Archiv für den Monat Dezember 2014

Notizen aus dem Alltag – Neulich in der Pommesbude …

Plakat der VVN-BdA zur NonNPD-Kampagne

Plakat der VVN-BdA zur NonNPD-Kampagne

Alle Welt spricht ja derzeit von PEGIDA, den selbsternannten „Patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Bezeichnend für diese Bewegung, die man mit Hannah Arendt durchaus als Mob bezeichnen kann, ist, dass sie den größten Zulauf in einer Region hat, in der es Deutschlandweit die wenigsten Migranten und Asylbewerber gibt und die besten Wahlergebnisse für braune Parteien. In Dresden, wo das Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung beheimatet ist, und zugleich in einer Stadt, in der antifaschistischer Protest gerne kriminalisiert wird, demonstrierten am Montagabend 15.000 Leute mit dumpfen Parolen.

Anders sieht es hier im Ruhrgebiet aus, das aufgrund der Industrialisierung aus geschätzten 99 % Menschen mit Zuwanderungsgeschichte besteht. Dies betrifft zum Beispiel auch meine eigene Familie: Meine Großmutter väterlicherseits stammt, so will es die Familienüberlieferung, aus Ostwestfalen, meine Mutter stammt aus Oberschlesien und kam erst nach dem Zweiten Weltkrieg über Bottrop nach Gelsenkirchen. Sieht man sich die hier verbreiteten Namen an, so gibt es viele mit polnischen Ursprüngen (z.B. Baranowski) und seit den 1970er Jahren auch viele mit türkischen Wurzeln.

Bei einem kürzlichen Besuch in meiner Lieblingspommesbude brachte ich als kleine Provokation das Gespräch darauf, dass es ja kaum noch „Deutsche Pommesbuden“ gibt, sondern überwiegend Dönerläden. Die Mutter des Inhabers reagierte jedoch völlig entspannt und ohne rassistische oder ausländerfeindliche Stereoptypen, sondern ergänzte nur mit dem Bericht eines weiteren Kunden und mit ihren Essgewohnheiten im Urlaub an der Nordsee. Stolz erzählte sie, wie lange es ihre Pommesbude schon gibt. In ihren Worten war keine Aufregung, keine Fremdenfeindlichkeit und kein Ressentiment zu spüren. Von dieser Haltung könnte sich so mancher Politiker eine Scheibe abschneiden. Schön, dass es das gibt. Da gehe ich gerne wieder hin!