Warum die Nazis sexuelle Minderheiten verfolgten

Die Dokumentationsstätte „Gelsenkirchen im Nationalsozialismus“ auf der Cranger Straße 323 in Gelsenkirchen-Erle. Das Gebäude wurde 1907 ursprünglich als Polizeidienststelle errichtet.

Nach einem Jahr Pandemie haben sich inzwischen wohl die meisten daran gewöhnt, dass viele gute Veranstaltungen per Videokonferenz stattfinden. Auch das Institut für Stadtgeschichte Gelsenkirchen (ISG) folgt diesem Trend und bietet nächste Woche Mittwoch eine Online-Veranstaltung zur Verfolgung sexueller Minderheiten im Faschismus an.

Die Nazis haben etwa 10.000 schwule Männer in Konzentrationslagern eingesperrt und die Hälfte von ihnen ermordet. Auch lesbische Frauen wurden zwar nicht aufgrund ihres Begehrens, aber als sogenannte „Asoziale“ in KZs gesteckt. Über den Faschismus hinaus haben Homophobie und Kriminalisierung von Homosexuellen eine lange Geschichte, und auch nach 1945 setzten sich Verfolgung und Stigmatisierung von sexuellen Minderheiten fort. Nicht zuletzt aus diesem Grund waren sie in der Erinnerungskultur über die Konzentrationslager lange Zeit ein Tabu gewesen.

In Gelsenkirchen wurde das Thema in den letzten Jahren im Rahmen der Stolpersteinverlegungen thematisiert. Beispielsweise wurde am 14. August 2015 vor dem Wohnhaus Cranger Straße 398 in Gelsenkirchen-Buer ein Stolperstein für Ernst Papies verlegt, der eine Odyssee durch mehrere Konzentrationslager überlebte und dessen Ausgrenzung sich nach 1945 fortsetzte, da er nicht als politisch, rassisch oder religiös verfolgte Person anerkannt wurde. Homosexuelle, die zwischen 1933 und 1945 verurteilt wurden, galten in der 1949 gegründeten Bundesrepublik weiterhin als Straftäter und die junge Bundesrepublik setzte die Politik der Nazis fort, indem sie die „Konzentrationslagerhaft“ als angemessene Strafe ansah.

Um sich mit der Frage „Warum die Nazis sexuelle Minderheiten verfolgten – und warum vieles in der Forschung bis heute nicht beachtet wurde“ zu beschäftigen, lädt das ISG den deutsch-niederländischen Schriftsteller Lutz van Dijk ein. Er wird aus seinem Buch „Erinnern in Auschwitz – auch an sexuelle Minderheiten“ lesen. Lutz van Dijk, 1955 in Berlin geboren, war Lehrer in Hamburg, Mitarbeiter des Anne-Frank-Hauses in Amsterdam und lebt seit 2001 in Südafika, wo er sich als Mitbegründer der Stiftung HOKISA (Homes for Kids in South Africa) für von HIV/Aids betroffene Kinder und Jugendliche einsetzt.

Die Online-Veranstaltung findet am 17. Februar 2021 ab 18 Uhr im Rahmen der Veranstaltungsreihe der Dokumentationsstätte „Gelsenkirchen im Nationalsozialismus“ statt. Interessent*innen müssen sich vorab per E-Mail unter isg@gelsenkirchen.de anmelden und erhalten am Tag der Veranstaltung die Zugangsdaten.

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