Werbung aus der Zeit der Jahrhundertwende erinnert an jüdisches Leben in Gelsenkirchen

Unerwartet aufgetaucht: Erinnerung an jüdisches Leben in Gelsenkirchen.

Die Werbung auf einer Häuserwand an der Bochumer Straße in Ückendorf, die nach dem Abriss eines Hauses aus der Vergangenheit aufgetaucht war, verschwindet gerade wieder hinter einem Neubau. Der überraschende Fund hatte Mitte des Jahres Wellen geschlagen und selbst der WDR hatte unter der Überschrift „Reklame-Fund ruft jüdische Familiengeschichte wach“ berichtet. Aufgetaucht war die Werbung nach dem Abriss eines Hauses. „Gutsitzende Anzüge & Überzieher kauft man am besten bei Alexander / Bahnhofstr 83 / 1 Minute vom Hauptbahnhof“ war dort noch sehr gut erhalten zu lesen.

Die aus dem Jahr 1906 stammende Reklame erinnert an die jüdische Kaufmansfamilie Alexander, die erfolgreich Konfektionsgeschäfte in Gelsenkirchen betrieb. Doch spätestens mit der Reichspogromnacht 1938 war klar, das jüdisches Leben in Nazi-Deutschland keine Zukunft haben würde. Wie viele andere jüdische Familien auch wurden die Alexanders vom Nazi-Regime gezwungen, ihre Geschäfte zu Schleuderpreisen zu verkaufen und Deutschland zu verlassen. Jakob und Friedrich Alexander emigrierten 1939 nach Südamerika. Ein Neffe der beiden Firmeninhaber, Fred Alexander, konnte mit einem Kindertransport nach London ausreisen und lebt heute 91jährig in New York.

Werbung aus der Jahrhundertwende.

Auch die Jüdische Allgemeine berichtete ausführlich und man mag ihr die mangelnde Ortskenntnis, die aus der Bochumer die Horster Straße machte, verzeihen. Darin heißt es, dass die sehr gut erhaltene Originalreklame konserviert und als Gedenkort erhalten bleiben soll. Außerdem werden Möglichkeiten erörtert, wie man sie weiterhin sehen kann. Während die Jüdische Gemeinde Kontakt zum in New York lebenden Neffen geknüpft hat, über den der WDR und die Jüdische Allgemeine berichtet haben, hat Gelsenzentrum e.V. einen Kontakt zur in Rio de Janeiro lebenden Enkelin Deborah Alexander hergestellt. Auf der Webseite von Gelsenzentrum finden sich Fotos und weitere Berichte, die an eine Zeit und an Leben erinnern, die die Nazis erbarmungslos zerstört haben.

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