Archiv für den Tag 11. Juli 2020

Srebrenica 1995 – Genozid mitten in Europa

Namenstafel an der Völkermord-Gedenkstätte in Potočari in der Nähe von Srebrenica (Quelle: Wikipedia).

Der 11. Juli ist ein heute fast vergessenes Datum. Heute vor 25 Jahren – genau 50 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges – fand 1995 in Europa ein Genozid statt. Die Überlebenden begehen ihn als „Screbrenica Memorial Day“ und erinnern an das größte Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.

Vor 25 Jahren nahmen bosnisch-serbische Militäreinheiten die schutzlose „UN-Schutzzone“ Srebrenica ein, Frauen und Kinder wurden deportiert, Männer und Jungen zwischen 13 und 78 Jahren in den darauffolgenden Tagen ermordet und in Massengräbern verscharrt. Prozesse vor internationalen Gerichten gegen die Verantwortlichen zeigten, dass die Verbrechen systematisch geplant und durchgeführt wurden. Bis zum heutigen Tage sind noch nicht alle Opfer identifiziert. Dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien zufolge handelt es sich um mehr als 8.000 Menschen, die nur wegen ihrer Zugehörigkeit zur muslimischen Volksgruppe ermordet worden sind.

Dieser Genozid war der Höhepunkt einer Politik der „Ethnischen Säuberung“, die im sich auflösenden Jugoslawien vor allem den multiethnischen Teilstaat Bosnien-Herzegowina traf, auf dessen Territorium seit Jahrhunderten Kroaten, muslimische Bosniaken und Serben lebten. Der aus dem Englischen übersetzte und in meinen Augen euphemistische Begriff „Ethnischen Säuberung“ wurde bereits 1992 von der Gesellschaft für Deutsche Sprache zum Unwort des Jahres gekürt.

Das Massaker von Srebrenica wird vom Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien und vom Internationalen Gerichtshof als Genozid eingestuft, dennoch weigern sich hochranginge serbische Politiker immer noch bzw. wieder, das Verbrechen als Völkermord anzuerkennen.

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