Faschismus-Definitionen (Auswahl)

Faschismusdefinition nach Mathew Lyons (2004)
„Faschismus ist eine Form rechtsextremer Ideologie, die die Nation oder Rasse als organische Gemeinschaft, die alle anderen Loyalitäten übersteigt, verherrlicht. Er betont einen Mythos von nationaler oder rassischer Wiedergeburt nach einer Periode des Niedergangs und Zerfalls. Zu diesem Zweck ruft Faschismus nach einer ‚spirituellen Revolution‘ gegen Zeichen des moralischen Niedergangs wie Individualismus und Materialismus und zielt darauf, die organische Gemeinschaft von ‚andersartigen‘ Kräften und Gruppen, die sie bedrohen, zu reinigen. Faschismus tendiert dazu, Männlichkeit, Jugend, mystische Einheit und die regenerative Kraft von Gewalt zu verherrlichen. Oft – aber nicht immer – unterstützt er Lehren rassischer Überlegenheit, ethnische Verfolgung, imperialistische Ausdehnung und Völkermord. Faschismus kann zeitgleich eine Form von Internationalismus annehmen, die entweder auf rassischer oder ideologischer Solidarität über nationale Grenzen hinweg beruht. Normalerweise verschreibt sich Faschismus offener männlicher Vorherrschaft, obwohl er manchmal auch weibliche Solidarität und neue Möglichkeiten für Frauen einer privilegierten Nation oder Rasse unterstützen kann.“ (https://www.diss-duisburg.de/2004/12/der-umstrittene-begriff-des-faschismus/, dort zitiert nach www.publiceye.org/eyes/whatfasc.html vom 12.1.2004)

Faschismusdefinition nach Georgi Dimitroff und Komintern (1935)
„Der Faschismus an der Macht, Genossen, ist, wie ihn das 13. Plenum des EKKI richtig charakterisiert hat, die offene, terroristische Diktatur der reaktionärsten, chauvinistischsten, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals. […] der Faschismus ist keine über den Klassen stehende Macht und keine Macht des Kleinbürgertums oder des Lumpenproletariats über das Finanzkapital. Der Faschismus ist die Macht des Finanzkapitals selbst. Das ist die Organisierung der terroristischen Abrechnung mit der Arbeiterklasse und dem revolutionären Teil der Bauernschaft und der Intelligenz. Der Faschismus in der Außenpolitik ist der Chauvinismus in seiner brutalsten Form, der einen tierischen Haß gegen die anderen Völker kultiviert.“

Faschismusdefinition der KPI (1928)
„Wir haben den Faschismus definiert als den Versuch der Stabilisierung des italienischen Kapitalismus, das heißt des Kapitalismus eines Landes mit vorwiegender Landwirtschaft, versehen mit Rohstoffen und Auslandsmärkten und einem großen Innenmarkt … Die Formen der kapitalistischen Stabilisierung sind verschieden von Land zu Land und entsprechend der wirtschaftlichen Struktur der verschiedenen Länder und dem Grade ihres Reichtums … Der Faschismus stellt nicht eine fortschrittliche Stufe des italienischen Kapitalismus vor. Er hat nur neue Formen der industriellen Organisation (Truste usw.) und der Bankorganisation (Vereinheitlichung der Emissionsbanken) entwickelt, aber diese neuen Formen bleiben im Dienste der traditionellen politischen Ökonomie der herrschenden Klassen Italiens, sie sind ferner ein Mittel, mit dem diese Politik unter neuen Bedingungen fortgesetzt und erschwert wird.
Der Kapitalismus stellt daher eine höhere kapitalistische Form der Staatsorganisation vor, einen Typus der Organisation, durch den der Staat sich enger verschmilzt mit den leitenden Gruppen des Kapitalismus und sich in den Produktionsprozeß einmischt, nachdem er die Kräfte konzentriert und zusammengeballt hat.“

Faschismusdefinition nach August Thalheimer (1928)
„Unverkennbar sind wesentliche Züge gemeinsam mit der bonapartistischen Form der Diktatur: wieder die „Verselbständigung der Exekutivgewalt“, die politische Unterwerfung aller Massen, einschließlich der Bourgeoisie selbst, unter die faschistische Staatsmacht bei sozialer Herrschaft der Großbourgeoisie und der Großgrundbesitzer. Gleichzeitig will der Faschismus, wie der Bonapartismus, der allgemeine Wohltäter aller Klassen sein […] Ihr sozialer Bestand: Deklassierte aller Klassen, des Adels, der Bourgeoisie, des städtischen Kleinbürgertums, der Bauernschaft, der Arbeiterschaft. […] als Hauptmittel die „nationale“ Idee, der Scheinkampf gegen parlamentarische und bürokratische Korruption, Theaterdonner gegen das Kapital usw.“

Faschismusdefinition nach Clara Zetkin (1923)
„Der Faschismus ist der stärkste, der konzentrierteste, er ist der klassische Ausdruck der Generaloffensive der Weltbourgeoisie in diesem Augenblick. […] ist keineswegs die Rache der Bourgeoisie dafür, daß das Proletariat sich kämpfend erhob. Historisch, objektiv betrachtet, kommt der Faschismus vielmehr als Strafe, weil das Proletariat nicht die Revolution, die in Rußland eingeleitet worden ist, weitergeführt und weitergetrieben hat. Und der Träger des Faschismus ist nicht eine kleine Kaste, sondern es sind breite soziale Schichten, große Massen, die selbst bis in das Proletariat hineinreichen. Über diese wesentlichen Unterschiede müssen wir uns klar sein, wenn wir mit dem Faschismus fertig werden wollen.“

Quelle: http://afaanne.blogsport.de/2012/07/13/nachreiche-faschismustheorien/