Eindrücke aus Weimar und Buchenwald

Gedenkstätte Buchenwald - Torgebäude zum ehemaligen Häftlingslager auf dem Ettersberg. Die Uhr zeigt den Zeitpunkt der Selbstbefreiung des Konzentrationslagers an.

Gedenkstätte Buchenwald – Torgebäude zum ehemaligen Häftlingslager auf dem Ettersberg. Die Uhr zeigt die Uhrzeit der Selbstbefreiung des Konzentrationslagers an.

Zwei Tage dauerte eine Gedenkstättenfahrt der DGB-Jugend Mühlheim-Essen-Oberhausen und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Essen ins ehemalige Konzentrationslager Buchenwald. Anlass für mich, erneut nach Weimar und Buchenwald zu fahren, war die Baumpflanzung für den KZ-Überlebenden und beeindruckenden Essener Zeitzeugen Theo Gaudig, die ich gerne miterleben wollte. Zugleich bot mir die Fahrt die Möglichkeit, Erinnerungen an meine beiden früheren Besuche vor mehr als 15 Jahren wieder aufzufrischen.

Wer die Thüringische Stadt Weimar besucht, kommt an Goethe und Schiller nicht vorbei. Goethes Wohnhaus, das Schillerhaus, Straßennamen, Hinweisschilder, Gedenktafeln und das Denkmal auf dem Theaterplatz vor dem Deutschen Nationaltheater erinnern an die Zeit der Weimarer bzw. Deutschen Klassik. Als Leitideen der Weimarer Klassik nennt mein altes Meyers Taschenlexikon aus dem Jahre 1985 „Harmonie und Humanität“. Nach dem Tagungsort der Nationalversammlung wurde auch die 1919 gegründete erste deutsche Republik „Weimarer Republik“ benannt. Ganz im Gegensatz zu diesen Traditionen steht die Nazi-Barbarei.

Goethe- und Schiller-Denkmal vor dem Deutschen Nationaltheater Weimar, Theaterplatz 2.

Goethe- und Schiller-Denkmal vor dem Deutschen Nationaltheater Weimar, Theaterplatz 2.

Um Spuren der Nazi-Zeit zu finden, muss man nicht erst auf den Ettersberg steigen und das ehemalige Konzentrationslager besuchen. Um ein Beispiel zu nennen: am heutigen Weimarplatz befindet sich das „Gauforum“, ein gigantisches Gebäudeensemble in faschistischer Ästhetik, welches die zentrale Gau-Verwaltung der NSDAP aufnahm. In den bestehenden und denkmalgeschützten Gebäuden ist heute das Thüringer Landesverwaltungsamt untergebracht, in der ehemaligen zum Gebäudeensemble gehörenden „Halle der Volksgemeinschaft“ befindet sich das Einkaufszentrum „Weimarer Atrium“. Eine wirklich interessante Nachnutzung!

Auf dem Ettersberg befinden sich nach wie vor die baulichen Überreste des einstigen Konzentrationslagers Buchenwald. Das zu den größten nationalsozialistischen Konzentrationslager gehörende KZ bestand von 1937 bis 1945. Weit über 250.000 Häftlinge befanden sich im System dieses Lagers einschließlich seiner Außenlager, zu denen auch ein Außenlager in Gelsenkirchen gehörte. Im Gegensatz zu den Vernichtungslagern im Osten, in denen der industrielle Massenmord stattfand, galt hier das Nazi-Prinzip der „Vernichtung durch Arbeit“. Berühmt ist das Konzentrationslager Buchenwald durch dessen Selbstbefreiung von der SS, die den Häftlingen angesichts der heranrückenden US-Armee gelang.

Gedenkstätte Buchenwald - Lagertor mit der Inschrift "Jedem das Seine". Die Schrift war bei geschlossenem Tor für die Häftlinge zu lesen und zeigt den Zynismus der Nazi-Barbarei.

Gedenkstätte Buchenwald – Lagertor mit der Inschrift „Jedem das Seine“. Die Schrift war bei geschlossenem Tor für die Häftlinge zu lesen und zeigt den Zynismus der Nazi-Barbarei.

Nach der mehrstündigen Busfahrt begann eine Führung durch das Häftlingslager mit Elke Pudszuhn, Tochter des ehemaligen Häftlings Hans Raßmann, die mit persönlichen Eindrücken eine Einführung in das Lagergeschehen gab. Unterbrochen wurde diese Führung durch die Baumpflanzung des Lebenshilfewerks Weimar/Apolda e.V. Im Rahmen des Projektes „1000 Buchen“ wurden in der Nähe des ehemaligen Gustloff-Werks an der Kreuzung Kromsdorfer-/Andersenstraße insgesamt sechs Bäume gepflanzt, und zwar für die Frauen von Buchenwald, Lise London aus Frankreich, Danuta Brzosko-Medryk aus Polen sowie für Theo Gaudig aus Essen, Kurt Juius Goldstein aus Berlin und Josef Safferling aus Strümpfelbrunn/Odenwald. In Reden wurde an diejenigen erinnert, für die diese Bäume gepflanzt wurden. Der Abend bot einen angenehmen Ausklang. Überlebende und Nachkommen trafen sich im Hotel Leonardo und feierten bei roten Liedern und roten Wein. Das Köstritzer Schwarzbier schmeckte auch.

Ein Baum für Theo Gaudig - Viele Essener haben Theo Gaudig in Schulen und Veranstaltungen kennen gelernt, wo er unermüdlich als Zeitzeuge und Mahner über seinen Widerstand, seine Haft, über den Faschismus sprach.

Ein Baum für Theo Gaudig – Viele Essener haben Theo Gaudig in Schulen und Veranstaltungen kennen gelernt, wo er unermüdlich als Zeitzeuge und Mahner über seinen Widerstand, seine Haft, über den Faschismus sprach.

Beim (7.) Treffen der Nachkommen anderntags stand das Thema der „vergessenen Frauen von Buchenwald“ im Vordergrund. Dr. Irmgard Seidel, die schon zur Baumpflanzung für die Frauen von Buchenwald gesprochen hatte, berichtete in ihrer Gedenkrede noch ausführlicher über ihre Forschung und die unterschiedlichen Frauengruppen in den Außenlagern von Buchenwald. Da das Konzentrationslager auf dem Ettersberg ein reines Männerlager war, gehörten die Frauen in den Außenlagern zu den lange vergessenen Verfolgten. Daran an schloss sich die Fortsetzung der Führung durch das Häftlingslager. Am Rande konnten wir die offizielle Gedenkfeier verfolgen. Kaum Zeit blieb leider für die neueröffnete Ausstellung der Gedenkstätte in der Effektenkammer.

Befreiungsfeier am Glockenturm, der Teil der großen Mahnmalsanlage ist.

Befreiungsfeier am Glockenturm, der Teil der großen Mahnmalsanlage ist.

Um 15.15 Uhr begann die Befreiungsfeier des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos am Glockenturm, dem weithin sichtbaren Teil der großen Mahnmalsanlage am Hang (die nicht zu verwechseln ist mit der Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen Häftlingslagers).

Figurengruppe von Fritz Cremer für das Buchenwald-Denkmal. Im Hintergrund der Glockenturm.

Figurengruppe von Fritz Cremer für das Buchenwald-Denkmal. Im Hintergrund der Glockenturm.

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