Eindrücke vom Gelsenkirchener Holocaust-Gedenktag 2019

„Stolperstein-Geschichten“ gibt es auch für Gelsenkirchen als Buchprojekt.

Der 27.01.2019 in Gelsenkirchen wurde für mich durch die verschiedenen Aktivitäten des „Aktionsbündnis 16.09.“ und der Gedenkveranstaltung in der Neuen Synagoge geprägt. Noch beeindruckt von dem wundervollen Konzert schreibe ich diesen Bericht, der natürlich keine Vollständigkeit beansprucht, sondern nur meine Eindrücke und was mir berichtet wurde wiedergibt.

„Mein“ Tag begann um 13.30 Uhr in der Von-der-Recke-Straße 10 an den Stolpersteinen für die Familie Krämer. Für die Gelsenkirchener VVN-BdA hatte ich dort und eine Stunde später in die Hildegardstraße 21 zu „Stolperstein-Geschichten“ eingeladen. Hinter der Bezeichnung „Stolperstein-Geschichten“ stand mein Versuch, nicht wie bei der Verlegung und einer früheren Veranstaltung zum Antikriegstag eine Rede abzulesen, sondern frei zu erzählen, was ich über die jeweilige Familie und die historischen Umstände erzählen konnte. Das Experiment gelang, weder geriet ich ins Stottern, noch hatte ich einen Black-out. An beiden Stellen hatte ich die Patenschaft für den Stolperstein der jeweils jüngsten Tochter übernommen. Bei beiden Familien waren die Eltern polnisch-jüdischer Herkunft und waren von den Ereignissen der sogenannten „Polenaktion“ betroffen. Während jedoch die Familie Kramer bereits im Mai 1939 nach Polen ausreisen musste, wurde die Familie Nussbaum, nachdem der Vater im KZ Sachsenhausen 1940 ermordet wurde, am 27.01.1942 mit dem ersten großen Deportationszug in das Ghetto Riga gebracht und bei der Auflösung des Ghettos Anfang November 1943 ermordet.

Das schlechte Wetter hatte offenbar nicht so viele Leute abgeschreckt, wie man befürchten könnte. In der Von-der-Recke-Straße 10 erzählte ich vor einem großen Publikum, neben fünf Einzelbesuchern traf dort der Antifaschistische Stadtrundgang mit etwa 20 bis 30 Personen ein. In der Hildegardstraße 21 waren sechs Einzelbesucher, darunter auch zwei Nachbarn, von denen eine sogar berichten konnte, dass ihre Eltern die Familie gekannt habe. Sie erzählte, dass es ruhige Nachbarn, aber offenbar strenggläubige Juden waren, die am Freitag keine Klingel betätigten.

Bei Bündnis 90/Die Grünen gab es nicht nur Kaffee und Kuchen, sondern auch Aufklärung über die Vernetzung der AfD ins rechsextreme Lager zu sehen.(Foto: Bündnis 90/Die Grünen)

Die beiden „Aufwärmpunkte“, das Grüne Zentrum in der Ebertstraße und das Subversiv auf der Bochumer Straße in Ückendorf, waren während des Tages gut besucht. Dort gab es warme Getränke und Kuchen. Im Grünen Zentrum war darüber hinaus die Ausstellung der VVN-BdA „Keine Alternative“ mit einer kritischen Auseinandersetzung über die AfD zu sehen. Mich freut es sehr, die Ausstellung bei den Grünen zu sehen, sind sie doch in Bezug auf das Ideal einer offenen Gesellschaft im Parteienspektrum der deutlichste Gegenpol zur AfD.

Der Tag endete mit einer Gedenkveranstaltung in der Neuen Synagoge. Die erste Bürgermeisterin, Martina Rudowitz, fand in ihrer Rede unter anderem sehr klare Worte zu AfD, NPD und PEGIDA. Es folgte ein wundervolles Konzert, dessen Beschreibung ich lieber sachkundigen Leuten überlasse. Nach jüdischen Gebeten für die im Holocaust Ermordeten endete die Veranstaltung. Noch beeindruckt von der Musik wurde mir am Ausgang bewusst, wie hoch das Sicherheitsbedürfnis einer Jüdischen Gemeinde heute ist. Im Ausgang gibt es eine Schleuse, und die innere Tür lässt sich erst öffnen, wenn die äußere Tür geschlossen ist. Trotzdem nahmen es die Anwesenden mit Humor.

Supplement
Bereits mit einer ausführlichen Ankündigung hatte die Papierausgabe des Stadtspiegels Gelsenkirchen auf unsere Aktivitäten hingewiesen. In Text und Bild berichtete der Stadtspiegel darüber hinaus auch im Anschluss in seiner jüngsten Ausgabe. Letzterer Beitrag ist auch online zu finden.

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