster Friedhof statt, am Gedenkstein für die 844 hier bestatteten Sowjetbürger, die fern der Heimat und der eigenen Familie starben. Neben Andreas Jordan, der für das Gelsenzentrum sprach, las Herr Wolfgang Held als Vertreter des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. aus dem Brief einer überlebenden Zwangsarbeiterin vor, die ihre Zeit in Deutschland schilderte.

Heute vor 70 Jahren, in den Morgenstunden des 22. Juni 1941, begann der Überfall Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion. Der Krieg war ein Vernichtungskrieg gegen die Völker der Sowjetunion, ein Raubkrieg um Rohstoffe und Nahrungsmittel und ein ideologischer Krieg gegen ein gegensätzliches Gesellschaftssystem. Er wurde von deutscher Seite mit den unmenschlichsten Mitteln geführt, die im 20 Jahrhundert möglich waren. In seinem Schatten fand der Völkermord an den Juden Europas statt.

Während deutsche Soldaten im Osten kämpften, wurden sowjetische Zivilisten zur Zwangsarbeit nach Deutschland gebracht, um hier die ausgefallenen Arbeiter zu ersetzen und zu schuften. In der Hierarchie der Nazi-Weltanschauung standen die slawischen Völker weit unten und wurden dementsprechend behandelt.

In Gelsenkirchen befinden sich auf dem Horster Friedhof, dem Ostfriedhof in Hüllen, dem Westfriedhof in Heßler und dem Hauptfriedhof in Buer Massengräber von sowjetischen Zwangsarbeitern. Auf allen diesen Friedhöfen erinnern Namenstafeln und quaderförmige Gedenksteine mit russischen Inschriften an diejenigen, die hier ums Leben kamen. Wer dort vorbeigeht, kann sich auch an jedem anderen Tag an die Vergangenheit erinnern.

Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!

Die Diplomaten kamen dann doch noch …

Die diplomatischen Vertreter der Republik Belorus Pavel Evseenko und Anzhela Volodina und die Vertreter der ukrainischen Botschaft, Vitaliy Gopanchuk und Vitaliy Remelie erreichten den Gedenkort erst nach Abschluss der Veranstaltung. Aufgrund der gestauten Autobahn kamen sie erst gegen 20 Uhr zum Horster Friedhof. Im Bild oben im Gespräch mit Wolfgang Held (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge) und Andreas Jordan (Gelsenzentrum). Gemeinsam wurde ein weiterer Kranz und Blumen niedergelegt. Die diplomatischen Vertreter zeigten sich sichtlich berührt.

1.u.2. Foto v. oben Knut Maßmann, 3.u.4. Foto v. oben Heike Jordan.

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Stolperstein für Charles Ganty verlegt

Bei „leichtem Schneegriesel“ (O-Ton Wetterbericht) verlegte Gunter Demnig heute im Schatten der Zeche Nordstern den Stolperstein für den belgischen Zwangsarbeiter Charles Ganty. Das bereits in vielen Städten im In- und Ausland bekannte Erinnerungsprojekt des Künstlers Gunter Demnig sieht vor, das die in das Pflaster eingelassenen Steine mit kurzen biografischen Angaben an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern.

Die Verlegung begann ganz profan mit Hammer und Meißel. Sehr schnell stellte Gunter Demnig fest, dass der Boden zu hart gefroren war, um ihn mit reiner Körperkraft aufzustemmen. Während Andreas Jordan Strom organisierte, versuchte sich Tomas Grohé selbst mit Hammer und Meißel, …

… bis der Aktionskünstler dem Pflaster mit einem stärkeren Werkzeug zu Leibe rückte …

… und schließlich nach einigen Arbeiten den Stein in das Pflaster einsetzen konnte.

Nachdem Heike Jordan die Messingplatte gesäubert hatte, berichtete Andreas Jordan den Anwesenden kurz von Charles Ganty.

Charles Ganty stammt aus Charleroi in Belgien und wurde 1940 als Zivilarbeiter nach Deutschland dienstverpflichtet. Er war ab Januar 1941 Arbeiter auf der Zeche „Nordstern“. Wegen Arbeitssabotage von der Gestapo zunächst in ein „Arbeitserziehungslager“ eingewiesen, nach Verpflichtung zu politischem Wohlverhalten entlassen und wegen kritischer Äußerungen am 31.08.1942 erneut festgenommen, wurde er am 21.05.1943 vom „Volksgerichtshof“ zum Tode verurteilt und am 7.9.1943 in Plötzensee ermordet.

Charles Ganty gehört neben Erich Lange und Paul Bukowski zu den drei von den Nazis ermordeten Menschen, die die damalige PDS im Rat der Stadt 2005 beispielhaft vorgeschlagen hatte, um für sie  „Stolpersteine für Widerstandskämpfer“ zu verlegen. Die Mehrheit im Rat der Stadt hatte sich damals für das Konzept der Erinnerungsorte durch das Institut für Stadtgeschichte entschieden und die Verlegung von Stolpersteinen auf private Initiativen verwiesen.

Bei der Verlegung waren rund 15 Menschen anwesend, neben den Organisatoren Heike und Andreas Jordan von Gelsenzentrum e.V. auch mehrere Mitglieder der Linken Alternative, die die Patenschaft für diesen Stein übernommen hatte, zwei Mitglieder der Gelsenkirchener Geschichten und der frühere Betriebsrat auf der Zeche Nordstein, Reinhold Adam.