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Antifaschistinnen und Antifaschisten tagen in Düsseldorf

Transparent der VVN-BdA

Transparent von „Düsseldorf stellt sich quer“

Unter dem ziemlich langen Konferenzmotto „Jetzt erst recht: Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen! Deutsche Großmachträume zerplatzen lassen! Die Rassisten stoppen!“ fand die Landesdelegiertenkonferenz der VVN-BdA NRW am Samstag in Düsseldorf statt. Das Hauptreferat „Der Kulturkampf der Rechtspopulisten“ hielt Richard Gebhardt. Die Diskussionen wurden nicht zuletzt durch das Nicht-Verbot der NPD und dessen Bedeutung für andere rechte Parteien wie die AfD geprägt. Wahlen und Anträge standen ebenfalls auf der Tagesordnung. Gastgeber war der ver.di-Landesbezirk NRW in Düsseldorf.

In seinem Vortrag machte Richard Gebhardt deutlich, dass im Aufreten der Rechtspopulisten kulturelle Fragen die soziale Frage überlagern und sie traditionelle Milleus „vom Proletarier bis zum Professor“ ansprechen. Direkte Gegner ihrer politischen Vorstellungen sieht die AfD daher bei Bündnis 90/Die Grünen vertreten, während andere Parteien wie Die Linke eher als Konkurrent um Wähler betrachtet werden. Das Referat wurde lebhaft diskutiert, insbesondere in Bezug auf die Frage von Aktionen gegen das Auftreten der Rechten.

Christa Bröcher berichtete im Rahmen der Rechenschaftsberichte über die bemerkenswerte Arbeit der Gruppe „Kinder des Widerstandes – Antifaschismus als Aufgabe“. Kinder von Verfolgten des Naziregimes und Widerstandskämpfern erzählen vor Schulklassen die Geschichte ihrer Eltern und setzen so die Arbeit der Zeitzeugengeneration fort.

Den Rechenschaftsberichten, der Diskussion darüber und der Entlastung des Landesvorstandes folgten Wahlen. Dabei wurden unter anderem Falk Mikosch und Jochen Vogler als Landessprecher wiedergewählt, neu gewählt als Landessprecherin wurde Silvia Rölle. In den aus acht gewählten Mitgliedern bestehenden geschäftsführenden Landesausschuss wurde aus Gelsenkirchen Knut Maßmann gewählt.

Transparent der VVN-BdA

Transparent der VVN-BdA

Der Konferenz lagen 6 Anträge sowie 2 Initiativanträge vor, die alle, teilweise mit kleinen Änderungen, angenommen wurden. Darunter war der Antrag „Deutsche Großmachtträume platzen lassen! Alle Rassisten stoppen!“ Hierbei handelt es sich um einen aktuellen Aufruf zum Ostermarsch. Er enthält Teile des aktuellen Ostermarsch-Aufrufes sowie aktuelle Ergänzungen aus Sicht der VVN-BdA NRW. Er kritisiert die aktuellen Entwicklungen ausgelöst durch die Präsidentschaft von Donald Trump in den USA und weltweit sowie die Legalisierung der NPD, einer NSDAP-Nachfolgepartei, durch das Bundesverfassungsgericht. Ein weiterer Antrag „Kampf gegen Neofaschismus ist notwendiger denn je“ thematisiert noch weitgehender das Nicht-Verbot der NPD und die Bedeutung des Urteils des Verfassungsgerichts für die AfD. Der umfangreichste Antrag, der sich mit Änderungen zu den 2014 verabschiedeten „Programmatischen Eckpunkten“ der VVN-BdA NRW beschäftigte, wurde überraschend schnell besprochen.

In den Diskussionen zu den Anträgen ging es immer wieder auch um die Wortwahl. Lebhaft diskutiert wurde zum Beispiel anlässlich des Antrages über die „Kennzeichnung der Tatorte der Industrie 1933“ über den Begriff „ökonomische Eliten“.

Plakate der VVN-BdA zum Ehemaligentreffen der lettischen SS in Riga.

Plakate der VVN-BdA zum Ehemaligentreffen der lettischen Waffen-SS in Riga 2016.

In weiteren Anträgen wurden Forderungen zur „Auflösung der angeblichen Partei ‚Die Rechte'“ und zur Distanzierung des „‚Zentralrat(s) der Muslime‘ (ZMD) im Bündnis ‚Aufstehen gegen Rassismus'“ von sich „rassistisch, antisemitisch und extrem nationalistisch gebärdenden Vereinen“ gestellt. Die beiden Initiativanträge forderten die „Aufklärung über fast vergessene Massenverbrechen in der Kriegsendphase“ (erstaunlich, dass es immer noch so weit zurückliegende Verbrechen der Nazis zu entdecken gibt) und ein „Mahnwachen-Protest vor dem Honorar-Konsulat Lettlands“ angesichts des offiziell unterstützen, jährlichen Aufmarsches der Ehemaligen der lettischen SS-Verbände in Riga.

Die Konferenz endete mit dem Absingen des Moorsoldatenliedes und einem Gruppenfoto der gewählten Mitglieder des Landesausschusses.

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VVN-BdA feierte ihren 70. Geburtstag im Düsseldorfer ZAKK

Klaus der Geiger mit dem Salon Orchester beim 70. Jahrestag der VVN-BdA 2016 im Düsseldorfer ZAKK (Foto: VVN-BdA NRW)

Klaus der Geiger mit dem Kölner Salon Orchester beim 70. Jahrestag der VVN-BdA 2016 im Düsseldorfer ZAKK (Foto: VVN-BdA NRW)

Mit einer großen Geburtstagsparty feierte die VVN-BdA NRW sich selbst. Unter dem Motto „Demokratie verwirklichen! Frieden schaffen! Nazis, Militaristen und Rassisten stoppen!“ und mit einem tollen Kulturprogramm begingen rund 150 Kameradinnen und Kameraden am Samstag den 70. Jahrestag ihrer Organisation.

Grußworte richteten der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD), Axel Holz, Bundessprecher der VVN-BdA, und Muzaffer Sores Yüksel (NAV-DEM, Demokratisches Gesellschaftszentrum der KurdInnen in Deutschland e.V.) aus. Ein Grußwort der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di wurde verlesen, die anderen nur benannt (und können hier nachgelesen werden). Der Schwerpunkt der Veranstaltung sollte nicht auf Reden, sondern auf dem Kulturprogramm liegen. Klaus der Geiger mit dem Kölner Salon Orchester, Andreas Weißert und Peter Sturm sowie CHORrosion, der Chor der IG Metall, begeisterten dann auch das Publikum. Auf Geschichte und Gegenwart des Antifaschismus gingen die beiden Landessprecher Falk Mikosch und Jochen Vogler in einem halbstündigen Referat ein. Für das leibliche Wohl sorgten ein leckerer Imbiss und Getränke.

Ein lesenswerter Bericht findet sich in der Düsseldorfer Internetzeitung report-D. Dort heißt es: „Bittersüß feierte der VVN seinen Jahrestag im großen Saal des Zakk. Für die Stadt Düsseldorf kam Oberbürgermeister Thomas Geisel – kein Stellvertreter und keine kühle Absage. So wäre es in Düsseldorf vor nicht allzu langer Zeit gewesen. (…) Bittersüß feierte der VVN, weil die Mitglieder spüren, dass sie gerade jetzt dringend gebraucht werden.“ Damit ist das Resümee der Veranstaltung deutlich zum Ausdruck gebracht: Auch 70 Jahre nach ihrer Gründung wird die VVN-BdA noch immer im Engagement gegen alte und neue Nazis gebraucht!

Bearbeitete und ergänzte Fassung

VVN-BdA feiert ihren 70. Geburtstag im Düsseldorfer ZAKK

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Landesvereinigung Nordrhein-Westfalen, wurde am 26. Oktober 1946 in Düsseldorf von den Delegierten der über 50.000 Naziopfer des Landes gegründet. In der VVN organisierten sich Frauen und Männer, die während der Naziherrschaft verfolgt wurden, den Holocaust überlebt, Widerstand geleistet haben oder vor dem Hitlerfaschismus fliehen mussten. Seit 1971 trägt sie den Zusatz „Bund der Antifaschisten“und öffnete sich für Hinterbliebene und jüngere Antifaschistinnen und Antifaschisten.

Damals betonte auf dem VVN-Gründungskongress der Ministerpräsident Rudolf Amelunxen (Zentrum) vor den Vertretern aller demokratischen Parteien, der christlichen Kirchen und anderen Religionsgemeinschaften, darunter der jüdischen: „Als ganz Deutschland ein Zuchthaus war, waren Sie diejenigen, die ihre Pflicht gegenüber dem Vaterland erfüllt haben und dafür viel Bitternis erdulden mussten. Für ihre Haltung und ihr Beispiel schuldet das deutsche Volk und ganz Europa Ihnen Dank.“

Heute gibt die VVN-BdA, inzwischen „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten“, Anstöße für die Verteidigung von Frieden und Demokratie, leistet Beiträge zur internationalen Solidarität, für das Erinnern an den Widerstand. Sie setzt Zeichen gegen die Versuche, die Geschichte zu verfälschen und sie zu vergessen. Das Motto des 70. Jahrestages lautet: „Demokratie verwirklichen! Frieden schaffen! Nazis, Militaristen und Rassisten stoppen“.

Am 29. Oktober 2016 feiert die VVN-BdA NRW ihren 70. Geburtstag mit einer Kulturveranstaltung im Düsseldorfer ZAKK, Fichtenstraße 40 in 40233 Düsseldorf. Zum Kulturprogramm gehören das Orchester des Kölner Kunstsalons (Klaus, der Geiger und Salon Orchester), Texte und Lieder des antifaschistischen Widerstandes, vorgetragen von Andreas Weißert und Peter Sturm (Schauspieler und Musiker) und CHORrosion, der Chor der IG Metall. Neben einem Imbiss und Getränken sowie Möglichkeiten zu Gesprächen gibt es Aktivitäten einzelner Kreisvereinigungen anzuschauen. Der Redeanteil der Veranstaltung wird klein geschrieben: ganze 20 Minuten planen die beiden Landessprecher, Falk Mikosch und Jochen Vogler zum Thema Zukunft des Antifaschismus ein, ganze 15 Minuten sind für Grußworte vorgesehen. Es darf gefeiert werden!

Der Eintritt kostet 12 Euro, Karten sind bei der örtlichen Kreisvereinigung der VVN-BdA erhältlich.