Geschichte vor der Haustür

stolpersteinBereits seit 2005 hat sich die damalige PDS und spätere DIE LINKE im Rat der Stadt dafür stark gemacht,„Stolpersteine für Widerstandskämpfer“ in Gelsenkirchen einzusetzen. Das bereits in vielen Städten im In- und Ausland bekannte Erinnerungsprojekt des Künstlers Gunter Demnig sieht vor, das die in das Pflaster eingelassenen Steine mit kurzen biografischen Angaben an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern. „Stolpersteine“ heißen sie nicht, weil man buchstäblich darüber fällt und sich weh tut, sondern weil man aufmerksam wird, wie (räumlich) nah die (zeitlich) ferne Geschichte doch ist.

Drei Namen werden seit 2006 vorgeschlagen:

Erich Lange, ein junger Antifaschist, gilt als erstes Opfer der Nazis in Gelsenkirchen.
In dem in einem Kurs der VHS 1979/81 entstandenen „Beispiele der Verfolgung und des Widerstands in Gelsenkirchen“ wird sein Schicksal als Antifaschist beschrieben, der den Hass der Nazis in besonderem Maße deshalb auf sich gezogen hatte, weil er vor 1932 Mitglied der SS und ab 1932 Mitglied im Kampfbund der Antifaschisten war.
Erich wurde in der Nacht vom 21./22.3.1933 nach einem Fackelzug der SS, der als Siegeszug für den Wahlsieg bei den Stadtparlamentswahlen, in denen die NSDAP 40 % erreichte, viehisch misshandelt und totgeschlagen. Der Tatort war Am Rundhöfchen, wo auch der Stolperstein eingelassen werden soll.

Paul Bukowski, Bergmann auf der Zeche Zollverein und Mitglied der KPD, wohnte in der Zollvereinstraße 4. Paul schloss sich 1943 der Zielasko-Widerstandsgruppe an, die im gleichen Jahr von der Gestapo aufgedeckt und deren insgesamt 44 Mitglieder verhaftet wurden. Paul Bukowski wurde im August 1944, zusammen mit Fritz Rahkob zum Tode verurteilt und hingerichtet. Der Stolperstein soll am Ort des ehemaligen oder noch bestehenden Wohnhauses verlegt werden.

Charles Ganty aus Charleroi in Belgien wurde 1940 als Zivilarbeiter nach Deutschland dienstverpflichtet und war ab Januar 1941 Arbeiter auf der Zeche „Nordstern“. Wegen Arbeitssabotage von der Gestapo zunächst in ein „Arbeitserziehungslager“ eingewiesen, nach Verpflichtung zu politischem Wohlverhalten entlassen und wegen kritischer Äußerungen am 31.08.42 erneut festgenommen, wurde er am 21.05.43 vom „Volksgerichtshof“ zum Tode verurteilt und am 7.9.43 in Plötzensee ermordet. Als Ort für den Stolperstein von Charles Ganty haben wir uns den Eingang zum Gelände des Nordsternparks gedacht.

Die Stolperstein-Patenschaft für Erich Lange hat die Gelsenkirchener VVN übernommen, die Patenschaften für Paul Bukowski und Charles Ganty hat Die Linke Alternative übernommen.

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2 Gedanken zu „Geschichte vor der Haustür

  1. Knut

    Ergänzung: Die PDS (später DIE LINKE, jetzt Die Linke Alternative) im Rat der Stadt hatte gegen das städtische Konzept der Erinnerungsorte und für die Verlegung von Stolpersteinen argumentiert. Leider hatte sich die Mehrheit im Rat der Stadt für die Errichtung von Erinnerungsorten durch die Stadtverwaltung bzw. das Institut für Stadtgeschichte entschieden und die Verlegung von Stolpersteinen auf private Initiativen verwiesen.
    Andreas Jordan hat sich dann der Stolpersteine in Gelsenkirchen angenommen, Kontakte zu Überlebenden und zum Künstler Günter Demnig hergestellt sowie Spenden eingesammelt. Wie die WAZ heute berichtet, werden am 13. Juli die ersten Stolpersteine in Gelsenkirchen verlegt.

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