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Stolpersteine mahnen auf der Bahnhofstraße

Die vorbereiteten Stolpersteine für die Familie Gompertz, Bahnhofstraße 22 am 24.11.2017.

Zum inzwischen zehnten Mal ist der Kölner Bildhauer und Aktionskünstler Gunter Demnig nach Gelsenkirchen gekommen um weitere Stolpersteine zu verlegen. Seinen Abschluss fand der Tag auf der Bahnhofstraße mit der Verlegung von fünf Stolpersteinen für die Familie Gompertz, die sich vor dem mörderischen Antisemitismus der Nazis über die Niederlande in die USA retten konnten. „Immer einen Fluchtweg offen halten“, ist die Lehre, die Ron Gompertz aus der (Familien-)Geschichte gezogen hat.

Ausführlich schilderte Ron Gompertz wie das Haus auf der Bahnhofstraße 22 eingerichtet gewesen ist. Im Erdgeschoss befand sich das Pelzgeschäft, die Etagen darüber waren der Familie vorbehalten. Auf den Stolpersteinen, die vor dem Eingang des Eckhauses in das Pflaster eingefügt wurden, sind unter der Überschrift „Hier wohnte“ die Namen zu lesen. Leo Gompertz und seine Frau Betty, geborene Isacson, sowie die drei Kinder Albert, Fritz und Rolf Gompertz.

Im Gegensatz zu vielen anderen konnte diese Familie sich retten. Über die Niederlande gelang es ihnen in die USA auszuwandern und sich dort ein neues Leben aufzubauen. Zur Stolpersteinverlegung waren Familienmitglieder aus der Enkel- und Urenkelgeneration anwesend. Ron Gompertz sprach ausführlich auf Englisch über die Familiengeschichte, Heike Jordan trug anschließend die deutsche Übersetzung vor. In englischer und in deutscher Sprache wurden auch die Erinnerungen seines Vaters, Fred Gompertz, an die Reichspogromnacht, in der das Ladengeschäft unter ihnen zerstört worden war, vorgelesen.

Ron Gompertz (links im Bild) spricht während der Stolperstein-Verlegung zu den Anwesenden über die Geschichte seiner Familie.

Nicht überraschend war die klare Aussage, dass ihnen mit diesem Gebäude, dessen Aufbau er zuvor beschrieben hatte, ihr Zuhause geraubt („stolen“) worden war. Außerordentlich bemerkenswert die Lehre, die Ron Gompertz aus der (Familien-)Geschichte gezogen hat, als er sinngemaß sagte, es sei wichtig, immer einen Fluchweg offen zu haben. Er wies auf seine Tochter Minna hin, die jetzt in dem Alter sei, in dem damals ihr Großvater gewesen ist und sich aussuchen könne, in welchem Land sie leben wolle, in den USA oder einem Land der Europäischen Union. Zum Abschluss der Veranstaltung gab Andreas Jordan das Versprechen, die Stolpersteine an jedem 9. November zu pflegen.

Der Kantor singt das „El Male Rachamim“, in dem Gott angefleht wird, der Seele der Verstorbenen Frieden zu geben.

Für die Gompertz‘ standen noch weitere Besuche auf dem Programm. Auf geteilten Fotos auf Facebook sind sie beim Besuch des Grillo-Gymnasiums zu sehen, wo Ron Gompertz das Zeugnis seines Vaters im Archiv einsehen konnte, ein weiteres Foto zeigt sie auf dem Alten Jüdischen Friedhof und – das muss ein Höhepunkt gewesen sein – in den oberen Etagen des Hauses Bahnhofstraße 22.

Die ersten Stolpersteine auf der Bahnhofstraße, hier vor Haus Nummer 22 für die Familie Gompertz.

Eine ausführliche Darstellung der Geschichte der Familie Gompertz mit historischen Abbildungen findet sich auf der Internetseite von Gelsenzentrum e.V.

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Gedenken zur Reichspogromnacht

Die abgebildeten Stolpersteine erinnern an die Familie Goldschmidt, Gelsenkirchen.

Wie auch schon in den vergangenen Jahren hat in Gelsenkirchen die „Demokratische Initiative gegen Diskriminierung und Gewalt, für Menschenrechte und Demokratie – Gelsenkirchen“ (DI) Schweigemarsch und Kundgebung zum Gedenken an die Pogrome in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 gegen die deutsch-jüdische Bevölkerung durchgeführt.

In der „Demokratischen Initiative“ nicht erwünscht – und daher auch nicht offiziell eingeladen – ist die VVN-BdA Gelsenkirchen. Wie in allen Jahren haben Mitglieder der Gelsenkirchener VVN-BdA als Bürger dieser Stadt selbstverständlich an der Gedenkveranstaltung teilgenommen. Eine Ausnahme bildete die Zwischenkundgebung am Nazi-Schwert vom Schalker Verein am 9. November 2015, die von uns deutlich kritisiert worden war und der wir im Bündnis gegen Krieg und Faschismus eine eigene Zwischenkundgebung entgegengesetzt haben.

Kritik an der Ausgrenzung der VVN-BdA Gelsenkirchen kommt von der Gelsenkirchener Linkspartei, die nach den Erfahrungen der VVN-BdA Gelsenkirchen auf einen eigenen Aufnahmeantrag an die DI verzichtet hatte. In ihrer Pressemitteilung erklären sie, wie selbstverständlich für Linke der Widerstand gegen Faschismus war und ist. Martin Gatzemeier, Vorsitzender der Linken Ratsfraktion schreibt dann auch abschließend: „An das Datum muss insbesondere DIE LINKE. nicht erinnert werden, da Kommunisten und Sozialisten zu den ersten Opfern der Nazis gehörten. DIE LINKE. Gelsenkirchen wird wieder am Gedenkzug teilnehmen so wie sie es schon seit Jahren macht“.

Noch deutlichere Kritik äußerte wiederholt der Sozialdemokrat Klaus Brandt, der die Gedenkveranstaltung zuletzt in einem Leserbrief an die WAZ (04.11.2017) als „Alibiveranstaltung“ bezeichnet und die DI als „eine(r) Art kommunal finanzierten Rotary-Club(s), der Andreas Jordans Gelsenzentrum und die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes ebenso ausgrenzt wie die Linke.“ Klaus Brandt rechnet sich einem linksbürgerlichen Personenkreis zu, der ein anderes Verständnis von Solidarität der Demokraten vertritt, „als es unser Oberbürgermeister praktiziert.“ Weitere Kritiker sind der Veranstaltung einfach ferngeblieben und haben anderweitig ihren Unmut kundgetan.

Nun muss man bei aller Kritik an der DI nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Eine offizielle Gedenkveranstaltung in Erinnerung an einen frühen Höhepunkt der rassistischen Nazi-Politik ist sicherlich kein Fehler – vor allem in einer Zeit, in der eine rechte „Alternative für Deutschland“ bei einer Bundestagswahl 17 % der Wählerstimmen in Gelsenkirchen holt. Sie genügt allerdings auch nicht, um den Rechten das Wasser abzugraben. Hier ist eine andere Politik nötig, als sie die staatstragenden Parteien der letzten Jahrzehnte betrieben haben. Und solange sich das nicht ändert, ist Klaus Brandt mit der Bezeichnung „Alibi-Veranstaltung“ für die Gedenkkundgebung sicherlich im Recht. Daher sollte sich der von ihm so schön bezeichnete linksbürgerliche Personenkreis, zu dem sich die Gelsenkirchener VVN-BdA sicherlich auch zählen kann, im nächsten Jahr zu einer eigenen Veranstaltung einfinden. Ideen dazu gibt es ja bereits.

Werner-Goldschmidt-Salon – Parteibüro von Die Linke und Veranstaltungsort, benannt nach dem Gelsenkirchener und jüdischen Widerstandskämpfer Werner Goldschmidt.

„Im traurigen Monat November war’s“

Ein Blick in den Wagen von Gunter Demnig mit den für die Verlegungen vorbereiteten Stolpersteinen. Foto aus dem Jahre 2016 in Gelsenkirchen.

Im traurigen Monat November war’s,
Die Tage wurden trüber,
Der Wind riß von den Bäumen das Laub,
Da reist ich nach Deutschland hinüber,
(Heinrich Heine: Deutschland. Ein Wintermärchen, 1844)

In diesem November stehen zwei Gedenkveranstaltungen in Gelsenkirchen auf dem Programm, die – wenn wir es positiv sehen wollen – die Vielfalt des Gedenkens an die Opfer der Verbrechen der Nazis zeigen. Wie in jedem Jahr ruft die DI, die „Demokratische Initiative gegen Diskriminierung und Gewalt, für Menschenrechte und Demokratie – Gelsenkirchen“ zum Gedenken an die Pogrome in der sogenannten „Reichskristallnacht“ vom 9./10. November 1938 auf. Und später im November, am Freitag, dem 24. November 2017, kommt zum inzwischen zehnten Mal der Kölner Aktionskünstler Gunter Demnig nach Gelsenkirchen, um weitere Stolpersteine zur Erinnerung an die Opfer der Nazis zu verlegen.

Die inzwischen selbstverständlich gewordene Gedenkveranstaltung der DI findet in jedem Jahr an einem anderen Ort statt. In diesem Jahr ist ein Schweigezug in Gelsenkirchen-Erle ab 18.30 Uhr vom Elisabeth-Krankenhaus zur Dokumentationsstätte „Gelsenkirchen im Nationalsozialismus“ geplant. Dort wird um 19.00 Uhr eine Kundgebung stattfinden, bei der Alexander Welp (Consol-Theater) „Zitate aus den Ermittlungen zum Gelsenkirchener Synagogenbrand von 1938“ vortragen wird. Frank Baranowski, Oberbürgermeister und Schirmherr der DI wird die jährliche Gedenkrede halten.

Die Dokumentationsstätte „Gelsenkirchen im Nationalsozialismus“ befindet sich in einem Gebäude, in dem Ortsgruppen der NSDAP und Einheiten der Erler SA untergebracht gewesen sind. In einem Schulungsraum im Obergeschoss ist auf einer Wand das Parteiprogramm der NSDAP abgebildet, das nach seiner Wiederentdeckung 1989 unter Denkmalschutz gestellt worden ist. Der Rat der Stadt Gelsenkirchen beschloss damals die Einrichtung des Dokumentationszentrums sowie die Gründung des Instituts für Stadtgeschichte. Eine erste Dauerausstellung ist am 8. Mai 1994 eröffnet worden, eine neue Dauerausstellung am 8. Mai 2015. Die neue Dauerausstellung thematisiert die von den Nazis propagierte „Volksgemeinschaft“ und fragt nach den Bedingungen und konkreten Mechanismen vor Ort, mit denen die Nazis einen sozialen Konsens herzustellen suchten. Daneben vergisst die Ausstellung nicht Verfolgung und Widerstand und die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit nach 1945.

Die Dokumentationsstätte „Gelsenkirchen im Nationalsozialismus“ auf der Cranger Straße 323 in Gelsenkirchen-Erle. Das Gebäude wurde 1907 ursprünglich als Polizeidienststelle errichtet.

Ein ganz anderes Erinnerungsmodell, welches nicht auf rationale Beschäftigung, sondern auf persönliche Betroffenheit setzt, verfolgt der Kölner Bildhauer und Aktionskünstler Gunter Demnig. Mit kleinen, in das Straßenpflaster eingesetzten Steinen erinnert er – in der Regel am letzten frei gewählten Wohnort – an verfolgte und ermordete Opfer der Nazis. Dabei unterscheidet er nicht zwischen Juden, politisch Verfolgten, Homosexuellen, Zeugen Jehovas, Sinti oder Behinderte. Ein Stolperstein kann für jedes Opfer verlegt werden und erinnert immer genau an eine Person. Neben der Beschriftung „Hier wohnte“ finden sich weitere knappe Angaben, wie Name, Lebensdaten und Verfolgungsgrund. Dort, wo die verfolgten und ermordeten Menschen ihren Lebensmittelpunkt hatten, wird auf ihr Verfolgungsschicksal hingewiesen.

Weit über 60.000 Stolpersteine hat Demnig seit 1992 in Europa verlegt. Das „größte dezentrale Mahnmal“ ist dabei nicht unstrittig. Zur wiederholten Kritik gehört die Ansicht, hier werde das Andenken mit Füßen getreten. Eine völlig entgegengesetzte Erfahrung machte ich in unserer Nachbarstadt Duisburg. In der Innenstadt wurde ich plötzlich von unten geblendet, als sich die Sonne in der Messingoberfläche eines Stolpersteins spiegelte. Ich stoppte und verbeugte mich, um die Inschrift zu lesen. Auch eine beliebte Kritik, hier würden öffentliche Gelder verschwendet, trifft nicht zu. Die Verlegung der Stolpersteine wird durch private Spenden und die Übernahme von „Patenschaften“ finanziert. Organisator in Gelsenkirchen ist Andreas Jordan mit der Arbeitsgruppe Stolpersteine von Gelsenzentrum e.V. In Gelsenkirchen sind es seit der ersten Verlegung im Jahre 2009 161 Stolpersteine, die in allen Stadtteilen an ganz unterschiedliche Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Gründen verfolgt wurden, erinnern.

Gunter Demnig, der am heutigen 27. Oktober 2017 seinen 70. Geburtstag feiert, wird am 24. November 2017 an sieben Orten in Gelsenkirchen insgesamt 25 weitere Stolpersteine verlegen. Beginnen wird er um 9.00 Uhr für die Familie Günsberg auf der Poststraße 20, dann folgen Stolpersteine um 9.30 Uhr für die Familie Block auf der Schalker Straße 75, um 10.15 Uhr für Elisabeth Makowiak auf der Florastraße 76 und um 10.45 Uhr für die Familie Nussbaum auf der Hildegardstraße 21. Um 11.30 Uhr wird Demnig vor dem Grillo-Gymnasium einen Stolperstein für den ehemaligen Schüler Fritz Gompertz mit der Inschrift „Hier lernte“ verlegen. Daran schließt sich um 12.00 Uhr die Verlegung für die Familie Cohn auf der Wittekindstraße 21 an. Ihren Abschluss findet die diesjährige Aktion um 12.45 Uhr mit den ersten Stolpersteinen auf der Bahnhofstraße, für die Familie Gompertz an der Ecke Bahnhofstraße 22/Klosterstraße.

Gunter Demnig vor dem Haupteingang des Grillo-Gymnasiums in der Hauptstraße 60. Foto aus dem Jahr 2016.

Meine Beschreibung Gunter Demnigs als Bildhauer und Aktionskünstler macht auch die Bedeutung der Stolpersteine als Gesamtkunstwerk deutlich. Es geht nicht nur darum, dass Steine im Pflaster vorhanden sind. Seine Bedeutung erhält das Projekt durch die zelebrierte Verlegung selbst und durch die wiederkehrende Verlegung weiterer Stolpersteine. Darüber hinaus lassen sie sich für Formen entdeckenden Lernens ebenso nutzen wie für ganz profan scheinende Aktivitäten wie „Putzaktionen“. Letztere erwecken durchaus eine ganz besondere öffentliche Aufmerksamkeit.

„Das zweite Trauma“ über ein ungesühntes Massaker – in der Flora aufgeführt

„Das zweite Trauma“ ist ein Dokumentarfilm von Jürgen Weber über eines der vielen Massaker, die deutsche Soldaten, mal in Wehrmachts-Uniform, mal als Waffen-SS, während des Zweiten Weltkrieges verübten. In Sant’Anna di Stazzema, einem kleinen Dorf in den Bergen der nördlichen Toskana, wurden am 12. August 1944 rund 560 Zivilisten, überwiegend Frauen und Kinder, von Einheiten der Waffen-SS auf zum Teil unvorstellbar grausame Weise ermordet. Das Kriegsverbrechen wurde auch nach 1945 sowohl in Italien wie in Deutschland lange Zeit „beschwiegen“.

Die für Gelsenkirchener Verhältnisse gut besuchte Filmvorführung fand am 17.10.2017 in der Flora statt. Über dreißig Besucher aus verschiedenen Altersgruppen besuchten die von Gelsenzentrum e.V. organisierte, gemeinsam mit der VVN-BdA durchgeführte und von der Rosa-Luxemburg-Stiftung geförderte Veranstaltung. Im 2016 uraufgeführten Film erzählen Überlebende wie Enrico Pieri und Enio Mancini, die als Kinder den Leichenbergen ihrer Eltern, Freunden und Verwandten entstiegen waren, ihre bedrückenden Erlebnisse. Eingebettet sind die Erinnerungen, denen der Film einen breiten Raum gibt, in Aufnahmen der romantischen Berglandschaft, historischen Aufnahmen und Aufnahmen der Gedenkstätte. Der Film thematisiert auch die fehlende juristische Aufarbeitung, die erst spät ab 2002 in Italien begann und in Deutschland nicht stattfand. Keiner der Mörder wurde in Deutschland angeklagt, vor Gericht gestellt und verurteilt. 2015 wurde das letzte Verfahren in Deutschland eingestellt.

Jürgen Weber, Journalist und Regisseur aus Konstanz am Bodensee und ebenfalls Mitglied der VVN-BdA, stand im Anschluss an den Film noch für Fragen aus dem Publikum bereit. Das Publikum beteiligte sich mit zahlreichen Fragen, Anmerkungen und Wortbeiträgen. Auf die Frage, warum er diesen Film gemacht habe, erzählte er von seiner langjährigen Beschäftigung mit den italienischen Partisanen. Den Anstoss gab die Begegnung mit den Überlebenden des Massaker und – letztendlich – der Besuch des Bundespräsidenten Gauck, der 2013 behauptet hatte, der Rechtsstaat habe keine geeigneten Mittel um Gerechtigkeit herzustellen. Der Film nimmt diese Aussage zu Beginn auf und gibt eine völlig andere Antwort auf diese Frage als Gauck.

In seinen einleitenden Worten stellte Knut Maßmann für die VVN-BdA die Veranstaltung in den aktuellen Kontext der Äußerungen des AfD-Politikers Gauland, der ein Recht darauf einforderte, wie andere Nationen auch stolz auf die Leistungen deutscher Soldaten in beiden Weltkriegen zu sein. Diese Veranstaltung ist auch eine Antwort darauf.

„Das zweite Trauma“ wurde 2017 in seiner italienischen Fassung „Il secondo trauma“ in Sant’Anna di Stazzema aufgeführt. Beide Sprachfassungen sind auch als Kinofassungen für Programmkinos und Kommunale Kinos erhältlich, der Kinoverleih wird von Querwege betrieben. Seit kurzem gibt es auch eine didaktische Fassung für den Einsatz in Schulen.

Gunter Demnig verlegt zum neunten Mal Stolpersteine in Gelsenkirchen

Ein Blick in den Wagen von Gunter Demnig mit den für die Verlegungen vorbereiteten Stolpersteine. Im Vordergrund der Stein für Rosalia Elise Galliner.

Ein Blick in den Wagen von Gunter Demnig mit den für die Verlegungen vorbereiteten Stolpersteine. Im Vordergrund der Stein für Rosalia Elise Galliner.

Bereits zum neunten Mal seit 2009 kam der Aktionskünstler Gunter Demnig auf Einladung von Gelsenzentrum e.V. nach Gelsenkirchen. Den 139 bereits verlegten Stolpersteinen fügte er heute am 6. Oktober 2016 weitere 22 hinzu. Das größte, dezentrale Denkmal der Welt des Kölner Aktionskünstlers und Bildhauers wächst weiter. Weit über 50.000 Stolpersteine hat er in Deutschland und 18 weiteren europäischen Länder seit 1992 zur Erinnerung an die von Nazis verfolgten und ermordeten Menschen verlegt.

Die Stolpersteine erinnern symbolisch am letzten frei gewählten Wohnort an Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen von den Nazis verfolgt, entrechtet, vertrieben, deportiert oder ermordet worden sind. Sie erinnern ohne Unterschied an Juden, politisch Verfolgte, Homosexuelle, Zeugen Jehovas, Sinti und Roma, Behinderte. Man “stolpert” nicht im wörtlichen Sinn über die in das Straßenpflaster eingelassenen Gedenksteine. Wer auf sie beim Gehen aufmerksam wird, muss anhalten und sich vor dem Stein verbeugen, um Namen, Lebensdaten und Verfolgungsgrund zu lesen.

Die Verlegungen des heutigen Tages (Übersicht im Gelsenblog und Ankündigung in der Buerschen WAZ) begannen mit einer deutlichen Verspätung, da Demnig auf seinem Weg von Köln nach Gelsenkirchen in einen Stau geraten war. Doch während wir mit mehreren Interessierten am Verlegort in der Markenstraße mehr als eine halbe Stunde auf den Künstler warten mussten, hatten wir Zeit, uns die Erinnerungen einer Zeitzeugin an die Geschehnisse der Vergangenheit anzuhören. Die Verlegung selbst nahm Demnig nach seinem Eintreffen routiniert vor, während die jeweiligen Stolperstein-Paten aus der Lebensgeschichte der betroffenen Personen berichteten.

Gunter Demnig vor dem Haupteingang des Grillo-Gymnasiums in der Hauptstraße 60.

Gunter Demnig vor dem Haupteingang des Grillo-Gymnasiums in der Hauptstraße 60.

Das größte und zugleich jüngste Publikum hatte der Bildhauer vor dem Grillo-Gymnasium. Hier setzte er umringt von zahlreichen Schülerinnen und Schülern die ersten sechs Stolpersteine für jüdische Schüler, die das damalige Städtische Realgymnasium für Jungen verlassen mussten, in das Straßenpflaster ein. Die Stolpersteine, die an Albert Gompertz, Günter Schönenberg, Hermann Cohn, Ernst Back, Horst Karl Elias und Erich Lilienthal erinnerten, wurden ihnen mit den Worten „Hier lernten“ gewidmet.

Großer Andrang von Schülerinnen und Schüler herrschte zur Stolpersteinverlegung vor dem Grillo-Gymnasium.

Großer Andrang von Schülerinnen und Schüler herrschte zur Stolpersteinverlegung vor dem Grillo-Gymnasium.

Auch an zwei Menschen, die aufgrund ihrer politischen Überzeugung ermordet worden waren, wurde an diesem Tag mit je einem Stolperstein erinnert. In der Liebfrauenstraße 38 wurde an Rudolf Littek, in der Schlangenwallstraße 9 an Johann Eichenauer erinnert. Beide kommunistischen Widerstandskämpfer wurden im Zuge der Zerschlagung der Zielasko-Gruppe verhaftet. Sie wurden vor Gericht zwar „freigesprochen“, aber im faschistischen Staat nicht freigelassen. Beide Männer starben auf den „schwimmenden KZs“ in der Lübecker Bucht.

Eine besondere Bedeutung hat für mich die Verlegung eines Stolpersteins für Rosalia Elise Galliner, geborene Stern, in der Munckelstraße 5 gegenüber dem Hans-Sachs-Haus. Die Ehefrau des jüdischen Rabbiners Dr. Galliner starb am späten Abend des 20. Dezember 1938 an den Folgen ihrer Erkrankung. Aufgrund der „Rassengesetze“ der Nazis durften überhaupt nur noch wenige jüdische Ärzte ausschließlich jüdische Kranke behandeln. Die an Krebs erkrankte Rosalia Galliner wurde daher nicht in einem Gelsenkirchener Krankenhaus, sondern im Jüdischen Krankhaus in Köln-Ehrenfeld aufgenommen. Dort verstarb sie, sicherlich auch an den Folgen der unmenschlichen Politik der Nazis. Ausgrenzung und Verfolgung hat sie am eigenen Leib verspürt.

Die Patenschaft des Stolpersteins für Johann Eichenauer hatte die Gelsenkirchener VVN-BdA übernommen.

Die Patenschaft des Stolpersteins für Johann Eichenauer hatte die Gelsenkirchener VVN-BdA übernommen.

So unterschiedlich die Menschen waren, zu deren Gedenken heute 22 Stolpersteine verlegt worden sind, haben sie doch eines gemeinsam: Sie alle waren Menschen, denen eine verbrecherische Politik das Recht auf ein Leben in Würde, ja ein Leben überhaupt abgesprochen hat. Wehren wir uns, dass es nicht wieder geschieht.

Supplement
Die lokale WAZ berichtete ausführlich unter dem Titel „Ein Name, ein Mensch, ein Leben in Gelsenkirchen“ über die Stolpersteinverlegung und legte einen weiteren Fokus auf den Stolperstein für Josef Wesener, einen wegen Homosexualität verfolgten Mann. Ein weiterer Bericht folgte auf der Internetseite der Arbeitsgruppe Stolpersteine.

… wo sie gewohnt, gelebt, geglaubt, getanzt, geträumt, gelacht und geweint haben …

Gunter Demnig am 14.08.2015 in Gelsenkirchen

Gunter Demnig am 14.08.2015 in Gelsenkirchen

Das größte dezentrale Denkmal der Welt des Kölner Aktionskünstlers und Bildhauers Gunter Demnig wächst. Weit über 50 000 Stolpersteine hat er in Deutschland und 18 weiteren europäischen Länder in den letzten Jahren zur Erinnerung an die von Nazis verfolgten und ermordeten Menschen verlegt, 20 sind heute in Gelsenkirchen dazugekommen. Jeder einzelne Stolperstein erinnert an ein Leben am letzten frei gewählten Wohn- oder Wirkungsort, „wo sie gewohnt, gelebt, geglaubt, getanzt, geträumt, gelacht und geweint haben“.

Eine ganze Seite widmete die lokale WAZ heute dem Thema. Ausführlich wurde über die Menschen berichtet, für die am heutigen Tag ein Stolperstein verlegt wurde. Allerdings konzentrierte sich die WAZ auf die verfolgten und ermordeten Juden, selbst den Namen des wegen seiner sexuellen Orientierung verfolgten Ernst Papies sparte Karoline Poll aus und wies nur am Rande auf Straße und Uhrzeit hin. Doch das größte dezentrale Denkmal der Welt ist ein Denkmal, das keine Verfolgtengruppe der Nazis ausspart, sondern gleichermaßen an Juden, politisch Verfolgte, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, Behinderte und auch an Homosexuelle erinnert.

Eine ganze Seite widmete die WAZ Gelsenkirchen dem Thema

Eine ganze Seite widmete die WAZ Gelsenkirchen dem Thema

Die Kunstaktion begann heute um 10 Uhr auf der Cranger Straße 398 in Gelsenkirchen-Erle mit der Verlegung eines Stolpersteins für Ernst Papies, den die Nazis wegen seiner sexuellen Orientierung verfolgten und ins KZ sperrten. Er überlebte, aber nur um im Nachkriegsdeutschland erneut aus demselben Grund und mit dem gleichen Nazi-Paragrafen 175 verfolgt zu werden. Entschädigt wurde er nie.

Danach setzte der Künstler die Verlegung in Alt-Gelsenkirchen fort. Es folgten Stolpersteine für die Familie Jeckel im Pflaster der Hauptstraße 63, unweit des Consiliums. Sie waren von der sogenannten „Polenaktion“ betroffen gewesen, einer Ausweisungsaktion gegen polnische Juden, die einen lange vergessenen ersten Höhepunkt der Verfolgung kurz vor der Reichspogromnacht bildet. Über die sogenannte „Polenaktion“ berichtete ich bereits früher in diesem Blog am Beispiel der Familie Krämer Nach Polen abgemeldet.

Stolpersteine für die Familie Jeckel im Pflaster der Hauptstraße 63

Stolpersteine für die Familie Jeckel im Pflaster der Hauptstraße 63

Weiter ging es durch die Gelsenkirchener Innenstadt zur Ringstraße 67, in die Nähe des früheren Marienhospitals an der Kirchstraße. Hier wurden unter lautem Straßenlärm Stolpersteine für die Mitglieder der Familie Alexander verlegt. Natürlich erweckten die Verlegungen Neugier, bei vorbeilaufenden Passanten, aber auch bei Bewohnern des jeweiligen Hauses. Auch die an der Ampel wartenden Autofahrer schauten, neugierig, aber auch fragend zu uns.

Gut besucht war die Verlegung des Stolpersteins für den Rabbiner Dr. Siegfried Galliner am Platz der Alten Synagoge/Georgstraße 2

Gut besucht war die Verlegung des Stolpersteins für den Rabbiner Dr. Siegfried Galliner am Platz der Alten Synagoge/Georgstraße 2 – rechts oben im Bild die ebenfalls angebrachte Erinnerungsortetafel

Die Verlegungen wurden von Heike Jordan begleitet, die jeweils über das Leben und die Verfolgung berichtete. Das Kaddish wurde jeweils von einem freien Kantor gesungen. Gut besucht war die Verlegung des Stolpersteins für den Rabbiner Dr. Siegfried Galliner um 11 Uhr an der Georgstraße 2 an der Synagoge bzw. am Platz der Alten Synagoge. Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Frau Judith Neuwald-Tasbach, war erwartungsgemäß nicht unter den Anwesenden; ihre Kritik an den Stolpersteinen dürfte bekannt sein. Kurz zuvor war eine städtische Erinnerungsortetafel für Dr. Siegfried Galliner an der Synagoge angebracht worden. Damit koexistieren an dieser Stelle beide Erinnerungsformen – sicherlich keine schlechte Lösung in dieser Frage.

Am früheren WEKA-Kaufhaus wurden die von Vertretern und Kreisverband der Die Linke gestifteten Stolpersteine für die Familie von Werner Goldschmidt in das Pflaster vor der Augustastraße 4 eingelassen. Hier zeigte sich die Routine Gunter Demnigs, der gut zu tun hatte, die vorhandenen Pflastersteine zu lösen, um die Stolpersteine einzulassen. Auf das „widerständige Pflaster“ ging Andreas Jordan in seinen Ausführungen ein, als er auf den Widerstandskämpfer Werner Goldschmidt zu sprechen kam. Hubertus Zdebel (Die Linke MdB) wies darauf hin, dass das Linke-Parteibüro nach Werner Goldschmidt benannt ist (Werner-Goldschmidt-Salon) und Die Linke mit dieser Stolperstein-Patenschaft allen Opfern und Widerstandskämpfern der Nazi-Diktatur gedenken will.

Viel Arbeit hatte Gunter Demnig hier mit dem Lösen des widerständigen Pflasters vor der Augustastraße 4 für die Stolpersteine der Familie Goldschmidt

Viel Arbeit hatte Gunter Demnig hier mit dem Lösen des widerständigen Pflasters vor der Augustastraße 4 für die Stolpersteine der Familie Goldschmidt

Werner Goldschmidt hatte sich bereits in den 1930er Jahren von seiner Religion losgesagt und 1933 einer linken Widerstandsgruppe gegen die Nazis angeschlossen. Er wurde verhaftet und zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt, überlebte das Ghetto Riga und das Konzentrationslager Buchenwald und kehrte zunächst in das zerstörte Gelsenkirchen zurück. Hier heiratete er eine überlebende Jüdin und emigrierte in die USA.

Stolpersteine für die Familie Goldschmidt in der Augustastraße 4

Stolpersteine für die Familie Goldschmidt in der Augustastraße 4

Es folgten Stolpersteine für die Familie Broch im Pflaster der Von-der-Recke-Straße 11. Der Möbelhändler Broch war von der sogenannten „Arisierung“ betroffen, das Möbelhaus an der Bahnhofstraße übernahm der Möbelhändler Albert Heiland, der damit seine Konkurrenz ausschaltete. Die Patenschaft für die Stolpersteine, die an das Ehepaar Hugo und Theresa Broch erinnern, hat eine Enkelin Heilands, Margarete Reißig übernommen.

Die Verlegung für die Familie Höchster in der Feldmarkstraße 119 habe ich, wie auch die Verlegung für Ernst Papies in der Cranger Straße 398, nicht selbst begleitet und kann daher darüber nicht berichten. Mehr und ausführlich wie immer auf http://www.stolpersteine-gelsenkirchen.de/.

Supplement

Die WAZ trennt Gelsenkirchen haarscharf entlang des Kanals. In der Lokalausgabe von Gelsenkirchen-Buer erschien ein Artikel von Wolfgang Laufs über die Verlegung des Stolpersteins zur Erinnerung an den wegen seiner sexuellen Orientierung verfolgten Ernst Papies. Im Stadtspiegel Gelsenkirchen gab es einen reich bebilderten Beitrag von Sven Kaiser zur Stolpersteinverlegung mit 71 Fotos!!! Auch die Ratsfraktion der Gelsenkirchener Linkspartei ließ die Stolpersteinverlegung Revue passieren, insbesondere – aber nicht ausschließlich – in Bezug auf die von ihnen gestifteten Stolpersteine für die Familie Goldschmidt.
In der Jungle World war bereits am 6. August 2015 ein Artikel erschienen, der den Beitrag der Stolpersteine für die lokale Erinnerungsarbeit hervorhob, allerdings – wie so oft – den Fehler machte, von „Shoah“ zu sprechen, und damit zu verdrängen, dass die Stolpersteine ein Denkmal für alle Verfolgten und Widerstandskämpfer sind. Davon abgesehen handelt es sich um einen sehr ausgewogenen Beitrag zur Diskussion, in dessen Zusammenhang ich auf einen früheren Beitrag von mir hinweisen möchte.
Und die Süddeutsche Zeitung bringt einen bemerkenswert persönlichen Beitrag von Sergey Lagodinsky, einem russisch-jüdischen Einwanderer, der in Berlin über Stolpersteine „stolpert“ und sich auf die Suche nach den Lebensgeschichten macht. In diesem Zusammenhang fiel mir auf, dass derselbe Autor schon den Artikel in der Jungle World geschrieben hatte.

Neue Stolpersteine werden verlegt – aber noch immer kein Rosa-Böhmer-Platz in Sicht

Stolpersteinverlegung am 1. August 2011 auf der Bismarckstraße 152 in Anwesenheit des Oberbürgermeisters Frank Baranowski. Hier verlegte Gunter Demnig insgesamt 8 Stolpersteine, begleitet von dem Gelsenkirchener Jazz- und Klezmer-Musiker Norbert Labatzki.

Stolpersteinverlegung am 1. August 2011 auf der Bismarckstraße 152 in Anwesenheit des Oberbürgermeisters Frank Baranowski. Hier verlegte Gunter Demnig insgesamt 8 Stolpersteine, begleitet von dem Gelsenkirchener Jazz- und Klezmer-Musiker Norbert Labatzki.

Zum achten Mal seit 2009 kommt der Aktionskünstler Gunter Demnig auf Einladung von Gelsenzentrum e.V. nach Gelsenkirchen. Die 119 bereits verlegten Stolpersteine wird er am 14. August 2015 um weitere 20 ergänzen. Das Institut für Stadtgeschichte hat dagegen in den letzten zwei Jahren keinen würdigen Ort für einen Rosa-Böhmer-Platz gefunden.

Die Stolpersteine, die der Kölner Bildhauer Gunter Demnig seit 1992 europaweit verlegt, erinnern symbolisch am letzten frei gewählten Wohnort an Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen von den Nazis verfolgt, entrechtet, vertrieben, deportiert oder ermordet worden sind. Das größte und dezentrale Denkmal in Europa erinnert ohne Unterschied an Juden, politisch Verfolgte, Homosexuelle, Zeugen Jehovas, Sinti und Roma, Behinderte. Man “stolpert” nicht im wörtlichen Sinn über die in das Straßenpflaster eingelassenen Gedenksteine. Wer auf sie beim Gehen aufmerksam wird, muss anhalten und sich vor dem Stein verbeugen, um Namen, Lebensdaten und Verfolgungsgrund zu lesen.

Nach der derzeitigen Planung beginnt die Kunstaktion um 10 Uhr in Erle und wird dann an sechs weiteren Orten in Gelsenkirchen fortgesetzt.
10.00 Uhr Cranger Str. 398 – Stolperstein für Ernst Papies
10.20 Uhr Hauptstr. 63 – Stolpersteine für Familie Jeckel
10.40 Uhr Ringstr. 67 – Stolpersteine für Familie Alexander
11.00 Uhr Platz der Alten Synagoge/Georgstr. 2 – Stolperstein für Rabbiner Dr. Siegfried Galliner
11.20 Uhr Augustastr. 4 – Stolpersteine für Familie Goldschmidt
11.40 Uhr Von-Der-Recke-Str. 11 – Stolpersteine für Familie Broch
12.00 Uhr Feldmarkstr. 119 – Stolpersteine für Familie Höchster

Bei den angegebenen Zeiten handelt es sich wie immer um ungefähre Zeitangaben, die sich um etwa 15 Minuten verschieben können. Weitere Informtionen zu den mit einem Stolperstein erinnerten Personen finden sich auf der Seite des Arbeitskreises Stolpersteine.

So könnte zum Beispiel die Gedenktafel zur Erinnerung an die verfolgten und ermordeten Sinti und Roma Gelsenkirchens auf einem innerstädtischen Rosa-Böhmer-Platz aussehen.

So könnte zum Beispiel die Gedenktafel zur Erinnerung an die verfolgten und ermordeten Sinti und Roma Gelsenkirchens auf einem innerstädtischen Rosa-Böhmer-Platz aussehen.

Bald Rosa-Böhmer-Platz in Gelsenkirchen?

Leser dieses Blogs werden sich an den von Gelsenzentrum e.V. beantragten Rosa-Böhmer-Platz in der Innenstadt erinnern, der sich mit der Erinnerung an die ermordeten Sinti und Roma Gelsenkirchens in die Landschaft der bereits vorhandenen vier innerstädtischen Plätze, die an Widerstand und Verfolgung der Sozialdemokraten (Margarethe-Zingler-Platz), Kommunisten (Fritz-Rahkob-Platz), Katholiken (Heinrich-König-Platz) und Juden (Leopold-Neuwald-Platz), einfügen würde. Bei Rosa Böhmer handelt es sich um ein neunjähriges Sinti-Mädchen aus Gelsenkirchen, das von der Familie getrennt zu Pflegeeltern nach Paderborn verbracht wurde, dort aus der Schule heraus ins KZ Auschwitz deportiert und ermordet worden ist.

Der von Andreas Jordan ins Gespräch gebrachte Platz hinter dem Bildungszentrum (über den auch die Kinder- und Jugendbücherei erreichbar ist) wurde jedoch durch die Bezirksvertretung Mitte abgelehnt. Seit August 2013 hat der Leiter des Instuts für Stadtgeschichte (ISG), Stefan Goch, den sicher nicht einfachen Auftrag, einen würdigen Platz zu finden. In einer E-Mail vom 18. Juni 2015 an Andreas Jordan teilt dieser mit, dass die Benennung nach Rosa Böhmer weiter verfolgt werde, sich allerdings bisher noch keine „geeignete Örtlichkeit“ gefunden habe.

2013 vorgeschlagener Rosa-Böhmer-Platz, im Bild die Rückseite des Bildungszentrums mit der Kinder- und Jugendbücherei im Erdgeschoss.

2013 vorgeschlagener Rosa-Böhmer-Platz, im Bild die Rückseite des Bildungszentrums mit der Kinder- und Jugendbücherei im Erdgeschoss.