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Demnig verlegt zum siebten Mal Stolpersteine in Gelsenkirchen

Im Bild verlegt Gunter Demnig am 9. Februar 2010 einen Stolperstein für den belgischen Zwangsarbeiter Charles Ganty im Schatten der Zeche Nordstern in Gelsenkirchen-Horst

Im Bild verlegt Gunter Demnig am 9. Februar 2010 einen Stolperstein für den belgischen Zwangsarbeiter Charles Ganty im Schatten der Zeche Nordstern in Gelsenkirchen-Horst

Zu den 87 bisher in Gelsenkirchen verlegten Stolpersteinen wird der Kölner Bildhauer Gunter Demnig am 12. Dezember 2014 weitere 32 verlegen, darunter auch Stolpersteine für die Familie Böhmer. Ein „Rosa-Böhmer-Platz“ ist dagegen noch immer nicht in Sicht.

Zum siebten* Mal seit 2009 kommt der Aktionskünstler nach Gelsenkirchen. Die Stolpersteine, die Gunter Demnig seit 1992 europaweit verlegt, erinnern symbolisch am letzten frei gewählten Wohnort an Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen von den Nazis verfolgt, entrechtet, vertrieben, deportiert oder ermordet worden sind. Das größte und dezentrale Denkmal in Europa erinnert an Juden, politisch Verfolgte, Homosexuelle, Zeugen Jehovas, Sinti und Roma, Behinderte. Man „stolpert“ nicht im wörtlichen Sinn über die in das Straßenpflaster eingelassenen Gedenksteine. Wer auf sie beim Gehen aufmerksam wird, muss anhalten und sich vor dem Stein verbeugen, um Namen, Lebensdaten und Verfolgungsgrund zu lesen.

Die bisherige Planung der Stolperstein-Verlegung sieht wie folgt aus:

Familie Zwecher, Urbanusstraße 1,  9.00 Uhr
Alice und Brunetta Stein, Buerer Straße 8, 9.30 Uhr
Familie Ramer, Florastraße/MIR, 10.00 Uhr
Familie Ullendorf, Husemannstraße 33, 10.30 Uhr
Familie Georg Alexander, Ringstraße 54, 11.00 Uhr
Familie Löwenthal, Karl-Meyer-Straße 2, 11.30 Uhr
Familie Böhmer, Bergmannstraße 34, 12.00 Uhr

Andreas Jordan von Gelsenzentrum e.V., ohne dessen unermüdlichen Einsatz keine Stolpersteine in Gelsenkirchen verlegt werden würden, lädt Paten, Freunde und Freundinnen, Unterstützer und Unterstützerinnen mit ihren Familien und Freunden zur Teilnahme an der Verlegung herzlich ein und ruft zugleich die Paten dazu auf, die Verlegezeremonien mit eigenen Beiträgen zu ergänzen, „vielleicht mit einem Wortbeitrag, einer Rede, ein Gedicht oder handgemachte Musik.“

Bald Rosa-Böhmer-Platz in Gelsenkirchen?

So könnte zum Beispiel die Gedenktafel zur Erinnerung an die verfolgten und ermordeten Sinti und Roma Gelsenkirchens auf einem innerstädtischen Rosa-Böhmer-Platz aussehen

So könnte zum Beispiel die Gedenktafel zur Erinnerung an die verfolgten und ermordeten Sinti und Roma Gelsenkirchens auf einem innerstädtischen Rosa-Böhmer-Platz aussehen

Wie in der Aufstellung oben zu sehen ist, werden gegen 12 Uhr Stolpersteine für die Familie Böhmer verlegt. Leser dieses Blogs werden sich an den durch Gelsenzentrum beantragten Rosa-Böhmer-Platz in der Innenstadt erinnern, der sich mit der Erinnerung an die ermordeten Sinti und Roma in die Landschaft der vorhandenen vier innerstädtischen Plätze, die an Widerstand und Verfolgung der Sozialdemokraten (Margarethe-Zingler-Platz), Kommunisten (Fritz-Rahkob-Platz), Katholiken (Heinrich-König-Platz) und Juden (Leopold-Neuwald-Platz), einfügen würde. Nach meinem letzten Stand vom August 2013 hatte der Leiter des Instuts für Stadtgeschichte (ISG), Stefan Goch, den sicher nicht einfachen Auftrag erhalten, einen „geeigneten“ Platz zu finden. Ich hoffe nach wie vor, dass sich die Ausgrenzung der Sinti und Roma nicht im Gedenken fortsetzt und die Stadt einen abgelegenen Platz am Stadtrand nach ihr benennt. Das wäre nicht nur blamabel, sondern einer sozialdemokratisch regierten Stadt unwürdig!

*In einer früheren Fassung schrieb ich, dass Demnig zum achten Mal nach Gelsenkirchen zum Verlegen kommt. Dabei handelte es sich um einen Zählfehler, auf den mich Andreas Jordan freundlicherweise hinwies.

Dritter Namensvorschlag für den „Paul-Schossier-Weg“

Nachdem die Stadt sich entschlossen hat, den „Paul-Schossier-Weg“ umzubenennen, da es sich bei Paul Schossier um einen NS-Täter handelt, der sich mitschuldig an der Ermordung der Gelsenkirchener Sinti und Roma in Auschwitz gemacht hat, hat Andreas Jordan vom Gelsenzentrum einen neuen, dritten Namensvorschlag eingebracht.

In Ergänzung seines Antrags auf Umbenennung vom 6. März 2008 regte er am 18. September 2010 an, den Weg in „Rosa-Böhmer-Weg“ umzubenennen. „Das Sinti-Mädchen Rosa Böhmer, geboren am 22. September 1933 in Gelsenkirchen, wurde am 13. August 1943 in Auschwitz ermordet. Nach der zwangsweisen Auflösung der Familie Böhmer, die voll integriert in Gelsenkirchen lebte, kam Rosa Böhmer zu Pflegeeltern nach Hövelhof (Paderborn). Schließlich wurde Rosa Böhmer 1942 von Gestapobeamten aus dem Schulunterricht geholt und deportiert. Rosa Böhmers Verfolgungsschicksal soll  an die aus Gelsenkirchen verschleppten und ermordeten Sinti und Roma erinnern, an deren Ermordung  Paul Schossier nicht unerheblich beteiligt war. Die Vita der Rosa Böhmer wurde bereits dokumentiert und ist sowohl Herrn Goch vom ISG wie auch dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma bekannt.“

Damit liegen mit „Grit-Weißberg-Weg“, „Anne-Frank-Weg“ und nun „Rosa-Böhmer-Weg“ drei Namensvorschläge vor, die sich auf die Opfer des Nationalsozialismus beziehen. Vor allem der jüngste Namensvorschlag bezieht sich sehr konkret auf die durch Schossier verfolgten Sinti und Roma und wäre eine angemessene Namenswahl.