Bündnis gegen Krieg und Faschismus tagt

Werner-Goldschmidt-Salon – Parteibüro von Die Linke und Veranstaltungsort, benannt nach dem Gelsenkirchener und jüdischen Widerstandskämpfer Werner Goldschmidt

Werner-Goldschmidt-Salon – Parteibüro von Die Linke und Veranstaltungsort, benannt nach dem Gelsenkirchener und jüdischen Widerstandskämpfer Werner Goldschmidt. Hier trifft sich auch das Bündnis gegen Krieg und Faschismus.

Zum ersten Mal seit seinem Bestehen nahm sich das Bündnis gegen Krieg und Faschismus am gestrigen Freitag die Zeit, auf die zurückliegenden Aktivitäten zurückzublicken. Ging es in den vorangegangenen Treffen immer darum, teilweise unter Zeitdruck, die nächste Aktion zu planen, konnten wir uns dieses Mal den „Luxus“ erlauben, in Ruhe den Antikriegstag, die Protestdemonstration gegen ProNRW und die Gedenkveranstaltung auf der Wanner Straße 119 am 9. November zu reflektieren. Die erfolgreiche Blockade der neofaschistischen „Die Rechte“ am 1. Mai 2015 an der Stadtgrenze, gemeinsam mit anderen demokratischen Kräften, war ebenso wie die erfolgreiche Begleitung der AfD-Infostände kein Thema. In beiden Fällen war die Zufriedenheit mit unserem Erfolg offensichtlich.

Unsere Gedenkkundgebung vor dem Haus Wanner Straße 119, wo wir, während der „Schweigezug“ der „Demokratischen Initiative“ (DI) weiterzog, an die Familie Schönenberg und die Ereignisse in der sogenannten „Reichskristallnacht“ erinnerten und daraus Schlüsse für die Gegenwart zogen, wurde insgesamt als Erfolg gewertet. Der Offene Brief, den die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) an den Oberbürgermeister und Schirmherrn der DI, Frank Baranowski, geschrieben hatte, hatte in Verbindung mit der öffentlichen Wirkung dazu geführt, dass die Abschlusskundgebung nicht mehr am Nazi-Schwert stattfand, so dass auch wir an der Abschlusskundgebung, die auf den Alten Jüdischen Friedhof verlegt worden war, guten Gewissens teilnehmen konnten.

Auch im nach hinein wurde noch Kritik aus den Reihen der DI selbst an der nicht stattgefundenen Diskussion über die Route laut. Aus Gesprächen wissen wir, dass die stille Zustimmung an unserer Kritik größer war, als die tatsächliche Zahl der Teilnehmer unserer Teilveranstaltung vermuten lässt. Die Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken nutzten im Unterschied zu uns die Veranstaltung der DI am Nazi-Schwert, um dort mit einem Transparent Kritik zu äußern. Auf der Tagesordnung bleibt, nicht bei der angeblichen „Neu-Kontextualisierung“ des Nazi-Schwerts durch die DI stehen zu bleiben, sondern aus dem Denkmal in Verbindung mit weiteren künstlerischen Installationen tatsächlich ein „antifaschistisches Gesamtkunstwerk“ (VVN-BdA) werden zu lassen. Die textbasierten Bestandteile der „Neu-Kontextualisierung“ können dafür nur ein erster Schritt sein.

Teilweise kritisch wurde der Erfolg der Protestveranstaltung gegen die sogenannte „Mahnwache“ von ProNRW am 31. Oktober auf dem Bahnhofvorplatz gesehen. Unsere Kundgebung war viel zu sehr auf uns selbst gerichtet und viel zu wenig auf die akustische Störung der Kundgebung von ProNRW. Hier wurde für die Zukunft zum Beispiel der verstärkte Einsatz lauter Sprechchöre, der Einsatz von Trillerpfeifen etc. vorgeschlagen.

Breite Kritik, die vor allem Selbstkritik an unserer gemeinsam durchgeführten Veranstaltung war, wurde an der Kundgebung zum Antikriegstag am 1. September auf dem Preuteplatz laut. Kritisiert wurde unter anderem die äußere Form, die wenig ansprechend auf die breite Bevölkerung wirkt. Kritisiert wurde auch, dass der Bündnis-Charakter in der Außenwirkung dadurch verloren geht, dass die einzelnen Parteien und Organisationen überdeutlich wahrnehmbar sind. Als Erfolg ist in jedem Fall zu werten, dass wir die Veranstaltung seit nunmehr fünf Jahren durchführen, ohne dass es zu Zerwürfnissen gekommen ist. Wir wollen an einer gemeinsamen, öffentlichen Bündnis-Veranstaltung festhalten und uns für die Vorbereitung des nächsten, gemeinsamen Antikriegstages mehr Zeit nehmen und bereits im März 2016 mit der Vorplanung beginnen. Auch der Kontaktversuch zum Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), der seit zwei Jahren wieder eine eigene Veranstaltung durchführt, soll fortgesetzt werden.

In rund drei Stunden konnten wir am gestrigen Freitag fast alle wichtigen Fragen besprechen. Verschieben mussten wir nur einmal mehr das Thema Flüchtlinge in Gelsenkirchen. Doch hier gilt, wie bei allen Themen: Verschoben ist nicht vergessen!

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