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Gelsenkirchener Antifaschistinnen und Antifaschisten tagen

VVN-BdA GelsenkirchenAm 21.09.2015 fand turnusmäßig die Jahreshauptversammlung der Gelsenkirchener VVN-BdA, der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, im Alfred-Zingler-Haus statt. Die Formalitäten waren schnell erledigt. Als gleichberechtigte Sprecher wurden Andreas Jordan und Knut Maßmann wiedergewählt.

Als Gast war Jochen Vogler aus dem Vorstand der Landesvereinigung NRW der VVN-BdA anwesend, der über die Vorhaben für das nächste Jahr berichtete. 2016 jährt sich zum 70. Mal die Gründung der Landesvereinigung NRW der VVN 1946. Diesen Geburtstag wird die VVN-BdA im Oktober 2016 in Düsseldorf feiern. Für Mai 2016 ist ferner eine bundesweite Geschichtskonferenz der VVN-BdA in Nordrhein-Westfalen geplant. Zudem findet am 30. Januar 2016 in Solingen die 31. Konferenz der antifaschistischen Initiativen und Gruppen statt.

Des weiteren konkretisierte die Kreisvereinigung Gelsenkirchen ihren Beschluss, die Patenschaft für einen Stolperstein für ein Mitglied der Franz-Zielasko-Gruppe, einer antifaschistischen Widerstandsgruppe im Ruhrgebiet im „Dritten Reich“ zu übernehmen. Sie wird die Patenschaft für den Stolperstein, der Johann Eichenauer gewidmet sein wird, übernehmen. Die Verlegung ist für Oktober 2016 in Horst geplant.

Unter anderem berichtete Andreas Jordan über zwei Bürgeranträge, die der umtriebige Klaus Brandt  gestellt und die am 16.09.2015 in der Sitzung des Kulturausschusses behandelt worden waren. Der Antrag, der eine Erinnerungsortetafel am Volkshaus Rotthausen fordert, die auf dessen Geschichte als SS-Führerschule hinweist, war angenommen worden. Abgelehnt dagegen wurde sein zweiter Antrag, das Nazi-Schwert vom Schalker Verein von der Denkmalliste zu streichen und die 17.000 Euro, die die Verlagerung des Denkmals der Stadt kostet, sinnvoller einzusetzen.

Über den Bürgerantrag, den Andreas Jordan im Namen der VVN-BdA stellte, und der eine Ergänzung des Straßenschildes zum Fritz-Rahkob-Platz analog zu anderen Plätzen anregt, gab es noch nicht einmal eine Eingangsbestätigung.

Frauen ermordeter Gelsenkirchener Widerstandskämpfer

Frauen ermordeter Gelsenkirchener Widerstandskämpfer 1948 (v.l.n.r.) Auguste Frost, Anna Bukowski, Emma Rahkob, Änne Littek, Luise Eichenauer

Frauen ermordeter Gelsenkirchener Widerstandskämpfer 1948 (v.l.n.r.) Auguste Frost, Anna Bukowski, Emma Rahkob, Änne Littek, Luise Eichenauer (Foto: Privatbesitz)

In meiner Überblicksdarstellung zur Geschichte der Gelsenkirchener VVN-BdA verwendete ich im ersten Teil ein Foto mit Frauen ermordeter Widerstandskämpfer aus dem Jahr 1948. Aus der Beschriftung meiner Quelle gingen leider nur die Namen von Luise Eichenauer, Änne Littek, Emma Rahkob und Anna Bukowski hervor, der Name der Frau ganz links blieb unbekannt. Doch dank der Möglichkeiten des Internets wurde die Identität der unbekannten Frau geklärt.

Dabei handelt es sich um Auguste Frost, der Ehefrau von Hermann Frost, der als Mitglied der Zielasko-Gruppe vom sogenannten „Volksgerichtshof“ zum Tode verurteilt und am 20.10.1944 im Gefängnis München-Stadelheim mit dem Fallbeil hingerichtet worden ist. Darauf wies mich jetzt ein naher Verwandter mit dem Originalfoto per E-Mail hin. Alle fünf sind Frauen der im Zuge der Zerschlagung der Zielasko-Gruppe 1943 verhafteten Männer.

Zielasko, Bergmann aus Gladbeck, Kämpfer in den Gladbecker Verbänden der „Roten Ruhrarmee“ 1920 gegen Kapp-Putsch und Freikorps, Mitglied erst der USPD (1918), dann der SPD (1922) und schließlich der KPD (1926/27), emigrierte 1932 in die Sowjetunion. Er kämpfte 1937 bis 1939 im Spanischen Bürgerkrieg gegen die Franco-Putschisten, wurde im März 1943 von der Sowjetunion mit dem Fallschirm über Polen abgesetzt und nahm im Ruhrgebiet Kontakt mit Gleichgesinnten auf, die wie er der festen Überzeugung waren, dass man Krieg und Faschismus aktiv bekämpfen muss. Die Widerstandsgruppe, die u.a. in Gladbeck, Oberhausen, Essen und Gelsenkirchen Kontakte knüpfte, wurde verraten. Im August 1943 verhaftete die Gestapo 45 Antifaschisten, darunter auch die Ehemänner der hier abgebildeten Frauen, Hermann Frost, Paul Bukowski, Friedrich Rahkob, Rudolf Littek und Johann Eichenauer.

Franz Zielasko wurde schon bei den Verhören brutal zu Tode gefoltert, viele andere, darunter auch Hermann Frost, Paul Bukowski und Friedrich Rahkob wurden wegen „Vorbereitung zum Hochverrat in Verbindung mit Feindbegünstigung“ vom sog. „Volksgerichtshof“ zum Tode verurteilt und mit dem Fallbeil hingerichtet. Rudolf Littek und Johann Eichenauer wurden zwar freigesprochen, blieben jedoch in Haft und starben 1945 bei einem britischen Fliegerangriff auf die „schwimmenden KZs“ in der Lübecker Bucht. Von Emma Rahkob ist bekannt, dass sie am Tag der Hinrichtung ihres Mannes, dem 24. August 1944, ebenfalls verhaftet wurde, jedoch kurz vor der Deportation in ein Konzentrationslager für Frauen von alliierten Truppen aus dem Münchener Polizeigefängnis befreit worden ist und nach Gelsenkirchen zurückkehren konnte.

An die zur Zielasko-Gruppe gehörenden Karl Schuster, Johann Eichenauer und Andreas Schillack wird auf dem 1947/48 von der VVN errichteten Mahnmal an den antifaschistischen Widerstand auf dem Horster Südfriedhof erinnert, an Fritz Rahkob durch die Benennung des Fritz-Rahkob-Platzes 1987 in der Gelsenkirchener Innenstadt und seit 2011 durch einen Stolperstein vor seinem letzten Wohnort in der Liebfrauenstraße 38 in Gelsenkirchen. Stolpersteine erinnern auch an Andreas Schillack jun. (Essener Straße 71) und Paul Bukowski (Zollvereinstraße 4) sowie in der Redenstraße 34 in Gladbeck an Franz Zielasko. Stolpersteine für Rudolf Littek und Johann Eichenauer sind in Vorbereitung.

Bearbeitete Fassung