Archiv für den Monat Juli 2013

Kriegsfronten der Bundeswehr

VVN-BdA GelsenkirchenAus Anlass des diesjährigen Antikriegstags lädt die VVN-BdA Gelsenkirchen zu einem Vortrag ein.

Gut 6.000 deutsche Soldaten sind gegenwärtig in etwa einem Dutzend Staaten auf drei Kontinenten im Einsatz. Wozu? Für Demokratie und Menschenrechte und ähnlich hehre Ziele, heißt es offiziell. Tatsächlich werden Kriege seit je für die Interessen der kriegführenden Staaten geführt, das heißt: für die Interessen von deren herrschender Klasse.

Wirtschaftliche Interessen spielen oft eine Rolle, etwa wenn es, wie am Horn von Afrika, um die Absicherung wichtiger (See-)Handelsrouten geht. Auch strategische Interessen sind nicht selten von Bedeutung; das trifft auf die Bundeswehr-Einsätze in Südosteuropa oder auch auf denjenigen in Afghanistan zu. Der Vortrag bietet einen Überblick über die aktuellen deutschen Militäreinsätze im Ausland und über die Interessen, die ihnen zugrunde liegen.

Referent: Jörg Kronauer
Zeit: Montag, 29. Juli 2013, 19 Uhr
Ort: Alfred-Zingler-Haus im Margarethenhof, Gelsenkirchen

Eingeladen sind alle Interessierten. Faschisten sind von der Teilnahme ausgeschlossen.
Eintritt frei. Um eine Spende für Fahrtkosten des Referenten wird gebeten.

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Ist das Kunst oder kann das weg?

Eine gute Idee hatte der Zusammenschluss der Kunstmuseen im Ruhrgebiet. Die RuhrKunstMuseen wecken die Aufmerksamkeit auf vorhandene Kunst im öffentlichen Raum in einer einmaligen Aktion. Über mehrere Monate hinweg werden verschiedene Kunstwerke gereinigt, saniert und neu enthüllt. Den Anfang machte die Projektgruppe „Kunst im öffentlichen Raum“ mit der Wandmalerei „ohne Titel“ von Isa Genzken und Gerhard Richter in der Duisburger U-Bahn-Haltestelle König-Heinrich-Platz, die am 20. Juni 2013 neu enthüllt wurde.

Marl 14.07.2013 (01) La Tortuga Wolf Vostell Theater MarlWesentlich aufwendiger geriet die Neuenthüllung von Wolf Vostells „La Tortuga“ im Theater der Stadt Marl. Dieses mir bis dahin völlig unbekannte Kunstwerk wurde jetzt 20 Jahre nach der Realisation erneut enthüllt. Es handelt sich dabei um die weltweit größte Skulptur des Aktionskünstlers Wolf Vostell. Entwickelt für die Ausstellung „Mythos Berlin“ zur 750-Jahr-Feier im Jahre 1987 und aufgestellt auf dem Gelände des ehemaligen Anhalter Bahnhofs, konnte das Objekt dort nicht in der vom Künstler vorgesehenen Form aufgestellt werden und auch nicht dauerhaft bleiben. 1993 erhielt sie ihren jetzigen Platz vor dem Marler Theater, halb in den Boden versenkt und von drei Seiten von einer Betonmauer umgeben. Bei der wie eine Schildkröte hilflos auf dem Rücken liegende Dampflok handelt es sich um eine alte Güterzuglokomotive der DRB-Baureihe 52 mit der die Deutsche Reichsbahn das Material an die Fronten, aber auch Menschen in Konzentrationslager brachte.

Der als Sohn eines Eisenbahnschaffners 1932 in Leverkusen geborene Wolf Vostell gehörte 1962 zu den Mitbegründern der Künstlergruppe „Fluxus“ und setzte sich in seinen Aktionen, Happenings, Bildern, Skulpturen und Installationen kritisch mit Gesellschaft und Politik auseinander. Im Sinne des Künstlers steht „La Tortuga“ zugleich für den Untergang der Menschlichkeit wie für das Ende des Industriezeitalters. Die alte Lok ist Wind und Wetter ausgesetzt, dem Rost und dem Zerfall preisgegeben. Im Rahmen der Sanierung des Kunstwerkes wurde übrigens die akustische Installation wieder hergestellt. Wer sich dem Tender nähert, kann die Stimmen von Zeitzeugen der Deportationen in die Konzentrationslager hören, die gesteuert durch einen Bewegungsmelder abgespielt werden.

Marl 14.07.2013 (03) DRB-Baureihe 52, Baujahr 1944Anlässlich der Neuenthüllung erinnerte Uwe Rüth, der damalige Direktor des Kunstmuseums Marl, an die bewegenden 5 Jahre, die es gegen alle Widerstände gebraucht hatte, um „La Tortuga“ nach Marl zu holen. Der Restaurator Martin Kaufmann des Duisburger Restaurierungsateliers „Die Schmiede“ stellte die seiner fachlichen Meinung nach möglichen Sanierungs- bzw. Restaurierungsmöglichkeiten dar. Doch klar ist, dass sich der Verfall des Kunstwerkes nicht verhindern, sondern nur verlangsamen lässt. Der Verfall ist ein Teil des Kunstwerkes.

Im Theaterfoyer konnte man nach den Reden noch mit belegten Brötchen, Kuchen, Wein oder Sekt eine Diashow und Fernsehbeiträge aus dem Jahre 1993 ansehen. Hier entstand auch ein netter Kontakt zum Hauptsponsor des Kunstwerkes, der ein wenig aus der damaligen Zeit erzählte. Ein schöner Sonntagvormittag!

Public Art Ruhr ProgrammflyerNeu enthüllt werden noch Raimund Kummers „Schwelle“ am 19. September 2013, 18 Uhr, im Emscher Park, Lohwiese 46 in Essen und Richard Serra „Terminal“ am 11. Oktober 2013, 19 Uhr, am Hauptbahnhof Bochum.

Supplement
Die Finanzierung des gesamten Happening-Kunstwerks wurde durch freiwillige Spenden ermöglicht. Dabei spielte der o.g. Hans Bendig die Hauptrolle. Auf die Frage, weshalb ein solche Werk nach Marl gekommen sei, meinte er schmunzelnd, er hätte einen CDU-nahstehenden Kollegen mit Wurzeln in Marl, einmal eins auswischen wollen. Die Lok stammt aus DDR-Reichsbahnbeständenund war zum Verschrotten bestimmt. Sie wurde über Schalks COCOM angekauft für einen Spottpreis angekauft (2000 DM) Daher ist das Aufregen über das langsame Wegrosten fehl am Platze. Ohne diese Aktion wäre sie nicht mehr. Die Umwandlung des Stahls zu Erz ist eine durch die Restauration nur verlangsamte Aktion, die sicher erst in einigen Jahrzehnten ( oder Jahrhunderten) abgeschlosssen sein wird. (ME)

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