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Herman-Neudorf-Ausstellung beeindruckend in der Gesamtschule Horst eröffnet

In der Gesamtschule Horst wurde heute um 16 Uhr in einer sehr beeindruckenden Weise die Ausstellung für den Holocaust-Überlebenden Herman Neudorf eröffnet. Der einzige Überlebende seiner Familie, an einem trüben Herbsttag im Oktober 1938 als 13jähriger aus dem Turnunterricht verhaftet und wie zahlreiche andere Juden polnischer Abstammung nach Polen abgeschoben, lebt heute 87jährig in den USA und wohnte von dort aus per Skype der Eröffnung gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Anna vom heimischen Sofa aus bei.

Natürlich waren mehrere Klassen Schülerinnen und Schüler mit dabei, Lehrer sowie verschiedene Gäste, und selbstverständlich auch die Ausstellungsmacher des Gelsenzentrums, Heike und Andreas Jordan. Unter den Fotografen war mit Sicherheit auch jemand von der Presse anwesend, so dass ich mich ganz auf die Veranstaltung konzentrierte und keine Fotos machte. Auch der Bezirksbürgermeister Gill zeigte sich als begeisterter Fotograf.

Zunächst begrüßte der Schulleiter der Gesamtschule Horst die Anwesenden, bat insbesondere die Schülerinnen und Schüler um Ruhe und begrüßte Herman Neudorf im fernen Florida. Wir erfuhren, dass wir uns im selben Gebäude befanden, in denen Herman Neudorf bis 1938 unterrichtet wurde, damals war hier natürlich noch keine Gesamtschule, sondern ein Realgymnasium untergebracht.

Zum Programm gehörte ein jiddisches und sehr getragenes Musikstück, dass sich Herman Neudorf gewünscht hatte. Es folgten von Schülerinnen und Schülern der Oberstufe aufgeführte Theaterszenen mit 4 Stationen aus Hermans Leben. Hier zeigten die Schülerinnen und Schüler ihre Sichtweise auf die Verhaftung im Unterricht, der Ankunft im Polizeigefängnis, der Abschiebung im Zug und dem Aufenthalt in Polen. Damit überhaupt alle etwas sehen konnten, mussten sich die vorderen Schülerreihen auf den Boden setzen oder knien, so voll war es.

Nach einer kurzen Textdarbietung zeigte eine weitere Schülergruppe typische Reaktionen auf verlegte Stolpersteine, sowie einem Aufruf, warum es wichtig ist, sich der Vergangenheit zu stellen. Herman Neudorf bedankte sich noch einmal für die Veranstaltung und dankte vor allem Andreas und Heike Jordan für ihr Engagement. Schließlich sprach Andreas Jordan abschließend und eröffnete die Ausstellung.

Zu diesem Zweck hatten sich einige Schülerinnen und Schüler der Unterstufe als „Ausstellungsguides“ vorbereitet und konnten den interessierten Gästen zu einzelnen Tafeln der Ausstellung einen kurzen Überblick geben, mithin einen Anstoß, selbst weiter zu lesen und zu schauen.

Alles in allem eine sehr schöne, sehr würdige Ausstellungseröffnung.

Die Ausstellung selbst ist sehr sehenswert. Sie beginnt mit einer Tafel über „Jüdisches Leben in Horst“ und folgt der Chronologie der Ereignisse, stellt zunächst mit einer Tafel „Die Familie Neudorf“ vor und folgt den wechselhaften Ereignissen in Herman Neudorfs Leben, die der „Verhaftung aus dem Unterricht heraus“ folgten. Herman Neudorf konnte wie durch ein Wunder nach Kriegsbeginn nach Gelsenkirchen zurückkehren, nur um 1942 erneut deportiert zu werden, dieses Mal nach Riga. Es folgte unter anderem ein Aufenthalt im Konzentrationslager Buchenwald, der ihn zeitweilig in das Außenlager Bochumer Verein in unserer Nachbarstadt führte. Er überlebte den Todesmarsch aus dem KZ Buchenwald nur knapp und wurde am 14. April 1945 von amerikanischen Truppen befreit. Hier endet die Ausstellung nicht, sondern zeigt seine weitere Lebensgeschichte, die Rückkehr nach Gelsenkirchen, die „Suche nach Tätern“ und schließlich die Auswanderung nach Übersee. Die Ausstellung endet mit der Darstellung seines neuen Lebens nach 1945. Das letzte Foto zeigt die drei verlegten Stolpersteine auf der Markenstraße 19 für die ermordeten Eltern und den überlebenden Herman Neudorf.

Die Ausstellung ist bis zum 9. November in der Gesamtschule Horst zu sehen.

Stolperstein und Ausstellung für Herman Neudorf

Nach der Verlegung von 18 weiteren Stolpersteinen und einer sehr schönen Abschlussveranstaltung zur Stolpersteinverlegung im Kaminzimmer von Schloss Horst am 8. Oktober 2012 wird der Verein Gelsenzentrum vom 26. Oktober bis zum 9. November 2012 in der Gesamtschule Horst eine Ausstellung über das Schicksal des Holocaust-Überlebenden Herman Neudorf zeigen.

Bei der Verlegung am 8. Oktober in der Markenstraße 19 in Gelsenkirchen wurde zum ersten Mal ein Stolperstein für jemanden verlegt, der den Holocaust überlebt hat. Der heute 87jährige, in den USA lebende Herman Neudorf, geriet 1938 in die Verfolgungs- und Mordmaschine der Nazis, er überlebte als einziger seiner Familie. Mit der Verlegung eines Stolpersteins für ihn, wurde die Familie im Gedenken vor dem Haus in der Markenstraße 19 wieder vereint.

In der sich an die Stolpersteinverlegung anschließenden Matinee im Kaminzimmer von Schloss Horst beeindruckten nicht zuletzt die Opernsängerin Michaela Sehrbrock, die eine Auswahl von Gedichten und Liedern der tschechisch-jüdischen Schriftstellerin Ilse Weber über das KZ Theresienstadt vortrug, und am Klavier von Marion Steingötter begleitet wurde. (Schön auch, dass nicht nur ProNRW im Schloss Horst tagt!)

Für den 26. Oktober 2012 hat Gelsenzentrum nun eine Ausstellung vorbereitet, die das Verfolgungsschicksal und das Überleben von Herman Neudorf zeigen. Lehrer und Schüler der Gesamtschule Horst bereiten ein vielfältiges Programm mit Theaterszenen, einer Kunstinstallation und weiteren Präsentationen sowie Führungen durch die Ausstellung vor. Die Eröffnung beginnt um 16 Uhr. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 9. November 2012, dann findet wieder um 16 Uhr eine Finissage statt. Der Titel der Ausstellung ist Programm: „Vergeben muss man, aber Vergessen ist unmöglich …“