Archiv für den Tag 7. Oktober 2018

Besuch des niederländischen Befreiungsmuseums Groesbeek

„Nationaal Bevrijdingsmuseum 1944-1945“ Groesbeek. Blick in die Ausstellung.

Aus niederländischer Sicht thematisiert das „Nationaal Bevrijdingsmuseum 1944-1945“ im nahe der deutschen Grenze gelegenen Groesbeek die Zeit der Besetzung durch Nazi-Deutschland und die Befreiung in den Jahren 1944/45 durch alliierte Truppen. Neben der Dauerausstellung beherbergt das Museum derzeit eine Sonderausstellung zum kommunistischen Widerstand. Organisiert von der VVN-BdA Düsseldorf besuchten wir mit etwas über 20 Personen am Sonntag, 7. Oktober 2018 das Museum. Es wird in hohem Maße durch ehrenamtliche Helfer betreut. Zwei von ihnen führten uns durch die Ausstellung und teilten dabei auch sehr persönliche Ansichten mit.

Das Museum zeigt in vielfältigen Ausstellungsstücken und medialen Darstellungen anschaulich die Geschichte der Vorkriegszeit mit der niederländischen Sicht auf Nazi-Deutschland, die Zeit der Besetzung der Niederlande und schließlich der Befreiung in den Jahren 1944/45 mit ihren Auswirkungen auf die Bevölkerung. Die Ausstellung ist um hohe Anschaulichkeit bemüht und will durch die Beschäftigung mit der Geschichte die aktuelle Bedeutung von Demokratie, Freiheit und Menschenrechten zeigen. Die Beschriftung ist dreisprachig, niederländisch, englisch und deutsch. Die Farbe rot kennzeichnet den Ausstellungsteil zur Besatzungszeit, die Farbe blau den Teil der Ausstellung, der die Zeit der Befreiung in den Jahren 1944/45 zeigt.

„Nationaal Bevrijdingsmuseum 1944-1945“ Groesbeek. Anschauliche Darstellung des Kriegsverlaufs.

Erstmalig erfuhr ich hier von der militärischen Operation „Market Garden“. Mittels einer groß angelegten Luftlandeoperation kombiniert mit einem Vorrücken der Landstreitkräfte versuchten die westlichen Allierten, die nach der Landung in der Normandie im Juni 1944 bereits weit nach Westen vorgedrungen waren, ab dem 17. September 1944 die Brücken über die Wasserstraßen im Südosten der Niederlande einzunehmen. Rund um Groesbeek und Nimwegen landeten dabei etwa 8.000 amerikanische Fallschirmjäger. Doch war die Aktion nur teilweise erfolgreich, erst mit der großen Rheinlandoffensive im Februar 1945 gelang im weiteren Verlauf des Krieges die Befreiung der Niederlande.

„Nationaal Bevrijdingsmuseum 1944-1945“ Groesbeek. Sonderausstellung zum kommunistischen Widerstand.

Neben der Dauerausstellung besuchten wir auch die aktuelle Sonderausstellung, die sich mit dem kommunistischen Widerstand gegen die deutsche Besetzung beschäftigte. Die Kommunistische Partei der Niederlande (CPN), die heute im politischen Leben unseres Nachbarlandes keine Rolle mehr spielt, unterstützte bereits in den 1930er Jahren den Widerstand in Deutschland und wandelte sich mit der Besetzung durch Nazi-Deutschland in eine Widerstandsorganisaion. Die Ausstellung stellt anschaulich die Geschichte des Widerstands und der Zeit nach 1945 dar. Nach einem kurzen Aufschwung verlor die CPN angesichts des Antikommunismus im Kalten Krieg und durch die Parteinahme für die Unabhängigkeit der Kolonie Niederländisch-Indien an Bedeutung.

„Nationaal Bevrijdingsmuseum 1944-1945“ Groesbeek. Sonderausstellung zum kommunistischen Widerstand mit dem Beispiel der Hannie Schaft.

Die Sonderausstellung ist noch bis zum 28. Oktober 2018 zu sehen.

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„Unser Nein zum Krieg ist ein Ja zum Leben“

Friedensdemonstration in Essen am 06.10.2018 gegen die NATO-Kriegskonferenz.

Zum vierten Mal rief das Essener Friedensforum zu einer Demonstration gegen die jährliche NATO-Kriegskonferenz in unserer Nachbarstadt auf. Gegen einen für Militärs auch in Europa führbaren Krieg wendet sich ein breites Bündnis und fordert Konfliktlösungen durch Verhandlungen in den Institutionen kollektiver Sicherheit, wie der OSZE und der UNO. Ein „großer Krieg“, der nach Einschätzung der Militärs seinen Ausgangspunkt im Osten Europas haben könnte, würde unseren ganzen Kontinent in ein Inferno stürzen. Abrüsten statt Aufrüsten ist das Gebot der Stunde. „Unser Nein zum Krieg ist ein Ja zum Leben.“ heißt es in der Erklärung der Friedensdemonstration.

Seit 2015 gibt es im Herbst in der Messe Essen Kriegsplanungs-Konferenzen hoher NATO-Militärs, organisiert von der Kalkarer NATO-Einrichtung „Joint Air Power Competence Centre“ (JAPCC). Das JAPCC ist eines von derzeit 24 steuerfinanzierten NATO-Zentren außerhalb der Kommando-Struktur der NATO, um Führungskräfte zu qualifizieren und Strategien für die Kriegsführung im 21. Jahrhundert – auch in Europa – zu entwickeln. Die Konferenzen werden unter anderem von den Atomrüstungskonzernen Lockheed Martin und General Atomics gesponsert. Die für Oktober 2018 geplante Konferenz wird unter dem Titel „Im Nebel des Tages Null – Luft und Weltraum an der Frontlinie“ eingeladen. Die Stunde Null gilt für die Militärs als Beginn des Krieges.

Friedensdemonstration in Essen am 06.10.2018 gegen die NATO-Kriegskonferenz.

Die Demonstration begann am 6. Oktober um zwei vor zwölf mit einer Kundgebung vor dem RWE-Turm in Essen, der Firmenzentrale des Umwelt zerstörenden Energiekonzerns. Noch zwei weitere Demonstrationen für das Leben fanden an diesem Tag statt, an die Grußworte der Essener Friedensdemonstration gerichtet waren. In Bochum fand eine weitere Demonstration der Initiative „Seebrücke“ statt, die sich für die Seenotrettung von geflüchteten Menschen im Mittelmeer einsetzt und im Hambacher Forst veranstalteten die Aktivisten mit mehreren zehntausend Demonstranten die größte Demonstration des Wochenendes und feierten den vorläufigen Stopp der Rodung. Die Friedensdemonstration sprach sich in den Grußworten für ein solidarischen, friedliches und zukunftsverträgliches Zusammenleben aus und eine Gesellschaft, „in der der Schutz des Lebens Priorität vor allem hat.“

Friedensdemonstration in Essen am 06.10.2018 gegen die NATO-Kriegskonferenz.

Die Breite des Bündnisses in Essen zeigte die Rednerliste. Vor dem RWE-Turm sprachen Bernhard Trautvetter (Essener Friedensforum), Arno Klare (SPD) und Alexander Neu (Die Linke), die Musik dazu und gegen RWE spielte der unnachahmliche Klaus, der Geiger. Von dort aus zog der Demonstrationszug mit schätzungsweise 200 Personen zum Kennedyplatz, wo eine weitere Kundgebung mit Jürgen Rose (Darmstädter Signal kritischer Soldaten) und Walter Wandtke (Bündnis 90/Die Grünen) stattfand. War man am RWE-Turm weitgehend unter sich, so befand sich die Kundgebung am Kennedyplatz in der Mitte der Innenstadt, umgeben von Passanten in Cafes und Restaurants.

Friedensdemonstration in Essen am 06.10.2018 gegen die NATO-Kriegskonferenz.